Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 27 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Ad. 3 begrüßt Redner die Begründung des Palästinaamtes. Ad. 4 befaßte er sich eingehend mit den Gründungen der Palästinakommission und anderer Körperschaften in Palästina, wie: Industriesyndikat, Bezalel, Kreditinstitute, Pflanzungsverein, Ölbaumspende usw. Ad. 5, Palästinaagitation beklagt Redner den Mangel wirklich geeigneten Agitationsmaterials. Es müsse solches beschafft werden, besonders eine Agitationsbroschüre, ein Lichtbildervortrag usw. Palästinakurse müssen abgehalten und womöglich ein zionistischer Palästinaverein gegründet werden, dessen reichere Mittel größere Aktionen wie Palästinareisen fundiere*h würden. Das Interesse für Palästina wächst auch bei Nichtzionisten, es muß bei Zionisten in viel höherem Grade erweckt werden als bisher. Machen Sie, schließt Redner, den „Palästimsmus" zum Mittelpunkt Ihres Zionismus, dann werden Sie ihn fest verankert haben, dann wird auch Ihr Blick sich weiten und Sie werden dann kleineren Differenzen, die uns oft auseinanderbringen, keine übertriebene Bedeutung beilegen. Sie werden die relative Nichtigkeit der ganzen Arbeit im Golus erkennen. Und das wird sehr heilsam sein. (Lebhafter Beifall.) In der darauffolgenden Debatte sagt Dr.-Werner. (Iglau), die Liste der verschiedenen zionistischen Palästinagründungen sei schon eine allzu große. Was die P. L. D. C. betrifft, so sei er nur dann für sie, wenn Gewähr geboten wird, daß sie ihr Land stets nur in Pacht gebe, nicht aber verkaufe und dadurch Privatgrundbesitz schaffe, wodurch alle Schäden des Kapitalismus nach Palästina getragen würden. Dr. Emil Marguli es ist auch für praktische Arbeit, aber nur insoweit, als sie als politische aufgefaßt werden kann. Was die P. L. D. C. betrifft, so schließt er sich der Resolution Dr. Werners an. Das Land dürfte nur in Pacht oder Erbpacht gegeben werden. Dieses Prinzip sei beim Nationalfonds festgelegt worden, und an ihm dürfe nicht gerüttelt werden. Redner warnt davor, die Arbeit des Hilfsvereins in Palästina feierlich anzuerkennen. Daß diese Arbeit augenblicklich in unserem Sinne geleistet wird, ist nur das Verdienst eines Mannes und beruht nicht auf dem Programm des Hilfsvereines. Eine Anerkennung von zionistischer Seite könnte da nur schaden. Eine andere Leitung des Hilfsvereines könne den jetzigen Kurs wieder verlassen. Um aber die nationale Erziehung in Palästina von solchen Zufälligkeiten unabhängig zu machen, empfiehlt Redner die Gründung eines zionistischen Schulvereines für Palästina, für die er sich warm einsetzt Für Schukwecke würde man auch von Nichtzionisten Gelder erlangen. Er schlägt eine Resolution vor, in welcher vom Z.-K. verlangt wird, aie Frage einer solchen Gründung zu studieren. Steiner (Teplitz) tritt für die P. L. D. C. ein. Dr. J. Margulies und der Referent treten für die Annahme der vorgelegten Anträge und Resolutionen ein und verwerfen alle Amendements. Die Abstimmung ergab die Annahme aller in. der vorigen Nummer bereits angeführten Resolutionsanträge. Die Resolution Dr. Emil Margulies (bezüglich eines Palästinaschulvereines) wird dem Z.-K. überwiesen. Dr. J. Margulies macht dem Parteitag die Mitteilung, daß das Zentralkomitee das Budget des Zentralbureaus mit-2100 K. festgesetzt habe. Die Distriktskomitees haben sich verpflichtet, je 700 K. dem Z.