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Die Welt · 1908-07-10 · 27 (10.7.1908) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
27 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Geschäfte des Verbandes für das kommende Jahr. Als weitere Mitglieder des Landeskomitees wurden mittels geheimer Wahl,, nominiert: Dr. Levy-Biel, Moritz Levy-Liestal, J. J. Weil-Basel und *S. Bollag-Heumann-Winterthur. Das L. C. hat das Recht, noch einzelne Herren zu kooptieren. Die Kontrollstelle übernimmt die Z. V. in Basel. Noch wurde das Budget aufgestellt und beschlossen, verschiedene Aktien von dem Überschusse zu erwerben, worauf der Tagespräsident die Versammlung schloß. Die Verhandlungen waren äußerst anregend. Unter der umsichtigen Leitung des Vorsitzenden wurden alle Traktanden möglichst rasch, ohne Weitschweifigkeit und Wortgeplänkel, abgewickelt. Mitteilung des Hauptbureaus des „Vereins Ölbaumspende" (E. V.) 1. Unser Verein „Ölbaumspende" (E. V.), der sich die Bepflanzung Palästinas mit fruchttragenden Bäumen, besonders mit dem in Palästina alteinheimischen Ölbaume, zur Aufgabe macht, kann seinen Mitgliedern und Spendern mitteilen, daß die bisherigen Anpflanzungen des Vereins in Palästina sich recht gut entwickeln. Auf dem von Herrn Goldberg in Wilna dem Jüdischen Nationalfonds geschenkten Terrain in Chedera sind 110 Dunam im Frühjahr 1907 mit Oliven bepflanzt worden. Die Bäumchen sind so gut gewachsen, daß im Frühjahr 1908 bereits der größere Teil derselben gepfropft werden konnte. In Lydda hat der Verein eine Baumschule angelegt, aus der das Pflanzmaterial für den Herzlwald gewonnen werden soll. Anch der Stand cieser Baumschule ist sehr befriedigend. 2. Ferner erlauben wir uns mitzuteilen, daß der Vorstand unseres Vereins in seiner Sitzung vom 26. Juni beschlossen hat, behufs Aufnahme einer umfassenden Propaganda sowie pünktlicher Versendung der Diplome und Quittungen vom 1. Oktober d. J. an eine besondere Sekretärin anzustellen. Es hat sich nämlich gezeigt, daß es dem Personal des Palästinaressorts, das seit Januar von der Agitation für die P. L. D. C. sehr in Anspruch genommen ist, unmöglich ist, die umfangreichen schriftlichen Arbeiten unseres Vereins pünktlich zu erledigen. Die rückständigen Diplome und Quittungen für die Zeit von Januar bis Oktober d.J. ■werden daher den Spendern erst im Oktober zugehen. Der Vorstand des Vereins „ölbaumspende" (E. V.) gez. O. Warburg. Sämtliche Parteiblätter werden um Abdruck vorliegender Mitteilung gebeten. ^CHRICHT^F^^j Palästina (Originalbericht) Besuch des Paschas in Rischon Jerusalem, 26. Juni: Vor einigen Tagen kehrte der hiesige Gouverneur von seiner Inspektionsreise über Beer-Seba, Gaza und Jaffa in die Hauptstadt zurück. Auf dieser Reise hat er auch in Begleitung des Jaffaer Kaimakams und mehrerer höherer Regierungsbeamten unsere Kolonie Rischon l'Zion besucht Der Pascha wurde auf dem Wege nach Rischon von zehn berittenen Kolonisten erwartet und feierlich nach der Kolonie begleitet, wo er in arabischer Sprache begrüßt wurde. Er begab sich hierauf in die Synagoge und sodann in die Schule der Kolonie und wohnte dem Unterrichte der hebräischen und arabischen Sprache bei; den Lehrern sprach er seine Anerkennung für ihre Leistungen aus. Zu Ehren der Besucher wurden von den Kindern die türkische Hymne und hebräische Lieder gesungen. Nachdem. der Pascha die Kolonie besichtigt hatte, wurde er mit den andern Beamten zu einem Festmahl im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Kolonie, an dem die Gemeindeältesten teilnahmen, eingeladen. Zunächst wurde in türkischer Sprache ein Toast auf S. M. den Sultan ausgebracht und sodann in einer längeren französischen Ansprache ein Rückblick auf die Entwicklung der Kolonie geworfen. Als die ersten schändlichen Judenverfolgungen im Zarenreich im Jahre 1882 ausbrachen, wandte sich eine Schar aufopferungsvoller junger Männer nach dem heiligen Lande und fand hier eine menschenfreundliche Aufnahme, die dem Türkischen Reiche nie vergessen werden soll. Die Entwicklung und bedeutende Wertsteigerung des Landes durch die jüdischen Kolonien hat bewiesen, daß das Vorgehen der Regierung auch dem Lande sehr großen Nutzen gebracht hat.' Der Pascha dankte in höflichen Worten für die Aufnahme und versprach, die Kolonie nach Möglichkeit in ihrer Entwicklung zu fördern. Das jüdische Technikum Jerusalem, 