Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 26 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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i^5^S*^«^58?IW««^ :D1E% wichtigen Momente, sowie über die zionistische Palästinaarbeit derart informiert, daß auf Grund dieser Broschüre auch Agitationsvorträge gehalten werden können, d) einen Vortrag mit Lichtbildern über Palästina zu besorgen, welcher sukzessive allen Vereinen zur Verfügung gestellt werden kann. (Schluß folgt) NACHRICHTEN Generalversammlung der Jewish Colonisation Association Am 28. Juni, vormittags 10 Uhr, fand in Paris die Generalversammlung der* Jewish Colonisation Association statt Sie wurde geleitet von Herrn N. Leven, Vorsitzender des Administrationsrats. Anwesend waren die Herren: Leonhard L. Cohen, Paul Errera, Dr. Ed. Lachmann. Vertreter der Gemeinde Berlin, Herbert G. Lousada, Claude G. Montefiore, Vertreter der Anglo-Jewish Association, Dr. A. Netter, Vertreter der Alliance Israelite Universelle, Fr. Philippson, Vertreter der Gemeinde Brüssel, und S. Reinach, Mitglied _ des Rates. Herr Dr. Blau. Vertreter der Gemeinde Frankfurt, hatte sich entschuldigt und Herrn Dr. Lachmann mit der Ausübung seines Mandats beauftragt. Nach Erledigung der geschäftsordnungsmäßigen Verhandlungsgegenstände verlas der Präsident einen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Der Bericht gedenkt zunächst in warmen Worten der Verdienste des verstorbenen "Charles Hallgarten und geht dann auf die Tätigkeit der Ica im Berichtsjahre ein. v An erster Stelle stand auch im verflossenen Jahre das Kolonisationswerk in Argentinien. Diese jüdischen Kolonien, die die Ica selbständig gegründet hat und deren älteste jetzt 15 Jahre besteht, fahren nach dem Berichte fort, sich günstig zu entwickeln. Die Totalbevölkerung, die Anfang des Jahres 11974 Seelen betrug, belief sich zu Ende des Jahres auf 13212. Die Fläche des bearbeiteten Gebietes stieg in diesem Zeitraum von 58400 auf 64000 Hektar, die Zahl des Viehes wuchs von 104000 auf 142000. Ebenso wie der eigentliche Ackerbau stieg auch die Viehzucht, die eine der Haupterwerbsquellen der Landwirtschaft in Argentinien bildet. Mit Genugtuung verweilt der Bericht bei der Tatsache, daß * die Besserung der Verhältnisse eine allgemeine war .und daß auch diejenigen der Kolonisten, die bisher unzufrieden waren, sich erholt haben und ihr Auskommen finden. In Moisesville, wo die klimatischen Bedingungen der Großkultur nicht günstig sind, sind die Kolonisten dazu übergegangen, die Zucht der Luzerne, die auf diesem Boden sehr gut gedeiht und im Lande leicht abgesetzt wird, in größerem Maßstabe zu betreiben. Zugleich gestattet diese Kultur eine Vermehrung der Viehzucht. In den Kolonien der Provinz Entre Rios, die. insgesamt ungefähr 7000 Seelen zählen und bisher unter Schwierigkeiten zu leiden hatten, beweisen die Resultate der beiden letzten Jahre, daß tüchtige Arbeiter dort genau so wie anderswo zu Wohlstand gelangen können. In allen unseren Kolonien wissen die Kolonisten Nutzen zu ziehen aus den Hilfsmitteln, die wir ihnen zur Verfügung gestellt haben; sie verstehen es jetzt, Florakultur und Viehzucht zu verbinden. Milch zu gewinnen und zu verkaufen usw. Sie arbeiten mit. Hilfe ihrer Kinder und fast nur jüdischer Arbeiter, und das Bewußtsein, Arbeit zu finden und in einem jüdischen Milieu leben zu können, wird in den Kolonien immer gewisser. Bemerkenswert ist auch der Geist der Solidarität, der unter den Kolonisten herrscht, und die Leichtigkeit mit der sie ihre Gemeindeangelegenheiten regeln; überall haben sie Genossenschaften gegründet die die Grundlage einer autonomen Verwaltung bilden, der Selbstverwaltung, die zu erzielen wir bestrebt sind. Die Mehrzahl der öffentlichen Lasten, die Kosten des Sanitätsdienstes, Unterhaltung der Synagogen, Bäder und Friedhöfe, der Verkauf des Koscherfleischs, des Bibliothekdiensts usw. wird heute von den Kolonisten selbst aufgebracht. Die Ica trägt nur noch •zuV dem Etat der Schulen bei. Hierbei beteiligen sich aüch die Provinzverwaltungen. Auch gibt die Ica alljährlich an' Bedürftige' Vorschüsse auf die Ernte. - Der Erfolg des Kolonisationswerks hat die Ica bestimmt es auszubauen. Hierfür kommen zunächst die Arbeiter in Betracht, die bereits in den Kolonien leben. 