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Die Welt · 1908-06-05 · 22 (5.6.1908) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
22 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 DIE2^ Aus der Emigrationsbewegung Vor wenigen Tagen fand in Petersburg eine Konferenz des neugegründeten „Vereins zur Regelung der jüdischen Emigration" statt. Anwesend waren aus Petersburg die Herren: Brojdo, Idelson, Kroll. Dr. Salkind, Großman, Gepstein, Rozoff, Triwus und Jaschnuski. Aus anderen Städten waren anwesend: Ginzburg-Riga, Grawe- Bjelostok, Dr. Katzenelensohn-Libau, Ing. Lipietz, Lwowitsch, Tschemerinski-Kiew, Rappaport, Rosenfeld, Trilling, Ing. Ussischkin- Odessa, Dr. Fittermann-Moskau. Am Schlüsse der Beratung wurde folgende Resolution angenommen: „In Erachtung der Notwendigkeit, daß gleichzeitig mit den gegenwärtig existierenden Emigrationsgesellschaften ein neuer »Verein" als eine neue soziale unparteiische und allgemein jüdische Organisation mit Abteilungen in allen jüdischen Städten Rußlands gegründet werden soll, bestimmt die Konferenz das folgende Programm! welches bis zur nächsten Emigrationskonferenz gültig sein soll: 1) Entwickelung und Verbreitung der Erteilung aller die" Emigration betreffenden Informationen wie auch die Verteidigung der Interessen der Emigranten in Rußland, unterwegs und in den Immigrationsländern. 2) Die Organisation der Hilfe in den Durchfahrtsländern. 3) Annahme von Mitteln zur Gründung in den Immigrationsländern von Gemeindeinstitutionen, welche den Immigranten Arbeit verschaffen könnten. Zu diesem Zwecke muß der Verein in direkte Verbindung zu den maßgebenden Persönlichkeiten treten. Um das Programm zu verwirklichen, soll das Komitee des Vereins: 1) Prbvinzabteilungen des Vereins gründen. Dabei erachtet die Konferenz es für notwendig, daß in denjenigen Städten, wo andere Emigrationsgesellschaften arbeiten, der Verein mit ihnen zusammenarbeiten soll. In denjenigen Städten, wo schon Informationsbureaus arbeiten, soll man nur dann zur Gründung eines selbständigen Bureaus schreiten, wenn die gemeinsame Arbeit nicht möglich ist. 2) Eine Konferenz über Emigrationsangelegenheiten in einer der Städte der „Tscherta" veranstalten. Brief aus Italien (Von unserem Berichterstatter) Die italienischen Zionisten — besondeis die florentinischen — entwickeln in der letzten Zeit einen bewunderungswürdigen Ernst und Feuereifer in der Erweckung des jüdisch-nationalen Gewissens unserer italienischen Brüder. Und es ist wahrlich keine leichte Arbeit, in Italien zionistische Propaganda zu machen, wenn man bedenkt, daß der größte Teil der italienischen Judenheit dem Judentum entfremdet sei. Aber unsere italienischen Gesinnungsgenossen arbeiten unverdrossen, und sie mühen sich nicht vergebens ab. So fehlte in unsemi Lande ein Organ, das — über unsere ganze Bewegung unterrichtet — imstande wäre, die italienischen Juden aus ihrer Gleichgültigkeit unserer Bewegung gegenüber zu wecken; man muß der florentinischen Ortsgruppe, besonders ihrem Präsidenten. Professor Beer und Herrn Markus, dankbar sein, daß sie weder Geld noch Zeit und Mühe gespart haben, um ein solches Blatt ins Leben zu rufen. Bis jeM sind die ersten zwei Nummern dieses Blattes erschienen, das „L*E<66 Sionista d'Italia" heißt. Ein IE LT . . ' No. 22 sehr gut redigiertes Blatt, das viel für die Zukunft verspricht. Über die Tendenz der Monatsschrift unterrichtet die Einleitung der ersten Nummer: „Mit der Publikation dieser Zeitschrift, wollen wir der zionistischen Propaganda dienen und unsere Oberzeugung und unsere Absichten in den weitesten Kreisen verbreiten. Diese Zeitung wird uns ermöglichen, den Kreis unserer Tätigkeit zu erweitern und zugunsten des zionistischen Ideals, das ein Ideal des Guten und Gerechten ist, das die Auferstehung des jüdischen Volkes erstrebt, zu arbeiten. Sie soll alle Dokumente und Notizen, die geeignet sind, über den Zionismus aufzuklären, sammeln und den italienischen Juden, die den Wunsch hegen, an der Renaissance des jüdischen Volkes mitzuarbeiten, Gelegenheit dazu zu bieten ..." „Wir fassen die zionistische Bewegung nicht als eine philanthropische auf, die dem momentanen Elend einer von russischer Tyrannei und aufgehetztem Pöbel verfolgten Rasse helfen möchte, sondern als eine Bewegung, die die jüdische Fr ge vollständig