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Die Welt · 1908-07-03 · 26 (3.7.1908) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
26 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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6 —die^ und Asphalt, um nur die Erdpechquelle von Nelic Musa zu erwähnen, die 30 bis 40"/.. A«phalt enthält Auch Petroleum scheint vorhanden zu sein, wenngleich, es-bisher nur in Spuren an der Oberfläche der Erde ausschwitzend gefunden wui de; aber am bedeutendsten sind die Lager der zur Bereitung künstlichen Düngers so notwendigen phosphorsauren Kalke. Daneben gibt es auch brauchbare Tone, vor allem aber Marmor und Kalk in Hülle und Fülle. Wir haben oben gesagt, daß die Salz- und Kalklager Palästinas genügen, um-daselbst eine Industrie zu schaffen. Daß dies richtig ist, wollen wir auch .beweisen. — Während die andern Meere und Seen nur 2 bis 4% an Salz besitzen, enthält das Tote Meer, in welches der Jordan mündet, gegen 10 "/o an Salz, ja an manchen Orten sogar erreicht sein Salzgehalt eine Höhe von 20°/o. Da die Gewinnung von Salz aus dem Meere überall betrieben wird und dasselbe billiger ist als das aus den Bergwerken gewonnene, so könnte man dort leicht Salz gewinnen und teils verkaufen, teils weiterverarbeiten. In Europa wird das Kochsalz in ungeheuren Mengen verarbeitet, besonders zu Soda, einem der wichtigsten Industrieartikel. Kochsalz wird in den verschiedenen Industrien verwendet, so zur Bereitung von Seifen und Kerzen, und zwar indirekt nach Verarbeitung des Kochsalzes zu Soda, dann zur Bereitung von Salzsäure, ferner zur Erzeugung von Chlorkalk, zur Herstellung von Glas usw. Die Seife ist in Palästina ein sehr aussichtsvoller Industrieartikel, da das für feinere Sorten von Seifen besonders geeignete Olivenöl dort sehr billig ist. Auch waren und werden jetzt die palästinensischen Seifen auf dem ägyptischen und auch auf anderen Märkten wegen ihrer Güte sehr gesucht. Um einen Begriff von der großen Rentabilität der Seifenindustrie in Palästina zu geben, wiil ich nur anführen, daß der Export der Seife z. B. in Jaffa durchschnittlich ein Viertel des Totalexportes dieser Stadt ausmacht. (Der Totalexport Jaffas betrug im Jahre 1906 12 Millionen Kr.) — Die Salzsäure, die in neuester Zeit in Amerika zur Gewinnung von Kupfer auf elektrischem Wege verwendet wird, könnte auch in Palästina dieselbe Verwertung finden. Es wäre vielleicht sogar lohnend, in Palästina eine Fabrik zur Herstellung von Kupfergeschirren auf elektrischem Wege zu gründen, da die letzteren im Orient sehr beliebt sind,, und da sie anderseits auch einen sehr guten Absatz im Auslande finden könnten. — Was die Erzeugung des Chlorkalks aus Kochsalz betrifft so spielt die Industrie dieses Minerals in der allgemeinen Weltindustrie eine sehr bedeutende Rolle. In den letzten Jahrzehnten ist die Bleichkalkindustrie immer mehr gewachsen und hat schon heute riesige Dimensionen angenommen. Und. das hat seine natürliche Ursache.' Wozu könnten denn alle Leinwand- und Baumwollstoffe wegen ihrer schmutzig-grauen Farbe verwendet werden, wenn sie nicht vorher gebleicht wären? Und auch Papier, Schwämme, Flechtstroh zur Strohhutfabrikatiön, Elfenbein oder Imitationen desselben könnten unmöglich, bevor sie gebleicht sind, der Benutzung übergeben' werden. — Kochsalz resp. die aus ihm erzeugte Soda wird schließlich auch — wie oben erwähnt, — in großer Menge bei der Glasfabrikation benutzt. Die Glasindustrie ist bekanntlich in Palästina, wenn auch in kleinem Maßstabe, schon seit den ältesten Zeiten heimisch. Der zweite Mineralkörper, welchem neben dem Salze in- Palästina eine hohe Bedeutung zukommt, ist der Kalkstein. Die Kalklager Palästinas könnten zur Versorgung des Weltmarktes mit diesem Mineral herangezogen werden, um so mehr, als der Kalkstein aus Palästina unter dem Namen „Libanon-Kalksteinüberall sehr geschätzt wird. Die Verwertung des Kalksteins für Bauzwecke würden der betreffenden Industrie, die gegenwärtig in Palästina sehr rentabel ist, eine .sichere Existenz geben. Man sieht also, daß die früher aufgestellte Behauptung hinsichtlich der industriellen Bedeutung dieser beiden eben besprochenen Mineralschätze ihre vollste Geltung hat. Und wenn man noch die Rohprodukte aller Art in Betracht zieht, an denen Palästina keinen Mangel hat, so muß man bei unbefangenem Urteile zugeben, daß die Möglichkeit ausgedehnter und mannigfacher Industrien für Palästina in hinreichendem Maße gegeben ist Aber außer diesen von den im palästinensischen Boden verborgenen Mineral- und Bodenschätzen sich darbietenden Industriemöglichkeiten ist Palästina mit noch vielem anderen ausgestattet, von dem wir nur einiges erwähnen wollen. — In Palästina als einem am Ufer eines großen O/eans gelegenen Landes bietet die Seefischerei eine große industrielle Möglichkeit dar. In England beispielsweise leben 111000 Personen von diesem Erwerbszweig, das Erträgnis betrug jährlich im Durchschnitte 174 Millionen Mark. „Im Eisenbähnvei kehr Englands spielen die Fischtransporte eine fast so großeRollewiedieKohlentransporte." Natürlich wird dort die Fischerei rationell, zumeist mit Dampfschiffen betrieben. Aber auch in Palästina könnte die Fischerei bei Herstellung einer gewissen Regelmäßigkeit in der Versorgung der inländischen Märkte durch Einführung von Fischdampfern ein größeres Erträgnis geben und „würde besonders gELT '~ _ ' ' . " No. 26 - rentabel - sein, wenn manzur Herstellung von Fischkonserven schreiten würde"1). Da dasin Palästina liervbrgebrächte Olivenöl sehr-billig ist und auch Arbeitskräfte in den Hafenorten nicht teuer sind, so -wären — nach dem Urteile des eben zitierten Palästinakenners — die Aussichten einer solchen Industrie recht günstig. Eine andere Möglichkeit Nach Ägypten, wo der Bierkonsum in den letzten Jahren im schnellen Zunehmen begriffen ist/-wird jährlich von Amerika, England, Deutschland und Österreich Bier in großen Quantitäten exportiert. Vor einigen Jahren hatte eine, belgische Firma in Alexandria "eine Aktien -Bierbräuereigesellschaft gegründet, die trotz vieler großer, ihr wegen der hohen Temperatür erwachsender Kosten vorzügliche Geschäfte macht nnd gute Aus- / sichten hat. Nun besitzt Palästina ein gemäßigtes Klima, wodurch, sehr viele Kosten in dieser Hinsicht wegfallen würden. Bedenkt man noch, daß nach außen hin das nahe Ägypten, das so viele Industrieprodukte Palästinas absetzt, auch in dieser Beziehung aus dem erwähnten Grunde ein vorzügliches Absatzgebiet bieten könnte,' daß ferner den Mohammedanern der Wein zwar verboten ist, aber das Bier nicht, wodurch auch der inländische Verbrauch gesichert ist, so darf man wohl annehmen, daß Bierbrauereien in Palästina in vollstem Maße florieren könnten. Sehr großer Ausdehnung fähig ist