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Die Welt · 1908-07-03 · 26 (3.7.1908) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
26 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Np. 26.: ■ ME 3 £ELT so, u^qllkqmmen ist Das ist die Ursache der Bedingungen, welche den Aufenthalt der Juden in Finnland so schwer .machen. Weiter spricht die Zeitung bei der Besprechung der Möglichkeit der Behandlung der Judenfrage im finnländischen Senat die Befürchtung aus, daß diese Frage Komplikationen im Landtage hervor- . rufen wird, welche auf längere Zeit seine Arbeit unterbrechen werden, Es sind keine günstigen Horoskope .;.•„.. Die „Nowoje Wremja" vor Gericht Petersburg, 24. Juni. Gestern kam hier ein, kurioser Prozeß vor dem Friedensrichter zur Verhandlung. DieGerichtsberichterstatterin der chauvinistischen und antisemitischen „Nowoje Wremja" hatte eine ihrer Kolleginnen, eine Jüdin, in den Wandelgängen des Bezirksgerichtes mit Ausdrücken beschimpft, die dem Wörterbuche ihres Blattes entnommen w.aren. Da die Verbalinjurie in Zeugengegenwart vor sich gegangen, war, so kam die Sache vor den Kadi. Die „Nowoje Wremja" hatte ihren Rechtsbeistand zur Verteidigung ihrer Mitarbeiterin abkommandiert, - die -Klägerin vertrat ihre Sache persönlich. Die Zeugen bestätigten die Tatsache der Beleidigung und der Friedensrichter erklärte die gefallenen Worte für beleidigend-und verurteilte die Mitarbeiterin der „Nowoje Wremja" zu sieben Tagen Arrest, ohne Ablösung durch eine Geldstrafe. Da erklärte die Beleidigte, ihrer Kollegin verzeihen zu wollen, wenn diese 25 Rubel zugunsten der „Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden" zahlen wolle, was die Verurteilte . sofort annahm. Sephardim und Yemeniten in Jerusalem Zwischen den Sephardim und den Yemeniten in Jerusalem waren vor einiger Zeit erhebliche Zwistigkeiten ausgebrochen, die auch wiederholt die Öffentlichkeit beschäftigten. Herr Dr. Paul Nathan hat sowohl auf seiner ersten wie auf seiner zweiten Orientreise sich bemüht, die Streitigkeiten zu schlichten und eine friedliche Verständigung herbeizuführen. Nunmehr erhält der Hilfsverein der Deutschen Juden eine von den hervorragendsten Mitgliedern der yemenitischen Gemeinde . unterzeichneten Brief, in dem die Yemeniten erklären, daß alle Mißverständnisse zwischen ihnen und den Sephardim erfreulicherweise beseitigt seien und daß sie alles tun würden,, um dauernd in gutem " Einvernehmen mit den Sephardim zu bleiben. Brand des Judenviertels in Aidin Die Stadt Aidin in Kleinasien ist einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen, wobei das ganze-Judenviertel zerstört wurde. Der Schaden wird auf drei Millionen Francs, geschätzt. Eine Beerdigung am Sabbat Das Pariser Rabbinat halte sich jüngst mit einer sehr delikaten Angelegenheit zu befassen. Ein jüdisches Kind war Freitags an einer ansteckenden Krankheit gestorben, und die Stadtbehörde verlangte, daß es am kommenden Tage bestattet werden sollte. Das jüdische Konsistorium intervenierte und stellte der Behörde vor, daß das jüdische Gesetz eine Beerdigung am Sabbat nicht zulasse. Die Stadtbehörde antwortete, daß in einem Staat, wo Kirche und Staat absolut getrennt seien, religiöse Traditionen nicht beachtet werden könnten. Wenn das öffentliche Wohl die Beerdigung am Samstag verlange, könne sie nicht mit Rücksicht auf das jüdische Religionsgesetz auf Sonntag verschoben werden. Unter diesen Umständen war das Konsistorium gezwungen, entweder die Beerdigung zuzulassen oder die Familie des Trostes der religiösen Zeremonie am Grabe zu berauben. Es entschloß sich für das erstere -und gestattete ausnahmsweise die Vornahme eines religiösen Begräbnisses am Sabbat Judenreiner Kurort Wir sind diesmal gerne bereit einem Beschluß des christlichsozialen Gemeinderates von Nieder-Kreuzstetten (in welchem Kronland dieser weltberühmte Kurort gelegen ist, dies muß ich mit - Beschämung gestehen, weiß ich wahrhaftig nicht!) zur-größten •Publizität zu verhelfen.