12 Familien sind solcherart im Jahre 1907 neu etabliert worden, und 200 weitere folgen in diesem Jahre. Damit keine Stockung in der Ansiedlung eintritt, ist der Erwerb neuer Terrains nötig. Der Grundbesitz der Ica in Argentinien belief sich im letzten Jahre auf 463000 Hektar; neuer- 7^S^^^^^^y^y^ BELT* No:26; dings hat sie 10000 Hektar bei der Kolonie Leloh; und 35000 ffektar beim Hafen Bahia Bianca hinzu erworben. Weitere Neuerwerbungen sind in Aussicht genommen. Die Resultate der letzten Ernte sind zufriedenstellend; Insgesamt sind 436926 Zentner Produkte geerntet worden, die einen Wert von Fcs. 4800000 repräsentieren. Die Kolonisten kommen ohne Mühe ihren Verpflichtungen gegen die Gesellschaft nach. Durch Vermittlung der Administration wurde im Jahre 1907 von "den Kolonisten an in Rußland zurückgebliebene Verwandte die . Summe von 136 000 Frcs. geschickt. An die Verwaltung wurden zirka 280 000 Frcs. gewährte Darlehen zurückgezahlt : In Brasilien sind die Kjlonisten 'infolge, einer, zweijährigen; Dürre entmutigt Indessen haben wir die Kolonie reorganisiert, und wir hoffen, daß sich ihre Lage günstiger gestalten wird. In den Vereinigten Staaten unterstützen wir seit-Jahren durch ' die Jewish Agricultural and Industrial Aid Society die Etablierung jüdischer Ackerbauer- Deren Zahl kann man auf ca. 10 000 schätzen, die sich .über alle Staaten verbreitet haben, so daß es fast keinen Bezirk mehr gibt wo nicht jüdische Ackerbauer wohnen. Einige dieser Gruppen, insbesondere in New-Jersey und. Neu England gedeihen, sehr gut. Auch in Kanada gibt es zwei bedeutendere Gruppen. In den palästinensischen Kolonien hat sich der in unserm letzten Berichte .konstatierte moralische und materielle Fortschritt weiter befestigt. Seit zwei oder drei Jahren, war die Ernte gut, die ökonomische Lage der Kolonisten hat sich gebessert, sie erwarten jetzt den Erfolg, der in erster Linie von ihrer eigenen Initiative abhängt, und /verlassen sich viel weniger als früher auf fremde Hilfe. Die persönliche Arbeit bringt ihre Früchte, und die Existenz der Kolonisten ist jetzt durch sie selbst gesichert. Man arbeitete, überall sehr fleißig. Das Gedeihen mehrerer unserer Kolonien wurde nicht nur von uns selbst sondern auch von den gelegentlichen Besuchern festgestellt - Der Bericht behandelt sodann die Lage der Juden in Rußland, wo die Ica ein großes Schulwerk unterhält das natürlich ebenfalls unter der entsetzlichen Lage der russischen Juden leidet. Auch die von der Ica in Rußland organisierten Hilfskassen entfalteten eine segensreiche Tätigkeit. 1906 bestanden 166-solcher Darlehnskassen, im letzten Jahre sind allein 223 neue Kassen eröffnet worden. 1 Die von der Ica im Jahre 1907 unterstützten 100 Leihkassen repräsentierten eine -Mitgliederzahl von 59 923; sie hatten für Rubel 5 826 212 Darlehen gewährt, wovon Rubel 4 500 866 zurück- . gezahlt wurden. Auch in Galizien bewähren sich diese Kassen sehr gut Dort bestanden Ende -des Jahres 17 Kassen mit 11 130 Mitgliedern und 261 310 Kronen Haftsumme. Diese Kassen verfügten über einen Fonds von Kr. 1 073 946. die im letzten Jahre bewilligten Darlehen betrugen Kr. 1 636 036. Außerdem verfügten sie über einen Reserve- . fönds von Kr. 78 000. - Der Bericht schließt - mit dem Hinweis auf die Eignung der Juden für den. Ackerbau und erwähnt, daß die Ica bestrebt sei, der Ansiedlung der Juden neue Regionen zu erschließen. Zu diesem Zwecke habe sie Herrn Niego nach dem Orient entsandt Die einzigen Länder, wo eine agrikulturelle Kolonisation der Juden unmöglich sei, seien die, von wo das Kolonistenmaterial herkomme. Diese Länder wissen noch nicht was sie gewinnen würden, wenn sie denjenigen die Freiheit und das Recht des Eigentums gäben, denen sie es jetzt verweigern. Georg Brandes über die Juden in Finnland In der dänischen Zeitschrift „Politiken" veröffentlichte der berühmte dänische Kritiker einen Artikel über die Lage der Juden in Finnland.' In diesem Artikel schreibt Brandes unter anderem folgendes: „Es entsteht die Frage,' warum das .finnische Volk, welches selber so viel gelitten hat und. so die Freiheit liebt, der kleinen Gruppe jüdischer Bevölkerung, deren Schicksal in seinen Händen liegt nicht Freiheit und mögliche Existenzbedingungen gewährt. Ich hatte ein unangenehmes Gefühl, als ich einen naiven jüdischen, inr Finnland erzogenen Studenten sagen hörte, daß die Lage der Juden in Finnland\sich nur während der Regierung des russischen Statthalters Bobrikow, welcher keinen Unterschied zwischen Finnländern und Juden machte, etwas gebessert hat. Bobrikow war humanitärer gesinnt als der.finnländische Senat" In Beantwortung dieses bemüht sich das finnische Blatt „Hop", in ein6m langen Artikel die Vorwürfe, die Brandes^ der finnischen- Natioh hiacht, zu widerlegen. Das Blatt will beweisen, daß der finnländische lSenat die Beschränkungen für Juden bestehen, ließ nicht wegen Mangels an humanen Gefühlen, sondern lediglich aus Pflicht gegen die Erfüllung des . Gesetzes, auch wenn; dieses noch^ -.-^ ^V,-a» ^„iAf^« c^^^^S^b^^sSä^^^^^