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Die Welt · 1908-06-19 · 24 (19.6.1908) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
24 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
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: DIE3^ELT : 18 Grund liege in der jüdischen Volksseele, im Willen zur Selbsterhaltung, in dem Bewußtsein, daß die Judenheit in ihrer Zerstreuung eine Anomalie darstelle. Weiter werde gesagt: Die Antisemiten nennen euch eine eigene Nation, und ihr tut dasselbe! Aber worin solle es begründet sein,- daß man deshalb die Juden unter Ausnahmegesetze stellen, sie aus der Volksgemeinschaft ausschalten dürfte? Nie und nimmer dürfe man aus dem nationalen Geiste der Juden den Schluß ziehen, daß sie nicht berechtigt wären, in unserem Staatswesen voll und ganz dieselbe Stelle einzunehmen wie die Angehörigen des anderen Stammes! Der Zionismus sei nicht ein Postulat der Religion der Juden, sondern ihrer politischen Oberzeugung. Er wolle den fatalistischen Gedanken beseitigen, daß das jüdische Volk dem Untergange, dem Aufgehen in anderen Völkern geweiht sei. Er wolle aber auch nicht alle Juden aus der Diaspora nach dem jüdischen Zentralpunkte führen; wer sich wohl fühle in seinem Lande, möge dort bleiben. Der Zionismus sei die einzige Lösung der Judenfrage für die Gesamtheit des jüdischen Volkes, denn auch die Emanzipation sei ja nicht allen Juden, sondern nur den Juden eines bestimmten Landes zuteil geworden. Dann sprach Dr. jur. Margulies aus Trautenau, der die Notwendigkeit des Zionismns aus der gegenwärtigen Situation des Judentums in agitatorisch-wirkungsvoller Weise zu folgern wußte. Universitätsprofessor Dr. War bürg schilderte die klimatischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas und legte dar, daß die Möglichkeit einer kräftigen, jüdischen Kolonisation mit Hilfe der vom Zionismus geschaffenen Institutionen dort vollauf gegeben sei und daß diese Kolonisation auch bereits in vielversprechender Weise eingesetzt habe. Dann behandelte Dr. Schernarja Lewin das Thema „Jüdische Kultur" und führte den Antisemitismus zum Teil darauf zurück, daß das Judentum ohne Not seiner wertvollsten Erbschaft, der eigenen alten Kultur, entsagt und dadurch auch Mißachtung verdient habe. Jetzt brauche das Judentum, wenn es wieder seine eigene Kultur haben wolle, nicht erst von Grund auf zu bauen, sondern nur an seine Traditionen anzuknüpfen. Zum Schluß feierte Dr. Heinrich Löwe den Zionismus als Rettung des Judentums vor dem Untergange durch Taufe und Mischehe, Selbstverleugnung und Indifferentismus, als Beginn einer neuen Ära für das Judentum. Breslau habe in besonderem Maße dazu beigetragen, daß das Judentum wieder zum historischen Bewußtsein erwachte. — Alle Redner ernteten sehr lebhaften, zum Teil stürmischen Beifall. Österreich Husiatyn: Dank der regen Agitation des Gesinnungsgenossen Bernard Tarnoruckiistes gelungen, hier einen zionistischen Frauen- und Mädchenverein „Rachela" zu gründen. Am 18. Mai fand die erste Generalversammlung statt. In den Vorstand würden gewählt: Frau Anna Sommerstein als Präsidentin, Fräulein Eva Ausländer als Vizepräsidentin, Fräulein Sali Pohoryles als Schriftführerin, Fräulein Mina Pohoryles als Kassiererin, Fräulein Fanny Seidmann als Bibliothekarin und Fräulein Toni Grünberg als Referentin für den Nationalfonds. Der Verein zählt bereits 50 Mitglieder. Karlsbad: Mittwoch den 3. Juni fand ein vom hiesigen Einzelverein „Zion" veranstalteter Vortrag des Herrn Dr. Bergmann aus Pardubitz statt. Der Referent gab dem zahlreich erschienenen Publikum einen Oberblick über die sozialen und nationalen Strömungen im Judentum. Von den Anfängen der jüdischen Geschichte ausgehend, wies er nach, wie das Gerechtigkeitsideal unablässig von den Propheten verkündet wurde, als Milderung der sozialen und wirtschaftlichen Gegensätze, die eingerissen waren, und zeigte, welchen Einfluß diese alten Ideale auch heute noch auf die modernen, sozialen und wirtschaftlichen Bestrebungen ausüben. Ferner begründete Redner den jüdischen Nationalismus als eine ganz eigenartige Erscheinung aus der innigen Verknüpfung der Religion mit dem jüdischen Volkstum und zeigte, daß diese wieder die Folge der einzigartigen Geschichte dieses kleinen Volkes mit dem großen Wollen war. Die Rede wurde äußerst beifällig aufgenommen. Die lebhafte Debatte bewies, daß derartige Vorträge in Karlsbad eine Notwendigkeit sind, indem die jüdischen Kurgäste aus den verschiedensten