25. Juni: Es verlautet hier, daß der „Hilfsverein der Deutschen Juden" den endgültigen Beschluß gefaßt hat, die technische Schule in Haifa zu begründen und nächstens das Terrain für diesen Zweck dort anzukaufen. Die Jerusalemer Bevölkerung fühlt sich natürlich durch diesen Beschluß sehr unangenehm betroffen. Küstenbahn Beirut-Haifa Wie verlautet ist eine Konzession für die Kleinbahn Beirut- Haifa erteilt worden, und zwar an dasselbe Syndikat, das auch die Straßenbahn in Beirut unternommen hat. Von anderer Seite wird berichtet, daß die Konzession für die ganze Strecke Beirut- Jaffa verteilt sei, daß aber vorerst nur die Strecke Beirut-Saida- Haifa in Angriff genommen werden soll. Die Aussichten dieser Linie werden hier zunächst skeptisch beurteilt Sie muß die billige Konkurrenz der Küstenschiffahrt aushalten und kann außer auf der kurzen Strecke Beirut-Saida kaum auf irgendwelche Massentransporte rechnen, da bedeutende Ortschaften an der Küste nicht vorhanden sind. Ein allrussischer Pogrom Aus Kischinew kommt eine bedenkliche Nachricht: Kruschewan, der „geistige" und organisatorische Urheber des fürchterlichen Pogroms von 1903, lebt noch immer, obwohl es schon längere Zeit keine Pogrome gibt Und er betreibt sein Handwerk in noch schlimmerer Art. Was sein blutrünstiges Blatt „Drug" in der letzten Zeit an Hetzartikeln leistet, ist kaum wiederzugeben. Denn er mahnt die Bevölkerung zu „großen" Taten; er möchte sich nicht „mit Kleinigkeiten wie Kischinew die Finger bespritzen", er fordert einen allrussischen Pogrom. Wenn man bedenkt, daß diese mörderische Wühlarbeit im finsteren Bessarabien vor sich geht, wird man begreifen, welche schweren Tage die Juden von Kischinew wieder durchmachen. Man hat allen Anlaß, an Kruschewans Zurechnungsfähigkeit zu zweifeln. Denn neuerdings hat er seine Mannen zu einer Beratung berufen — über die Frage, wie man Rumänien entgegentreten solle, wenn es sich anschicken werde, Bessarabien wieder an sich zu bringen. Und auch ein bestimmter Verteidigungsplan wurde für die Verbändler ausgearbeitet. Ist es nicht scherzhaft? Indes es gibt keine Tollheit in Rußland, , die nicht ihre Früchte trägt! Und jede Agitation wirkt irgendwo im bessarabischen Volke, das ja vor jeder verständigen Lektüre ängstlich behütet wird. Der Riesenpogrom in allen russischen Städten, den Kruschewan, von den Behörden unbehelligt, predigt, wird unter den augenblicklichen Verhältnissen nicht ausbrechen können. Nicht überall werden heute die hohen Gönner der Pogromorganisation soviel „Hooligans" zur Verfügung haben wie vor zwei Jahren. Aber das unwissende, in stumpfem Gleichmut hinbrütende Volk wird an vielen Orten immer eine Beute gewissenloser Agitatoren bleiben. In zahlreichen Gebieten des Reiches steht eine Hungersnot vor der Tür und damit die Gefahr von Ausbrüchen der Massenleidenschaften. Nie kann man wissen, ob nicht auch die Verantwortlichen in Rußland wieder einmal in einem Pogrom eine willkommene Ablenkung sehen würden. So lange sie Kruschewan nicht einsperren, Dubrowin nicht verfolgen und mit den Begnadigungen verurteilter Pogromhelden fortfahren, ist keine Gewähr gegeben, daß die blutigen Greuel von Bialystok die letzten in der Geschichte dieses übelr gierten Landes sind. Dr. Golds Volksfreundlichkeit Der Polenklubsjude Dr. Gold, der Abgeordnete der Stadt Zloczöw, wollte dem Geiste der Zeit einige Konzessionen machen. Er ist Allpole, wollte jedoch auch den Beweis erbringen, daß er zwar polnischnationaler, aber immerhin Demokrat ist In seiner Budgetrede befaßte er sich mit Fragen der Volkshygiene — er scheint Arzt zu sein — und mit der Zuckersteuerermäßigung, die zwar vom Parlament beschlossen, von dem Finanzminister Dr. v. Korytowski, Mitglied des Polenklubs, verhindert wurde.- Herr Dr. Gold erklärte nun, daß der Zucker kein Nahrungs-, sondern Luxusgegenstand ist Die Steuer braucht also nicht herabgesetzt zu werden.' Der gelehrte Abgeordnete überzeugte sich nun zu seiner und aller seiner Freunde Verwunderung, daß seine Rede nicht nur von Journalisten, die dazu halt verurteilt sind, sondern auch von einem Arzte gelesen wurde. Herr Prof. Kassautitz machte Abg. Dr. Gold aufmerksam, daß der Zucker just ein Nahrungsmittel ist dessen der menschliche Organismus ebensowenig entbehren kann, -wie aller anderen Kohlehydrate. Mit Abg. Dr. Gold

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