Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 27 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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geschieht, wir müssen Vorsorge treffen, daß es in ein System, in unser System gebracht wird. Die Fehler des Chaluka- und Administrationssystems, die wir von anderen Gebieten her kennen, können sich in anderer Form auch hier wiederholen. Vor allem aber wird das Kulturwerk keinen Zug ins Große, keine Richtung ins Zionistisch-Politische bekommen, wenn wir ihm nicht seinen berechtigten großen Platz in unserem Plane anweisen. Die Gedanken eines Kulturressorts und eines Kulturfonds müssen endlich aus dem Geplanten Tatsache werden, — das wäre die erste äußere Form, die man nach einer klaren Erkenntnis und Bewertung des kulturellen Faktors zu schaffen hätte. Ober das Bildungswesen in Palästina ist auf unseren Kongressen manches gesagt, in unserer Presse auch manches ausführlicher geschrieben worden. Auf eines aber sei besonders hingewiesen, weil es am wenigsten erkannt wird: Es liegt in unserem höchsten Interesse, die Bildungsgrenze nach oben nicht zu niedrig zu spannen, vielmehr schon jetzt auf die Schaffung höherer Institute der Ausbildung und Bildung hinzuarbeiten. Die Einwände, die man gegen solche Forderung erhebt, rechnen eben auch nicht mit unserer exzeptionellen Position. Von allen anderen Beweggründen sei einer hervorgehoben, der mit der „Erschließung des Landes" innig zusammenhängt. Wir wissen, daß wir nicht nur Pioniere des Ackers und der Werkstatt, daß wir auch Offiziere der Industrie, des Handels, der Schule, der Verwaltung brauchen. Nicht (oder nicht nur) sie in Palästina ausbilden zu können, ist das Moment, das sie in Beziehung zu einem höheren Bildungsstande in Palästina bringt, — das Wichtige ist, eine geistige Sphäre zu schaffen, in der die unentbehrlichen Kulturmenschen Anregung, ihre notwendigen Behelfe, ihre Lehrer oder Schüler finden. Nicht das ist natürlich gemeint, daß Männer der Bildung nicht um des großen Zieles willen gewisse Verzichte in diesem erst zu bauenden Gemeinwesen auf sich nehmen sollen, — gerade von ihnen erwarten wir das zuerst, — aber sie sollen keine absolute Vereinsamung fühlen, sondern, während sie sehen, wie es um sie herum wächst, selbst wachsen und erstarken in einem ihrem Wesen, ihrer Kraft und besonders ihrer Nützlichkeit angepaßten Milieu. Ein geistiges Zentrum tut uns Not. Zur Frage der Palestine Land Development Company 2./15. Juni 1908. Herrn Professor Dr. Otto Warburg, Berlin W. 15, Uhlandstraße 175. Sehr geehrter Herr Professor! Vor einigen Tagen von einer mehrwöchentlichen Reise zurückgekehrt, fand ich Ihr wertes Schreiben vom 24. Mai vor, das ich indes schon unterwegs in verschiedenen Parteiblättern zu lesen Gelegenheit hatte. Ich war dabei höchst erstaunt, in Ihrem Begleitschreiben an die Redaktion „Haolam" folgenden Passus zu lesen: „Solange gegen die Palestine Land Development Company geheim und versteckt gekämpft wurde, schwiegen die Gründer und Freunde der Company; jetzt aber, wo unsere Gegner mit Argumenten kommen, ist es gut, diese Frage öffentlich auszutragen." Dieser Passus ist geeignet, in weiten - Parteikreisen falsche Vorstellungen über Charakter und Motive unserer ablehnenden Stellung zum Arbeitsplan der P. L. D. C. aufkommen zu lassen, ich nehme indes an, daß es nicht Ihre Absicht war. unsere bona fides in Zweifel zu ziehen, und bin geneigt, in dem zitierten Passus einen» einfachen „lapsus linguae" zu erblicken. Sie werden, sehr geehrter Herr Professor, sich wohl erinnern, daß wir vom Anfang an ernste Bedenken