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Die Welt · 1908-07-03 · 26 (3.7.1908) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
26 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Deutschlands abwehren.'. Seit Rußlands Schwächung in Ostasien hat-sich die Läge langsam geklärt England als leitender Faktor hateinKönsortium zur Liquidation der mohammedanischen und speziell der türkischen Masse unter Ausschluß von Deutschland und Österreich gebildet Das Konsortium zum Bau der Donau-Adria-Bahn ist sein finanzielles Spiegelbild. Die Entrevüe des. englischen und russischen Herrschers in Reval, die Vernichtung des persischen . Konstitutionalismus durch Rußland unter wohlwollender Neutralität Englands vertraten die notarielle Beglaubigung -des Konsortialvertrages. Die Türkei ist sich' der ungeheuren Gefahr, in der sie schwebt, wohl bewußt; noch nie seit den Tagen Mohammed Alis war der Bestand des Gesamtreiches in gleichem Maße bedroht. Mit fieberhafter Energie baut sie ihr Bahnnetz in die entlegensten Provinzen des Reiches aus, um mit ihren tapferen und ausdauernden Truppen den feindlichen Angriff abwehren zu können und im Notfalle selbst an der armenischen und ägyptischen Grenze zum Vorstoß überzugehen. Sind die Bagdad- und Hedschasbahn. ausgebaut und zu einem einheitlichen Netze verbunden, so können die türkischen Korps trotz der ungeheuren Flächenausdehnung des Reiches von Bassorah an die Donau, von Erzerum nach Yemen in kurzer Zeit geworfen werden. Die Türkei ist dann trotz ihrer finanziellen Misere eine wehrfähige Großmacht geworden, nicht mehr ein Objekt, sondern ein Subjekt der Weltpolitik. Wird man ihr diese zur Konsolidierung erforderliche Spanne Zeit, vergönnen? oder bedeuten die Geschehnisse unserer Tage den Anfang vom Ende, den Beginn des großen Weltkrieges? Wir sind als Kulturmenschen und als Zionisten aufs äußerste daran interessiert, daß das Ungewitter, das sich zusammengeballt hat, sich ohne Entladung wieder verzieht. . Jeder Jude, der aus türkischer in christliche Herrschaft geraten ist hat es noch bitter zu bereuen gehabt Die Türkei ist, als in allen Ländern unter dem Zeichen der Liebe die Scheiterhaufen flammten, das einzige Asyl des jüdischen Volkes gewesen. Wir schulden ihr historische Dankbarkeit. Wird die Türkei im Kriegsfalle der Tummelplatz aller Heere Europas, so ist die Existenz der halben Million unseres Volkes, die die Türkei bewohnt aller Wilkür ausgesetzt und speziell ^.das Ziel unserer Wünsche, Palästina, wird wie im Altertum die Kriegsstraße von Kleinasien und Mesopotamien nach Arabien und Ägypten." Heute wissen wir, wie wir zur Türke stehen; wir wissen, daß sie in den Juden ihre treuen Bürger und ihre feste Stütze sieht, daß einer wirtschaftlichen Durchdringung des alten Judenlandes durch die Juden nichts im Wege liegt- Und weit über den Rahmen Palästinas hinaus sind die Juden die prädestinierten Kulturträger im ganzen türkischen Reiche. Was werden wird, wenn die Anfänge von Kultur in Brand und Mord vernichtet sind, wenn über der zerstückelten Welt des Islams die bunten Flaggen christlicher Mächte wehen, wir können es nicht wissen, wir können es nur ahnen und fürchten. Was kann die Zionistische Organisation bei dieser Sachlage tun? Ruhig und mutlos abwarten, was die Zukunft bringt? Wenn jemals die Idee eines Charters Aussicht auf Realisierung hatte, so ist es heute. Die Türkei braucht Freunde, wo bleiben wir? Wir können nicht warten, das jüdische Elend drängt und der jüdische Einfluß in Palästina ist durch das Vordringen des fremdnationalen Kapitalismus gefährdet; aber auch der Türkei brennt das Feuer auf den Nägeln, sie braucht das," was der Merkantilismus den .europäischen Staaten bringen wollte, Geld und Menschen, Menschen und Geld, und zwar besser heute als morgen; sie kann heute nicht mehr hoffen, sich nur durch Diplomatie und die Eifersucht der Mächte untereinander zu erhalten; sie muß sich, dem Vorgange Japans folgend, aus einem mittelalterlichen Feudalstaat in einen modern-kapitalistischen Militärstaat verwandeln, ohne warten zu können, bis ihre eigenen Untertanen aus ihrer Lethargie erwachen. Mittel und Menschen kann der Türkei allein der Zionismus geben. Heute ist die do-ut-des Politik das Gegebene. Türkei und Judentum sind heute mehr denn je aufeinander angewiesen. Aufgabe unserer Leitung wird es sein diese Verbindung herzustellen, der Hohen Pforte nachzuweisen, wie sehr sie der Juden bedarf, dem jüdischen Großkapital und den jüdischen Hilfsorganisationen immer erneut vorzustellen, daß es nur eine Lösung aller Judenfragen gibt, die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Das Wort Theodor Herzls, in der Schlußrede des sechsten Kongresses, alle Hoffnung sei auf absehbare Zeit, also für die Dauer eines Menschenlebens etwa verloren, es trifft nicht mehr zu; die Mauern, vor denen wir standen, sind ins