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Die Welt · 1908-07-03 · 26 (3.7.1908) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
26 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Oft hörte ich von ihnen die Meinung, daß wenn die Juden -der Duma nicht ein Gesetzesprojekt über die jüdische Gleichberechtigung, die sie gegenwärtig für unrealisierbar ' halten, sondern ein Projekt der teilweisen-Besserung ihrer Lage, wie z. B. der Abschaffung des jüdischen Aasiedlungsrayons, vorlegen würden, so wäre sogar die Rechte für die Annahme dieses Projektes und würde dafür stimmen." Außerdem sucht Herr Nisselowitz in seinem Briefe den Nachweis zu erbringen, daß die von der Duma bis jetzt angenommenen antisemitischen Anträge, wie z. B. das Verbot des Aufenthalts in kaukasischen Kurorten und der Erteilung von Handwerkszeugnissen an.Juden, die hierdurch das Wohnrecht in Rußland erlangen, — keine Beweise einer antisemitischen Tendenz der Duma seien, sondern daß sie lediglich in der Eile, und in einem ungünstigen Momente angenommen worden sind, wie es in der. parlamentarischen Praxis oft vorkommt Zum Schluß bemerkt Herr Nisselowitz, die Gerechtigkeit unserer Forderungen sei so evident, daß wir von der dritten Duma die Anerkennung der elementaren Rechte verlangen können. Er ist sicher, daß es mit Hilfe der Opposition im schlimmsten Falle noch gelingen wird, eine Abschaffung mancher wichtigen Beschränkungen in-der Duma durchzuführen. Wir wollen es hoffen! „Rietsch8 über die Rede des Abgeordneten Nisselowitz „Es ist zu bedauern, daß in seiner vortrefflichen Rede der jüdische Abgeordnete nicht die Argumente anführte, deren sich die früheren jüdischen Abgeordneten Lewin, Winawer u. a. bedienten. Der Ton seiner Rede war anders. Es will uns scheinen, daß der Satz: „Wir Juden verlangen keine eigenen Schulen" im Widerspruch steht zu den Ansichten der meisten" Vertreter des Judentums und der Stimmung der jüdischen Massen widerspricht" Während der Diskussion über das Budget des Ministeriums für Volksaufklärung, als alle .Parteien ihre Generalredner gewählt haben, hat Miliukow den Abg. Nisselowitz aus der Rednerliste gestrichen, trotzdem dieser verlangte, als Vertreter der Juden eine Stimme zu bekommen. Nisselowitz wandte sich an den Leader der Oktobristen, Gutschkow, welcher entschied, daß in allen wichtigen'Fragen Herr Nisselowitz als einziger Vertreter der Juden das Recht hat, ganz selbständig zu verfahren. Von dem Palästinakomitee in. Odessa Auf einer der letzten Sitzungen des Odessaer Palästinakomitees wurde die Frage der Lehrerkurse behandelt, die der Verein „Histadrus Hamorim" in Palästina während der Sommerferien zu organisieren beabsichtigt. Das Odessaer Komitee erachtet die Kurse für notwendig und assignierte für ihre Einrichtung 300 Frcs. Das Odessaer Komitee wird dem „Hilfsverein der Deutschen Juden" vorschlagen, diese Kurse zu unterstützen. Auf derselben Sitzung wurde die Frage der Zeitschrift „Hapoel Hazoir" erörtert. Es wurde beschlossen, für jede Nummer -TGO Frcs. Unterstützung zu assignieren. Die Katastrophe in den jüdischen Kolonien in Südraßland . In den 5 jüdischen Kolonien des Gouvernements Ekaterinoslaw: Nietschajewsk, Grafskaja, Trudolubowka,. Zelenopolje und Sladkowodna hat ein Hagelsturm schreckliche Schäden verursacht. Das Getreide auf den Feldern wurde total Vernichtet, die Häuser. zerstört, und die Kolonisten sind ohne .Mittel geblieben., Wenn ihnen keine schnelle Hilfe gewährt wird,, sehen ^ie einer schrecklichen Hungersnot entgegen. Die Lage ist -verzweifelt Roditschew über die