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Die Welt · 1908-06-26 · 25 (26.6.1908) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
25 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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IS DIE^EELT No. 25 Pauzierer, Schriftführer; ohne Funktion Herr Chaim J. Schieber, Meschulim Scharfstein, Abraham Fuchs und Hersch Blumenfeld. Gleichzeitig sprach der Verein Herrn Apotheker Leo Harth für seine Spende von 100 Kr. und Herrn Chaim J. Schieber für eine solche von 20 Kr. den aufrichtigsten Dank aus. Auf Antrag des Herrn Chaim J. Schieber wurde dem Herrn Hermann Noe für seine rege Betätigung um den Verein der öffentliche Dank votiert. Sehr geehrter Herr Redakteur! In der letzten Ausgabe Ihres geschätzten Blattes glaubt Ihr Wiener Korrespondent die Ansicht vertreten zu können, daß es gegen den Boykott der jüdischen Angestellten seitens gewisser jüdischer und nichtiüdischer Antisemiten kein Mittel gäbe und man dem wirtschaftlichen Boykott nichts entgegenstellen könnte, als wirkungslose Entrüstung. Dieser Auffassung möchte ich ganz entschieden widersprechen. Verschiedene Vorfälle der ietzten Zeit haben gezeigt, daß es dem betreffenden Geschäftsinhaber — wenn er auch auf jüdische Kunden rechnet — nicht gleichgültig ist, in den Verdacht eines Antisemiten zu kommen. Sowohl die Firma Gebr. Stollwerck in Köln, als auch Kaisers Kaffeegeschäft in Viersen haben sich energisch dagegen verwahrt, (als "in einigen jüdischen Blättern davon die Rede war), daß sie jüdische Angestellte angeblich prinzipiell nicht beschäftigen wollen. Der jüngst gegründete Jüdische Handlungsgehilfen-Verband, dem auch Privatbeamten angehören können, bittet die jüdischen Angestellten ihm solche Fälle — Zurückweisung oder Entlassung;von Angestellten, weil sie Juden sind — zur Kenntnis zu bringen, um das Geeignete vorzukehren. (Adresse des Vorsitzenden:- Hermann David Rosenblum, Berlin N.58, Treskowstr.57) Übrigens hat sich auch der Gemeinderat der Stadt Asch durch den Vorwurf, daß er von Juden nichts kaufe, beleidigt gefühlt, weil die Stadt Asch dadurch geschädigt würde. — Quoderat demonstrandum. " Hochachtungsvoll Bernard Grünhut. Es wird uns geschrieben: Der dritte Absatz der von Dr. Friedemann und Struck eingebrachten Resolutionen: der deutsche D. T. ersucht die deutschen Mitglieder des A. K., darauf hinzuwirken, daß die offizielle zionistische Presse sich religiösen Fragen gegenüber neutral verhalte, wurde erst zurückgezogen, nachdem Dr. Bodenheimer namens der andern A. K.-Mitglieder erklärt hatte, es würde für selbstverständlich gehalten, in der von der Resolution gewünschten Richtung zu wirken. Richtigstellung Im Berichte über den „Poale-zionistischen Parteitag" in Nummer 24 unseres Blattes hat sich ein Druckfehler eingeschlichen, indem das Defizit der Organisation anstatt mit Kr. 47?>.—, mit Kr. 976.— angegeben wurde, was wir hiermit richtigstellen. NACHRICHTEN Die Maschinenfabrik L. Stein & Comp. Vor kurzem fand die Generalversammlung der nunmehr nach englischem Recht eingetragenen Aktiengesellschaft L. Stein & Comp, statt. Auch im letzten Geschäftsjahre (1907) war ein großer Aufschwung dieses größten industriellen Unternehmens Palästinas zu konstatieren. Der Reingewinn betrug 46 350 Frcs. bei einem Gesamtumsatz von 2 833 424 Frcs. In den zwei vorangehenden Jahren (1905 und 1906) wurde ein Reingewinn von 18 695 und 23 862 Frcs. bei einem Umsatz von 1 010 730 und 1 112 550 Frcs. erzielt. Auch die Zahl der Arbeiter ist in den letzten drei Jahren andauernd sehr beträchtlich gewachsen. Es arbeiteten nämlich in der Fabrik im Jahre 1905: 43 Arbeiter und andere Angestellte mit einem Jahresgehalt von ... 37 000 Frcs. 1906: 52 Arbeiter und ändere Angestellte mit einem Jahresgehalt von ... 48 000 „ 1907: 132 Arbeiter und andere Angestellte mit einem Jahresgehalt von ... 