Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 26 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3316296-3316323--50804-3378104- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
No-26 tME^ELT 17 Die Saison des Gottesdienstes " Im Reform-Advocate finden wir folgende Ankündigung aus Newyork, die uns originell genug zeigt; daß im „praktischen" . Amerika auch die Religion ihre Saison hat: „Die Free Synagöge hat ihre Tätigkeitfür die Sommersaison eingestellt Von jetzt ab ruhen alle religiösen Veranstaltungen bis zum Vorabend des Neujahrfestes." Ausgrabungen in Palastina Prof. Puchstein gibt im Archäologischen Anzeiger einen Überblick über die neuesten Untersuchungen in Palästina, die wesentlich bedeutender sind, als man bisher glaubte; der Wissenschaft ist hier tatsächlich ein neues Arbeitsgebiet erobert worden. So wurden durch den Deutschen Verein zur Erforschung Palästinas die „Teils", mächtige Schutthügel am Rande-der Ebene Jesreel, ins Auge gefaßt und mit der Ausgrabung dessen begonnen, auf dem das alte Megiddo lag, die Hauptfeste zur Beherrschung der uralten von Ägypten nach Damaskus führenden Straße; Megiddo ist Stätte bedeutender Erinnerungen: hier fiel Josua, hier starb Ahasja. und die Endschlacht der Apokalypsewird beim-Berg. Megiddo geschlagen werden. Von Dr. Schumacher * aus Haifa wurde zwei Jahre lang gearbeitet; obwohl die bisher erschienenen Berichte lückenhaft sind und die Beigabe von Plänen vermissen lassen, gelingt es Prof. Puchstein doch, in großen Zügen die Geschichte des jetzigen Teil el-mutesselim zu skizzieren. Auf dem harten natürlichen Felsen erhoben sich die Hütten der Urbevölkerung; sie besaß Zisternen und kunstlose Vertiefungen zum Zerquetschen des Getreides. Wir dürfen diese älteste Ansiedlung in die Steinzeit versetzen. Ins zweite Jahrtausend gehört die weit bedeutendere Anlage der zweiten Siedelung. Ringsum lief eine gewaltige Festungsmauer aus Luftziegeln auf Steinsockel; im Innern lag eine besondere „Burg" mit Wohn- und Vorratsräumen; die Funde werden eine Datierung dieser Schicht gestatten, die von den Ausgräbern wegen initgefundener Skarabaen als „ägyptisch" bezeichnet wird. Die dritte darüber . angelegte Ziegelstadt oder besser Lehmfestung ist durch eine Brandkatastrophe untergegangen, vielleicht bei dem Einfall des Thutmbsis um 1500 v. Chr. Von dem Reichtum dieser Kultur zeugen ansehnliche Funde. Nach längerer Zwischenzeit erhob sich eine vierte Stadt mit dürftigem Mauerwerk, während die fünfte uns in diev Blütezeit Megiddos führt. Um 1020 war auf dem Teil eine feste widerstandsfähige Stadt, entstanden, welche die hereinbrechenden Israeliten nicht zu nehmen vermochten. Ansehnliche Oberreste dieser kananitischen Stadt, die vom Stamm Manasse eingeschlossen war, wurden untersucht. Wichtig ist das Hauptgebäude, halboffene Hallen und geschlossene Gemächer um einen unbedeckten Hof. Hier, finden wir zuerst wirklich gutes Mauerwerk aus Quadern, sogar mit Steinmetzzeichen; alles das erinnert an kretische Verhältnisse. Es darf angenommen werden, daß hier wie in Jerusalem am Tempel Salomos tyrische Bauleute gearbeitet haben. Gerade diese Funde werden von hoher Bedeutung werden für das Studium der alten Beziehungen zwischen der Minosinsel und Phönikien mit seinem Hinterland. Als auch diese Stätte hoher Kultur gewaltsam zerstört war, errichteten die nächsten Bewohner aus den herausgewühlten Quadern die sechste Siedelung; ihre Bautechnik reicht aber bei weitem nicht an die altsyrische, wie z. B. in Sendschirli festgestelltworden ist Endlich, nach den Grabungsleitern im 5. Jahrhundert, entstanden darüber die besseren Bauten der siebten Schicht Man sieht es herrscht eine ■auffallende Übereinstimmung des Teil mit Hissarlik, dem alten Troia; hier wie dort zeigen sich zwei Hauptperioden, doch muß zu genauem Vergleich die Veröffentlichung der Untersuchungen abgewartet werden. Trotz der bedeutenden Erfolge Schumachers darf