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Die Welt · 1908-06-12 · 23 (12.6.1908) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
23 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 16)
Language
German
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18 DIE-3§ Und warum rolle ich gerade hier vor den deutschen Zionisten alle diese Fragen auf, die doch allgemein zionistisch sind? Warum betrachte ich gerade den deutschen Delegiertentag als das richtige Forum zur Erörterung dieser Probleme? Ich will in einem Bilde antworten: Ich stelle mir die zionistische Bewegung als einen Strom vor, der entsprungen ist mit vielen Quellen in wilden, zerklüfteten Bergländern; dort hastet und wirbelt er durcheinander, in vielen Strömungen und Läufen, Schaum und Gischt spritzend, aber nicht an ruhige Arbeit gelangend. Nur für kleine Wassermühlen eignet er sich, aber nicht für große Wasserarbeiten. Weiter im Westen, da öffnet sich das Tal, und anschwellend ergießt sich der Strom in ebenes Gelände; hier gilt es, den Strom aufzufangen und in den Dienst der Menschheit zu zwingen. Hier sollen Staudämme gemacht werden und Regulierungsarbeiten, und hier sitzt die deutsche zionistische Föderation, "welche die Arbeiten organisieren und leiten soll. Die mühevolle, aber segensreiche Wasserwirtschaft soll das Panier des deutschen Zionismus sein. Weiter nach Westen wird der Strom träger, und wo er sich ergießt, da müssen Deiche errichtet werden gegen die Sturmfluten, und da sitzt im Haag unser Deichhauptmann, der mit klarem Blick die Deiche in Ordnung hält, damit nicht unvorhergesehene Ereignisse das Werk der Menschenhand zerstören. Erlassen Sie mir, noch weiter westlich zu schauen, wo sich aus dem von den Gebirgen heruntergebrachten Geröll und Schlamm neue Inseln bilden, die leider erst im Werden sind, sich bilden und vergehen, bald als fester Boden erscheinen und dann sich wieder als trügerischer Schlick erweisen, in den man versinkt, wenn man fest zutritt. Lassen Sie uns hoffen, daß dieses Neuland, alsbald richtig eingedämmt, ein fruchtbares Ackerfeld werden möge, denn reich genug ist es, um jahraus, jahrein die schönsten Ernten zu geben. Aber vorläufig liegt das noch im Schöße der Zukunft verborgen, unsere Arbeit in Deutschland liegt jedoch in bezug auf Palästina klar zutage; wir wissen, was wir wollen, und haben wir es uns erst fest vorgenommen, so wird es uns ein leichtes sein, es in die Wirklichkeit umzusetzen. Unsere wirtschaftlich zionistische Palästinaarbeit besteht also in folgendem: a) Landwirtschaft: 1. Sammlungen für den Nationalfonds; 2. Sammlungeil für die Ölbaumspende und Herzlwald resp. Beitritt zu dem Verein „Ölbaumspende"; 3. Vertrieb der Shares der Palestine Land Development Co.; 4. Beitritt zu dem Pflanzungsverein „Palästina." b) Indust rie: 1. Beteiligung an dem Palästina-Industriesyndikat; 2. Beteiligung an den von dem Syndikat zu begründenden Industrien; 3. Beitritt zu dem „Bezalel", Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrien in Palästina und den Nachbarländern. c) Handel: 1. Vertrieb der Shares der Anglo Palestine Co.; 2. Vertrieb von Palästinaprodukten. Ich bin am Schluß. Sie sehen, die Arbeit der letzten Jahre ist keine vergebliche gewesen. Was früher nebelhaft vor uns lag, das ist jetzt klar und leicht übersehbar; hatten wir früher eine dunkle Scheu, uns in das palästinensische Wirtschaftsgetriebe hineinzustürzen, jetzt können wir, wo wir den Umfang ermessen können, frischen Mutes herangehen. Wir brauchen an einem Erfolg nicht mehr zu zweifeln, und von unserer Energie hängt es ab, wann dieser Erfolg allen sichtbar werden wird. Hierauf folgt das Referat von Dr. Schemarja Lew in über die kulturellen Arbeiten in Palästina, das wir in der nächsten Nummer bringen werden. Debatte. Dr. Pincus berichtet über die Kommission zur Beratung der Kollenscherschen Thesen. Diese wurden in zwei Teile zerlegt, nämlich Thesen für heutige Arbeit und dann solche, die eine Änderung der Judengesetze anstreben. Diese Thesen sollen nur Richtlinien bilden, die Ausführung im einzelnen muß den einzelnen zionistischen Arbeitern überlassen bleiben. Die Gleichberechtigung der In- und Ausländer als prinzipielle Forderung ist von der Kommission besonders hinzugefügt. Im Anschlüsse hieran und die folgende Debatte wurde eine Kommission zur Bearbeitung der Gemeindeangelegenheiten unter dem Vorsitz von Dr. Kollenscher gewählt. Lin legt eine Resolution der Erziehungstätigkeit der-Zionisten Deutschlands