Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 22 (5.6.1908)
- Date
- 1908-06-05
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 DiEl KELT Nq. 22 Dr. Fritz Löhner, Dozent Dr. A. Mahler, Dr. M. Nordau, Dr. F. Oppenheimer, Dr. D. Pasmanik, Dr. D. Rothblum, Felix Saiten, Prof. Dr. Slousch, N. Sokolow, Dr. O. Thon, Ing. M. Ussischkin, Dr. J. Weissenberg, Dr. Weisengrün, Präs. David Wolfsohn, usw. usw. Da es aber der „Kadimah" nicht möglich ist mit allen jenen Männern in Verkehr zu treten, welche für die Herausgabe des Sammelwerkes von Bedeutung sein können, so bitten wir auf diesem Wege alle jüdischen Gelehrten, Dichter, Politiker und Künstler, die sich an der Mitarbeiterschaft für unsere Denkschrift zu beteiligen wünschen, sich diesbezüglich an uns wenden zu wollen und eventuelle Zuschriften, Artikel und künstlerische Beiträge an das Festschriftkomitee der „Kadimah", Wien IX., Grüne Thorgasse 19a einzusenden. Im Voraus bestens dankend, zeichnen mit Zionsgruß für das Festschriftkomitee: Dr. Fritz Löhner, Ing. Emil Kugel. Gwozdziec: Bei der Generalversammlung des Jüdischen Lesevereins „Zion" wurden die Herren: Julius Pauker zum Präsidenten, Schuslim Luwisch zum Vizepräsidenten, Schaja Goldfeld zum Schriftführer, Heinrich Korn zum Kontrollor, Salomon Klier als Kassierer und Nationalfondskommissär sowie die Herren Selig Dienes und Wolf Haspel als Bibliothekare und Hersch Gottlieb als Zeitungsverweiser gewählt. Bulgarien Am 24. Mai wurde in ganz Bulgarien der Schekeltag gefeiert. In Philippopel ist er besonders glänzend ausgefallen. Dort hat der bisher nichtzionistische Kultusgemeindevorstand eine Einladung an die jüdische Bevölkerung der Stadt gerichtet, in der er zur Teilnahme an dem Nationalfest aufforderte. Der Kultusvorstand selbst erschien in corpore bei der Festversammlung. Amerika Die von der Federation of American Zionists eingeleitete Bewegung zur Bildung von Jugendvereinen hat in den letzten Monaten erfreuliche Fortschritte gemacht. In New York allein sind fünf neue Vereine gegründet worden, so daß jetzt dort 15 derartige Klubs bestehen, die sich der Verbreitung jüdischer und zionistischer Kenntnisse unter den jungen Leuten widmen. In Brooklyn ist ein großer Jugendverein entstanden, der über 150 Mitglieder (Knaben und Mädchen) zählt, drei neue werden in den nächsten Wochen organisiert werden. Die Vereine stehen gewöhnlich unter der Leitung eines Rabbiners oder Lehrers, oder sonst gut informierter Zionisten und veranstalten Kurse und Seminarübungen über die verschiedensten Fragen aus der jüdischen Geschichte und Literatur, wie auch aus zionistischen Gebiete. Die Leiter der Jugendvereine haben sich jüngst zu einer besonderen Organisation vereinigt, um ein gemeinsames Zusammenarbeiten zu erwirken. Die zionistischen Vereine des Staates Connecticut werden am 28. Juni ihren alljährlichen Distriktstag in New Häven abhalfen. Eine große Massenversammlung soll sich den Beratungen anschließen. Rußland Petersburg, 31. Mai. Am 8. Juni beginnen die'Verhandlungen des Pogromprozesses von Bjelostok in dem dortigen Bezirksgericht. Einen Bericht über die jüngste Sitzung der russischen A. C. Mitglieder werden wir in der nächsten Nummer bringen. ^KORRESPONDENZEN^ Zur Aufkläruug*) Im Bericht über den Prozeß Hurwitz-Lasar (in Nr. 20 der Welt) sind manche Irrtümer enthalten, die ich, soweit sie mich betreffen, richtigstellen möchte. Ich tue dies, indem ich die Vorgänge in aller Kürze rekapituliere. 1. Zwischen Herrn Hurwitz und mir bestanden seit Monaten Reibungen in der Redaktion des „Heatid", deren Ursprung darin zu suchen ist, daß ich, von meinem Rechte Gebrauch machend, das Erscheinen eines Artikels, dessen Tendenz mir bedenklich schien, verhinderte. Ich lasse es dahingestellt, ob meine Meinung richtig war; aber das formelle Recht zu dem Veto hat niemand bestritten. folge Raummangels rspätet. 2. Herr Hurwitz hatte seinen bekannten Artikel im „Haolam" veröffentlicht. Nachdem der erste Abschnitt erschienen war, begegnete ich Herrn H. und sagte ihm, daß ich den Artikel erst, nachdem er völlig erschienen sein wird, zu lesen gedenke. Mit seiner antichassidischen Tendenz bin ich durchaus einverstanden. Bald darauf wurde ich auf den Passus aufmerksam gemacht, der den Kampf heraufbeschworen hat. Ich schrieb ihm dann: „...... vielleicht habe ich noch Gelegenheit, Ihnen ausführlich zu sagen, daß Sie nicht richtig, getan haben, in den Artikel, mit dessen Inhalt ich sonst übereinstimme, einen Passus zur Verherrlichung des Christentums hineinzubringen. ' Es war dies überflüssig, und auch an sich ist es nicht richtig .........!" Es folgte darauf eine Äußerung über das Christentum, die ich hier nicht wiedergeben kann. In ähnlicher Weise äußerte ich meine Ansicht mehreren ge-. meinsamen Bekannten gegenüber. 