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Die Welt · 1908-06-12 · 23 (12.6.1908) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
23 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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4 t>IE3^ELT No. 23 schätzen jeden Genossen auf das Maß seiner Kreditwürdigkeit, sie verlangen außerdem auf dem Schuldschein nicht nur die Unterschrift des Schuldners, sondern auch noch die eines andern Genossen als Bürgen. Durch beide Vorsichtsmaßregeln ist die Gewährung eines ungerechtfertigt hohen Darlehens so gut wie ausgeschlossen. Dem berechtigten Bedürfnis der Kolonisten nach Personalkredit ist vollständig und in der vollkommensten Weise abgeholfen, wenn jedem derselben eine Darlehnskasse offensteht. Es ist deshalb eine wichtige Aufgabe, solche Kassen, wo sie noch fehlen, ins Leben zu rufen. ' Dieses Beispiel zeigt, wie sich so manches Gute und Praktische erst aus den Erfahrungen vieler Jahre ergibt. Und es ist ja nur kaum ein Anfang in dieser Richtung gemacht worden, der Anfang einer indirekten Förderung des Landbaus durch ein Finanzinstrument unserer Organisation! Wir dürfen auch hoffen, daß die reichen jüdischen Gesellschaften sich der Einsicht nicht verschließen werden, daß man in diesen Darlehnskassen mit genügender Sicherheit und mit segenbringenden Wirkungen für jüdischen Besitz und Arbeit in Palästina größere Kapitalien investieren kann. Nun handelt es sich jetzt um die Nutzbarmachung einer andern bedeutenden Institution, die der Zionismus geschaffen, für eine indirekte Förderung des Landbaues. Wir meinen den Nationalfonds. Bekanntlich besitzt der Nationalfonds Grund und Boden in Palästina; ein beträchtlicher Teil dieses Fonds wurde zu diesem Zwecke verwandt. Mit Recht betrachtete man dies als eine sichere Kapitalanlage; die Bodenpreise steigen infolge der neuen Bahnlinien und des allgemeinen Kulturfortschritts, die Bevölkerung wächst und jede neue Fußbreite Bodens, die wir in Palästina erwerben, wird uns in der Zukunft zugute kommen. Aber auch der Nationalfonds ist kein Kolonisationsapparat. Er ist ein Kapitalsakkumulator, und legt er einen Teil seines Kapitals in Bodenbesitz fest, so ist es eben nur der Besitz, den er wahren kann. Was soll mit dem Boden geschehen? Er soll verpachtet werden an Juden, — lautete die Antwort kurz und bündig, leider aber ohne Berücksichtigung der spezifischen dortigen Verhältnisse. Man kann einen nicht urbar gemachten, unvorbereiteten und unbewirtschafteten Boden nicht gut verpachten. Man kann ihn auch nicht brach liegen lassen, weil die Besitzsicherheit in Palästina eine Besitzergreifung voraussetzt. Es ist also klar, daß man nach äußerer Mitwirkung anderer Faktoren für die Erreichung dieses Zieles suchen muß. Wir sehen, wie sich notwendigerweise das Programm einer Palästina-Realarbeit für die zionistische Organisation darstellt. Seit einigen Jahren wird in unseren Reihen das praktisch-palästinensische, das lebendige Handeln in den Vordergrund gerückt: Die Arbeit muß getan, das Werk gebaut, die Funktionen eines neuen Lebens müssen eingeübt werden, um des Tuns, um des Bauens, um des Übens willen, damit nur überhaupt doch endlich einmal gebaut, geübt wird, so gut oder so schlecht es eben geht. „Alles oder nichts" ist falsch für uns; für uns ist das Schlechte immer noch besser als nichts; schaffen, irgendetwas schaffen, das Geringste schaffen, müssen wir erst wieder lernen. Wir sind Anfänger, wir haben nicht viele Kräfte, wir dürfen nicht zu viel mit einem Male verlangen; vor allem muß einmal begonnen werden. Es muß bei uns geschaffen werden, sogar schlecht, nur so können wir lernen, das Schlechte später besser zu machen. Dieser Tatendrang hat seine Berechtigung und kann unserer Sache sehr förderlich sein. Nur muß man eine Grundbedingung nicht außeracht lassen. Die praktischen Versuche sind episodisch; die Gesamtorganisation ist beständig. Die praktischen Versuche können ebenso gut mißlingen wie gedeihen; bei der Gesamtorganisation darf von keinem Mißlingen die Rede sein. Die Gesamtorganisation hat nur die Grundbedingungen, wir möchten fast sagen: die Grundempfindungen, für den Zionismus zu schaffen. Deshalb muß sie von den Fährnissen und Geschicken der Versuche möglichst verschont bleiben. Sie kann nur Schritt für Schritt, ohne sich mit Einzelunternehmungen zu identifizieren, von ihrer Institution aus, indirekt das Lebensfähige fördern. Ganz wie die A. P. C. den Darlehnskassen in den Kolonien Kapital liefert, dem Landbau Nutzen bringt, ohne sich in irgendein Risiko zu stürzen und ganz wie diese Tätigkeit nach Maßgabe der Bedürfnisse wächst, so wird auch der Nationalfonds der neugegründeten und vielverheißenden Palestine Land Development Company, über die wir ausführlich schreiben werden, seine Förderung angedeihen lassen. Wer seine Kraft gemessen-hat und erkennt, wohin er mit ihr treten soll, ist gefeit; es kann ihm nichts mehr geschehen, weil er notwendig geworden ist. Notwendig werden, seinen Platz finden, seine Rolle wissen, das ist alles. Von den Leihkassen kann man behaupten, daß sie notwendig geworden sind. Wir glauben nicht zu übertreiben, wenn wir sagen, daß man dies auch von der A. P. C. im allgemeinen schon jetzt behaupten kann. Unsere neue Schöpfung, das Palästinaamt, entsprang einem Bewußtsein dieser Notwendigkeit, die in uns heranreifte. Die Organisation, der Nationalfonds u. dergl. haben Interessen in Palästina, die wahrgenommen, und einen gewissen Besitz, der verwaltet werden muß. Das war nur eine Notwendigkeit, die sich unserem Kalkül, unserem Empfinden kundgab. Aber die neue Institution muß sich dort im Lande ebenso notwendig machen wie die A. P. C. Man muß es deshalb im Interesse der guten Sache abwehren, wenn die ersten Schritte dieser Institution nicht von allen Seiten mit dem wohlwollenden Vertrauen begrüßt werden, das sie verdienen. Wir müssen unsere Arbeiter bei Mut und Lust erhalten. Den neuen Institutionen, die nicht als überstürzte Gründungen, sondern als Zweige unserer Gesamtorganisation durch einen gesunden Entwicklungsprozeß entstanden sind, muß, wie den jungen Pflanzen, die nötige Zeit und — eine liebreiche Pflege gewährt werden. N. S. Spezialgericht über den IV. Parteitag der österreichischen Poale-Zion Im feierlich dekorierten, großen Saale des Vereines „Jad- Charuzim" in Lemberg tagte am 5., 6. und 7, d. M. der IV. Parteitag der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei Poale-Zion Österreichs. Dem Parteitage, an welchem über 60 Delegierte teilnahmen, unter denen mehrere Frauen sich befanden, wohnten auch zahlreiche Gäste auf den Galerien und einige Vertreter der zionistischen und polnischen Presse bei. Die erste Sitzung wurde Freitag den 5. d. um ll Uhr vormittag vom Sekretär der Parteiexekutive, Herrn Nußbaum, eröffnet. Herr Arnold dankte dem Parteitag im Namen

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