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Die Welt · 1908-06-05 · 22 (5.6.1908) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
22 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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14 DIE3j einmal auf seinem Wege geirrt hat, ist es sehr schwierig für ihn, sich nicht immer wieder zu verirren .... Nicht leicht ist es, ein Menschenleben ganz von neuem zu beginnen .... Aber was macht es . . . .? Mein Leben zählt für nichts .... (Stille.) Wenn ich besiegt zurückkehre, wirst du mir dein Haus öffnen? .... mich nach dem Schiffbruche trösten? .... Ich werde die lebendige Seele unseres Volkes mitbringen .... mit eigenen Händen das Gold, gesammelt an den Stätten seiner Zerstreuung über die Erde .... Aber werde ich immer dein Sohn sein? .... sage es mir, Vater, Vater .... Der Rabbi (mit all seiner Kraft die. innere Bewegung, die die Worte seines Sohnes heraufbeschworen, überwindend): Du wirst deinen Vater nicht mehr nötig haben, niemals .... Du bist ein großer Mann, ein Mensch, der allein s-teht in der Welt.... ein Held .... ein Prophet .... du bist der Erlöser, ich kann dir nichts sagen (Er gerät allmählich in Affekt und Bewegung.) Wenn du zurückkehren wirst, und ich lebe noch, wird mein Haus, das für alle geöffnet ist, auch dir seine Pforte öffnen .... Aber es wird nie etwas ander« s als «ine Gruft sein, in die nur der Tod Einkehr halten wird .... Was sollte dir dieses arme Haus noch bieten? .... Josef: Mache mich nicht mutlos, Papa .... laß mir meine letzte Illusion .... im Namen dieser Bibel.... im Namen des Gottes, der immer noch die guten Werke der Mensehen gesegnet hat ... (Stille.) Der Rabbi: Und hast du nichts an dein Weib zu bestellen? Josef: Nein, nichts, es ist nutzlos .... unsere beiden Seelen können sich nicht wieder vereinigen .... wir müssen unser tragisches Los leben .... Die Schuld {ELT : No. 22 ist nicht in uns, sie ist in der Geschichte .... Ich wiederhole dir die Worte deines Propheten: Unsere Väter haben gesündigt und sind nicht mehr .... und wir müssen tragen ihre Schuld . i . . W I R . . . . Und die Abrechnung kommt .... wir ändern die Geschichte nicht .... Schließlich kennt doch die Welt nicht die Bestimmung alles Lebens .... Die Menschlichkeit müssen wir aufrichten .... erlösen die Geschicke der unterdrückten Völker und auch die des jüdischen Volkes .... Was glaubst du, versteht wohl mein Weib von allen diesen Fragen? .... Verstehst du mich doch nicht einmal, du, der du bist ein Priester Gottes, du, der du Jude bist .... und der du mein Vater bist! .... Der Rabbi: Die Philosophie .... Eine Grundlage nur: Gott .... in allem Leben .... mit allen .... auch mit unseren Feinden .... Gott. Josef: Nun, eben dieser Gott, ist er noch immer nicht gesättigt von dem Leiden des Volkes, das mit seinem Fleische die Räuber entflammt hat, alles zur Ehre und zur Heiligung seines Namens? Ich spüre Gott mehr in meinen Träumen als in deinen Predigten. Der Rabbi: Genug, Josef, genug, du bist ein hochmütiger Rebell . . \ . gehe, wohin du willst.... gehe bald .... gehe und erlöse unser Volk .... ich erwarte dich hier, bei diesen Büchern .... Der Rabbi wendet sich ab, um sich in den groß-n Folianten zu versenken. Stille. Dann geht Josef an den Tisch und bleibt dort stehen, lange den Greis betrachtend. Endlich beugt er sich* herab, nimmt das weiße Haupt zwischen seine Hände und küßt es leidenschaftlich. (Der Vorhang fällt langsam.) Zionistische Jahreskonferenz Das Engere A. C. hat beschlossen, die diesjährige Jahreskonferenz auf Dienstag den II. und Mittwoch •den 12. August d. J. nach Köln einzuberufen. Montag den 10. August wird eine Sitzung des Engeren A. C. sowie eine Sitzung des Aufsichtsrates und der Gründeraktionäre der Jüdischen Kolonialbank stattfinden. Nachdem die Abänderung des Memorandums der Jüdischen Kolonialbank vom Gericht abgelehnt worden ist, hat das Engere A. C. Schritte eingeleitet, um gemäß den Beschlüssen des letzten Kongresses die Statuten der Jüdischen Kolonialbank in entsprechender Weise abzuändern, resp. zu ergänzen. Eine Resolution in diesem Sinne soll bereits der nächsten .Generalversammlung der Jüdischen Kolonialbank, die am 12. August in Köln stattfinden wird, vorgelegt werden. Banksitzungen in Köln Sonntag den 31. Mai und Montag den 1. Juni fanden in Köln mehrere Sitzungen statt, an denen die Herren Präsident Wolffsohn, Kann, Cowen, Kremenezky, der Manager Hirsch und der Sekretär Neu mann teilnahmen. Die Anglo - Levantine Banking Company, deren Eintragung als englische Gesellschaft inzwischen erfolgt ist, hielt ihre erste Direktorensitzung ab. Zum Vorsitzenden der Gesellschaft wurde der Präsident der Jüdischen Kolonialbank, Herr Dr. Katzenelsohn, zum zweiten Vorsitzenden der Vizepräsident Herr J. H. Kann gewählt. Im Anschluß daran fand eine Direktoriumssitzung der Jüdischen Kolonialbank statt, in der beschlossen wurde, die Generalversammlung des J.C.T. während der Jahreskonferenz, und zwar am Mittwoch den 12. August, nachmittags 4, Uhr in Köln abzuhalten. Näheres darüber wird noch bekannt gegeben werden. Auch das Direktorium der' Anglo Palestine Company hielt eine Sitzung ab, in der mehrere Angelegenheiten des palästinensischen Geschäftes eingehend besprochen wurden Die anwesenden Herren hatten auch mehrfach Besprechungen mit dem Vorsitzenden des Jüdischen Nationalfonds, Herrn Dr. Bodenheimer. Aufruf Gesinnungsgenossen! Am 20. Tammus, dem 19. Juli, jährt sich abermals der Tag, an dem Theodor Herzl uns entrissen wurde. Ein Denkmal wollten wir Zionisten ihm setzen, ein lebendes Denkmal, das die Jahrhunderte AUS DER BEWEGUNG

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