Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 26 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ihr gutes Auskommen haben. Der einzige Grund, der sie meist hindert, nach Damaskus zu kommen, ist die Unkenntnis der Landessprache, denn das Arabische ist hier fast die einzige gebräuchliche Sprache, während man in den Hafenstädten, wo schon eine große Zahl abendländischer Juden wohnt, allerdings auch mit der deutschen, russischen oder jüdisch-deutschen Sprache (Jargon) ziemlich gut auskommen kann. Aber wie das Beispiel einer Anzahl von Familien zeigt, die kürzlich erst hier angekommen sind und gute Gelegenheit zur Ausübung ihres Berufes fanden, sind diese Schwierigkeiten leicht zu überwinden, und die neuen Einwanderer haben sich „verhältnismäßig rasch mit der Sprache und den Sitten des Landes vertraut gemacht. Die Bevölkerung von Damaskus beläuft sich auf 250 000 bis 300 000 Einwohner, in der Hauptsache Mohammedaner. Juden zählt man etwa 10—12 000 Seelen und ebensoviele Christen. Die Zahl der Fremden ist nicht sehr groß, aber seit dem Bau der Eisenbahnen und der elektrischen Straßenbahn, zu dem eine große Anzahl europäischer Arbeiter herangezogen wurde, ist sie ständig im Wachsen. Damaskus ist jetzt durch Eisenbahnen verbunden. mit Beirut, Hama und Horns, Aleppo, Haifa (diese Strecke berührt Tiberias) und dem Hedschas. Diese Linien haben jetzt den Handel unserer Stadt ganz bedeutend entwickelt. Damaskus war immer der Ausgangspunkt der Karawanen nach Mekka, und diese Tatsache ist von noch größerer Bedeutung als bisher schon geworden seit dem Bau der Hedschasbahn, die in absehbarer Zeit beendet werden wird. Die Pilger aus der arabischen. Türkei, aus Persien und Ägypten strömen in Damaskus zusammen und begeben sich von hier aus alljährlich in großen Karawanen nach den heiligen Stätten des Islam. Damaskus ist die einzige Stadt der ganzen Türkei, die eine elektrische Straßenbahn besitzt. Diese ist vor einem Jahre, ebenso wie die, elektrische Beleuchtung, von einer belgischen Gesellschaft installiert worden. An dem aufblühenden Handel nehmen die Juden wenig Anteil. Der Handel ist hier fast ein Monopol der Mohammedaner. Eine kleine Zahl von Juden betreibt ein Handwerk, eine größere Zahl beschäftigt sich mit dem Kleinhandel. Die hiesigen Juden sind im allgemeinen arm, und es gibt nur wenige wohlhabendere Familien unter ihnen; aber da diese zumeist nichts Rechtes anzufangen wissen, so ist ihre Zahl ständig im Abnehmen begriffen. Einige dieser Familien sind nach Beirut oder nach Ägypten gegangen, wo es ihnen leichter ist, ihr Geld und ihre Arbeitskraft zu verwerten. Die Kolonie Sichron Jakob Aus Sichron Jaakob (Palästina) erhalten wir von unserem Jaffaer Korrespondenten einen Bericht über die Entwicklung der Kolonie, dem wir das Folgende entnehmen: Die Kolonie Sichron Jakob gehört , gegenwärtig zu den gesichertsten und leistungsfähigsten Kolonien von Palästina. Die Kolonie nimmt ihren Anfang bereits an der Landstraße, die von Chederah nach Sichron Jakob führt. Zu beiden Seiten dieser Straße ziehen sich auf dem von der Jewish Colonisation Association für die Kolonie angekauften Boden Getreidefelder von großer Fruchtbarkeit hin. Die Kolonie selbst ist auf einem Berge gelegen, von dem aus sich eine wundervolle Aussicht auf das Karmelgebirge und auf die Ephraim-Hügel eröffnet. Die Kolonisten, - die bis vor kurzem noch für wenig wirtschaftlich galten, haben sich in den letzten Jahren außerordentlich zu ihren Gunsten geändert.. Im ganzen zählt die Kolonie gegenwärtig 52 Kolonistenfamilien und 80 fremde Familien. Jeder Kolonist verfügt über etwa 200 Dunam Saatland, 20 Dunam Weingärten und 20 Dunam Mandel- und Oliven-Pflanzungen. Die Viehzucht hat sich sehr erfreulich und einträglich entwickelt. Jeder Kolonist hat 10—20 Stück Großvieh, 15—40 Ziegen und 2 Pferde bezw. Kamele oder Esel. Viele Kolonisten beackern bereits den Boden mit Ochsen, die sie selbst gezüchtet haben, und manche andere sind sogar bereits in der Lage, selbstgezüchtetes Vieh zum Verkauf zu bringen. Die Felder werden nach einem gemischten europäisch-arabischen System bewirtschaftet. Wenn auch die Bodenkultur nicht so intensiv wie z. B. in Chederah betrieben wird, so geht doch das Streben der Kolonisten nach möglichst rationellem