noch in Palästina das Müllereigeschäft, das schon jetzt in beträchtlichem Maße in jüdischen Händen sich befindet. Wie die Zeitungen berichten, kommen die modernen Dampfmühlen in Palästina immer mehr in Gebrauch und verdrängen die alten bis auf den heutigen Tag noch an manchen Orten gebrauchten Handmühlen vollständig. Das Müllereiwesen ist an geeigneten Orlen eine sehr chancenreiche Industrie, besonders in Verbindung mit Getreideaufkauf, oder im ' Anschluß an andere rentable Erwerbszweige, wie z. B. Graupenmühlen und Makkaronifabrikation. Zum Schluß möchte ich noch einen Umstand .erwähnen. Von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit ist in einem Lande von der historischen und religiösen Bedeutung Palästinas die sogenannte Fremdenindustrie,, „welche beispielsweise in der Schweiz nach neueren Mitteilungen dem Lande jährlich einen Verdienst von 200 Millionen Frcs. zuführt". Durch 1806 Hotels, die 28 000 Angestellte - haben, wird dieser Industrie gedient. Die Angestellten allein beziehen 20 Millionen: Frcs. Gehalt Das Anlagekapital beläuft sich auf ca. 600 Millionen Frcs. Vielleicht wird Palästina „bei entsprechender Vorsorge für die Bedürfnisse' der Reisenden" und bei endlicher Schaffung der nötigen Verkehrsmittel, was gewiß nicht lange auf sich warten lassen wird, ebensoviele Touristen wie die; Schweiz anziehen und einen ebenso hohen Ertrag wie dieses Land in der betreffenden Industrie zeitigen. Nicht alles haben wir hier besprochen, was in dieser Beziehunggesagt werden kann. Aber aus diesen wenigen Betrachtungen läßt sich schon der sichere Schluß ziehen, daß sehr viele, bisher noch nicht ausgebeutete Industriemöglichkeiten in Palästina vorhanden sind, daß jegliche Industrieunternehmungen daselbst bei verständigem Betriebe sehr gute Aussichten auf Erfolg haben, daß im' Schöße dieses Landes wundertätige Kräfte verborgen sind, und wenn Menschenhände, Kapital und Verständnis diese Kräfte aus der tausendjährigen Lethargie aufrütteln würden, könnte Palästina leicht in absehbarer Zeit als ein mit den großen industriellen Ländern der Welt gleichberechtigtes Gebiet in der Weltarena auftreten. - Die größten Industriemächte Europas streben jetzt nach der wirtschaftlichen Eroberung Palästinas, die meisten Völker wetteifern gegenwärtig uni den Ruhm der industriellen Erschließung des Landes. Mögen doch die Juden ihnen allen darin zuvorkommen.... . __ . Josef Gerstmann Wiener Brief (Von unserm Korrespondenten) Resolution Schmid abgelehnt - Die entscheidende Schlacht ist geschlagen. Die intensive Agitation der Christlichsozialen für das Prinzip der Prozehtnorm hat es jedenfalls herbeigeführt, daß das gut besetzte Haus unter großer Spannung zur Abstimmung schritt. Etwa 50 Abgeordnete, hauptsächlich vom Deutschnationalen Verband und den tschechischen Agrariern, verließen vor der Abstimmung den Saal. Auf Antrag des Christlichso-rialen Abgeordneten Proc.hazkä erfolgte die Abstimmung mit Namensaufruf. Die Resolution lautete: „Die Regierung wird aufgefordert Erhebungen darüber, zu pflegen, wie das Zahlenverhältnis der jüdischen zu den christlichen Mittelschülern einigermaßen in Einklang zu bringen sei mit den wirklichen Bevölkerungsziffern. Über den Erfolg dieser Erhebungen ist dem Hause Bericht zu erstatten." 1 Tnetsch: Die allgemeine i Landesverhältnisse Palästinas. S. 57.

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