prinzipieller Natur gegen . den Arbeitsplan der P. L. D. C. geltend machten. Bereits in unserem Briefe vom 11./24. Dezember v. J., also noch vor der Januarsitzung des A. C, in welcher die Gründung der Company endgültig beschlossen wurde, schrieben wir Ihnen: „Was Ihren Plan bezüglich der Utilisierung des Nationalfonds-Landes in Daleika und Umeldschune anbelangt, so erlaube ich mir hierdurch, Ihnen ergebenst mitzuteilen, daß ich persönlich diesen Plan für verfehlt halte. Die Erfahrungen der bisherigen Kolonisationsarbeit haben mir die Oberzeugung beigebracht, daß das administrative Bewirtschaftungssystem in jeder Form von vornherein zur Unfruchtbarkeit verurteilt ist. Meines Erachtens wäre es viel zweckmäßiger, die betreffenden Ländereien den Personen in langfristiger Pacht zu überlassen, die, wie Ihnen bekannt ist, sich vielfach darum beworben haben." Auf der Nationalfondssitzung, die in Berlin am 5. Januar, am Vorabend der Aktionskomiteesitzung, stattgefunden hat, hatte ich Gelegenheit, meinen Standpunkt näher zu begründen und die ehedem wie nachmals in meinen Briefen an Sie wiederholt geltend gemachten Argumente nachdrücklich hervorzuheben. Gegenüber Präsident Wolffsohn, welcher geltend machte, daß die P. L. D. C. allenfalls für die ihr zur Verfügung gestellten Gelder des Nationalfonds genügende Garantien biete, betonte ich, daß es mir nicht um das Geld — das schließlich doch, wie alle zionistischen Fonds, von keinen anderen als von gesinnungsgenössischen Kreisen aufgebracht werden dürfte —, sondern um das Prestige der zionistischen Organisation und der von dieser unternommenen und zu unternehmenden praktischen Palästinaarbeit zu tun sei, welches durch einen m. E. verfehlten und auf eine bloße Wiederholung der Versuche der Ica mit der Farm zu Sedjerah hinauslaufenden Schritt aufs Spiel gesetzt werde, um so mehr als es sich dabei um den ersten Schritt praktischer Kolonisationsarbeit handle. — In der am folgenden Tage, wesentlich unter der gleichen Beteiligung, stattgefundenen Sitzung des A. C. erachtete ich es als überflüssig, meine Ansicht, die offenbar keinen Anklang fand, nochmals zu begründen, und beschränkte mich deshalb darauf, meine Meinung bei der Abstimmung geltend zu machen. In dem Schreiben unseres Komitees vom 3./16. Januar nahmen wir dann Gelegenheit, speziell die Frage des von dem Arbeitsplan der P. L. D. C. augeschalteten Agrarkredits als Argument hervorzuheben. In diesem Briefe heißt es: „In der Diskussion" (die in einer der Frage der Beteiligung unserer Gesellschaft an der P. L. D. C. gewidmeten Sitzung unseres Komitees geführt wurde) „wurde mit besonderem Nachdruck gegen die neue Gesellschaft geltend gemacht, daß sie das dringende Bedürfnis nach Agrarkredit ganz außer acht gelassen, bezw. aus ihrer Tätigkeitssphäre eliminiert hat." Aus all dem geht hervor, daß wir nicht erst in unserem Schreiben vom 30. April (13. Mai) „mit Argumenten kamen". Ebensowenig ist der in dem zitierten Passus enthaltene Vorwurf in bezug auf unsere palästinensischen Gewährsmänner berechtigt. Wie ich bereits in einem persönlichen Schreiben an Sie zu bemerken Gelegenheit hatte, kann ich keineswegs und unter keinen Umständen auch nur einen Augenblick den Gedanken aufkommen lassen, daß die Mitglieder des Palästinarates, diese eifrigsten Freunde aller praktischen Palästinaarbeit, nicht nach bestem Wissen und Gewissen, aus ihrer ehrlichen Oberzeugung heraus, sondern aus irgendwelchen persönlichen Motiven gegen den Arbeitsplan der P. L. D. C. Stellung nahmen. — Ein so hervorragender Vorkämpfer der praktischen Palästinaarbeit, wie Sie, sehr geehrter Herr