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Die Welt · 1908-06-12 · 23 (12.6.1908) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
23 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Gründung der ersten -Genossenschaft von einer kapitalkräftigen Gesellschaft in Angriff genommen werden kann. Der Parteitag erwartet auf das bestimmteste, daß das Palästinaamt beauftragt werden wird, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, damit der Beschluß des Kongresses nicht unausgeführt bleibt, wodurch das Vertrauen zur höchsten Instanz der Kongreßorganisation aufs" schwerste erschüttert werden müßte. Der Parteitag beantragt, daß die Exekutive für die zu gründende Gesellschaft zur Finanzierung der Genossenschaft gegebenenfalls eine energische und großangelegte Agitation entfalten soll, um Organisationen und Einzelpersonen zur Zeichnung von Beträgen für den Genossenschaftsfonds zu bewegen. II. Der Parteitag lehnt es von vornherein ab, in der neugegründeten Palästina-Land-Developement-Company (Landentwicklungsgesellschaft) einen Ersatz für die Genossenschaft oder eine ihr an sozialwirtschaftlicher Wirksamkeit gleichwertige Institution zu erblicken, wiewohl ihre Bedeutung zunächst als- Lehr- und Musterfarm nicht unterschätzt werden soll. Der Parteitag erwartet, daß die gegen den Geist der Verwaltung der Company mit Recht erhobenen Bedenken beseitigt werden. III. Der Parteitag begrüßt den Beschluß der Haager P.-Z.- Koriferenz, ein Bureau in Palästina zu errichten mit der Aufgabe, die informative Tätigkeit, die gewerkschaftliche Organisation und die Kulturarbeit unter den Jüdischen Arbeitern in Palästina zu fördern und zu leiten. . Der Parteitag fühlt sich eins mit den palästinensischen Parteigenossen in der Überzeugung, daß der gewerkschaftliche Zusammenschluß, sowie die Organisation von Konsumgenossenschaften zur Hebung der Klassenlage der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina unumgänglich notwendig sind. Der Parteitag beauftragt die Exekutive, das Verbandsbureau in seinen Bemühungen tatkräftig zu unterstützen, die Informationstätigkeit zweckmäßig auszugestalten, damit bei allen Unternehmungen in Palästina, insbesondere bei den bevorstehenden Bahnbauten, jüdischen Arbeitern der Zutritt gesichert wird. IV. Der'Parteitag erblickt in der Bewilligung eines langfristigen Darlehens von 300000 Frs. aus den Summen des Jüdischen Nationalfonds an die Häuserbaugenossenschaft in Jaffa eine ungerechtfertigte Festlegung eines bedeutenden Bruchteiles des Nationalfondsvermögens für ein privatrechtliches Unternehmen, dessen Zwecke mit denen des Jüdischen N.-F. nicht in Einklang zu bringen sind. Die Bewilligung einer so bedeutenden Summe ohne ausdrücklichen Beschluß des Kongresses ist zudem ein gefährliches Präjudiz. Der Parteitag ermächtigt die Delegation, beim IX. Kongreß dafür einzutreten, daß dem A.-C. und dem Direktorium des Jüdischen Nationalfonds das Verfügungsrecht nur über Beträge zuerkannt wird, die ein bestimmtes Maximum nicht überschreiten. Nach diesem Referate wurde die Sitzung um 8V-< Uhr abends geschlossen. Nachts fand eine große poale-zionistische Versammlung statt, an welcher über 400 Personen teilnahmen. Es sprachen: Kaplansky, Rosenfeld, Kasriel, Watenberg und andere. (Schluß folgt) Spezialbericht über den XL Delegiertentag der deutschen Zionisten in Breslau Kurz nach llzlO Uhr eröffnete der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Rechtsanwalt Dr. Boden - heim er, Köln, die Sitzung des XI. Deutschen Delegiertentages, welchem 106 Delegierte beiwohnten, mit der folgenden Eröffnungsrede: Eröffnungsrede des Herrn Rechtsanwalts Dr. Bodenheimer Sehr geehrter Delegiertentag! Zum' ersten Male tagt die Vertrauensmännerversammlung der deutschen Zionisten im Osten Deutschlands, in einer Stadt, die durch ihre jüdischen Traditionen und durch eine große Zahl bedeutender Juden berühmt ist. Wir wissen die Ehre zu schätzen, die uns die hiesige Ortsgruppe hat zuteil werden lassen, indem sie uns eingeladen hat, unsere Sitzungen hier abzuhalten. Viel Ersprießliches ist von Breslau dem deutschen Judentum und der Judenheit der ganzen Welt zuteil geworden. Das Geschichtswerk von Graetz ist durch seinen nationaljüdischen Gehalt bahnbrechend für eine neue Auffassung der jüdischen Geschichte geworden. Aus der Erstarrung eines mumienhaften Leitfadens der Religion und der Isolierung einer Kirchengeschichte ist sie in die Reihe des Geschehens und Wirkens lebendiger Völker eingereiht worden. Zacharias Frankel und seine Schüler haben hier im Dienste des Judentums gewirkt und der Wissenschaft des Judentums neue Bahnen