-K. zur Verfügung zu stellen. Der Parteitag nimmt die Vereinbarung zur Kenntnis. Auf Antrag des Del. Dr. Zweig wurde zum Punkt „Nationalfonds" folgende Resolution (als Anregung) angenommen: „Der westösterreichische Parteitag richtet an Herrn Johann Kremenetzky als einen der Direktoren des Nationalfonds das höfliche Ersuchen, seine bewährte Arbeitskraft dem Dienste des Nationalfonds und seiner österreichischen Sammelstelle wieder zu widmen." Dr. J. Margulies teilt noch mit. daß die Mitglieder des A..-C. für Westösterreich den Sitzungen des Z.-K. wieder beigezogen werden. Das Zentralkomitee hat die Einsetzung einer Pal äst in akommission mit den Herren Böhm und Dr. Emil Margulies an der Spitze beschlossen. Die Leitung des Zentralbureaus wird dem Obmann des Z.-K und Aktionskomiteemitglied Böhm anvertraut . Vorsitzender Bechert schließt den Parteitag, indem er seiner Genugtuung über den würdigen Verlauf der Verhandlungen Ausdruck gibt O ([□□□□□□ FEUILLETON □□□□od)o —---O o FINSTERNIS Aus dem Jüdischen des M. Silburg*) (Fragment.) --Angstlich schmiegt sich die erschreckte Nacht an die Fenster . . . Ein schwarzer, stummer Gedanke stiert wie ein erkaltetes Auge durch die Fenster ins Zimmer .... Die Stille in der Gasse ist unheimlichseltsam'. . . Eine vibrierende, merkbar wache Stille . . . So als zitterten und pochten in der dichten Finsternis wache, unruhige Herzen . . . Etwas geschieht, etwas bereitet sich vor . . . Wie in der Tiefe einer unterirdischen Folterkammer ist es, etwas Ersticktes, Wortloses, Schauerliches . . . Jedes Rascheln ein Stöhnen, jedes Zittern ein Herzensschrei. Tagsüber war zwar das Gerücht auch schon da . . . Doch man glaubte nicht daran . . . Die Herzen nahmen es nicht auf. . . Zitternd, von einem zum andern eilend, hat sich das Wort verloren in den lichten Wellen des Tages . . . Aber zugleich mit der Nacht ist es herangerückt, eisigkalt und ist erstarrt zu einem schwarzen, hohl glotzenden Schreckbild . . . Um zwei Uhr . . . Die Glocken werden läuten . . . Weh Euch! . . . Weh Euch! Die blaue Kugel der Lampe ließ einen tiefen Schatten gleich einer schwarzen Altardecke über die vordere *) Probe aus den in Wilna erscheinenden „Literarischen Monatsschriften", die wir unseren Jüdisch lesenden Freunden angelegentlich empfehlen. Die Red. Hälfte der Stube fallen. Einzelne Gesichter waren ganz in Schatten gehüllt, die anderen traten bleich aus dem Halbdunkel hervor. Aus dem zweiten Zimmer, dessen Türe offen stand, hört man die langsamen, unregelmäßigen Schritte des Vaters. Es ist, als läge zwischen einem Schritt und dem zweiten ein Abgrund".... Und in diesen Abgrund versank alles, alles . . . . Eine wehe Stille umschwebte jeden und jedes . . . Jetzt, jetzt, so fühlt man, muß ein tiefer Wehschrei sich dem Herzen entringen ... ~ Gebrochen, den Kopf in die Hände gestützt, sitzt die gealterte Mutter da, neben ihr, ohne Gedanken, wie eine Ohnmächtige, die Tochter, — abgesondert von ihnen, wie Fremde, sitzen in . einem Winkel, beleuchtet von der Lampe, die beiden Brüder, aufgeregt und unruhig ... In beider Augen spielt es seltsam, als. hätte sich in diese Augen von irgendwoher ein geheimes Glänzen verirrt. Der Jüngere, beinahe noch ein Knabe, siebzehnjährig, mit blauen Augen, ist erfaßt von Ungeduld Jeden Augenblick erhebt er sich und wirft einen Blick durchs schwarze Fenster, so als wäre er in der Gewalt von jemand da draußen.