90 000 „ Auch das Aktienkapital der Gesellschaft, die aus kleinen Anfängen heraus sich zu einem so großen und wichtigen Unternehmen entwickelt hat, hat sich fortgesetzt vergrößert. Im Jahre 1905 waren an dem Unternehmen nur 8 Teilnehmer mit einem Gesamtkapital von 68 000 Frcs. beteiligt dagegen beträgt das Gesellschaftskapital jetzt 162 000 Frcs. und die Zahl der Aktionäre 44. Damit die Fabrik allen an sie gestellten Anforderungen entspricht, ist eine weitere Vergrößerung ihres Kapitals notwendig. Insbesondere ist der Bau eines neuen großen Fabrikgebäudes schon in allernächster Zeit unumgänglich notwendig. Die Gesellschaft hat zu diesem Zwecke bereits ein Grundstück in der Nähe des hebräischen Gymnasiums erworben. Die weitere Finanzierung der Fabrik wird wahrscheinlich das Palästina-Industriesyndikat übernehmen. Auf der letzten Generalversammlung wurde die Verteilung einer Dividende von 10"o beschlossen, 10°» des Reingewinns dagegen dem Reservefonds überwiesen. Dr. Herzls Jahrzeit Auf der jüngsten Versammlung des Exekutivkomitees der Federation of American Zionists wurde beschlossen, die jüngste Anregung des Herrn Professor Dr. Warburg, anläßlich der Jahrzeit nach Theodor Herzl die Sammlung für den Herzlwald eifrig zu betreiben, den Vereinen bekannt zu geben und sie aufzufordern, am 19. Juli allgemeine Gedächtnisfeiern zu veranstalten und deren Ertrag der Sammlung für den Herzlwald zuzuführen. Auch sollen Flugblätter in diesem Sinne verfaßt und verbreitet werden. Eine Lehre für die Freunde der Einwanderungsbeschränkung Unter diesem Titel'berichten die englisch-jüdischen Blätter die Nachricht von dem Erfolge eines jungen eingewanderten russischen Juden, Selig Brodetsky, der bei der Preisverteilung der Universität in Cambridge den höchsten Preis für Mathematik erhielt und demgemäß zum „Senior Wrangler" erklärt wurde. Sie weisen auf die Tatsache hin, daß der junge Gelehrte, der 1888 in Olviopol bei Odessa geboren, im Jahre. 1893 mit seiner Mutter gänzlich unbemittelt nach London einwanderte, gar nicht ins Landgelassen worden wäre, wenn damals das Fremdengesetz bereits gewesen wäre. Das Beispiel dieses jungen hochbegabten Studenten, der bereits eine glänzende Karriere hinter sich und bereits die namhaftesten Preise gewonnen hat, ehe er die Würde eines „Senior Wrangler", die höchste Ehre, die an Studenten der Mathematik in England vergeben wird, erlangte, beweise unwiderleglich, welche Fülle von Intelligenz durch das Fremdengesetz von England ferngehalten werde. Es ist bestimmt zu erwarten, daß der Fall des Herrn Brodetsky bei den demnächstigen Beratungen über das Fremdengesetz im Parlament eine Rolle spielen wird. Mr. Brodetsky ist übrigens auch ein guter Hebräer und — selbstverständlich — tätiger Mitarbeiter in der zionistischen Organisation, wo er das Amt eines Schriftführers der Cambridge University Zionist Society bekleidet. Übrigens hat seit 1869. wo Neuna Hartag Senior Wrangler wurde, kein Jude diese Würde mehr erlangt. — Griechen und Juden in Saloniki Vor einiger Zeit wurde in Saloniki ein Flugblatt in griechischer Sprache verbreitet, das heftige Angriffe gegen die Juden enthielt. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde beschwerten sich dieserhalb bei den Häuptern der griechischen Gemeinde. Zwischen beiden Religionsgemeinschaften bestehen durchweg freundliche Beziehungen und diese wurden auch bei diesem Anlaß wieder dokumentiert. Die Häupter der Griechen leiteten sofort eine Untersuchung ein und ermittelten tatsächlich den anonymen Verfasser der Schandschrift. Sie drückten ihm ihr ernstes Mißfallen aus und veranlaßten ihn, sich bei den Vorstehern der jüdischen Gemeinde zu entschuldigen. Diese nahmen dann auch diese Lösung der Angelegenheit mit dem Ausdrucke ihres Dankes an die griechische Gemeinde an. Die Christlich~Sozialen in Amerika gegen den Antisemitismus Der Bund der Christlich-Sozialen Amerikas hat auf seiner jüngsten, drei Tage dauernden Konferenz, eine scharfe Absage an die europäischen Christlich-Sozialen erlassen, die sich mit dem Antisemitismus identifizieren. Die betreffende Resolution lautet: „Der Bund der Christlich-Sozialen ist gegründet zum Zwecke der Ausbreitung der Kenntnis der Grundsätze religiösen Glaubens und Fuhlens. Angesichts der politischen Bedeutung des Ausdrucks „christlichsozial" in europäischen Ländern, ist es nötig, auszudrücken, daß sich der Bund in seinem Geiste und Ziele völlig von den sogenannten

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