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Die Welt · 1908-05-29 · 21 (29.5.1908) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
21 (29.5.1908)
Date
1908-05-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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14 : D IE. 3 ein so schöner Erfolg, der größte seit Bestehen der Vereinigung erzielt worden wäre. Mit Bezug auf die der englischen Federation gemachten Vorwürfe erklärte er, daß Dr. Gaster ihm geschrieben habe, daß die englische Federation einer Reorganisation unterzogen werde und dann auch der Vereinigung in Shanghai größere Aufmerksamkeit widmen könne. Sehr warm trat der Redner für die Sammlung-für den Parteifonds ein und schlug vor, daß die Ver- KE LT : No. '21 einigung ermächtigt werden soll, aus den Eingängen des nächsten Jahres 25 £ dem Parteifonds zu überweisen, und in eine energische Sammlung für - den Fonds eintreten solle. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Mr. J. Delbourgo, Präsident, Mr. M. Myer, .Vizepräsident Mr.J. A. Levy, Schatzmeister, v Mr. N; E. B. Ezra,. Schriftführer, die Herren Blumenfeld, Ezra, Katz, Leon, Moosa und Somekh, Beisitzer. ^?°<^ NACHRICHTEN °! Zur Judenfrage in Finnland Sonntag den 10. Mai fand in fielsingfors ein Volksmeeting zur Behandlung der Judenfrage in Finnland statt. Anwesend waren einige Tausend Personen, und darunter Vertreter verschiedener Parteien und sozialer Strömungen. Eröffnet wurde das Meeting durch den gewesenen Deputierten des finnländischen Landtages, Herrn Nuartowa, welcher darauf hingewiesen hat, daß dieses Meeting durch die eine Woche früher stattgefundene Konferenz der Vertreter der Handelsklasse hervorgerufen wurde. Der Redner drückte die Hoffnung aus, daß das Meeting die Judenfrage in der richtigen Weise beleuchten wird. Zum Vorsitzenden wurde der obengenannte Herr Nuarlowa, gewählt, zu Sekretären Magister Saarinen und Redakteur Harhamer. Der erste Redner, der in Finnland als der eifrigste Kämpfer für jüdische Gleichberechtigung bekannte jüditche Student Jakobson, wies darauf hin, daß alle Beschränkungen für Juden in Finnland ihren Ursprung in den alten finnischen Gesetzen haben. Im Jahre 1772, als noch ein gewisser Teil Finnlands zu Schweden gehörte, wurde gesetzlich bestimmt, daß nur Christen das Bürgerrecht in Schweden und Finnland besitzen können. Nach einigen Jahren wurde den Juden erlaubt, sich in Stockholm, Nordkofing und Göteborg niederzulassen. Die finnländischen Juristen haben aber mit Recht darauf hingewiesen,, daß laut dem Gesetze von 1772 die Juden kein Wohnrecht in Finnland besitzen. Im Jahre 1889 hat die Administration die Verordnung erlassen, daß Juden das Recht haben, in drei. Städten zu wohnen, daß sie sich aber nicht weiter als drei Kilometer von ihrem Wohnorte entfernen dürfen. Wie bekannt, ist ihre Tätigkeit aufs engste beschränkt. Das alles betrifft einheimische Juden. Was fremde Juden anlangt, so haben sie kein Recht, sich länger als drei Tage in Finnland aufzuhalten. Wenn wir diese administrativen Verordnungen mit den Grundgesetzen der finnischen Konstitution vergleichen, so sehen wir, daß diese Verordnungen nicht nur jedem moralischen und sozialen Gefühle spotten, sondern daß sie im Gegensatz zu den Grundgesetzen, welche die Gleihheit aller vor dem Gesetze proklamieren, stehen. Nach langer Diskussion, an der sich Vertreter verschiedener Parteien beteiligt haben, wurde die folgende Resolution angenommen: 1. Die administrativen Beschränkungen für Juden sind eine Schmach für das finnische Volk. 2. Juden sollen dieselben Rechte bekommen, wie Ausländer, welche sich in Finnland aufhalten. (!) Purischkewitsch geisteskrank? Das Verhalten des bekannten reaktionären Skandalmachers Purischkewitsch war in der letzten Zeit ein derartiges, daß in den Abgeordnetenkreisen der Duma ernstlich die Frage erörtert wurde, ob er nicht geisteskrank sei. Ohne jeden Anlaß war er z. B. an Miljukow herangelaufen und hatte ihm nach einer Rede zugerufen: „Du, Miljukow, mach, daß du herauskommst!" und noch andere Perlen werden erzählt. So wollen denn verschiedene Mitglieder der Opposition an die Duma den Antrag stellen, Purischkewitsch von Spezialärzten auf seinen geistigen Zustand untersuchen zu lassen. Wie „Swobodnija Mysli" mitteilen, wollen sich diesem Antrage auch viele Oktrobisten anschließen. Die P. P. S. und die Anerkennung der jüdischen Nationalitat Der nächste Kongreß der polnischen Sozialdemokraten Österreichs, welcher in kurzem stattfinden wird, soll sich auch mit der Frage der Anerkennung der jüdischen Nationalität innerhalb der