namens der Berliner Bnei Zion vor, die dieser Kommission als Material überwiesen wird. £ELT - No. 23 Die Resolution Auerbach-Loewe-Becker gelangt zur einstimmigen Annahme in folgendem Wortlaut: „Der elfte Delegiertentag in Breslau mißbilligt aufs schärfste die Stellungnahme der zionistischen Mitglieder der badischen Synode in der Frage des Gemeindewahlrechts der ausländischen Juden und sieht in ihrer Haltung einen Verstoß gegen die narionaljüdischen Grundsätze des Zionismus". Es folgt die Debatte über die Resolution Struck-Friedemann in betreff der Sabbatruhe. Während die ersten beiden Absätze allgemeine Zustimmung finden, entspinnt sich über den dritten Punkt, welcher von der offiziellen zionistischen Presse neutrales Verhalten gegenüber allen religiösen Fragen verlangt, eine heftige Debatte unter zunehmender Erregung. Nachdem schließlich die Antragsteller diesen dritten Absatz zurückgezogen haben, gelangen die beiden ersten Abschnitte in folgender Form zu einstimmiger Annahme: 1. Der deutsche Delegiertentag bedauert aufs lebhafteste, daß in den offiziellen zionistischen Bureaus in Köln am Sabbat gearbeitet wurde, und begrüßt mit Genugtuung die Erklärung des Präsidenten, daß Vorsorge getroffen worden ist, die Wiederholung solcher Vorkommnisse auszuschließen. 2. Der deutsche D.-T. steht auf dem Boden der Erklärung Herzls: Der Zionismus unternimmt nichts, was gegen das Religionsgesetz des Judentums verstößt. Dienstag, Nachmittagsitzung, 3 Uhr. Palästina-Debatte. Dr. Sandler weist auf die Wichtigkeit eines Technikums in Palästina hin. Heute stehe die Sache so, daß gerade die praktischen Leute für die Begründung eines Technikums eintreten, wie Dr. Paul Nathan. Man muß wissen, welche Verehrung die Träger der geistigen Bildung im Orient genießen. Die Amerikaner haben dies schon lange erkannt und Schulen im Orient gegründet (College in Beyrouth). Die Türkei ist genötigt aus diesem College ihre Ärzte überall zu nehmen. Wir müssen ebenso von obenher eindringen. Freilich muß alles, was geschaffen wird, erstklassig sein. Gerade technische Hochschulen haben jetzt dort ein weites Feld. Hier handelt es sich nicht nur um eine Schule, sondern um wirtschaftliches Vordringen. Der Stand des Palästinawissens ist auch bei den Zionisten beschämend gering. Durch bessere Kenntnis würden unsere Unternehmungen bedeutend unterstützt werden. Dr. Hoppe (Königsberg) empfiehlt, daß Prof. Warburg ähnlich wie der Kolonialsekretär Dernburg in Deutschland selbst mit Vorträgen für die Palästinasache eintreten solle. Reich (München): Wir sollten weniger daran denken, neue Fonds zu gründen, wir sollten vielmehr unsere Agitation ausbauen. Die Unkosten der Bank sollten reduziert werden. Der Bezalel finde leider noch immer nicht in weiten Kreisen die ihm gebührende Würdigung. Das beste wäre, eine Ausstellung der Hauptarbeiten des Bezalels in allen jüdischen Hauptstädten zu veranstalten. Fortsetzung der Generaldebatte, Dr. Stahl (Tarnowitz) stellt den Antrag auf Anstellung eines bezahlten Parteisekretärs. Dieser soll auch die Qualifikation zum Agitationsredner haben. Viel Geld könnte man dadurch sparen, daß dieser Sekretär auf 8 oder 14 Tage Agitationsreisen in die einzelnen Distrikte unternimmt. Er soll ein festes Gehalt beziehen, die Spesen trägt der betreffende Bezirk. Levigard (Frankfurt): Allmählich müssen wir zum System der bezahlten Arbeit übergehen. Das Gehalt müssen wir durch eine Umlage bei den Ortsgruppen aufbringen. Theilhaber (München) unterstützt den Antrag, indem er auf den Rednermangel hinweist. Schnelling (Hannover) möchte erst feststellen, ob durch Anstellung eines Sekretärs irgendetwas gebessert werden wird. Dr. Hantke: Das Zentralbureau ist ebenfalls der Meinung, daß ein solcher Sekretär sehr nützlich wäre. Aber wo sollen wir die Mittel hernehmen? Man müßte es mit dem oberschlesischen Antrag verbinden. Die Ortsgruppe muß so viel abführen, als sie Schekelzahler besitzt. Wie sie die Gelder beischafft, muß der Ortsgruppe überlassen bleiben. Deshalb bitte ich den Antrag abzulehnen. Hey mann (Berlin): Die Höhe der Spesen unserer Banken beruhen auf den besondern Schwierigkeiten und im besondern darauf, daß für die Organisation der J. C. T. auf ein Aktienkapital -von 40 Mill. zugespitzt ist, während er nur 5 Mill. hat. Dr. Hantke macht die Vorschläge für die Wahl: Bodenheimer als Präsident. Aus 7 Mitgliedern des C. C. soll ein geschäftsführender Ausschuß gebildet werden.

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