aber doch auf ein paar Mängel aufmerksam gemacht werden, wie sie ja auch den Untersuchungen in Troia in den ersten Stadien angehaftet haben; man hätte aber gerade daraus lernen sollen, daß derart große Aufgaben nicht ohne fortgesetzte Mitwirkung eines architektonisch geschulten Archäologen befriedigend -durchgeführt werden können. Nur der Fachmann wird sich in dem Labyrinth von Erscheinungen aus den verschiedensten Kulturkreisen zurechtfinden können. Dann wird endlich auch die Zeit kommen, in der man aufhört, die Altertümer Palästinas fast nur unter religionsgeschichtlichem Gesichtspunkt zu betrachten. und überall Heiligtümer, Kultstätten und Opferplätze zu sehen, wo eine viel einfachere Erklärung selbstverständlich ist Das römische Megiddo lag neben dem Teil und bestand aus einem Kastell sowie den Ruinen vieler anderer Bauten, zwischen denen sich im frühen Mittelalter eine intensive arabische. Besiedelung ausdehnte. Megiddo' ist also eine der für die Geschichte des östlichen Mittelmeergeb'ietssobedeutenden Stätten, an denen sich eine Kontinuität der Besiedelung von den ältesten Zeiten an erweisen läßt. Zwei Stunaen von Megiaao liegt ein anderer Ten, in dessen Namen sich das alttestamentliche Thaanach erhalten hat. Die Geschichte dieser Stadt ist zwar eng mit der von Megiddo verknüpft, aber ebenso wie die Trümmer einfacher, wie es die Grabungen des österreichischen Professors Sellin erwiesen haben. Bei aller Anerkennung des Geleisteten empfindet man wohl noch schmerzlicher als bei Megiddo das Fehlen eines Archäologen bei den Grabungen wie bei der Publikation. Leider wurde bei den Arbeiten an der Burg aus Luftziegeln sehr viel zerstört, ohne daß die Wissenschaft entsprechend dabei gewonnen hätte. Aus den bedeutenden Funden sind als weitaus wichtigste zwölf unverletzte inschriftliche Briefe auf Tontafeln hervorzuheben, die ursprünglich in einer Tonkiste aufbewahrt waren, — eine treffende Illustration zu Jeremias 32,14. Sie waren an Ichtarwaschur, den Befehlshaber der Feste, gerichtet. Alles führt uns in die erste Hälfte des ersten Jahrtausends, also in eine Zeit in der aus der kananitischen Stadt eine jüdische geworden war. Ob freilich an die Bautätigkeit Salomos oder eines seiner Nachfolger gedacht werden darf, steht noch dahin; die gewaltsame Zerstörung muß spätestens auf 600 v. Chr. angesetzt werden. Es ist dringend zu hoffen, daß bei den schon begonnenen Arbeiten in Jericho den berechtigten Wünschen der archäologischen Wissenschaft Rechnung getragen werde. Ist einmal an einer solch wichtigen Stelle wirklich reine Arbeit geschafft, so werden sicher auch weiter die Männer nicht fehlen, die aus ihren Privatmitteln spenden, wenn es sich darum handelt, unter vollkommen sachverständiger Leitung die Erforschung Palästinas fortzusetzen, dessen Kultur für die der ganzen Welt von so hoher Bedeutung geworden ist. An unsere Leser! Über die Verhandlungen der Jahreskonferenz werden wir einen ausführlichen Bericht veröffentlichen, der in der Nummer 32 der „Welt" vom 14. August a. c. erscheint. Bei dem regen Interesse, das den Konferenzverhandlungen diesmal entgegen gebracht wird, bietet sich hier eine Gelegenheit zur wirksamen Propaganda dar. Wir beabsichtigen die Nummer in welcher der Bericht erscheinen wird, in verstärkter Auflage herstellen zu lassen und ersuchen die Gesinnungsgenossen in allen Ländern, für eine möglichst intensive Verbreitung derselben bemüht zu sein. Wir haben den Preis für diese Nummer so mäßig angesetzt, daß selbst die kleinste Gruppe imstande ist, eine entsprechende Anzahl von Exemplaren zu bestellen. Wir berechnen für Österreich-Ungarn für alle und Deutschland: übrig.Länder: 10 Exemplare inkl. Porto mit e/£ 2.80 3.20 25 ,> „ » „ « 5.6o „ 6.40 50 „ „ ,, „ „ 8.3o „ 9.20 100 „ „ „ „ „ 1350 „15.— Bestellungen gegen Nachnahme oder Voreinsendung des Betrages erbitten wir bis spätestens zum 6. August a. c. Expedition „DIE WELT" Karolingerring 6.