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Die Welt · 1908-05-29 · 21 (29.5.1908) · page 18

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
21 (29.5.1908)
Date
1908-05-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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18 : DIE^ KELT : Nö. 21 in der Güte .... Muß dich dasjenige zu tun veranlassen, was das weniger Schlimme ist . . . wenn du nur gut sein willst.... gut und ruhig____Siehe, ich—--- ich selbst bin gegangen und habe sie aufgesucht, obgleich ich sie so lange Zeit nicht einmal habe sehen wollen .... Ich ... . Weil ich eingesehen habe, daß es jetzt übel getan ist, zu kämpfen ..". . . daß es notwendig ist, alles wieder gutzumachen mit Sanftmut und unter gegenseitigen Opfern, sollte auch das Opfer schwer und langwierig sein, ja, sollte es selbst das ganze Leben lang währen .... Und ich, mein Sohn, bin zuerst bereit, mich selbst zum Opfer zu bringen, gewaltsam in meinem Innern den Schmerz .... und auch meine Pflicht erdrückend .... vielleicht mein ganzes, armes Leben läng .... Josef: Ich verstehe dich und bewundere dich, Vater. . . . .'Du darfst mir heute das sagen, wenn du mir auch schon einmal das Gegenteil gesagt hast .... aber wir können uns nicht immer verstehen .... Es ist ein tragischer, aber unheilbarer Zwiespalt .... Du glaubst, daß dein Gewissen dich zwingt, dich unter der Gewalt der Ereignisse zu beugen .... aber eine Last, die ich nicht tragen kann, lasse ich mir nicht aufzwingen .... eine Last, die keiner von uns beiden tragen kann .... zwei Seelen, die das Unmögliche einer Verbindung eingesehen und erprobt haben, lassen sich nicht wieder zusammenschweißen wie .... Der Rabbi: Nichts ist unmöglich für den, der seine Pflicht kennt. Josef: Du glaubst also, daß die unsre eine Laune ist ... .? Du bildest dir ein, einen Roman zu lesen, und möchtest dir das, was auf der letzten Seite steht, gern nach deinem Willen kombinieren .... Aber dieses ist Leben, und im Leben hängt das Ende von der Notwendigkeit der Tatsachen" ab und nicht von den Launen der Moralisten,. . ,, Der Rabbi: Willst du, wie die Gottesleugner, Moral und Pflicht leugnen? .... Josef: Ich leugne nichts .... aber die Moral ist etwas anderes, Mächtigeres und Schwereres . . . .Du hast mein kleines eheliches Drama nur so gesehenj'wie es sich die bürgerliche Chronik zurechtgemacht hat.. . " Aber, Vater, hast du jemals über die Ursache dieses Zwiespaltes zwischen mir und meiner Frau, der dir jetzt so viel Kummer bereitet, nachgedacht? .... Und sind wir beide denn etwa die einzigen auf ~ der Welt, die Familien und . Seelen mit in ihren Fall ziehen? . Auch die Seele Israels steht heute an meinem solchen Abgrunde .... Ich betrachte mich als das unverantwortliche, unbewußte und unschuldige letzte Glied einer historischen Tragödie, von Umständen abhängig, die stärker sind als ich und die gewissermaßen außerhalb meiner Willenssphäre liegen. So wie ich gestrauchelt bin, straucheln andere, alle Tage, in allen Teilen der Welt, mit einer fatalistischen Sicherheit, ohne daß sie der lähmenden Gefahr ausweichen können .... AbBr wer Rollte den Mut besitzen, sich selbst zu opfern, um die andern zu retten?