Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 24 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 —-IHE %| VII. Der Parteitag empfiehlt den ppale-ziorristischen Hochschülern, akademische poale-zionistische; Vereine, oder Intelligenzgruppen innerhalb der poaleTzionistischen Organisation zu gründen, um das Zusammenarbeiten der Intelligenz mit der Arbeiterschaft zu fördern. Nachmittagssitzu'ng . Kasriel referiert über „Partei und .Gewerkschaft". Et:Verlängt, .' daß die Poale-Zion in den größeren Städten oder, manchen Branchen in die allgemeinen Zentralgewerkschaften der. Arbeiter eintreten sollen. Die poale-zionistische Gewerkschaft soll noch für die Arbeiter in den kleinen Städtchen tätig sein, wohin die Zentralgewerkschaft in Wien .mit ihrer Organisation in" den Jetzigen' Verhältnissen, gar nicht gelangen kann. Er stellt folgende Resolutionen:, ', I. Der Parteitag überläßt der, Exekutive nach Anhörung, der Lokalkomitees und im Einvernehmen mit der Verbandsleitung, von Fall zu Fall zu entscheiden, ob .die Arbeiterschaft einer Branche oder Ortschaft in Ortsgruppen der Zentralverbände oder in solche, des Allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes i zu! organisieren ist, wobei "für die Exekutive, die Erwägung, richtunggebend seih . muß, daß die ökonomische Lage des jüdischen Proletariats ein / notwendiges Erfordernis zur Entfaltung beider Organisationen ist. .' II. Der Parteitag erblickt in der Neutralität' der Gewerkschaften eine Vorbedingung für die Zusammenfassung aller proletarischen Gruppen im geschlossenen, erfolgreichen Klassenkampfe ..und fordert alle Parteigenossen, die in den Zentralverbänden organisiert sind, auf, für ihre Neutralisierung energisch einzutreten. III. Der Parteitag spricht sich für die! Äüfrechterhaltung des . Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverbandes aus,, gibt jedoch dem Wunsche Ausdruck, daß die Verbandsleitung Maßnahmen ergreifen wird, um den Übertritt von Mitgliedern des»Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverbandes Österreichs in dieZeritralyerbände^phhe materielle Einbuße zu ermöglichen. Ober dieses Referat: und die, vorgelegten Resolutionen entwickelte sich eine heiße Debatte. Es sprachen Kretz, Dr.. Kadisch, Kenner, Rapaport, Sokäl, Bienenzucht, Birnhak, Meiler und Kasriel. Einige .Redner traten unbedingt' für die .weitere Führung, des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverbandes ein und wiesen darauf hin, daß die Auflösung der selbständigen Gewerkschaft gleichbedeutend mit der Auflösung ,:der besonderen Partei, sei. Die P. P. S., die in Gälizien die Zentralverbände repräsentiert, terrorisiert alle den Gewerkschaften' angehörende Arbeiter und nützt ihre Macht zu engen Parteizwecken aus. 'ybn, jüdischen ßedürf-. nissen und überhaupt.von. national-jüdischen Forderungen des Prole- . tariats wollen die Zentralverbände, die übrigens den Lebensver-. hältnissen der jüdischen Arbeiter gar nicht angepaßt sind, nichts wissen. Der besondere jüdische Arbeiteryerband könnte sich befriedigend, entwickeln, wenn man ihn gehörig unterstützen wollte. — Andere Redner hoben aber hervor, daß die jüdischen Arbeiter k'ein. Recht haben, den allgemeinen Zentralverbänden Hindernisse in den Weg zu stellen, daß man sich mit dem ganzen Arbeiterstande organisieren müsse, um einheitlich vorzugehen, und daß schließlich' der jetzige Stand der besonderen jüdischen Gewerkschaft ein so; trauriger sei, daß es unmöglich scheine, seinen Wirkungskreis noch vergrößern zu wollen. In der namentlichen Abstimmung, .wurden die Resolutionen K'asriels angenommen. Um S U.hr abends unterbrach .der Vorsitzende, die Sitzung auf _ eine Stunde. . .• ■ -: In der Nachtsitzung, welche nun folgte,- referierte Feuermann über die „Organisation". Nach einer kurzen Einleitung, in welcher er den Organisationszustand der Partei seit dem letzten Parteitag skizzierte, las er das von ihm verfaßte neue Organisationsstatut vor. Dieses Statut enthält nur. wenige Änderungen der jetzigen Organisationsbestimmungen. Die Parteiexekutive soll sich jetzt in Wien, statt wie bisher in Krakau, befinden. Der Redner proponierte, daß die Lokalkomitees die Grundlage der ganzen Organisation bilden und den Wirkungskreis der Kreiskomitees vergrößern sollten. Diese letzte Bestimmung wurde aber dann auf Antrag Kaplanskys abgelehnt. In die Parteiexekutive, welche in Wien ihren Sitz haben wird, wurden gewählt: Dr. J. Märgulies, Wasenberg, käplansky, Groß, Rosenfeld, als Stellvertreter: Meiseis, Schüller. - In, die Parteileitung erschienen außer der obigen gewählt: Halpern, Nusbaum, Melier und Frl. Herstein aus Krakau; Dr..Drimrner und Schußheim aus Stahislau; Kretz und Herz Sal. aus Lemberg; Dr. Händel aus Jaroslau; Weißbarszt aus Tarnopol und Steinmetz aus Czernowitz. Ober die „Frauen Organisation" referierte.sodann FrLMayer. Sie wies auf die beträchtliche Zahl der jüdischen Arbeiterinen in Galizien hin und forderte, daß die Parteileitung mehr Aufmerksamkeit der Agitationsarbeit zwischen den jüdischen Frauen schenke. Auch das Verhältnis der poale-zionistischen Erauehorganisationen £ffa- - ■. ' - - ■ No. 24 zu den-anderen proletarischen: Fiauenvereinen besprach eingehend „die Referentin^ . Das ..Fra^nsekretariat,- das sich in . seiner Arbeit . bewährt hat, soll — ihrerGehrung nach — mit . einem, größeren, Wirkungskreis ausgestattet, werden jind 10 °/o. der Schekelsammlung solle ihm.zufallen. , \ . - . .. .