Wanken geraten. „Wenn du dir nicht hilfst wer hilft dir denn; und wenn nicht jetzt, wann denn." Dr. H. G. Heymann Einige Bemerkungen über industrielle Möglichkeiten in Palästina Die alte Gegnerschaft zwischen der Industrie und Landwirtschaft ist in Palästina im vollständigen Erlöschen begriffen; zwischen diesen beiden Zweigen des wirtschaftlichen Lebens herrscht daselbst ein innerer Konnex, sie ergänzen und decken einander ganz und gar, die Landwirtschaft findet in der Industrie, und umgekehrt, ein großes Absatzgebiet. Es ist daher Aufgabe und Pflicht der praktischen Arbeit in Palästina, nicht nur jüdische Bauern zu erziehen, sondern auch große industrielle Unternehmungen dortselbst zu gründen und zu betreiben. Ob und inwiefern das möglich ist, beweist in hinreichendem Maße die industrielle Entwickelung Palästinas in den letzten Jahren. Auf einige bis jetzt noch gar nicht oder sehr wenig ausgebeutete Industriemöglichkeiten dies Landes wollen wir im folgenden unsere Aufmerksamkeit richten. Für industrielle Unternehmungen in Palästina kommen unter anderen vorwiegend zwei Bedingungen in Betracht: das Steuerausmaß im Lande und die Entfernung desselben von den Absatzgebieten. Im türkischen Reiche ist nämlich das Abgabenausmaß im Verhältnis zu den anderen europäischen Staaten sehr gering; insbesondere ist die Industrie in bezug auf die Regierungsabgaben sehr günstig gestellt Während die Regierung die Hauptsteuern ausschließlich 'aus der Landwirtschaft zieht, ist Handel und Industrie im allgemeinen ganz Steuer- und abgabenfrei. Außerdem wurde vor kurzem der bis jetzt allgemein gültige türkische Importzoll von 8"/o, der in vielen Fällen allzu gering war, um für bessere. Industrieerzeugnisse des Landes einen genügenden Schutz zu bieten, endlich auf 11 ".o erhöht, während der bisher 8 °/o betragende türkische Inlandszoll, welcher wegen seiner Höhe für die industrielle Entwickelung Palästinas ein wesentliches Hemmnis bildete, bis auf 1 °,o ermäßigt wurde. — Was den zweiten Umstand betrifft, so ist die Entfernung vom Absatzgebiete für industrielle Unternehmungen deshalb von sehr großer Wichtigkeit weil die Fracht eine.bedeutende Rolle bei der Preisfestsetzung spielt In neuerer Zeit verlegen sich alle industriellen Völker darauf, sich den Markt von Asien, Afrika und Australien zu erschließen. Auf alle mögliche Weise, teils durch List, teils durch Gewalt suchen sie dieses Ziel zu erreichen. So geschieht es mit den Chinesen, Persern, Negern usw. Nun befindet sich gerade Palästina beinahe im Zentrum der Erde zwischen den drei größten Weltteilen; von dort aus sind die Entfernungen nach China, Mittelafrika, Australien üsw. bedeutend kleiner als die von Deutschland oder England nach jenen Gebieten. Also haben auch in dieser Beziehung Industrie-Unternehmungen in Palästina vor den europäischen große Vorteile. Aber neben diesen äußeren Bedingungen spielen besonders für die Industrie Palästinas auch innere eine sehr eminente Rolle. Und da kommt in erster Linie die Frage in Betracht, ob der Boden dieses Landes Naturschätze in sich birgt, die sich für die Industrie verwerten lassen, da doch bekanntlich diese eine unumgängliche notwendige Grundlage des Wohlstandes eines Landes ausmachen. Es ist sicher von großem Vorteil, wenn die Rohprodukte vom Lande selbst geliefert werden und daß das Geld hierfür im Lande bleibt. Zwar beziehen einige, sogar mächtige industrietreibende Völker Rohprodukte aus dem Auslande, so z. B. importiert England Schwefel aus Sizilien, bezieht Eisen- und Kupfererze aus dem Auslande, weil sein einheimischer Boden nicht den ganzen Bedarf an diesen letzteren Produkten decken kann. So bezieht Amerika von Grönland einen „Kryslith" genannten Stein, der zur Sodafabrikation verwendet wird, usw. Aber wie viel besser . wäre es um die Industrie dieser Länder bestellt, wenn sie selbst Rohprodukte in genügendem Maße besäßen. Nun sind kürzlich zu beiden Seiten des Jordans und des Toten Meeres sehr bedeutende Natur- und Mineralschätze gefunden worden, die bisher nicht nur nicht ausgebeutet sondern nicht einmal bekannt waren. Nicht nur gibt es Salzablagerungen in großem Maßstabe am Toten Meere, worauf ja schon die Sage von Lots Weib und Kindern hinweist sondern es sind außer diesen Salzlagern, welche nach dem Urteile eines berühmten deutschen Bohringenieurs schon an und für sich genügen können, um einer großen-Industrie die Existenz zu sichern, noch mehrfach wertvolle Phosphate gefunden worden. Während das Wasser des Toten Meeres Jod, Kali und Brom enthält die sich zur Gewinnung und Verwertung schon aus dem Grunde lohnen, weil Jod sehr teuer — (ganz reines Jod kostet per Kilo 46 Kr.) — und Brom wegen seiner großen Nützlichkeit besonders von Farbenfabriken sehr gesucht ist, so findet sich in der Umgebung desselben auch Schwefel

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