^.. -:. . . Jetzt heißt es, die Geschichte korrigieren, in der wir, ich und du, Passagiere sind . . . . die Ursache herausschälen, nicht sich einfach den Tatsachen unterwerfen, deren Opfer wir heute sind, aber deren wir auch Herr werden können .... (Pause) Der Rabbi: (betrachtet ihn mit wachsendem Schrecken, wie gebannt durch die unerwarteten ^Vorte und die Enthüllung eines neuen Seelenzustandes)!.V. Ich verstehe dich nicht. ... (SchlufMolgt) NOTIZEN Die Juden in Kuba Eine Reform des jüdischen Lebens hat in Kuba Platz gefunden, nicht als ob man vorher von einem jüdischen Leben in Kuba nicht hätte sprechen können; indessen vordem Krieg war eine öffentliche Ausübung der jüdischen Religionsgesetze nicht gestaltet, da unter der spanischen Regierung nur die katholische-Religion anerkannt war. Seit 1881 durften überhaupt erst Juden in Kuba wohnen, wenn auch wahrscheinlich schon früher sich Juden heimlich dort aufgehalten haben. Nach dem Kriege ließen sich Juden in geringer Anzahl auf Kuba nieder. Einige, die m der amerikanischen Armee gekämpft hatten und denen das Land gefiel, blieben dort. Heute sind mehrere der bedeutendsten Kaufleute Havanas Juden; die. Gesamtzahl der jüdischen Familien in der Hauptstadt beträgt zirka 50. Indessen war bis zum 5. August 1906 keine jüdische Religionsgesellschaft dort. An diesem Tage vereinigten sich die Juden Kubas zu der United Hebrew Congregation of Cuba. Die erste Folge dieser Vereinigung war der Erwerb'eines eigenen Friedhofs. Bis zu diesem Tage wurden die Juden Seite an Seite mit Chinesen und andern „Heiden", d; i. in Kuba: Nichtkatholikeii" beerdigt. Der berüchtigte Knochenberg Kubas, der erst mit der amerikanischen Annexion verschwand, enthielt auch jüdische Skelette. Der Knochenberg bestand aus den Gebeinen unbekannter Verstorbener, die gewöhnlich auf Gemeindekosten beerdigt, und wenn nicht für sie binnen einer gewissen kurzen Frist ein Privatgrab gekauft worden war, ausgegraben und den Tieren des Feldes zum Fräße vorgeworfen wurden. Die neue Religionsgemeinschaft wurde im . Oktober 1906 von der amerikanischen Regierung bestätigt und erwarb in Guanabacoa, in der Umgegend von Havana, einen Begräbnisplatz. Auch viele Nichtjuden steuerten dazu bei, an ihrer Spitze der Marquis Avalino Pazos und Don Louis Marx sowie eine Reihe bekannter amerikanischer Tabakindustrieller. Auf diese Weise wurde die Religionsgesellschaft nicht nur in die Lage versetzt, den Platz gleich zu bezahlen, sondern sie gelangte auch in den Besitz eines größeren Vermögens. Trotzdem leidet die Kongregation unter finanziellen Nöten, hauptsächlich deshalb, weil nach kubanischer Sitte und gemäß den herrschenden Gesetzesvorschriften die Friedhöfe dekorativ sehr reich ausgestattet sein müssen. Die junge Vereinigung will jetzt dazu übergehen, einen eigenen Rabbiner anzustellen. Augenblicklich müssen die rituellen Funktionen (Beschneidungen, Trauungen usw.) von Rabbinern vorgenommen werden, die von Tampa in Florida herüberkommen müssen. Die weite Reise und die damit verbundenen Kosten haben es mit sich gebracht, daß die Ausübung dieser Funktionen allmählich ganz vernachlässigt wurde. ~ ' Jüdische Münzen Wie man uns berichtet, hat das Britische Museum in London die Sammlung antiker Münzen von Judäa und seinen Nachbarstaaten (Phönizien, Decapolis, Galiläa, Samaria und Arabien) erworben, die der verstorbene Numismatiker Leopold Hamburger in Frankfurt a. M. angelegt hatte. Von dieser aus mehr als 2700 Nummern bestehenden Sammlung besitzen viele großen historischen Wert. Das Britische Museum ist nunmehr unerreicht in seinem Besitz von Münzen der Könige von Judäa von den Makkabäern bis zum Aufstand Barkochbas, was Lückenlosigkeit und Seltenheit einzelner Stücke betrifft. Namentlich gilt dies für die Zeit des zweiten jüdischen Aufstandes unter Hadrian, die Leopold Hamburger als sein ganz spezielles Studium betrachtet hatte; ,

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