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Die Welt · 1908-06-05 · 22 (5.6.1908) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
22 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 22 Di'E3feELT 11 DER ERLÖSER Der großen Seele Theodor Herzl's Schauspiel in drei Akten von DANTE LATTES Autorisierte Übersetzung aus dem italienischen Manuskript (Schluß) Josef: Du verstehst mich nicht, wie? .... Kann sein .... es ist eine schwierige * Sache, eine sonderbare Sache — unfaßbar .... gib wohl acht . . . . du mußt gut aufpassen .... Sieh, Vater, in den langen, einsamen, monotonen Tagen, die ich in jenem stillen Räume wie in einer Gruft zugebracht habe und fern vom Lärme der Welt, verjagt aus dem politischen und ehelichen Leben wie ein Bettler und Vagabund .... da habe ich die Ursache meines Elends zu ergründne frage hineinzuwerfen in die Nebel des Lebens .... mitten hinein in den Strudel der sozialen Frage .... Dann habe ich meine Vorgänger im Elende und meine Unglücksgefährten aufgesucht .... alle die Personen dieses Dramas unseres Jahrhunderts .... Habe eine andere Welt gesucht .... eine Welt, in der meine Seele leben kann, ohne zu erröten .... habe.Zuflucht gesucht in mir selb.-t..... ein Leben in sich selbst ich entsetzte mich, so einsam zu sein in der Finsternis .... SCHÜLER DER AGRICULTURAL SCHOOL IN WOODBINE (NORDAMERIKA) gesucht .... und ich habe sie entdeckt in einer Art gesellschaftlicher Minderwertigkeit .... Ich gehöre nicht in die Gesellschaft .... trotz meiner für Gerechtigkeit und Freiheit glühenden Leidenschaft .... ungeachtet meiner Anständigkeit und meiner Liebe . . - trotz der Treue, mit der ich mich dem jüdischen Leben unterwarf .... Und warum? Weil ich noch Jude geblieben war .... weil ich mein Gewissen noch nicht ganz preisgegeben hatte .... Verstehst du, das war die Antwort .... eine Antwort, die mir aus weiter Ferne kam .... aus einer sagenhaften Vergangenheit . . . .--und aus einer Zeit der Barbarei .... So ist es heute .... und so wird es vielleicht auch Morgen sein .... (Stille. Der Rabbi hat st-in Haupt auf beide Hände gestützt und schaut ihn starr an.) .... Und nachdem ich dieses festgestellt, habe ich mir ein Ziel gesetzt .... als ein Sendling mich darzubieten allen Zeiten und allen jüdischen Wesen ich habe mir das Ziel gesetzt, das Gespenst der Judenin der Öde .... und dann wurde in mir geboren oder auferweckt wie ein unumschränkter Herrscher das Bewußtsein davon, daß ich ein Stück Weltgeschichte vorstelle und das Gewissen meiner Pflicht erwarte .... Ich fühlte es in meinem Innern wie etwasFestgewachsenes, wie eine Last .... In meinen schlaflosen, grauen Nächten habe ich alle deine Bücher nebst noch vielen anderen mit unersättlicher Gier verschlungen .... Ich wollte meine Seele tränken an den einsamen Quellen des Wissens .... Ich wollte in meinem eigenen Selbst jene Säfte spüren, die bestimmend auf den Kreislauf meines Geschickes sind .... Ich wollte erforschen, wer wir sind . . . : wir Wesen, geweiht dem Hasse, dem Kriege, der Lächerlichkeit, der unaufhörlichen Verfolgung, dem gesellschaftlichen Fluche .... Und ich habe mich seihst gründlich analysiert, um mich ganz als Jude zu fühlen, und habe das Leben der Geschichte vom Ursprünge an in meinem Geiste wieder von neuem aufgebaut; ... die ganze Hartnäckigkeit, alle Kämpfe,

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