Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 21 (29.5.1908)
- Date
- 1908-05-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 21 DIE^ELT 17 Wenn der große Tag naht, "werden wir nicht mehr sein .... Untergegangen .... Wer wird dann sein? Der Rabbi. Sicher deine Enkel .... Die meinigen wohl nicht.... meine Familie stirbt aus .... mein Name erlischt .... Emanuel: Warum? Rabbi: Warum? .... Ich habe einen einzigen Sohn.....und der ... wird mir . . keinen Enkel schenken . . da blüht kein neuer Zweig.....Wenn Josef sich nicht von seiner Frau gelrennt hätte . . . dann . . . wer weiß, dann wäre vielleicht alles anders geworden .... Aber nun . . . nun . . . nichts als Ruinen! . . . Zwei feindliche Wesen, seit langem unlöslich verbunden; getrennt im Leben für immer ..... Sieh .... das ist der Idealismus meines Sohnes . . Der Fluch Gottes offenbaret sieh in seinen Werken .... Emanuel: Die Torheit der Menschen, Meister .... Einen Gott der Rache gibt es nicht .... Die Rache wohnt nur in dummen, boshaften Menschen .... Aber mache dir keine Sorgen. Alles geht vorüber .... (Er nimmt die Zeitung wieder und steckt sie zu sich.) (Pause) Ich gehe jetzt, morgen komme ich wieder und werde sehen, ob j.ch auch, mit Josef sprechen kann. Grüße ihn von mir und 1 leibe gefaßt. Rabbi: Gefaßt! .... Ich suche schon lange den Frieden, aber noch konnte ich ihn nicht finden .... auch da * drinnen nicht (auf - den geöffneten Folianten klopfend). Verstehst du, .... nicht mal dort .... Und habe nicht mehr viel Zeit übrig, auf ihn zu warten .... Emanuel: Nicht verzweifeln! Gott führt alles zu unserm Besten. Ist es nicht so? ... . Der Rabbi: Ja, es ist so. (Stille. Der Rabbi nimmt seine'Lektüre wieder auf.) Emanuel: Also auf Wiedersehn. Der Rabbi (die Augen mit einem traurigen Blick aufschlagend): Auf Wiedersehen, auf ein baldiges Wiedersehen, Emanuel .... komme bald .... Emanuel: Ja. (Ab.) IL Szene Der Rabbi, nachher Josef (Tiefe Stille. Der Rabbi bleibt versunken sitzen., wie verloren in die Seiten des Buches. Nach einigen Augenblicken öffnet sich langsam die Türe, herein tritt Josef und bleibt auf der,Schwelle stehn. Der Rabbi erhebt sein Haupt. Die Blicke der beiden Männer begegnen sich, dann wendet sich der Rabbi ab und neigt sein Haupt über das Buch. Josef macht einige langsame Schritte. Er macht den Eindruck eines Rekonvaleszenten. Seine Stimme ist voll heftiger Spannung und dumpf er Kraft. Seine Blicke glühen wie vom Fieber heißer Wünsche, wilder Kämpfe. Es scheint, als ob er einen Anlauf zum Sprechen "nehmen wollte, aber wieder zurückhält, als scheue er sich, einen heiligen Frieden zu stören. Lange Stille, die nur hin und wieder von einem zögernden und unsiehern Schritte Josefs durchs Zimmer und durch das knisternde Geräusch der großen Blätter unterbrochen wird, die der Rabbi in seinem Folianten umwendet Bei jedem Umwenden der Seiten ruht der Blick des Rabbis zärtlich und ängstlich auf Josef.) Der Rabbi (mit festem Entschlüsse die Augen vom Buche erhebend): Wie steht's, Josef? Josef: Lassen wir das, Papa, lassen wir das — diese Ruhe tut mir gut .... es ist etwas Neues für mich .... etwas Süßes .... Wir werden ein andermal davon sprechen. Der Rabbi: Du kehrst mit deiner alten Hartnäckigkeit zurück, mir deucht, du dürftest etwas ruhiger sein .... Josef: Nein, nein, du irrst dich .... ich bin und bleibe ein dummer Mensch .... ich bin Jude ... . wie mir einmal der Chevalier Durini sagte .... Der Rabbi: Ich begreife dich .... jawohl .... aber du bleibst hartnäckig .... Josef: Kann sein .... Ja, ja. so ist es. (Pause) (weich) Entschuldige mich, wenn ich dir ein wenig rauh antworte, Papa, ich leide an kranken Nerven. . (Pause) Der Rabbi: Höre, ich muß dir etwas sagen, aber ich wünsche, daß du deine Heftigkeit etwas zügelst .... Josef: Fangen wir an ... . Ich höre .... (er setzt sich), ich bin bereit Der Rabbi (leise): Sieh .... deine Frau .... Josef (aufbrausend): Meine Frau .... Weiß ich, was meine -Frau macht .... Meine Frau vergnügt sich .... meine Frau hat ihre eigene Seelo wieder entdeckt .... und ihre kaiholische Sippschaft .... Der Rabbi: Nun .... deine Frau willigt ein ... . Josef: In was . ... he ... .? Der Rabbi: Du bist nicht ruhig, Josef .... Deine Frau willigt ein .... zu dir zurückzukehren .... Josef: Und woher weißt'du das? .... Der Rabbi: Ich habe sie gesprochen .... Josef: Und wer hat dir die Erlaubnis dazu erteilt? Der Rabbi: Niemand, ich habe sie mir genommen .... mein Gewissen hat sie mir erteilt. Josef: Nein, Papa, da hast du dich geirrt .... dein Gewissen ist ein ideales Gewissen, wie es ehemals das meinige auch war .... Jene Dame aus einer anderen Rasse und mit einem anderen Glauben hat mich verlassen, während ich kämpfte, während ich litt," um in ihre Welt zurückzukehren .... jene Dame fühlt sich ganz wohl ohne mich .... und ich .... ich .... bleibe gern fern von ihr! Der Rabbi: Jene Dame ist deine Frau .... du darfst sie nicht aufgeben .... Josef: Wenn zwei Seelen nicht miteinander leben können, trennen sie sich um ihres Friedens willen .... Ich sah das ein ... . meine Frau auch .... (Pause, feindliche Stille) .... Und dann ist es seltsam, daß du, Papa, als Sachwalter einer Mischehe auftrittst, während du ... . Der Rabbi: Du begreifst das nicht .... Seit Monaten schon muß ich mitansehen, wie du leidest, wie du dein Leben nutzlos hinbringst .... unfähig, dir zu helfen (er unterbricht sich, beobachtet ihn, als wollte er seine Gedanken erforschen). Josef: Und? Der Rabbi: Du flößt mir Mitleiden und Furcht ein . . . . Ich mußte einschreiten, .... mußte . . . . Ich bin alt und müde .... und Vater bin ich auch .... Ich kann nicht mehr kämpfen .... ich kann es nicht länger mehr mitansehen, wie zwei Seelen sich der Vernichtung weihen .... kann , nicht ruhig zusehen dem Untergange einer Familie .... deiner Familie und der meinigen .... Ich mußte das Haupt beugen unter dem Fluche Gottes .... unter seiner furchtbaren Prüfung.... und den Frieden suchen .... mir auferlegen das Opfer