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Die Welt · 1908-07-10 · 27 (10.7.1908) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
27 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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kommission und der privaten deutschen und polnischen Landbanken verfahren wird. Die Reduzierung des Betriebes im ersten Jahr ist hauptsächlich auf die vorgerückte Jahreszeit zurückzuführen, und das von unserer Gesellschaft vorläufig unbebaut bleibende Terrain wird nur auf eine ganz kurze Frist an bereits ansässige jüdische Kolonisten verpachtet die in der Nachbarschaft unseres Gutes eigene Besitzungen und Häuser haben. Die Erweiterung des Betriebes derv Lehrfarm wird voraussichtlich schon im nächsten Jahre erfolgen. Auch die Stellungnahme des Arbeiterverbandes „Hachoresch" aus Sedjera zu unserm Unternehmen hat absolut nichts mit unsenn Arbeitsplan zu tun, weil die Kritik der Arbeiter hauptsächlich, auf ihren Erfahrungen in Sedjera, wo der Boden bekanntlich ein viel schlechterer ist, basiert, während es sich in unserm Falle um einen außerordentlich fruchtbaren Boden handelt Die Ziffern der Arbeiter für Brücken- und Häuserbauten sind für uns ebenfalls nicht maßgebend, weil wir vorläufig nur wenige Bauten vornehmen werden, während der Bau der Brücke erst einer spätem Zukunft vorbehalten bleibt und fürs erste gar nicht in Betracht kommt Hierbei möchten wir zu Ihrer Orientierungbemerken, daß man die Rentabilität landwirtschaftlicher Betriebe weder in einem noch in zwei Jahren feststellen kann, da hierzu Erfahrungen vieler Jahre erforderlich sind. Was nun das Angebot der Chersoner Kolonisten und Bergjuden anbelangt, so haben wir bereits längst unsere Bedenken gegen die Verpachtung des Nationalfonds-Gutes (von „Ländereien" kann beim Nationalfonds überhaupt noch nicht die Rede sein, weil er nur ein einziges, zur Besiedlung in Betracht kommendes Gut besitzt) an genannte Reflektanten geäußert Wir haben nämlich die nur allzusehr begründete Befürchtung ausgesprochen, daß, wenn der Nationalfonds sein Gut den betreffenden Bewerbern in langfristige Pacht übergibt er es wahrscheinlich nie wieder zurückbekommen, wird. Denn es ist wohl kaum anzunehmen, daß Leute, die 12 oder 15 Jahre auf einem der „Gesamtheit" ger hörenden Gute wohnen und inzwischen eigene Häuser errichtet haben und das Land durch Kultur und Pflanzungen verbessert haben, nach Ablauf der Pachtfrist ohne weiteres ihren bisherigen Wohnsitz aufgeben würden. Aber selbst im besten Falle müßte wahrscheinlich der Nationalfonds nach Ablauf des Pachtvertrages die Häuser und Pflanzungen der Pächter übernehmen, obwohl er möglicherweise zu jener Zeit hierfür gar keine Verwendung hätte. Übrigens werden wir von befreundeter Seite darauf aufmerksam gemacht, daß die Vertreter der Bergjuden, die im vorigen Jahre Palästina bereisten, auf die wenigen palästinensischen Fachleute den Eindruck von erfahrenen Landwirten gar nicht gemacht haben, wozu noch hinzukommt, daß die klimatischen und agrikulturellen Verhältnisse ihrer Heimat von denjenigen der Jordanniederung grundverschieden sind. Doch wie es sich auch mit der landwirtschaftlichen Tüchtigkeit und Akklimatisationsfähigkeit der Bergjuden verhalten mag, sind sie gewillt und bereit nach Palästina zu übersiedeln, und besitzen sie wirklich genügend Mittel zum Hausbau, Anschaffung des Inventars und Bestreitung der Betriebskosten, so glaube ich, daß bei einmütigem Zusammengehen der in Betracht kommenden Faktoren, insbesondere der Geulah und Ihrer Gesellschaft, sich auch andere Mittel und Wege finden ließen, um das nötige Land zu kaufen; . und ebenso und vielleicht mit noch besseren Chancen ließen sich die Chersoner Bewerber in .Palästina ansiedeln. Auch die P. L. D. C. könnte für die Bittsteller das Land kaufen und zur Besiedlung vorbereiten, wenn sie schon jetzt über die nötigen Mittel verfügen würde; aber Sie tragen ja die größte Schuld daran, daß wir diese Mittel noch nicht