- Er.beschloß nämlich^ von nun an keine jüdischen Kurgäste zuzulassen. Dieser Beschluß sollte von den.. jüdischen Sommerfrischlern auch" dann noch' respektiert werden, nachdem ihn der Gemeinderat dieses internationalen Kurortes gar . aufheben wird. . Zionistischer Studentenverein in Woodbine Die Studenten der Baron Hirsch Landwirtschaftsschule in Woodbine haben unter dem Namen Zion Circle einen Verein gegründet . der die Zusammenfassung aller Zionisten der Schule in einer starken " Organisation bezweckt mit dem Endziel, die Studenten für eine spätere Ansiedelung in Palästina vorzubereiten.. KORRESPONDENZEN Hochgeehrte Redaktion! Die „Welt" vom 21. Juni veröffentlicht ein Interview, das einer Ihrer Herren Vertreter mit mir über meine zweite Palästinareise gehabt hat. In allen wesentlichen Punkten entspricht das Interview durchaus meinen Äußerungen. Nur eine Ergänzung erscheint mir notwendig, wobei ich keineswegs behaupten will, daß ich nicht selbst in der Unterhaltuug bei der Aufzählung der Unterrichtsgegenstände mich einer Auslassung schuldig gemacht habe. In bezug auf den Sprachunterricht betonte ich die große Bedeutung, die der Hilfsverein in allen seinen orientalischen Schulen dem Hebräischen beimißt. Ich führte alsdann an, daß wir als Kultursprache das Deutsche lehren werden, daneben voraussichtlich auch das Englische. Ich erwähnte aber nicht, daß wir zugleich dem Türkischen und Arabischen so viel Spielraum unter allen Umständen gewähren werden, daß unsere Zöglinge mit der Landesbevölkerung in freien und ungehinderten mündlichen und schriftlichen Verkehr treten können. Es liegt mir am Herzen, dies hervorzuheben, damit nicht etwa der Anschein geschaffen werde, als habe der Hilfsverein der Deutschen Juden in bezug hierauf seine Prinzipien geändert. In vorzüglicher Hochachtung _ P. Nathan Auf dem Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Breslau war in bezug auf die neugegründete Palestine Land Development Co. aus dem Munde des Herrn Professors Warburg zu vernehmen, daß er über den bisherigen Verlauf der Zeichnungen von Aktien dieser Gesellschaft nicht befriedigt sei. Der Grund hierfür ist natürlich, wie Herr Professor Warburg bemerkt, in der bisherigen, recht mangelhaften Agitation zugunsten der neuen Gesellschaft zu suchen. Wenn es auch einerseits vielleicht zu berücksichtigen wäre, daß diese neugegründete zionistische Institution in der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Bestandes sich noch nicht genügend einzuleben bewiesen hat und daß ferner das Resultat der Zeichnungen von dem großen Teile der für praktische Arbeit empfänglichen Zionisten aus den überseeischen Ländern, wie Südafrika, Amerika, Kanada, noch nicht vollständig vorliegen mag, so muß doch ein jeder, den seinerzeit das so überaus ungestüme Verlangen der „Palästinisten" nach praktischer Arbeit unliebsam berührte, über den bisherigen Verlauf der Dinge nicht wenig erstaunt sein. Soll, nachdem nun die Möglichkeit für wirklich praktische Arbeit gegeben ist so die Betätigung derjenigen Kreise aussehen, die, nach manchen Zeitungen, dem letzten Kongreß die „Richtung vorgeschrieben" oder da den vollständigen Sieg der „praktischen Ideen" davongetragen haben? Möchten diese Herren nun auch zusehen, daß es nicht bei den „Ideen" allein bleibt. Die Vermutung liegt nahe, daß diese Herren denselben Kreisen angehören, die sich bisher so liebevoll des Parteifonds angenommen, und daß ihnen jene Leute nicht allzu fern stehen, die in der ganzen Arbeit der Palästinakommission nicht als Kindereien sehen. Zum Schlüsse möchte ^ch den Vorständen der zionistischen Ortsgruppen die Anregung geben, in jedem Orte, insofern es noch nicht geschehen ist. besondere Versammlungen zu veranstalten, in denen Zweck und Ziel der P- L. D. C. dargelegt werden soll. Es darf mit Sicherheit vorausgesetzt werden, daß von einer solchen persönlichen Agitation mehr als von den bloßen Zeitungsaufrufen zu erwarten ist X. Y. NOTIZEN Die Juden in Damaskus Aus Damaskus wird uns von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben: Die Zahl der Juden in. Damaskus nimmt keineswegs zu, wie man. im Auslande . vielfach hört, sondern geht vielmehr ständig zurück infolge der Auswanderung nach Ägypten und Südamerika. Die meisten verließen bisher Damaskus infolge des Mangels an Industrie und Handel in unserer Stadt. Anderseits kommen die russischen und rumänischen Juden, die nach dem Orient gehen, nicht nach. Damaskus, sondern bleiben gewöhnlich in den syrischen und palästinischen Hafenstädten Beirut, Haifa oder Jaffa. Die zahlreichen Handwerker unter ihnen tun daran unrecht denn sie könnten in Damaskus, wo es an tüchtigen Handwerkern sehr fehlt

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