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Die Welt · 1908-05-29 · 21 (29.5.1908) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
21 (29.5.1908)
Date
1908-05-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
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16 die^elt No.. 21 o [[ □□□□□□ FEUILLETON □ □□□□□ j) Q -—-V o ADER ERLÖSER- Der großen Seele Theodor Herzl's Schauspiel in drei Akten von DANTE LATTES Autorisierte Übersetzung aus dem italienischen Manuskript III. Akt ihn öffentlich, der andere verteidigt sich mit seinem . Personen des Aktes: Stock......ein Wunder ist es, daß mein Sohn an Der Rabbi Abraham Ankona jenem Abend am Leben blieb .... Nun, was hätte Josef, sein Sohn Josef gewonnen, wenn ich darauf bestanden hätte, ge- Efttanuel Nunes setzliche Genugtuung zu fordern? Man hätte eine Ort: Eine Stadt in Italien Verletzung festgestellt____" Und dann? Bei der ersten Zeit: Gegenwart Gelegenheit wird wieder irgendein Judenfeind dieselbe Beleidigung einem Juden zufügen, der ihm gerade in die (Zimmor des Rabbi's: Ein Studio in welchem Möbel sowohl Rände läuft Ach das igt eine hartnäckige, fast wie Bucher den Stempel des Altertümlichen tragen) unheilbare Krankheit . . Noch manches Jahr wird I. Szene Europa jenes unruhige Geschöpf — den Juden an Der Rabbi und Emanuel Nunes seinen Füßen straucheln fühlen .... (Pause). Ich Der Rabbi (ist in die Lektüre eines großen, alten würde es gerne sehen, wenn mein Sohn sich endlich Folianten vertieft). beruhigte . . . das andere kümmert mich jetzt nicht..... Emanuel (sitzt in der Nähe des Fensters und liest Aber was will eigentlich Josef, was hat er vor? .... eine jüdische, in italienischer Sprache gedruckte Zeitung; Icn we*ß es nicht! .... das Lesen unterbrechend): Ein Massaker in Odessa Emanuel: Er bleibt ein großer Idealist, (steht auf), ein neues Gesetz gegen die Fremdlinge in Oer Rabbi: So?., und was soll ihm ein solcher Bukarest, eine antisemitische Hetze in Wien, ein neuer Idealismus? —__Zu was? ... ich bin alt .... . Erlaß gegen die Einwanderung in London, ein Gesetz und möchte es ihm* nicht allein überlassen....... gegen den „jüdischen Betrug* in Florenz .... und im Möchte .... Oh, mein Gott . . Wie ist es doch so Innern herrscht die Degeneration, die Unwissenheit, die schwerdas Leben hienieden FUrCn * V V^Vff ytrWÜSnU?-g! * * i Emanuel: Auch das wird vorübergehen, ängstige Der Rabbi: Und doch bei aU diesem sehreckhchen dich rfchL Josef sich der Arbeit zuwenden, er Elende immer noch etwas Wunderbares: die helfende wird irgendetwas Großes schaffen, dann wird er sich Liebe unserer Glaubensgenossen, das Elend der judischen wiederfmden (Pause). Aber so sind alle ... ■ Wir Märtyrer lindernd .... sind Menschen? denen etwas fehlt, denen die Welt nicht Emanuel: Ach, diese dumme Mildtätigkeit, Meister! das. giebt, was wir suchen "... Und was suchen .... Millionen unnütz vergeudet, während die Seelen wir? .... Uns fehlt der Schwerpunkt. stöhnen unter einem Gemetzel oder auf der Hetzjagd Der Rabbi. üns fehlt der GIaube____uns fe"hft über alle Lande und alle Meere! . . . Die Seelen das Bewußtsem Unsres Wesens .... der Sinn für das sind es, die leiden . . . Und noch immer kein Leben und fQr dessen Notwendigkeit .... Wir spielen Schimmer der Morgenrote für dieses sterbende Volk, mit dem LebeQ _ Wir sind ße Kinder .... das nun auch die Hoffnung verloren hat .... (er „,T. r , wirft die Zeitung auf den Tisch). Wo ist Josef? Emanuel: Wir müssen das Leben neugestalten.... r. r> , ut~u _ /r>„ x r, .. unbarmherzig müssen wir all das alte, traurige Gestrüpp, Der Rabbi: Ich weiß es nicht (Pause.) Es ist j h uns8unsern We versperrt, herausreißen . . etwas Geheimnisvolles und Beunruhigendes mit ihm. w hrMchen eine ß| Revolution, um uns das Leben sS^ - erobern , . find wir ™^ Emanuel: Und die Klage gegen den Chevalier / " wir ^oS^Äaf Urir\^ d uuxj„* ~~ i___„___„ etwas Emporragendes, etwas Herrliches .... Unter Der Rabbi: Ha er zurückgezogen . Hatte Händen soll ein neuer Himmel, . . . '. eine neue doch nur einen unnötigen und traurigen Skandal herauf- Erde entstehen____Warum ein%t das jüdische Volk beschworen du kennst ja die Angelegenheit . . . hast ____ w sich seine Söhne du uns doch in dieser dummen Geschichte sozusagen .,. uj„ ~,__a*7™w wt^a^^^o ' in allen Phasen deinen Beistand geliehen ... mcht die Hande zum Werke der Wiedergeburt?---- der Chevalier Durini beleidigt ihn...... Der Rabbi (sanft und freimütig): Ich weiß es einem Schwarzen ist es ja ein Ding der Unmöglichkeit, nicht, mein Sohn. einem Juden zu begegnen, ohne'verletzend zu werden .... Emanuel: Auch ich weiß es nicht! Aber dieses Gut .... Kann man einen hitzigen Streit nicht auf ist unsre Aufgabe: Die Revolution! .... Wir haben eine andere Weise schlichten, ohne Genugtuung in dem sie mehr als einmal in der Weltgeschichte gemacht .... ebenso barbarischen wie ungerechten Zweikampfe zu Aber heute haben wir die Fähigkeit dazu verloren .... suchen? .... Das Duell kann glücklicherweise nicht Wir sind veraltet..... wir sind ein verkommenes stattfinden----Aber Josef muß Genugtuung haben...... Volk .... Wir sind verdammt, die Morgenröte in er sucht seinen Gegner in Gesellschaft auf und ohrfeigt der Ferne zu schauen, ohne sie je zu erreichen ....

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