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Die Welt · 1908-06-26 · 25 (26.6.1908) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
25 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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No. 25 : DIE] Dr. Bodenheimer in Lemberg Um die Angelegenheit der Jüdischen Nationalfondsverwaltung in Galizien zu ordnen, ist Herr Rechtsanwalt. Dr. Bodenheimer nach Lemberg gefahren, wo er einige Tage verweilte. Die Lemberger zionistische Organisation nahm Herrn Dr. Bodenheimer ehrenvollauf. Eine gemeinsame Sitzung des Zentralkomitees der galizischen Zionisten und des Lemberger Distriktskomitees fand statt, in welcher Gg. Schreiber, Vorsitzender des D. K., Dr. Bodenheimer herzlich begrüßte. Er betonte, daß es ihn freue, den Direktor des N. F. in Lemberg begrüßen zu können, und erwähnte die Verdienste Dr. Bodenheimers um die Entwicklung der zionistischen Idee. Nach der Antwort Dr. Bodenheimers wurde die Sitzung geschlossen. Einige Tage darauf wurde im Saale des. bürgerlichen Zionisten - Vereins „Tikwat Zion" eine Versammlung abgehalten. Den Vorsitz führte Gg. B. Jahr. Dr. Bodenheimer referierte in Anwesenheit von über 400 Personen über die jetzige Lage des Zionismus. Er schilderte in einer längern Rede alle Institutionen, die die zionistische Partei in letzter Zeit in Palästina geschaffen hat. und forderte die Versammelten auf, die palästinensische Tätigkeit der zionistischen Organisation eifrig zu unterstützen. Insbesondere befaßte sich der Redner mit den Aufgaben und der Lage des Nationalfonds und bemerkte, daß ohne den N. F. fast keine zionistische Institution in Palästina die Möglichkeit hätte, sich gedeihlich zu entwickeln. ' Die Frage der praktischen Arbeit in Palästina, von der der Nationalfonds der wichtigste Bestandteil und die Grundlage bildet, — müsse von einem höheren Standpunkte betrachtet werden. Die Rede Dr. Bodenheimers machte auf die Anwesenden einen großen Eindruck. An der Diskussion nahm ein Poale-Zionist, Kasriel, teil und kritisierte die Verwaltung des N. F. Als er sich über eine vermeintliche Klerikalisierung der zionistischen Partei auszubreiten begann, zwang ihn die Versammlung, die zum großen Teil aus orthodoxen Juden bestand, seine Ausführungen zu unterbrechen. Dr. Bodenheimer antwortete auf alle Vorwürfe und besuchte übrigens nach Schluß der Versammlung die Poale Zion in ihrem Vereinslokale wo er die Vorwürfe dieser Partei gegenüber dem N. F. widerlegte. Nachts fand ein großer Festkommers zu Ehren Dr. B o d e n h e im ers statt. Den Kommers veranstalteten die zionistischen akademischen Verbindungen in Lemberg. Es sprachen die Senioren der Verbindungen, Gg. Schreiber, Gg. Abg. Dr. Gabel, der die palästinensische und rein zionistische Organisationstätigkeit einerseits und die Führung der national-jüdischen Landespolitik anderseits als Arbeitsteilung bezeichnete, die ausschließlich einen Zweck verfolge: die zionistische Idee zu realisieren. Es sprachen noch Waschitz, Dr. Bodenheimer, der den Lemberger Zionisten für ihre Gastfreundlichkeit dankte und viele andere. Sonntag den 14. Juni tagte nachmittags eine Konferenz mehrerer Nationalfondskommissäre in Galizien. Es wurde beschlossen, -daß Wien als Zentralsammelstelle für Österreich einschließlich Galizien verbleiben solle. Außerdem sollen bei jedem D. K. Bezirkssammel- ' stellen eingerichtet werden. Den gesamten Ausweis aller galizischen Spenden wird die Wiener Sammelstelle auch im „Wschöd" und „Tagblatt" veröffentlichen lassen. — Es wurde noch eine ganze Reihe anderer technischer Angelegenheiten besprochen. Zum Schluß forderte Dr. Bodenheimer noch einmal alle Nationalfondskommissäre zu eifriger Tätigkeit auf. Wir hoffen, daß der Aufenthalt Dr. Bodenheimers in Galizien unserer Partei und insbesondere der Verwaltung des Nationalfonds einen ersichtlichen dauernden Nutzen bringen wird. Die Lage der jüdischen Schankwirte in Galizien Nach den jüdischen Hausierern und Kaufleuten, welche die neuen Bestimmungen der Gewerbegesetze so empfindlich getroffen haben, kommen nun die jüdischen Schankwirte, die bald einem Ausnahmegesetz unterworfen werden sollen. Fast 10000 jüdische Familien sollen wieder in ihrem übrigens schon heute sehr kümmerlichen Gewerbeleben hart geschädigt und — wird das geplante Gesetz wirklich durchgeführt — an den Bettelstab gebracht werden. Der Polenklub, der sich so gern als Vertreter der jüdischen Bevölkerung in Galizien gegenüber den Zionisten ausgibt fordert die Einführung einer strengen Sonntagsruhe im Schankgewerbe, welche von Samstag 6 Uhr abends bis Montag 6 Uhr früh dauern soll, und sammelt im Lande Petitionen, welche diese Forderung bei der Regierung unterstützen sollen. Es ist selbstverständlich, daß die Einführung einer so