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Die Welt · 1908-06-12 · 23 (12.6.1908) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
23 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIEÄELT KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 >W^ER8CHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII. JAHRG. KÖLN, 12. Jmri 1908 pmnb obnn'e* ]*,D i""> No. 23. DIE PFLICHTEN PRAKTISCHER PALÄSTINA-ARBEIT ii Der Zionismus als große national-politische Bewegung darf keine Kolonisationsarbeit -machen. Seine Aufgabe besteht in der Weckung des Bewußtseins, der Stimmung, des praktisch oftmals Unbestimmbaren, aber Unentbehrlichen, der Atmosphäre, des großen Zusammenwirkens der Diaspora, des Ideals. Kleine Geister verstehen dies nicht und drängen zum Detail: möchte er doch — der Zionismus — ein Grundstück erwerben und wirtschaften! Vielleicht auch „abwirtschaften"? Als wenn man z. B. dem Sozialismus vorschlagen würde, sich darauf zu verlegen, irgendein wirtschaftliches Unternehmen nach seinem Geiste umzugestalten, oder dem Liberalismus — von der politischen Arena zu verschwinden und sich in der Errichtung einiger Säkularschulen zu erschöpfen, oder der religiösen Bewegung — sich auf die Erbauung einiger Bethäuser zu beschränken. Die . Partei kann und soll nur anregen, befruchten, begeistern. Die Leute der Tat folgen dann auf allenmöglichen Gebieten und fügen bedachtsam zusammen, was in der Parteilehre ursprünglich und ganz allgemein hervorquillt. Jede große Bewegung, auch die nüchternste, entfaltet eine dichterich-mystische Dämmerung und muß einen Stich ins Große haben. Eine Bewegung zu bewußten, gewerbsmäßig betriebenen, mathematisch ausgetiftelten Versuchen herabzudrücken, heißt ihren Lebensnerv abschneiden. Als man so oft mit den Schlagworten: „politischer Zionismus", „Chowewe-Zionismus" herumschleuderte, begriff man noch nicht recht gründlich den Unterschied. Dieser liegt viel weniger in der Frage der unbedingten oder bedingten Notwendigkeit der öffentlich-rechtlichen Sicherheiten vor jedem Beginnen, als in dem Gegensatze der Maßstäbe, der Rahmen und der Methoden. Politischer Zionismus bedeutet hier: das Allgemeinere, das Größere, das Umfassendere, wie es jede politische Partei ist, die nicht in Details aufgeht, sondern im großen wirkt. Man identifizierte dann den politischen Zionismus mit dem sich an seine Rockschöße hängenden ganzen oder halben Territorialismus, man brachte ihn in Verbindung mit der Diplomatie, man fand ihn lau für Palästina, und schmähte andererseits den Chowewe- Zionismus, als ob dieses Wort etwas Tadelnswertes bedeutete. All das ist Sprachmißbrauch und Begriffsverwirrung. Ein politischer Zionismus kann sich nur auf Palästina beziehen; sein Prädikat „politisch" zeigt nur, daß er nach der Methode jeder politischen Bewegung und jeder politischen Partei wirken muß. Ob er so oder anders genannt wird, der Name bedeutet nichts. Man kann den „politischen Zionismus" ebenso klein gestalten, wie den Chowewe-Zionismus groß. Vertuscht man in ihm das Grundsätzliche, verschleiert man aus opportunen Behaglichkeitsrücksichten den tatsächlichen Prinzipiengegensatz, der zwischen ihm und dem Antizibnismus in der ganzen Auffassung des jüdischen Problems herrscht, verweist man ihn in das Repertoire der augenblicklichen Hilfsmittel für verfolgte Juden und setzt man an die Stelle des Ganzen einen Teil, so erhält man notwendigerweise einen „Esra". Es soll damit nicht gesagt sein, daß letzterer nicht ein ersprießlicher und rühmenswerter Verein ist, sondern daß er nur ein Detail zionistischer Mittel, aber nicht das Programm, den Zweck und die Methoden unseres Zionismus darstellt. Halten wir die Leitsätze fest, daß: I) die Kolonisationsarbeit weiter gefördert werden muß, und II) daß die zionistische Organisation nicht zu einem Werkzeug dieser Arbeit gemacht werden kann, so ergibt sich hieraus mit zwingend logischer Notwendigkeit, daß ein eminentes Interesse der. Organisation das Entstehen mehrfacher und verschiedenartiger Unternehmungen heischt, die neben und außerhalb ihr oder sogar vermittels ihrer Institutionen diese Arbeit machen können. Für letztere Wirkungsart kann die Anglo Pal estine Company als Vorbild dienen. Dieses Finanzinstitut kann keine Ansiedlungen begründen, aber sie fördert im Rahmen ihrer Operationen durch die „Kupoth Milwe" (Darlehngenossenschaften) den jüdischen Landbau. Durch ihre Vermittlung erhält der jüdische Landwirt billigen, oftmals ziemlich langfristigen, seinem Vermögen und seiner wirtschaftlichen Tüchtigkeit entsprechenden Kredit. Er ist gleichzeitig vor der Gefahr gesichert, seinen Personalkredit zu überspannen. Die Darlehnskassen

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