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Die Welt · 1908-06-19 · 24 (19.6.1908) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
24 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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bei solchen Unternehmungen von Aktiengesellschaften mit fernliegendem Operationsgebiet, deren Tätigkeit durch Beamte ausgeführt werden muß, von ungeheuerer Bedeutung- Es wäre unangebracht, in. einen überschwänglichen Optimismus über dieses Unternehmen zu verfallen. Jeder kennt die Hindernisse und Widerstände, die möglichen Konflikte und Spannungen, die große Reibungsfläche, die jede Verwaltungswirtschaft, die der Kritik und der Kontrolle unterworfen sein muss, nach außen bietet, den ersten Enthusiasmus und das spätere Abflauen, die Mühseligkeiten der bisherigen Sisiphüsarbeit, die vielen gescheiterten Pläne und vereitelten Hoffnungen. Man braucht , nicht lange Jahre hindurch die Chowewe-Zion-Tätigkeit beobachtet und in der zionistischen Bewegung gestanden zuhaben; jeder, wenn er auch nur das wenigste weiß, kann das Bedenkliche leicht herausfinden. Dieser Skepsis darf auch nicht eine Außerachtlassung der negativen Seiten entgegengestellt werden. .Nein —, es ist eben ein Riesenproblem, an dem immer weiter gearbeitet werden muß. Wir befinden uns eben im Stadium der Schöpfung, in dem man nach dem wunderschönen Sinnspruch des Midrasch „verschiedene Welten schafft und zerstört, bis das richtige geschaffen wird". Es ist ein Trugschluß, wenn man behauptet, - daß, was früher mißlungen ist, auch jetzt mißlingen muß. Man darf sich aber bei jedem neuen Versuch nicht einbilden, daß er der letzte, ausschlaggebende, sozusagen alleinseligmachende ist, man muß immer die Möglichkeit eines Mißlingens jeder Einzelbemühung zugeben, um das Ganze immer über dieses Niveau in höherer Wertschätzung und in unwandelbarer Würdigung zu erhalten. Daraus ergibt sich das Programm: Rastloses Streben und ernstes Bemühen, um die ganze zionistische Organi- , sation geistig, moralisch und materiell zu kräftigen und jedem neuen Unternehmen, wenn es Hand und Fuß hat, kräftig beizustehen. Es wäre töricht, von einer Konkurrenz zu sprechen. Die Einzelteile können mit dem Ganzen nicht konkurrieren, weil sie an der Erhaltung des ganzen interessiert sind. Wie ist die Entstehung, um bei diesem Beispiel zu bleiben, der P. L~ D. C. möglich geworden? Zum größten Teil durch Zionisten und durch den N. F. Wie ist der Zionismus und wie ist durch ihn der Nationalfonds geschaffen worden? Durch die Propaganda einer national-zionistischen Anschauung, durch die innere Befreiung aus der geistigen Ghettosklaverei,' durch die Reden, die Schriften, die Kongresse usw. Auf diesem Wege erreichten wir das, was wir jetzt schon besitzen und wenn wir auf diesen Bahnen, ohne die nötigen Opfer zu scheuen, weiter wandeln werden, so ist Aussicht vorhanden, daß unser Besitzstand immer größer werden wird, und je größer unser Besitzstand, . .desto mehr -werden wir in der Lage sein, die Privatinitiative auf allen Gebieten unserer Tätigkeit anzuregen - und zu befruchten. Und wäre nicht das Palästinaamt gegründet worden, so könnte auch die P. L. D. C. kaum auf eine schnelle Verwirklichung rechnen. Das ist aber nicht nur bei diesem Unternehmen; das. wird bei sämtlichen Unternehmungen der Fall sein. Wer im Zionismus die Dinge statutarisch betrachtet, versteht sie nicht richtig. Hier ist kein Bestehen, sandern ein Werden, deshalb müssen die Dinge~in ihrem Entstehen und in ihrer Bewegung, wie sie auseinander erwachsen, beobachtet werden. Faßt man das ganze System ins Auge, so wird man nicht in sporadischer, zusammenhangloser, irgend ein Detail herausgreifender Anschauung sich zugunsten eines Teiles der Arbeit die anderen notwendigen Voraussetzungen und Bedingungen mißachten oder bekämpfen wollen. Die praktischen Aufgaben unserer Palästinaarbeit hängen mit den anderen Arbeitsgebieten der politischen