Juden in den rassischen Schulen In der großartigen Rede Roditschew's, in der er das Ministerium " der Volksaufklärung einer scharfen Kritik unterzieht, finden wir folgenden Passus über Juden: „Ich muß hier auf die schreiende Ungerechtigkeit in bezug auf die Juden aufmerksam machen. Warum werden Juden an die Schulen nicht zugelassen? Die Polen werden mit Gewalt in die Schulen geschleppt, und die Juden werden fern gehalten! Eine 'Schule, welche nicht auf Prinzipien der Gerechtigkeit begründet ist welche statt des Wissens und Fleißes Pässe von der Jugend verlangt, eine solche Schule wird die russische Kultur nicht emporheben, sondern töten. Man sagt uns, daß man" die Juden nicht in die Schulen aufnehmen kann, weil eine Prozentnorm existiert Erstens — wer hat diese Norm, eingeführt? Zweitens — wir debattieren ja nicht in einer gerichtlichen oder administrativen, sondern in einer gesetzgebenden Institution; Das Gesetz existiert für alle. Wollt ihr Rußland der Länge und Breite nach zerteilen, und nur in jeden Teil so viel .Juden hereinlassen, wieviel sie in der ganzen Bevölkerung ausmachen, so werde ich sagen: Wohlan! Aber wendet dieselbe Proportion auch bei den Adeligen an. Und was werdet ihr sagen, wenn der Staat dieselbe Beschränkungen auch für den Adel einführt? Ich. würde dann sagen, es sei: unehrlich, — saget also ihr, es sei unehrlich in bezug auf die der Juden!* - Verschiedene Nachrichten Das Petersburger Zentralkomitee der „Ica" hat der' Zentrale in Paris vorgeschlagen, den Direktor der Asow-Doner Bank, Herrn Kaminka, den Kommerzienrat M. Ginsburg und den Ingenieur J. Kannengießer zu Komiteemitgliedern zu ernennen. Aus Kiew wird dem „Russkoje SIowo" mitgeteilt, daß gegen zwei Söhne von Brodzki, Grigorij und Joseph, welche beschuldigt wurden, daß sie während des Kiewer Pogroms zwei Hooligans getötet haben, ein Prozeß wieder aufgenommen wurde, welcher bereits annulliert war. Grigorij Brodzki befindet sich im Militärdienste in Izjum beim Husarenregiment Er wurde auf die Hauptwache gebracht. Joseph Brodzki wurde auf Grund einer Kaution von 10 000 Rubel freigelassen. Der Prozeß wird im. Kreisgerichte, unter Anwesenheit der Ständevertreter stattfinden. FEUILLETON JERUSCHOLAJIM. Vor Dr. Ernst Müller Noch ist es uns das lebendige Denkmal uralten, unseres uralten Lebens. Wenn seine Male selbst Vergänglichkeit sprechen, so tragen sie doch ein Symbol der Unvergänglichkeit. in sich. Und noch leben die alten Stätten. Kühn und ernst ragt noch die alte Burg- und Festungsstadt, umsäumt von den Talschluchten Kidron und Hinnom, Rephaim und Josaphat. Noch wellt sich im Osten das Steinmeer. der jüdischen Bergwüste, und der Blick versinkt in das von den Bergen Moabs begrenzte Sturzland des Jordans und des Salzmeers., Im Osten lagert der sanft-ernste Ölberg, den jetzt nur christliche Herrlichkeiten und jüdische Gräber bedecken. Und nach Süden wie nach Norden wieder Berge, mit weißem Kalk gleichwie mit Menschenknochen besät, und drüben winkt noch das stolz-liebliche Mizpah. Und auch das graue und gewaltige Gemäuer ruht noch auf den uralten Steinen der Davidsbürg, des Salomopalastes und des Heiligtums. An wenigen Stellen noch treten die Ruinen des Tempels, der Paläste oder der alten Stadtmauern wirklich zutage: in dem Felsen der Omarmoschee, in der Ziönsstadt, an der .Siloahquelle, unter der Aksamoschee,— an der Klagemauer. Wie schwer, ist es heute, aus Stein und Schrift noch einmal die lebendige Ganzheit aufzubauen, die Urgeschichte heraufzubeschwören, so groß , und so

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