langen und strengen Sonntagsruhe mit dem Ruin des ganzen Schankgewerbes, das fast ausschließlich von Juden betrieben wird, gleichbedeutend ist, da die meisten Schankwirte auf den Verkauf in diesen beiden Nächten £ELT 9 und am Sonntag angewiesen sind. Außerdem fordert noch der galizische Landesausschuß von der Zentralregierung, daß sie nach dem Jahre 1910, in welchem das berüchtigte Propinationsrecht auslöschen wird, die Zahl der Schankkonzessionen begrenzen soll. So soll in der Stadt auf je 500 und auf dem Lande auf je 800 Einwohner nur eine Schänke entfallen. Da wahrscheinlich die Schankkonzessionen nur an christliche oder nur an sehr wenige jüdische Schankwirte erteilt werden, ist es leicht möglich, daß Leute, welche Jahrzehnte im Schankgewerbe schwer gearbeitet haben, um ihr Brot gebracht werden. Es ist aber eine erfreuliche Tatsache, daß die jüdischen Schankwirte noch rechtzeitig die Gefahr erkannten, welche ihnen durch die Forderungen des Polenklubs droht, und sich in einer Organisation zusammenschlössen, um eine kräftige Abwehraktion gegen das geplante Gesetz im Lande durchzuführen. Eine großartige Versammlung der jüdischen Schankwirte, welche am 9. Juni in Lemberg stattfand und an der 120 Delegierte aus über SO Ortschaften teilnahmen, protestierte gegen die Pläne des Poienklubs und Landesausschusses und beschloß, eine feste Organisation des ganzen Schankgewerbes in Galizien zu gründen. Die Versammlung wurde durch das zionistische „Tageblatt" angeregt, und die jüdischen Schankwirte sind jetzt im ganzen Lande "unserem Parteiorgan dafür dankbar, daß es sie auf die ihnen drohende Gefahr aufmerksam machte und ihnen in ihrer Aktion mithilft. Es wäre notwendig, daß auch der „Jüdische Klub" im Parlament sich mit dieser brennenden Frage eingehend beschäftigen soll, da doch die Wahrung der ökonomischen Interessen der Juden seine Hauptaufgabe ist. Brief aus Jerusalem (Von unserem Berichterstatter.) An die Einweihung des Bezalelhauses, über die wir in Nr. 23 berichtet haben, schloß sich die Ausstellung von Erzeugnissen des Bezalels, aus welcher mit Freuden konstatiert werden kann, welch bedeutende Fortschritte die Schule im letzten Jahre gemacht hat. Allseitig 'dringt die Erkenntnis durch, welch bedeutenden Faktor der jüdischen Renaissance in Palästina der Bezalel "darstellt. Trotz großer Hindernisse und geringer materieller Mittel hat der Bezalel in dreifacher Hinsicht bedeutendes in Palästina geschaffen: In Arbeit, Kunst und Wissenschaft. Es existieren vorläufig vier Arbeitsateliers im Bezalel. und zwar: Teppichknüpferei, Holzschnitzerei, Steinhauerei und das vor zwei Monaten neueingerichtete Rahmenatelier. Im Musterlager sind mehrere kleinere und größere, im schönen jüdischen Stil und persischer Technik angefertigte Teppiche, Bassreliefs in Holz, verschiedene geschnitzte Rahmen mit Perlmuttereinlage für Spiegel und Bilder zu sehen. In künstlerischer Hinsicht wird iiv erster Linie auf die Ausbildung eines jüdischen Stils Wert gelegt, was bei allen Mustern, Gips- und Holzmodellen, Teppichen, Holzschnitzereien, Rahmen, Glasmalerei usw. zum Ausdruck kommt. Das Museum mit seinen drei Abteilungen: 1. Zoologie und Mineralogie, 2. Antiquitäten, 3. Moderne Kunst, besitzt bereits für den Anfang sehr namhafte Sammlungen auf allen drei Gebieten und hat dadurch den Grund nach der wissenschaftlichen Seite der Betätigung des Bezalels gelegt. Dies sind kurz zusammengefaßt die bisherigen Resultate des Bezalels. Aber seine Bedeutung erschöpft sich nicht in dem, was er selbst schafft und besitzt, sondern ist eine viel größere und in die Zukunft hinauswirkende. Er bereitet das Fundament einer gesunden und hohen industriellen Entwicklung des Kunstgewerbes in ganz Palästina vor. Viele Hindernisse hatte er zu überwinden, aber der erfreuliche Aufschwung, den er stetig nimmt, ist uns ein Beweis, daß nichts imstande sein wird, seine immer mehr steigende Bedeutung als Kulturfaktor des jüdischen Lebens in Palästina aufzuhalten. Wollen wir aber hoffen, daß alle Freunde des Bezalels an seinem weiteren Aufblühen tatkräftig mitwirken werden. Der hiesige musikalische Verein „Kinor-Zion" entwickelt sich ganz vorzüglich. Verschiedene musikalische Abende, u. a. auch am Lag-Baomer und Schewuoth legten Zeugnis ab von der außerordentlichen Beliebtheit des jungen Vereins im hiesigen jüdischen Publikum. Es werden jetzt Abendkurse für Gesang und Musik eingerichtet, die sich eines starken Zuspruchs erfreuen. Das Beth-Am iVolkshalle) erfreut sich gleichfalls einer immer größeren Popularität seitens der jüdischen Bevölkerung in Jerusalem. Es besitzt einen der größten Säle der Stadt, der von den Bezalelschülern eine hübsche malerische Dekoration empfing. Außerdem

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