Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 27 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316296-3316324--50817-3378118- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Professor, der-Sie ja sehr gut wissen, welche schwierigen Kämpfe es gekostet hat, bis Ihr Standpunkt in der Organisation der siegende geworden ist, müßte es doch zu würdigen wissen, wenn Ihre näheren Gesinnungsgenossen . und -die eifrigsten Verfechter Ihres Standpunktes sich gedrängt fühlen, vor einem ihrer Ansicht nach unpraktischen Schritt, der im Falle des Mißlingens Wasser auf die Mühle der z. Z. zum Stillschweigen, gebrachten Gegner geben würde . und von ihnen als Argument gegen die praktische Palästinaarbeit überhaupt ausgespielt werden könnte, entschieden zu warnen. - Zum eigentlichen Inhalte Ihres werten Schreibens haben wir nur., wenig zu bemerken. Wir können Ihnen leider nur das bestätigen, was Sie selbst vorausgesehen haben, nämlich, daß unsere Bedenken durch Ihre Auseinandersetzung , nicht beseitigt worden sind (wobei wir freilich Ihre soziologische Erklärung der Divergenzen unserer Ansicht aus dem verschiedenen Milieu heraus als eine etwas gewagte Hypothese ansehen müssen). Zu einer Revision unseres Standpunktes sehen wir uns zurzeit um so weniger veranlaßt, als gerade jetzt eine solche seitens der Leitung der P. L. D. C. zu gewärtigen ist, indem nämlich, nach den vorliegenden Berichten aus Palästina, auf Veranlassung des Herrn. Dr. Ruppin,' der nunmehr die Angelegenheit an Ort und Stelle eingehend zu studieren Gelegenheit hatte, wesentliche Änderungen im Arbeitsplan der P. L. D. C. geplant werden sollen. So soll die Absicht bestehen, aus dem Nationalfondsland zu Daleika für das Lehrgut nur ca. 800 Dunam einzuräumen, während das übrige Land in langfristiger Pacht an Reflektanten, die die Mittel für Inventar und Gebäude besitzen, abgetreten werden sollten. Das Nationalfondsland soll also in der Hauptsache in der Weise utilisiert werden, die wir immer als die einzig rationelle betrachteten und dem Palästinaressort in bezug auf die jüdischen Kolonisten von Gouvernement Cherson zu wiederholten Malen vorschlugen. — Auch soll, wie uns berichtet wird, die Frage der Errichtung der Milchfarm, gegen die Herr Dr. Ruppin Bedenken habe, von neuem zur Erörterung gelangen. Zu einer Revision des Arbeitsplanes der P. L. D. C. dürfte des fernem auch die Stellungnahme der galiläischen Landarbeiterorganisation „Hachoresch" beitragen. Wie uns berichtet wird, hätten zwar das Komitee und die Zweigvereine der Organisation eine Resolution gefaßt, die die Gründung des Lehrgutes, und wenn es auch mit Defizit arbeiten müßte, begrüßt, das von der Company vorgesehene Budget aber als unzutreffend bezeichnet. und anstatt Francs 120 000 für Inventar und sonstige Aufgaben des ersten Jahres — Frcs. 250 000, anstatt Frcs. 13000 Jahresdividende ein Jahresdefizit von Frcs. 6000 in Anschlag bringt. Da nun Änderungen im Arbeitsplan der P. L. D. C. zu erwarten sind, so beschloß der Palästinarat, von der Veröffentlichung des von ihm ausgearbeiteten Memorandums über den Arbeitsplan der Company vorläufig Abstand zu nehmen und die weitere Entwicklung der Dinge abzuwarten. Aus diesem Grunde wollen auch wir abwarten, wie das Palästinaressort sich zu den Abänderungsvorschlägen stellen wird, ob und inwiefern der ursprüngliche Plan der P. L. D. C, dem wir nicht zustimmen können, reformiert wird. Im übrigen können wir vorläufig nur das wiederholen, was wir Ihnen bereits in unserem letzten Brief schrieben, nämlich, daß wir uns sehr freuen würden, wenn die Tatsachen uns zu einer Revision unseres Standpunktes Anlaß geben und unsere Befürchtungen sich als unbegründet herausstellen werden. — Da Sie, sehr'geehrter Herr Professor, für gut gefunden haben, durch die Publikation unseres Briefwechsels zur Klärung der Frage durch öffentliche Diskussion beizutragen, so erlauben wir uns, vorliegendes Schreiben in den nächsten Bulletins unseres Komitees zum Abdruck zu bringen. - Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß Gesellschaft zur Unterstützung der jüd. - - . Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina, gez. Präsident M. Ussischkin P. S. Wir haben uns in diesem Briefe bezüglich der Frage der Utilisierung des Nationalfonds-Landes auf unsern Briefwechsel, betreffend die Chersoner Kolonisten, berufen, unterließen es aber, andere ähnliche Fälle heranzuziehen. In ähnlicher Weise wie über die Chersoner Kolonisten standen wir mit den maßgebenden zionistischen Instanzen in Verhandlungen betreffs' einer Gruppe kaukasischer Bergjuden, die aus erfahrenen Bauern und Landarbeitern besteht und ein in jeder Beziehung vorzügliches Kolonisationselement bildet Von dieser Gruppe erhielten wir nun nach Schluß dieses Schreibens einen Brief, der am besten unsere Ansicht über die zweckmäßigste Utilisierung des Nationalfonds-Landes bestätigt Wir lassen hier diesen Brief in Abschrift folgen. (Hier folgt die Abschrift eines hebräischen Schreibens der Vertreter einer Gruppe von 25 Familien kaukasischer Bergjuden aus Station Batalpaschinskaja im Kubangebiet, datiert vom 26. Mai 1908. Die Leute betonen, daß sie seit mehreren Jahren sich darum bemühen, sich in Palästina niederlassen zu können, erinnern an ihre Beteiligung am 6. Kongreß (die Autoren des Briefes, M. Bogatyriew und S. Morduchajew, waren Delegierte des 6. Kongresses), wo sie sich ebenfalls in gleicher Richtung bemühten, ferner an ihre Reise nach Palästina, wo sie sich um einen geeigneten Landstrich umsahen, wobei ihre Wahl auf das Nationalfonds-Land zu Daleika fiel und sie sich deshalb beim Direktorium des Nationalfonds um Überlassung des Daleikalandes bewarben. In sicherer Erwartung eines günstigen Bescheides haben sie dann zum großen Teil ihr Hab und Gut veräußert, sich mit Auslandspässen versehen und zum Abreisen bereit gemacht während die übrigen sich anschicken, in einigen Monaten nach Palästina überzusiedeln. Die Autoren des Briefes weisen nun darauf hin, daß sich jetzt infolge des unerwarteten Ausgangs der Angelegenheit der Gemüter eine Verzweiflung bemächtigt hat und das Vertrauen in die zionistische Bewegung stark gesunken ist Sie weisen ferner darauf hin, daß die P. L. D. C. kaum die geeigneten Arbeitskräfte wird finden können, während ihre Gruppe aus erfahrenen Bauern und Landarbeitern bestehe, die auch über einiges Kapital verfügen und evtl. bereit wären, den Kaufpreis des Landes, bzw. den Pachtwert desselben sofort einzuzahlen, wie sie denn überhaupt ganz auf sich selbst angewiesen sein wollen und keiner Unterstützung bedürfen. Am Schlüsse bitten sie nochmals dringend, geeignete Schritte zu unternehmen, damit ihr Gesuch berücksichtigt wird. — Das Schreiben ist unterzeichnet von den Vertretern von 25 Familien kaukasischer Bergjuden, M. Bogatyriew, Präsident des Zionistenvereins, Salomon Morduchajew, Vizepräsident, und Josef Pinchassow, Sekretär desselben.) Berlin, den 3. Juli 1908. Uhlandstraße 175. Herrn Ing. M. Ussischkin, Odessa Sehr geehrter Herr! Aus Ihrem werten Brief vom 15. v. Mts. ersehe ich leider, daß Sie die Idee der P. L. D. C. noch immer nicht erfaßt haben. Wie aus dem Inhalt Ihres Schreibens hervorgeht, scheinen Sie noch immer der irrigen Ansicht zu sein, daß die Lehrfarm den Hauptzweck unserer Gesellschaft bildet während sie in Wirklichkeit doch nur den Anfang der Tätigkeit der P. L. D. C. darstellt Ihre Argumente gegen die P. L. D. C. habe ich bereits mit meinem ersten Briefe widerlegt und halte es daher für zwecklos, auf die einzelnen Punkte mit Heutigem nochmals einzugehen. Zur Vermeidung von Mißverständnissen muß ich indes erklären, daß von einer etwaigen Änderung des Arbeitsplanes der P. L. D. C. absolut keine Rede ist, da diese Gesellschaft, wie bereits wiederholt auseinandergesetzt nicht etwa neue Theorien erproben will, sondern nach dem bewährten System der preußischen Ansiedlungs-