Wirtschaftsbetriebe. Der Bruttoertrag mancher Kolonisten beläuft sich auf 7000 Franken jährlich, wobei der Nettoertrag sich auf eiwa 3500 Franken stellt. Im Durchschnitt kann der Nettoertrag des Feldbaus (mit Ausnahme der Gartenwirtschaft) für den einzelnen Kolonisten auf etwa 1500 Franken berechnet werden. Da die Kolonie Sichron Jakob zum größten Teile Bergland darstellt, so sucht man hauptsächlich Ölbaumpflanzungen anzulegen. In der letzten Zeit ist man auch bestrebt, Fahrwege und Chauseen und sonstige Verkehrswege zu schaffen, zu welchem Zwecke die Kolonie von der Anglo-Palestine- Company ein Darlehen von 12000 Franken aufgenommen hat. Femer haben die Kolonisten mit Hilfe'--der AvP.G. eine.genossenschaftliche Leihkasse begründet,-die etwa 100 Mitglieder zahlt.' Das Verhältnis der Kolonie zur Regierung ist ein sehr gutes. Da die Kolonisten bloß amerikanische Gärten besitzen,, ^brauchen sie für die Gärten den Zehnten nicht zu entrichten, weilUlie Regierung für" diese Anlagen auf die Dauer von zehn Jahren den Zehnten-erlassen hat. Vom Getreidebau beläuft sich *ier Zehnte mit allen Nebenabgaben auf etwa 13 Prozent Die Schule der Kolonie zählt jetzt etwa 200 Schüler. ZIONISTISCHES VOLKSHAUS IN TORONTO Volksschulrecht und Juden Von dem Verband der Deutschen Juden veranlaßt erscheint soeben eine systematische Darstellung über die Rechtsstellung der Juden im preußischen Volksschulrecht nebst den bezüglichen Gesetzen, Verordnungen und Entscheidungen von Dr. Ismar Freund. Den ersten Anlaß zu dem W.erke gab das Gesetz, betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen vom 28. Juli 1906. Durch § 40 dieses Gesetzes ist hinsichtlich der Errichtung, Unterhaltung und Verwaltung der öffentlichen jüdischen Volksschulen, bezüglich der Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den nichtjüdischen Volksschulen und des, jüdischen Religionsunterrichts an solchen Anstalten, bis auf weiteres im wesentlichen der bisherige Rechtszustand aufrechterhalten. Diese Regelung führte zu der Frage? „Welches ist der bisherige Rechtszustand?" und diese Frage , wiederum zu der Feststellung, daß es an einer erschöpfenden Beantwortung bisher gebricht Dieser Mangel veranlaßte den Verband der Deutschen Juden, eine Darstellung des durch § 40 V.U.G. umschriebenen Rechts-. zustandes geben zu lassen. Es handelt sich erst um einen ersten Versuch, aber die umfassende Sammlung und die versuchte objektive Darstellung bieten ein reiches Material und der wörtliche Abdruck der einschlägigen Gesetze, Verordnungen und höchstinstanzlichen Entscheidungen ist von großem Werte für jede Beschäftigung mit der rechtlichen Lage der Juden im Schulbetriebe und :in Preußen überhaupt. Der böse Name Folgende hübsche Geschichte lesen wir im American Hebrew: Ein Mann, namens Silberstein, lebt in einer der Städte des Westens, -wo er eine Christin geheiratet hat und selbst zum Christentum übergetreten ist Jüngst brachte er seine 16 Jahre alte Töchter nach Newyork, um ihr hier den „letzten Schliff" geben zu lassen. Nach einer Woche fragte der Vater wieder in der Schule vor, wohin er seine Tochter gebracht hatte, und -wurde von ihr mit Klagen bestürmt, daß diese Schule nur von Juden besucht werde und daß sie selbst gezwungen worden sei, an einem Freitagabend-Gottesdienst teilzunehmen. Der entrüstete Vater erklärte, daß er selbst zwar einmal ein Jude gewesen sei, daß er aber seine Tochter im allein seelig- und dollarmachenden christlichen Glauben erzogen haben wolle. Er nahm daher seine Tochter aus dieser Judenschule — und brachte sie nach abermals acht Tagen wieder dahin zurück. „Nehmt mein Kind zurück", sagte er. . „Ich kann sie hier in keiner guten Schule unterbringen, ihr Name läßt das nicht zu." Die Leiterin der Schule war indessenhartherzig genug, die "Wiederaufnahme der jüdischen Christin — oder des christlichen Judenmädchens zu verweigern und so sah sich der unglückliche Vater genötigt, mitsamt seiner Tochter wieder nach dem wilden Westen abzureisen, ohne Ihr vorher den ^letzten Schliff" haben geben zu können. Das muß sie aber naturlich haben und so will sich denn der Vater bemühen, seinen bösen Namen zum Wohle der Fräulein Tochter los zu werden. Nur schade, .daß dieses auch in Amerika nicht so leicht ist^wie seinen alten <31auben -einzutauschen. '