• In der. Debatte.; 'über , die Referate Feu erman ns und Frl. Mayers nahmen auch drei weibliche Delegierte teiL von welchen insbesondere Frl.;Herstejn ,.mit Nachdruck für die Interessen der . : poale-zionistischen Frauen -eintrat. Sie , kündigte auch an, daß morgen eine Frauenkonferenz stattfinden soll, welche sich-mit der Ausgestaltung der Agitätionsarbeit zwischen den jüdischen . Frauen beschäftigen wird. - -:. . Herz, Tunis, Arnold, "Käplansky und Feuermann be-, sprachen Organisationsfragen. In der Abstimmung wurde das Statut Fe.u-er-manns mit Ausnahme eines Paragraphen en bloc angenommen. . -Für das. Fraüensekretariat wurde eine monatliche . •Subvention, beschlossen. ...i . . .. .. Sodann wurde .ein .Antrag angenommen, daß die Redaktion und Administration des Parteiorgans „Der, Jüdische Arbeiter" von nun ab sich in Lemberg befinden.soll, und daß die bisherige, Exekutivedie .Geschäfte bis Ende September weiterführen, wird. . Die Präge der Vereine jüdischer jugendlicher Arbeiter wurde >auf Antrag; Kenner, der Partei-Exekutive überwiesen. Es wurde nur beschlossen, .d^ der Verband, jugendlicher Arbeiter „Jugend"., weiter, selbständig existieren, soll, daß er aber in engem-Kontakt, durch wechselseitige Delegierte mit der Partei-Exekutive handeln wird. Nun wurde . die-Sitzung des Verbandstages aufgenommen .und auf Antrag Herz und Nusbaum (im Namen der Kontroll- . kommission) wurde der bisherigen Verbandsleitung einstimmig das Absolutorium. erteilt* Nach einer kurzen Debatte über das Stellenvermittlungsbüreau; w.urde eine neue Verbandsleitung gewählt und sonach wurde der Verbandstag durch den Vorsitzenden Birnhak geschlossen. Vor Schluß, des Parteitagesstattete noch Ro s e n f e 1 d im Namen der Kommission, , welche dem Parteitag-das Resultat ihrer Beratungen über die Thesen , des Gemejndeprogramms vorlegen ..soll, einen Bericht ab. Außer kleinen Änderungen wurden die Resolutionen, des Referenten von der .Kommission angenommen. „Die kultusgemeinden müssen in nationale Körperschaften verwandelt , werden". Der Parteitag -nahm sodann das: Gemeindeprogramm in dieser Form, wie es die Kommission vorgeschlagen hat, einstimmig an. _ Die Resolutionen Kenners, welcher über die „Aufgaben des allweltlichen.poale-zionistischen-Verbandes'' referierte, wurden nicht. . angenommen. Es wurde .nur beschlossen, das Referat im Parteiorgan, abdrucken zu lassen. Nach , der Wahl der Kontroll- und Palästinakommission mit dem Sitze in Krakau hielten Watenberg und Käplansky die Schlußreden. Käplansky wies auf die große Arbeit hin, welche der Partei-, tag geleistet hat und forderte alle Delegierten auf, für die poalezionistische Idee min der größten Aufopferung tätig zu sein. Nach 2. Uhr nachts wurde der Parteitag geschlossen. Die VI. Landeskonferenz der Zionisten Ungarns .(Von unserem Spezialberichterstatter) Einundneunzig Delegierte aus allen Gauen Ungarns und speziell von den Brutstätten des Fajmagyarentums, wie Debreczen, Kassa, Väcz, Szatmär, N. Värad, Särbogärd usw., hatten sich in Budapest eingefunden, um ihr Nationaljudentum zu demonstrieren. Um 11 Uhr wurde die erste Tagung durch den Landespräsidenten Dr. Bela O estreich er eröffnet, der es als Hauptaufgabe der Konferenz betrachtet,; durch die Stärkung, unserer Landesorganisation, der Weltbewegung . neue Kraftströme zuzuführen". Nachdem, der Verifikationsausschuß die Mandate legitimierte, wurde die Wahl des Konferenzbureaus per Akklamation durchgeführt Präsident wird Dr. B61a Oestreicher; Und Vizepräsidenten ,S. Bettelheim-Pozsony und Dr.. Grün- -Kass.a, worauf die Sitzung bis drei Uhr nachmittags aufgehoben wurde.. Um diese Stunde.wurde das Massenmeeting im Saalbau der .-Budapester Kommune abgehalten^ . Der Erfolg war durchschlagend. 'Präsident Dr. Oestreicher richtet einen, zündenden Appell an die Anwesenden, ..„daß sie endlich aus der Reserve hinaus mögen,; um der. Idee mit. Leib und Leben zu dienen —".. „Der . Zionismus sei eine Notwendigkeit, weil er den einzigen, den letzten Weg zur, endlichen Befreiung bedeutet; die Judenfrage, kann nicht durch Untertauchen gelöst werden^ das hieße den Kranken durch den Tod befreien^ -: Die unblutige. Landnahme, sie muß, wenn wir stark wollen, gelingen; und haben wir die .materiellen Kräfte aufgebracht, dann