3. Einige Tage später erfuhr ich, daß Herr Hurwitz im „Hamizpe" aufs schärfste angegriffen worden sei. Ich nahm nicht einmal Veranlassung, mir die betreffende Nummer kommen zu lassen. Als mir Herr Lasar das Blatt zuschickte und mich aufforderte, zu der Sache Stellung zu nehmen, antwortete ich ablehnend, wobei ich die Behauptung, daß H. im Solde der Mission, stehe, als unrichtig bezeichnete. Allerdings äußerte ich mich in scharfen Worten gegen, die literarische Tätigkeit des Herrn H., die mir schädlich erscheint. Der Brief war durchaus privater Natur und für die Öffentlichkeit nicht bestimmt Es ist . der Elementarbegriff des journalistischen Anstandes, den ich auch bei Herrn Lasar voraussetzte, private Briefe ohne Erlaubnis von deren Schreiber nicht der Öffentlichkeit preiszugeben. Herr Lasar kann sich nicht einmal damit entschuldigen, daß er in der Notwehr gehandelt habe, da der Streit sich lediglich um die diffamierende Behauptung drehte, daß H. im Solde der Judenmission stehe. Das konnte er doch durch mich nicht nur nicht beweisen, sondern ich habe im Gegenteil dies von Anbeginn bestimmt als unrichtig bezeichnet. In der Bekämpfung der Tendenzen des H. stehe ich nicht allein. 4. Was den Streit um die Wellhausen-Übersetzung betrifft, so ist vor dem Ehrengericht festgestellt worden, daß ich wohl mit H. vor Monaten deswegen einen ärgerlichen Auftritt hatte, aber Herrn Lasar auch nicht ein Wort darüber schrieb. Ebenso hat Herr Lasar vom Erscheinen der Klausnerschen Arbeit, „Das Leben Jesu" im „Heatid" nicht durch mich, sondern durch eine Indiskretion der Druckerei Kenntnis erhalten. 5. Donnerstag abend war die Verhandlung vor dem Ehrengericht abgeschlossen. Freitag früh holte mich der bekannte Schriftsteller N. Samuely vom Hotel ab und schlug mir vor, im Cafe Grand zu frühstücken. Als ich den Saal betrat, fragte mich Herr Samuely, ob es mir peinlich sei, daß Herr Hurwitz sich dort befinde. Ich antwortete: „Nein, nicht im mindesten." Wir gingen an einen Tisch heran, und bei meiner bekannten hochgradigen Kurzsichtigkeit bemerkte ich erst jetzt, daß H. dort saß. ich gewann den Eindruck, daß Herr Samuely uns absichtlich zusammenführen wollte, um eine Versöhnung zwischen uns herbeizuführen. Daran hatte ich nichts auszusetzen. Herr Samuely redete uns beiden auch gleich zu, daß wir uns in seiner Gegenwart offen aussprechen und Frieden schließen sollten. Da der Streit nur ein literarischer war, so war eine offene Aussprache durchaus möglich. Es stellte sich dabei heraus, daßein Vorgang, der hauptsächlich dazu geeignet war, mich gegen H. am meisten zu erbittern und mit Mißtrauen zu erfüllen, wie er mir aufs bestimmteste versicherte,, ohne sein Wissen und Verschulden geschehen war. So war der Weg gefunden, eine Sache, die ohne unsere Absicht einen peinlichen Charakter angenommen hatte, aus der Welt zu schaffen. 6. Es wurde verabredet, vorläufig diese bereits angebahnte Versöhnung geheimzuhalten, um auf das Urteil des Ehrengerichts keinen Einfluß auszuüben. Ferner sollten wir nachmittags in Gegenwart von Zeugen die Angelegenheit vollständig regeln. Es geschah dies im Beisein der Herren Samuely und Kleinmann, und letzterem diktierte ich die vereinbarte-Erklärung,. die mit folgenden Worten schloß: „Beklagenswerte Mißverständnisse haben dazu geführt, uns, die wir jahrelang in persönlicher Freundschaft und in gemeinnütziger Tätigkeit vereint waren, zu entfremden. Nachdem diese Mißverständnisse beseitigt sind, erklären wir beide, alles, was in gegenseitiger Erregung und Erbitterung geschehen ist, für nicht geschehen und aus der Welt geschafft." 7. Während des Streites wurden Privatbriefe, die ich vor Jahren in freundschaftlichem Vertrauen geschrieben hatte,' veröffentlicht Ich habe mich dieser Briefe gewiß nicht zu schämen, denn sie legen nur ehrendes Zeugnis für meine Liebe zum jüdischen Volke ab. Der Schwerpunkt der Veröffentlichung lag wohl darin, daß ich mich in einem dieser Briefe bitter über ein wirkliches, oder sagen.