Bemühungen, der nationafen Erziehung, der geistigen Beeinflussung durch Presse und Literatur in ihren tiefsten ursächlichen Beziehungen zusammen. Durch die Gesamtorganisation werden die Teile zusammengefaßt und die einzelnen Glieder zu einem einheitlichen und mächtigen Ganzen vereinigt. N. S. Spezialbericht über den IV. Parteitag der österreichischen Poale-Zion Zweiter Verhandlungstag Herr Kenner referiert über „Die Aufgaben des Allweltlichen poale-zionistischen Verbandes". Schon auf dem VII. Zionistenkongreß sind die poale-zionistischen Delegierten zu einer ersten gemeinsamen interterritorialen Konferenz zusammengekommen, die aber kein praktisches Resultat erlangte. Äußerliche Umstände erlaubten es uns nicht einen engeren Anschluß aller poale-zionistischen Verbände durchzuführen. Erst während des VIII. Kongresses kam es zu einer gemeinsamen Aussprache, welche die Idee des Allweltlichen P.-Z.-Verbandes in den Vordergrund stellte. Nun aber zeigte sich ein programmatischer Gegensatz zwischen den orthodox-marxistischen russischen Poale- Zion und den österreichisch-amerikanischen Delegierten, welche sich zu einer „synthetischen" Geschichtsauffassung bekennen. Dieser Gegensatz erlaubte nicht, daß darauf ein gemeinsames, poalezionistisches Programm ausgearbeitet und angenommen werde. Trotzdem, hofft der Redner, wird ein einheitlicher Verband aller poale-zionistischen Parteien Zustandekommen. Die Ursachen der anormalen Proletarisierung der jüdischen Arbeiterklasse sind nämlich in allen Weltteilen dieselben, und dadurch kennzeichnet die allweltliche jüdische Arbeiterfrage ein einheitlicher Charakter. Diese Einheit des verstreuten jüdischen Proletariats scharrt für ihn die Notwendigkeit einer besonderen Weltorganisation, welche die von der jüdischen Arbeiterklasse, sich gestellten Aufgaben zu realisieren hätte. Weil aber die ökonomischen und politischen Verhältnisse, in welchen das jüdische Proletariat lebt, und die einen entscheidenden Einfluß auf die Formierung seiner Anschauungen haben, überall verschieden sind, kann nicht von den einzelnen Organisationen, welche dem allweltlichen Verbände beitreten, verlangt werden, daß sie sich zu einem gemeinsamen und in allen Einzelheiten übereinstimmenden. Programm bekennen. Es kann aber dem poalezionistischen Weltverbande jede jüdische proletarische Landesorganisation angehören, welche den Klassenkampf als Weg zur Vergesellschafüichung der Produktionsmittel anerkennt und für das jüdische Proletariat eine politisch-territoriale Autonomie der Juden in Palästina verlangt Das Allweltliche P.-Z.-Bureau wird . beauftragt, eine gemeinsame Konferenz aller poale-zionistischen Organisationen einzuberufen, um einen gemeinsamen Verband auf föderativer Grundlage zu bilden. Zur Tätigkeit dieses Verbandes soll die Erfüllung folgender Aufgaben gehören: 1. Verbindung und Unterstützung der Landesorganisationen, 2. Regulierung des Verhältnisses der Poale-Zion zum Zionistenkongreß und internationalen Sozialistenkongreß, 3. Gründung eines Bureaus in Palästina, welches die Zwecke der dortigen P.-Z. fördern und eine Auskunftsstelle für das Ausland über die dortigen Arbeitsverhältnisse zu organisieren hätte. Für eine Parteiliteratur und Statistik der jüdischen Arbeiter soll das Bureau Sorge tragen. Der Referent akzentuiert insbesondere die Aufgaben des jüdischen Proletariats in Palästina, weil der Schwerpunkt der poalezionistischen Organisation sich in Palästina befindet Er fordert zuletzt die Bruderparteien aller Länder zu einer Vereinigung auf, welche für die Poale-Zion nicht eine akademische, aber eine Lebensfrage ist (Beifall.) Im Sinne seiner Ausführungen stellt der Redner auch , entsprechende Resolutionen. Nach diesem Referate wird zur Debatte über die Referate Kaplanskys und Kenners geschritten. Kasriel wendet sich in einer längeren Rede gegen die Ausführungen Kaplanskys. Das s«j£»^^^i^äi^iaag^

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