gewiesen. Das Vorbild und die Lebensarbeit so bedeutender Männer wird für uns ein Ansporn sein, unsere Arbeiten mit dem Eifer und der Würde zu erledigen, die das hohe Ziel, daß wir uns gesetzt haben, erheischt- Zur Lösung neuer Fragen haben wir uns hier vereinigt, und die reiche Tagesordnung unserer Versammlung ist der beste "Beweis, daß in der zionistischen Bewegung sich immer neue Kräfte regen und das Leben vielgestaltig emporblüht. Ein Teil unserer Anhänger hofft durch diplomatische Tätigkeit in der Türkei und bei den Großmächten der Kulturvölker das Ziel einer politischen Autonomie zu erreichen. Ein anderer Teil glaubt auch, daß dieses Ziel gefördert werde durch kolonisatorische Pioniertätigkeit, durch Hebung, Förderung und Mehrung der jüdischen Bevölkerung im Lande der Väter. Doch wird selbstverständlich auch von dieser die Kleinarbeit nicht als Ziel, sondern nur als Mittel zur Erreichung des zionistischen Endziels betrachtet.. Neben diesen auf das Endziel gerichteten Bestrebungen liegt uns selbstverständlich jede Arbeit am Herzen, die das Wohl der Juden fördert; so ist es als eine Notwendigkeit für uns "erkannt worden, in Deutschland wie in anderen Ländern das Verhalten der jüdischen Bevölkerung zu dem Volk, unter dem wir leben, und das Verhältnis der Zionisten zu der jüdischen Bevölkerung klarzustellen. Deshalb sind diese beiden Gegenstände auf die Tagesordnung des Delegiertentages gesetzt worden. Ebenso wichtig, wie das Tätigkeitsgebiet der innerdeutschen Politik, ist für uns der Wunsch, angenehme Beziehungen zu den anderen jüdischen Organisationen zu pflegen, welche die Erhaltung des Judentums oder der Judenheit für die Zukunft anstreben. Man kann uns nicht den Vorwurf machen, daß wir uns in weltfremder Weise von irgendw.elchen jüdischen Angelegenheiten zurückziehen und uns lediglich mit Arbeiten für die Zukunft beschäftigen. Wir haben durch unsere Anteilnahme an der Generalversammlung des Verbandes deutscher Juden sowie an anderen Veranstaltungen, in denen für unsere Tätigkeit Raum war, den Beweis erbracht, daß wir auch an diesen Aufgaben gern und freudig mitarbeiten. Unsere Gesinnungsgenossen in Baden haben durch ihre eifrige Beteiligung an den Wahlen zur israelitischen Synode bewiesen, daß es lediglich ein Schlagwort ist, wenn man da oder dort behauptet, der Zionismus habe in Deutschland keinen Boden gefaßt, oder beschränke sich auf ganz kleine Kreise innerhalb der deutschen Judenheit. Der Ausgang dieses Wahlkampfes hat dargetan, daß die große Masse der deutschen Juden, ebenso wie in anderen Ländern, mehr oder weniger unbewußt auf dem Boden der zionistischen Weltanschauung steht, und daß es nur der energischen zielbewußten Führung bedarf, um sie für unsere näheren und ferneren Zwecke zu organisieren. Wir können bei einem ersten Vorstoß dieser Art nicht erwarten, mit allen unseren Forderungen durchzudringen, da wir für diese Zwecke noch keine 4n ihrer Anschauung gefestigte zielbewußte Masse eines Anhangs besitzen, auf den man sich unter allen Umständen verlassen kann. Die Folge davon ist, daß man bei diesem Versuch der Einmischung in die Gemeindepolitik ein Kompromiß abgeschlossen hat, das wir aufs tiefste bedauern. Das Zentralbureau in Berlin hat in rührigster Weise die organisatorische Kleinarbeit und Propaganda in Deutschland geleitet. Dasselbe hat durch die Art der Ausbildung der bestehenden Organisationen bewiesen, daß diese Tätigkeif ebenso wichtig ist wie die Verbreitung der Idee, obwohl in Deutschland nach der Eigenart der Verhältnisse die Massen von der Begeisterung für die zionistische Idee nicht so stark ergriffen werden, wie dies in anderen Ländern der Fall ist, wo sie einen höheren Prozentsatz der Bevölkerung bilden und in materiell und politisch ungünstigen Verhältnissen leben. Unser Zentralbureau hat es trotzdem fertiggebracht, daß Deutschland heute an der Spitze aller Sammlungen für unsere Bewegung steht. Besonders zeigt sich in Deutschland ein großes Verständnis für die materiellen Anforderungen, welche die Exekutive für die Zwecke ihrer organisatorischen und politischen Tätigkeit stellen muß; in Deutschland hat die Idee des Parteifonds ein weitgehendes Verständnis gefunden, so daß wir in der Lage waren, heute schon die uns auferlegte Parteisteuer in voller Höhe zu leisten, währenddem man in andern Ländern erst anfängt, hierfür in die Agitation einzutreten. Nachdem heute sich so die Zentralisation unserer Arbeit in Berlin vollzogen hat dürfte der Zeitpunkt gekommen sein, auch die Einrichtung des Zentralkomitees den veränderten Verhältnissen anzupassen. 2

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