besitzen, denn Sie waren ja der erste, der in Ihrem Organ „Haschiloach" die Prosperität der zu gründenden Gesellschaft in Zweifel zog. Um schließlich auf die Frage des Agrarkredits einzugehen, so sind Sie im Irrtum, wenn Sie glauben, daß die P. L. D. C. diesen Punkt gänzlich ausgeschaltet hat — Unsere Gesellschaft wird an die zukünftigen, aus ihren Zöglingen hervorgehenden Pächter und Besitzer wohl Kredite gewähren müssen, und dies auch tun, soweit sie es geschäftlich wird verantworten .können. Dagegen wäre es meines Erachtens vollständig verfehlt wenn sie auch Fernstehenden Kredite einräumen würde. Letzteres wäre vielmehr Aufgabe einer besondern Agrar-Kreditinstitution, deren Gründung der Zukunft vorbehalten bleibt Übrigens gibt es noch viel dringendere Institutionen',, die zur Hebung der palästinensischen Landwirtschaftr ohne Versäumnis geschaffen werden müßten. So schreibt z. B. der bekannte Landwirtschaftler, Herr Dr. Lothar Meyer, der vor kurzem Palästina studienhalber besucht hat in seinem Berichte über „Die jüdischen Kolonien um Jaffa" folgendes: Es ist m. E. hohe Zeit, die vielen, infolge des Fehlens zielbewußter und tatkräftiger Instruktion und Direktion eingetretenen Versäumnisse gut zu machen." Nach Ansicht dieses allgemein anerkannten Fachmannes bedarf es also vor allem der Einführung einer Instanz, welche landwirtschaftliche Direktiven zu geben versteht Ebenso ist nach Meinung des genannten Fachmannes die Errichtung der landwirtschaftlichen Versuchsstation etwas sehr Dringendes und ungemein Wichtiges, also wiederum einer Institution, die die Gegner der P. L. D. C. erst unlängst als etwas Überflüssiges und bestenfalls Verfrühtes bezeichnet haben. Daraus allein kann der objektive Beobachter ersehen, welche weite Kluft uns von den Anschauungen unserer Opponenten trennt Indem ich diesen Briefwechsel hiermit schließe, gebe ich der Erwartung Ausdruck, daß die Zukunft unsere Gegner eines Bessern belehren wird. Hochachtungsvoll gez. O; War bürg Die Ergebnisse des Bränner Parteitages Die Brünner Tagung der westösterreichischen Zionisten ist in vielen Beziehungen bemerkenswert Während die gefaßten Beschlüsse alle Spuren eines Kompromisses an sich tragen, das offenbar unter dem Drucke der böhmischen Zionisten abgeschlossen wurde, werden dem aufmerksamen Beobachter Entwicklungstendenzen sichtbar, die uns den nahenden Sieg der Richtung verkünden, die sich bei diesem Parteitag zu Konzessionen verstanden hat . Wir haben hier hauptsächlich den Beschluß im Auge, jede innerpolitische Wirksamkeit aus dem Tätigkeitsbereich des geschaffenen Verbandes auszuschalten. Es hieße den nichtböhmischen Zionisten Unrecht tun, wollten wir behaupten, daß der Beschluß eine erzwungene Konzession ist Ganz und gar nicht! Die „Politik" wurde so ziemlich einmütig einer Sonderorganisation überlassen. Allein das Problem — soll der Zionismus Landespolitik treiben oder nicht —■ wurde damit nicht gelöst Alle Anzeichen sprechen dafür, daß es auch in Westösterreich zu derselben Gestaltung und Entwicklung kommen wird, wie im Osten, in Rußland und Galizien. Es ist keine bloße Vermutung. Der Parteitag, der einen Tag vorher die Landespolitik als einen Bestandteil der zionistischen Aktion verworfen hat, hörte mit Interesse zwei Referate über die „wirtschaftliche Gegenwartsarbeit" an. Wir sehen, die Schlag- und Umlaufworte aus der „Hebungsarbeiten"-Zeit des Zionismus zu "neuem Leben auferstehen. Überall, wo jüdisches Massenleben pulsiert, ist jedoch inzwischen die „Gegenwartsarbeit" zur Landespolitik .und zur politischen Zusammenfassung der jüdischen Volksmassen emporgewachsen. Der westösterreichische Zionistentag zwingt den neugeschaffenen Verband in ein Organisationsgebilde und in einen Arbeitsrahmen aus der Zeit des vierten Kongresses. Das soll weder Lob noch Tadel sein. Wir werfen nur die Frage auf, ob die im Osten vollzogene Entwicklung in Westösterreich stillstehen kann und wird. Herr

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