Weltteilen einander nähertreten. Gleichzeitig richtet der Verein an alle zur Kur kommenden Gesinnungsgenossen das Ersuchen, die jeden Mittwochabend stattfindenden Vereinsabende zu besuchen. Ort: Hotel Lincoln, Egerstraße. Rymanöw: Diese Woche wurde hier ein Platz zum Aufbau eines eigenen zionistischen Heims in Rymanöw durch die beiden Vereine „Betb Israel" und „Achwa" erworben. Wenn die "nötigen Mittel da sind, wird man. schon im Frühjahr 1909 mit dem Bau beginnen. In Galizien besitzt bereits der zionistische Verein in Gliniany ein solches Heim. No. 24 Storozynetz. (Vortrag Dr. Birnbaum.) Mehr als 300 Personen hatten sich am Samstag den 6. d. M. im großen Saale des „Hotel Zentral" eingefunden, um Herrn Dr. Birnbaum, der der Einladung des Frauen- und Mädchenvereins „Ruth" gefolgt war, zu hören. Em Beifallssturm begrüßte den Redner bei seinem Auftreten. In mehr als 1V« stündiger: Rede schilderte er die Eindrücke, die er bei den: Juden in Amerika während seines dortigen Aufenthalts gewonnen , hat Er sprach über ihre Presse, Schulen und Theater. Dem Vortrage wohnten Kultuspräsident , und Stadtvorsteher Dr. Isidor Katz,. Bezirkshauptmann Dr. Korn, viele Beamte, Advokaten und Ärzte bei.; Wien: Am 10. d. M. konstituierte sich der Verein zionistischer Hochschüler „Judäea'". Es wurden folgende Mitglieder in" den Ausschuß gewählt: J. U. C. Eugen Wöllner, Obmann, J. U. G. Siegfried Großlicht, Obmannstellvertreter, jur. Adolf Grünfeld, Schriftführer, M. U. C. Julius Rachnitz, Kassierer, M. U. C. Oskar Fischer, Bibliothekar. NACHRICHTEN Mr. Zangwill über die Ito Anläßlich des am 1. Juni gefeierten „Itotages" gab Herr Meyer ' A> Spielman (Vorsitzender der britischen Itovereinigung).im Great Eastern Hotel eine Abendunterhaltung,, bei der folgender bemerkenswerten Brief Mr. Zangwils verlesen wurde: . , ..... Ich hoffe, daß der von dieser Vereinigung gefeierte Festtag sich zu einer bleibenden Einrichtung des jüdischen Lebens gestalten wird, daß er aber lange gefeiert werden möge nicht in den Ländern der Zerstreuung, sondern, auf jüdischem Boden. Sie wissen, wie lebhaft unsere Arbeit gerade jetzt vorwärts geht, und Sie brauchen nicht zu zögern, unseren Freunden zu. sagen, daß wir hoffen, daß unser Plan bis Ende dieses Jahres definitive Gestalt angenommen hat, und daß, wenn dann das jüdische Volk seine Pflicht.tut, kein Grund vorhanden ist, warum die ersten Schritte für eine jüdische Kolonisation nicht schon vor der zweiten Feier des Itotages eingeleitet sein sollen.. . . ." Auszeichnung eines Zionisten Herr Selig Brodelsky, Mitglied des zionistischen Vereins in Cambridge, wurde zum „Senior Wadgier" an der Universität zu Cambridge ernannt. — Es ist dies die höchste Auszeichnung, die die Universität zu vergeben hat. — Herr Brodelsky ist in Ölgiobal (Rußland) 1888 geboren, kam 1893 nach England und wxrrde an der Jewish Free School erzogen. NOTIZEN Ein samaritaniscb.es Buch Josua Dr. Gaster veröffentlicht in der „Times" vom 9. ds. einen sehr interessanten Bericht rüber das samaritanische Buch Josua, dessen Entdeckung ihm gelungen ist . „Aus der Finsternis von 2000 Jahren", sagt er,' „wird jetzt zum erstenmal das Buch Josua in der samaritanischen Ausgabe ins helle Licht des Tages gerückt Gelehrte haben mit dem ganzen Aufgebote ihrer Wissenschaft beweisen wollen, daß ein hebräischer Text des Buches Josua nie existiert habe. . . . Aber das Buch existierte nichtsdestoweniger. Letztes Jahr; gelegentlich meines Besuches bei den Samaritanern in Nablus, kam es in meine Hände, zunächst ohne daß ich wußte, um welchen Schatz es sich handelte, und auch . vom Geber, dem Hohenpriester der Samaritaner, Jakub ben Ahrun, nicht besonders hochgeschätzt Er bot mär mit anderen Schriftstücken auch eine Chronik der Samaritaner von der Zeit des Einzugs der Kinder Israels ins gelobte Land . bis zu unserer Zeit die von ürai selbst zusammengestellt worden , war, an. Ich erwarb dann das heilige Buch, das auch eine Kopie des Buches Josua zu enthalten schien. Als ich dann das Manuskript in London mit mehr Muße: studierte, fand ich zu meiner größten Überraschung und Freude, daß ich das Original des Buches in Händen hatte, das bisher als verloren oder , als überhaupt nicht existierend betrachtet worden war. In der vom Hohenpriester verfaßten Chronik bildete dasselbe Buch den ersten Teil der Geschichte ■der. Samaritaner und war mit der anderen- Kopie genau identisch. üsä&täm&mMätö 'Mää&,

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