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Die Welt · 1908-06-26 · 25 (26.6.1908) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
25 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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befindet sich ein Lese-, Gesang-, Klub- und Büffetzimmer in der Volkshalle. Zahlreiche Vorträge wurden von verschiedenen Rednern abgehalten, von denen hervorzuheben sind: Benjehuda (Kabala und Jaschar Mikandja), Beikind (Kirijat-Sefer und Ackerbau), Josua Eisenstadt (Verschiedenes), Dr. Jahuda (Die Entwicklung des Prophetismus), Dr. Masie (Die Malaria), Dr. Mossinsohn (Hebräische Sprache und jüdische Geschichte), Suda Ch. B. (Schaul Tschernichowsky), J. Kamiel (Vorlesungen). Im Lesezimmer sind fast alle jüdischen Zeitschriften zu finden. Das Bet-Am ist hier das einzige Institut, welches ohne irgendwelche Subvention lediglich aus den Beiträgen der Mitglieder erhalten wird. Einige hiesige Kaufleute, die Herren Nissin Eljaschan, M. Kantorowitz und Rabbiner Leib Dayan, haben auf ihrem vor etwa 1 \s Jahren gekauften Terrain von "600000 Ellen, Häuser zu bauen begonnen, und es entwickelt sich daselbst eine neue jüdische Niederlassung, die „Giw'ath-Schaur genannt wird. Gemeinsam mit den Herren Antebi (Direktor der hiesigen Allianz-Schule), Dr. Abouschedid, Rachämim Misrachi und Bankier Benin haben die erstgenannten neben den neuen Bezalelhäusern einen Bauplatz von ca 150000 Ellen erworben und hoffen, hier gleichfalls in Kürze eine neue Niederlassung errichten zu können. Da die genannten bereits früher einige solcher Niederlassungen gegründet haben, hoffen sie zuversichtlich, daß auch die neuen Unternehmungen sich gut entwickeln werden. O ([□□□□□□ FEUILLETON □ □ □ □ aö)) o EIN ERLEBNIS IN GENUA Von Israel Cohen Autorisierte Obersetzung von Noemi Bandth. Ich befand mich zum ersten Male in Genua. Als ich durch die schmalen Straßen der Stadt schritt, bedauerte ich aufs tiefste, daß ich nicht mit dem Schiffe gekommen war. In meinen Träumen hatte ich mir ein wundervolles Bild von dieser Handelsstadt gemacht; ich sah in Gedanken eine in Sonnenglut getauchte Küste und auf ihr — gleich einem malerischen Amphitheater — die Stadt . . . ., und weit in der Ferne löste sich alles in einen, tiefblauen Himmel auf. Da ich aber mit der Eisenbahn angekommen war, war der erste Eindruck, den ich von der Stadt gewann, der eines lauten Marktplatzes, voller Leben und erfüllt von dem Getöse elektrischer Wagen, Maschinen und anderer Errungenschaften der Neuzeit. Die Paläste, welche die engen Straßen einsäumten, waren zwar gewaltig und imponierend und wimmelten von Erinnerungen an das Mittelalter; ich aber wollte mein Traumbild von Genua, „der Herrli'chen", verwirklicht sehen, mich erfüllte der Wunsch, die ganze lebhafte Stadt mit einem Blick umfassen zu können, und je länger ich in ihren abseits gelegenen Nebenstraßen verweilte, um so mehr versank mein Traum von Genua in Nichts. So bahnte ich mir denn einen Weg durch das Gedränge nach dem Werft, fest entschlossen, mir die Stadt vom Meere aus anzusehen. Ich hatte kaum die Via Carlo Alberto, die sich den Quai entlang zieht, erreicht, als ich von einem bronzefarbenen Bootsmann angesprochen wurde, der meinen Wunsch erraten zu haben schien. Sein Gesicht erstrahlte in einem Lächeln, und seine Ohrringe glitzerten in der Sonne, als er die Hand nach dem Golf ausstreckte und mich mit dieser Bewegung zu einer Bootfahrt einlud. Ich schüttelte den Kopf, als er mir den Preis nannte; daraufhin wurde dieser sofort um die Hälfte verringert, und ich willigte ein. Ich wurde nun durch den Golf geführt, am Zollhaus und einigen Warenhäusern vorbei, bis wir endlich den Halteplatz für die Boote erreichten. In dem kleinen Hafen lag eine ganze Flotte abgenutzter und verwitterter Kähne zum Vermieten bereit. Ich sah nun, daß mein Führer kein gewöhnlicher Bootsmann, sondern der Schiffsherr selbst war; denn anstatt eines der Fahrzeuge eigenhändig zu bedienen, rief er einen jungen Menschen herbei, welcher in einiger Entlernung in einem Boote saß. Dieser jedoch schien in tiefe Träumerei versunken, denn der Ruf „Giacomo!" mußte drei öder vier Mal wiederholt werden, bevor er sich erhob und mit dem Boot an den Landungssteg heranruderte. Mein Führer empfahl mich seiner Obhut und gab ihm ein paar nachdrückliche Instruktionen über den Weg, den er einschlagen sollte. Und nachdem ich mich mit so viel — oder so wenig — Bequemlichkeit wie möglich zurechtgesetzt hatte, machte der Mann mit den Ohrringen eine feierliche Verbeugung und entfernte sich. Wie der junge Bootsmann so über die* Ruder gebeugt da saß und sie mit rhythmischer Kraft handhabte, gab er eine großartig athletische Figur ab. Sein schwarz gelocktes Haar und seine brütenden Augen gaben ihm ein etwas melancholisches Aussehen, und in seiner Stimme zitterte es von verhaltener Traurigkeit, als er mir die Namen der verschiedenen Häfen nannte, von denen die Schiffe kamen, die an uns vorbeifuhren. Da waren englische, amerikanische und deutsche Dampfer, und mein Bootsmann beschrieb mir ihre Ladungen aufs genaueste und nannte mir die Daten ihrer Abfahrt nach der Reihe. Bald hatten wir die Mitte des Hafens erreicht, und als ich jetzt auf die Stadt zurückblickte, da hatte ich das Bild meiner Träume vor mir, — zahllose spielzeugartige,von der Sonne beschienene Terassen, mit aem Grün entfernter Bäume betupft, lagen in einem Halbkreis vor mir ausgebreitet, und über all dieses spannte sich ein Himmel vom strahlendsten Blau. „Dort drüben," sagte mein Bootsmann, „liegen drei italienische Kriegsschiffe vor Anker", und er zeigte nach der Richtung, wo die neue Mole sich befand. „Sie liegen dort in Bereitschaft für den Fall, daß der Eisenbahnstreik in Turin und Mailand ausbrechen sollte. Soll ich Sie an sie heranrudern?" Ich nickte zustimmend. In diesem Augenblick jedoch wurde ich von großem Erstaunen ergriffen, denn als der Bootsmann seine Hand ausstreckte, erspähte ich unter seiner wollenen Weste jenes Kleidungsstück, welches vier mit Fransen besetzte Ecken hat, — wie es nur der orthodoxe Jude trägt. „Sind Sie ein Jude?" fragte ich. Er sah mich angenehm überrascht an. „Si Signore," war seine Antwort.

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