lösen möchte und der jüdischen Masse eine von gerechten Gesetzen regierte Heimat geben, wo sie ihr nationales Leben frei entwickeln könnte". Einen wertvollen Aufsatz brachte diese Zeitschrift von Prof. Dr. jur. Gino Anas, über „Sionismo storico e Sionismo diplomatico" und < in der letzten Nummer einen trefflichen Artikel vom Schriftsteller Aldo Sorani „Per una bandiera sionistica", der es wohl verdient, ins Deutsche übertragen zu werden. Außerdem bringt diese Zeitung Obersetzungen bedeutender Artikel aus dem Deutschen; so ist bis jetzt aus der „Welt" der Aufsatz Nordaus „Fernbeben" von Dr. Cassuto "übersetzt worden und für die nächste Nummer soll durch den Schreiber dieser Zeilen die Rede des Präsidenten Wolffsohn in London übersetzt. werden. Reich sind auch die Nachrichten über den Gang der Bewegung in allen Ländern, so daß diese Zeitschrift sowohl belletristisch als informativ von Bedeutung ist. „Pro Cultura Ebraica" Diese Gesellschaft ist ähnlich den deutschen Geschichte- und. Literaturvereinen, von Zionisten gegründet, aber von der zionistischen Organisation unabhängig, und hat sich die Verbreitung der jüdischen Geschichte und Literatur zur Aufgabe gemacht und entfaltet auch große Tätigkeit zugunsten des Zionismus. Sie ist zuerst in Florenz entstanden, dank der unermüdlichen Tätigkeit von Aldo Sorani und der akademischen Jugend; viel verdankt die Entwicklung auch Herrn Universitätsprofessor Dr. Chajes. Jetzt sind auch in den anderen Städten nach Muster der florentinischen „Pro Cultura Ebraica" ähnliche Vereine gegründet worden, so in Padua durch den begeisterten Zionisten Dr. med. Edgardo Morpurgo, dann in Mailand, Modena, Ferrara etc. Unter den zahlreichen Vorträgen, die in diesem Winter gehalten wurden, verdienen besonders hervorgehoben zu werden: der meisterhafte Vortrag des Präsidenten Aldo Sorani „La nuova Bellezza d'Israele" (Die neue Schönheit Israels), den er in Mailand und Modena wiederholte, D. Prato „Die Juden in Spanien während des Mittelalters", G. Levi „Dichtung und Lebensanschauung Gabirols", Admando Sorani „Die Poesie Jehuda Halevys", Israel Zoller „Maimönides", Prof. Bonaventura „Die Musik bei den Juden", R. Levi „Die Kazaren", G. Gastelbolognesi „Das Leben im italienischen Ghetto". Dr. Cassuto „Die Kultur der italienischen Juden im Zeitalter der Renaissance". Die zionistische. Organisation erkannte den Wert dieser Kulturarbeit und faßte demgemäß auf der letzten Jahreskonferenz folgende Resolution: „Die zionistische Jahreskonferenz erkennt die Notwendigkeit der Arbeit der „Pro-Cultura Ebraica", die von der Florentioer Gruppe ins Leben gerufen worden ist, und ersucht das Zentralbureau, diese Kulturarbeit zu unterstützen. □ □ □ SPRECHSAAL Dl □ □ (Diese Rubrik, für die die Redaktion nicht die Verantwortung trägt, ist, wie wir wiederholt bemerken, Zuschriften aus dem Leserkreise und freiem Meinungsaustausch offen.) Die Juden im Block Mein Artikel über die Juden im Block hat bei dem radikalen Flügel unserer Gesinnungsgenossen Erregung verursacht. Und da sie die vorzugsweise schreibenden im deutschen Zionismus sind, so stehen in Nr. 21 der „Welt" gleich 3 Bekämpfungsartikel. Ob das die „Stimme des Volkesist oder nicht, wird sich allerdings kaum feststellen lassen. Nach meiner Kenntnis der Verhältnisse rechtfertigen sich bescheidene Zweifel. Aber, sei dem wie ihm wolle, wir können aus diesem Aufeinanderplatzen von Weltanschauungen jedenfalls ein erfreuliches Zeichen entnehmen. Wie stark mußdiezionistische Idee sein, und wie fest muß sie in uns wurzeln, wenn sie so verschiedenartig denkende Menschen zu einen imstande ist Das hat mich beim Lesen der gegnerischen Artikel fast freudig berührt und auch den schrecklichen Kampfruf, in den Herr Israel Auerbach zum Schlüsse .ausbricht, als minder gefährlich betrachten lassen. Wir werden uns trotzalledem in Breslau ganz gut vertragen. Vielleicht ist es gut vorher noch einiges zur Sache zu sagen. Freilich nicht gegen Herrn „B'Ii Schern". Auf eine Beweisführung, die mit der einleuchtenden Voraussetzung beginnt daß die preußische Regierung reaktionär werden könnte, weil die christlichen Proletarier gemäßigte Antisemiten werden können (was sie längst sind), kann ich mich nicht einlassen. Es fehlt mir dafür der Begriffssinn. Es-

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