Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-06-19 · 24 (19.6.1908) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
24 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316321--50750-3378048
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Die Organisierung der Selbstbesteuerung hat das Nationalfondsbureau übernommen. 2. Angesichts der geringen Schekeleinnahmen, die nur von einem kleinen Teil der Ortsgruppen eingesandt worden sind, beschloß die Konferenz, ein Rundschreiben an sämtliche Schekelzahlerkomitees und zionistische Ortsgruppen zu richten, in dem auf die Notwendigkeit des Abschlusses der Schekelsammlungen für das elfte Schekeljahr bis zum 1. Juli aufmerksam gemacht werden soll. Es soll auch darauf hingewiesen werden, daß den neuen Organisationsstatuten gemäß, die auf dem Haager Kongreß angenommen worden sind, nur diejenigen Schekelzahler, die zwei Jahre nacheinander, das heißt, von einem Kongreß bis zum andern, den Schekel bezahlt haben, wahlberechtigt sein werden, und daß die Verkleinerung der Schekelsammlungen die Zahl der Delegierten von Rußland und ihren Einfluß auf dem nächsten Kongreß bedeutend reduzieren kann. 3. Vom 1. Januar 1909 ab wird das Organ-der zionistischen Organisation in Rußland, das vom Zentralkomitee herausgegeben wird, in hebräischer Sprache erscheinen. 4. Angesichts der Unmöglichkeit einer Zusammenkunft der rußländischen zionistischen Organisation in Rußland, beschloß die Konferenz diese Frage bis zur bevorstehenden allgemeinzionistischen Jahreskonferenz aufzuschieben. 5. Die Konferenz beschloß, ein allgemeines Quittungsheft für sämtliche zionistische Sammlungen, mit Ausnahme der Schekel, für die 40 Kopeken Parteisteuer und für Nationalfonds einzuführen und an sämtliche Schekelzahlerkomitees und zionistische „Ortsgruppen zu versenden. 6. Die Konferenz beschäftigte sich lange und eingehend mit der Erörterung aktueller Palästinafragen. Verschiedene Maßnahmen und Mittel, die dazu geeignet .sind, die Palästinaarbeit zu fördern, wurden erwogen. Die Frage der Organisierung einer Vertretung jüdischer Interessen in der Türkei wurde ausführlich besprochen. 7. Die Konferenz beschloß, die bei dem Zentralkomitee bestehende Palästinakommission zu beauftragen, mit dem Palästinaamt und mit dem Palästinarat einen Meinungsaustausch über die Frage einzuleiten, in welcher Weise es möglich wäre, eine Institution zu schaffen, um Leuten, die ein kleines Kapital besitzen, die Möglichkeit zu geben, in Palästina eine bereits urbar gemachte Landstrecke zwecks Gründung einer Wirtschaft zu erwerben. 8. Die Konferenz begrüßte die Gründung einer juristischen Kommission in Jaffa und versprach, bei der Beschaffung der zu diesem Zweck erforderlichen Geldmittel für den Fall einer Unzulänglichkeit der bereits dort vorhandenen Mittel mit tätig zu sein. 9. Es ist darauf hingewiesen worden, daß die in Palästina befindlichen Bibliotheken an Büchernot leiden und daß in Jaffa eine Kommission gebildet worden ist, die die gesammelten Bücher in zweckmäßiger Weise unter die verschiedenen Bibliotheken in den Städten und Kolonien verteilen wird. Die Konferenz beschloß, sämtliche jüdischen Schriftsteller und Verleger zu ersuchen, je einige Exemplare ihrer Bücher für die Palästinabibliotheken per Adresse des Herrn J. Goldberg, Wilna, oder per Adresse des Odessaer Komitees zu senden. Aus dem Katalog der Ausstellung jüdisch-religiöser Kunst in Düsseldorf (Schluß) Synagoge. Synagoge — aus dem Griechischen: „Versammlung", hebräisch: „Beth-haknesseth", jüdisch-deutsch: „Schul", spanisch und italienisch: „scuola" oder „schola". Die Synagoge ist das Hauptbethaus der Juden, der Mittelpunkt des Kultus und die geweihte Stätte des jüdischen religiösen Lebens. Die Anfänge der Synagoge reichen bis in die Zeit vor der Zerstörung des zweiten jerusalemischen Tempels, in die letzten Jahrhunderte vor der christlichen Zeitrechnung zurück. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels und nachdem der priesterliche Opferdienst und die Levitenzeremonien aufgehoben worden waren, konzentrierte sich der Gottesdienst, der nunmehr bloß .im Beten und Vorlesen der heiligen Schrift bestand, in der Synagoge, die gewissermaßen als eine reduzierte Fortsetzung des Tempels galt (hebr.: Mikdasch meat — kleines Heiligtum). Fast jede jüdische Gemeinde hat, je nach den Verhältnissen, eine größere oder kleinere Synagoge. In großen Gemeinden befinden sich oft mehrere Synagogen, unter denen gewöhnlich eine als Hauptsynagoge gilt. Über die Beschaffenheit Einrichtung und innere Ordnung der Synagoge existiert eine lange Reihe traditioneller Vorschriften talmudischen Ursprungs, die in den Religionskodices des Maimonides und des Schulchan-Aruch als „Satzungen der Synagoge" („Hilchoth Beth-Haknesseth") figurieren. Nach der Teilung des jüdischen Ritus in den „aschkenasischen", „sephardischen" u. a. hatten die Anhänger dieser verschiedenen Riten ihre eigenen Synagogen. Diese Teilung wurde durch die Wanderungen der Juden vervielfältigt und differenziert, sofern die Mitglieder jeder Landsmannschaft ihre eigene Synagoge hatten, die nach dem Lande, aus dem sie herstammen, benannt worden ist So existieren in Italien und im Orient, „kastilianische", „aragonische", „katatonische" und „levantinische" Synagogen. Die meisten Synagogen der letzten Kategorie tragen außer den obengenannten üblichen Namen noch den Namen: „Baum des Lebens" (hebr.: „Etz Chajim", mit Bezug auf den Bibelvers: sie [die Lehre] ist ein Baum des Lebens).— In neuerer Zeit haben die Reformbestrebungen unter den westeuropäischen Juden eine weitere, auf Kultusänderungen beruhende Teilung der Synagogen in Orgel- und konservative Synagogen herbeigeführt. Modern werden die Synagogen auch „Tempel" genannt. Thorawimpel. Der Thorawimpel ist ein mehr oder minder breites Band, mit dem die Thorarolle zusammengebunden wird. In der Synagoge wird jedesmal ein Teil, eine Perikope, vorgelesen. Die Einteilung ist so getroffen, daß am letzten Tage des Laubhüttenfestes, am Tage der Geseizesfreude, die ganze Thorarolle zu Ende vorgelesen ist. Die Thorarolle wird in der Regel so aufgerollt, daß beim Aufknüpfen des Bandes die vorzulesende Stelle sofort sichtbar wird. Dieses Band ist in Italien und in vielen anderen südlichen Ländern ein einfaches Stück Leinen oder Seide, gemustert oder ungemustert, in Italien im 15. und 16. Jahrhundert zuweilen auf das reichste und zierlichste gestickt mit Pflanzen oder geometrischen Ornamenten, äußerst selten mit Schrift versehen. Dagegen ist es in Deutschland, ja überall in den Gebieten des polnischen Ritus üblich, den Jungen, wenn er vier Jahre alt geworden ist, nach der Synagoge mitzunehmen und an diesem Tage die Thorarolle mit einer Wimpel zu umwickeln, die aus der Beschneidungswindel gebildet und mit einer Art Geburtsregister in Stickerei, Malerei oder Tuschzeichnung ausgestattet ist Diese Schrift enthält den Namen des Jungen, den Namen des Vaters, den Geburtstag, manchmal auch Andeutungen; aus denen zu ersehen ist, ob der Vater noch lebt, wer der Großvater war und dergl., und sie alle schließen mit dem Spruch: „Er wachse zur Thora", d. h. er werde ein frommer Mann, „zu Chuppa", d. h. er vereheliche sich „und zu allen guten Werken". Seder. Seder (Ordnung), — die unter den Juden des aschkenasischen Ritus übliche Bezeichnung des häuslichen Gottesdienstes, der an den ersten zwei Abenden der ersten Passahtage verrichtet wird. Die Juden des sephardischen Ritus nennen diesen Gottesdienst „Haggadah" (Erzählung). Die Gebetstücke, die anläßlich dieses Festes verlesen werden, werden bekanntlich auch ..Haggadah" oder vollständiger „Haggadah schel Pessach^ (Erzählung zum Passahfest) genannt. Der ursprüngliche Passahgottesdienst bestand, laut Ex. XII, in der Darbringung des Passahopferlammes, wogegen die häusliche Feier nur als Mahl, an dem sich Mann und Weib, Eltern und Kinder beteiligt haben, erwähnt wird. Unter König Joschiahu wurde, wie im Buche der Könige IL, XXII erzähltwird, dieFeier des Passahopfers erneuert. Wie das Passahfest in der ersten Zeit des Bestehens des zweiten Tempels gefeiert. worden ist, darüber existieren keinerlei genaue Angaben. Aber gegen das Ende dieser Zeitperiode mit dem Aufschwünge der religiösen Praxis und der Ausgestaltung des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.