sozialistischen Partei befassen. Als letzter Punkt der Tagesordnung des einberufenen Kongresses wurde nämlich die „Angelegenheit der jüdischen Organisation" festgesetzt, und — wie es in sozialistischen Kreisen verlautet - will man heuer die Frage endlich erledigen. Denn schon seit einigen Jahren war die Anerkennung der jüdischen Nationalität ein wunder Punkt für die sozialistischen Führer, die, wenn sie Juden waren, einen ausgesprochenen assimilatorischen Standpunkt vertraten und sich mit aller Kraft dem „jüdischen Separatismus" widersetzten. Der Zionismus hatte daher lange Jahre hindurch nicht nur einen schweren Kampf gegen die bürgerliche Assimilationspartei zu führen, welche die jüdische Plutokratie nnd manche Kreise der Intelligenz umfaßt,; sondern auch gegen die Assimilation, welche „von unten" ausging, gegen die polnischen Sozialdemokraten, die sich unter der Anführerschaft' Daszynskis starrsinnig weigerten, auf besondere jüdisch-nationale Interessen Rücksicht zu nehmen und den jüdischen Proletarier als patriotischen . Polen für den Wiederaufbau Polens kämpfen hießen. Die zionistische Agitation tat aber das Ihre; immer -weiter^und tiefer verbreitete sich die nationale Idee in Galizien, und bald,? drang sie auch in: die " Kreise der Arbeiter ein und zwang sie, .mitbesonderen jüdischnationalen Forderungen hervorzutreten. Und als die assimilatorischen Führer diese Strömung im jüdischen Proletariat, welche innerhalb ihrer eigenen Organisation Platz griff, unberücksichtigt lassen wollten und ihr sogar Hindernisse auf ihren,- Entwicklungsweg stellten — riß sich eine ansehnliche öruppe' jüdischer Arbeiter von der P. P.S. (polnisch-sozialistische Partei) ab und bildete eine besondere „jüdischsozialistische Partei", die zusammen mit den poale-zionistischen Arbeitern auf das schärfste den assimilatorischen Standpunkt der polnischen Sozialdemokraten den Juden gegenüber kritisierten und bekämpften. Dieser Kampf blieb nicht fruchtlos. Um nicht ihren ganzen Einfluß bei den jüdischen Arbeitern, die in Galizien in einer stattlichen Zahl leben, einzubüßen, mußte die P. P. S. bald eine „jüdische Sektion" bilden, welche die Aufgabe hätte, in ^..jüdischer Sprache und Schrift die Agitation bei den jüdischen;* Arbeitermassen zu führen. Sonst aber wollte man von jüdisch-nationalen Interessen und jüdischer Kultur nichts wissen. Erst als bei den vorjährigen allgemeinen Wahlen über 25000 Juden, die für zionistische Kandidaturen in Galizien stimmten, sich offen für die jüdischnationale Idee aussprachen, — erschraken die sozialistischen Assimilanten. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung mußten sogar die sozialdemokratischen Kandidaten, welche in jüdischen Wahlbezirken auftraten, sich für die Anerkennung der jüdischen Nationalität erklären und so ist jetzt die P. P. S. gezwungen, ihr Programm in bezug auf die Judenfrage einer Revision zu unterbreiten. Die Majorität der jüdischen Genossen, welche der polnischen sozialdemokratischen Partei angehören, erklärt sich schon freilich als „Juden"; es gibt aber noch viele und sogar unter den tonangebenden Führern, welche sich zwar der Anerkennung der jüdischen Nationalität nicht mehr widersetzen wollen, sich selbst aber als unverfälschte Polen betrachten und nichts mit dem Judentum zu' tun haben wollen. Dieser Umstand brachte schwere Konflikte mit sich, und vor kurzem ließ sich ein junger, aber in seiner Partei einflußreicher jüdischer Genosse, Schallt, taufen, welcher Fall von der jüdischen Presse in Galizien-als Kennzeichen des demoralisierenden Einflusses, den die bis heute assimilatorische P. P. S. auf ihre jüdischen Parteimitglieder ausübte, betrachtet wurde. Die Macht der Tatsachen wird aber für die polnische Sozialdemokratie ausschlaggebend sein. Mögen sich die Genossen Diamand, Daszjynski u. a. nach vor wie „gegen eine jüdische Nation" aussprechen; mögen sogar die christlichen Sozialisten, — wie es manche voraussehen — dem Willen Diamands und Daszynskis gehorsam — sich auf dem allgemeinen Kongresse noch einmal für die Assimilation der Juden und gegen die Anerkennung der jüdischen Nationalität aussprechen und die jüdischen Genossen majorisieren, — die nationale Idee wird sich auch in der jüdischen Arbeiterklasse nicht ersticken lassen. . Immerhin ist es aber schon charakteristisch für die Anschauungen der P. P. S., daß die „jüdische Sektion" auf einer Konferenz im vorigen Jahre für die Anerkennung der jüdischen Nationalität in einer vielbesprochenen Resolution Partei nahm, zugleich aber durch

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