Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-05-29 · 21 (29.5.1908) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
21 (29.5.1908)
Date
1908-05-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316318--50671-3377966
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Viktor Emanuel UL in Privataudienz empfangen zu werden. — Im Laufe derselben kam der König ganz von selbst auf unsern unvergeßlichen Führer, Theodor Herz!, zu sprechen, wobei er die folgende Äußerung tat: „Wie schade, daß der Mann nicht mehr ist; das war ein sehr interessanter Mensch; er hatte etwas Messianisches in seinem Wesen, und er glaubte an seine Mission!" Der König rief wiederholt aus: „Peccato! Peccato!) (schade,-schade!) Fast zur selben Zeit empfing unser König den Rabbino Maggiore Dr. V. Castiglione von Rom gleichfalls in Privataudienz; auch an diesen, richtete er aus eigener Initiative dem Andenken Herzls gewidmete tiefempfundene Worte der Rührung und der lebhaften Klage, welchen er das folgende Urteil über den Zionismus hinzufügte: „Der Zionismus ist eine hochernste Bewegung, bestimmt für den sIchernjEijfplg!" Es sind mehr als vierrf^Jakre, seitdem Th. Herzl in einer fünfviertelstündigen Audienz dem Könige irr Rom die Endziele des Zionismus darlegen durfte. Wie mächtig muß der Eindruck gewesen sein, den die Persönlichkeit dieses providentiellen Mannes auf die Seele des Monarchen ausgeübt, wenn er jetzt, nach einem so langen Zeitraum, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit das Bedürfnis fühlt, Herzls zu gedenken. Und von welcher Wichtigkeit ist das Urteil des Königs über den Zionismus für die kampfesmutige Minorität der italienischen Zionisten, damit sie für unsere große und edle Idee wacker fortkämpfe, während Gegner und laue Freunde ihr alle möglichen Hindernisse in den Weg legen, unter dem lächerlichen Vorwande, daß die nationale Bewegung der Zionisten mit ihren patriotischen Pflichten als italienische Bürger im Widerspruch sei. Wir aber schöpfen aus dem Spruch unseres Königs den Mut, in unserem Vorhaben zu beharren. Die glückliche Lage, in welcher das italienische Judentum sich jetzt befindet, darf nicht als Motiv gelten, auf die Mitarbeit an der Bewegung zu verzichte»- oder sich einem bedauernswerten Egoismus zu überlassen. Alle sollen mit allen Kräften daran arbeiten, um beizutragen, daß die zionistische Bewegung jenem sichern Triumphe zugeführt werde, welcher vom Könige von Italien gewünscht und vorausgesehen wird. Amerika Mr. Cowen in New York Die Newyorker Zionisten veranstalteten aus Anlaß der Anwesenheit des Herrn Cowen eine sehr gut besuchte Demonstrationsversammlung, die einen begeisterten Verlauf nahm. Professor R .Gottheil, der Vorsitzende der Versammlung, führte Mr. Cowen als eine der hervorstechendsten Persönlichkeiten, im Zionismus ein. Er sagte, daß er die Zionisten in fünf Klassen einteile, nämlich: 1. die Renommierzionisten, die überall dabei sein müßten; dann 2. die oppositionellen, die immer bereit seien, etwas zu bekämpfen-; 3. die platonischen Zionisten; 4. die praktischen, die oft die unpraktischsten seien, und 5. die arbeitenden, die vor keiner Mühe zurückschreckten. Dieser Zionisten einer sei Mr. Cowen. Als dann Mr. Cowen die Tribüne betrat, wurde er mit betäubendem Jubel empfangen. Er sprach über den Zionismus als Lösung der Judenfrage und richtete zum Schluß einen begeisterten Appell zu Sammlung für den Parteifonds an die Erschienenen. Mr. Cowen nahm auch an einer Sitzung des Exekutivkomitees der amerikanischen Zionisten teil, in der über die Schritte beraten wurde, die zur energischen Durchführung der bis jetzt in Amerika nur sehr lässig betriebenen Parteifondssammlung erforderlich sind. Zionistische Arbeit in Texas Der Bericht über die .Agitationsreise des Herrn A. H. Fromenson nach Texas zeigt, daß seinen Bemühungen ein voller Erfolg beschieden war. Am 12. April kam er von New Orleans in Beaumont, Texas, an, wo er sofort eine zionistische Versammlung veranstaltete. Am folgenden Tage sprach er in Houston. Am zweiten Pessachtage sprach er morgens in der orthodoxen Gemeinde des Rabbi Willner und abends in der Reformsynagoge des Dr. Bernstein. Am 19. April hielt er nachmittags einen Vortrag im Jüdischen Literaturverein. Am Abend desselben Tages sprach er vor der orthodoxen Gemeinde in Galveston. Am Donnerstag abend war große Massenversammlung in San Antonio, am Freitag in Austin. Die Bevölkerung dieser Städte ist duchweg zionistisch gesinnt; in Austina steht der größte Teil der Universitätslehrer auf Seiten des Zionismus. Unter den aktiven Zionisten in Austin sind Herr und Frau Nunes, die die 13. Generation von in Amerika geborenen Juden dieser Familie repräsentieren. Ihr Vorfahr war Dr. Nunes, der mit Oglethorpe, dem Gründer von Savannah, nach Amerika kam. Als Herr Fromenson nach Dallas kam, wurde er von der dort gerade tagenden Versammlung der Distriktsgroßloge 7. J. O. B. B. eingeladen, ihr einen Vortrag zu halten. Er sprach über Einwanderung und Einwanderungsbeschränkung. Nach einem Vortrag des Rabbi Friedländer „Nationalismus und Judenfrage" erklärte sich die Mehrzahl der Versammlung für den Zionismus. Mr. Fromenson hielt noch zwei Versammlungen in Dallas ab. Hier existieren zwei zionistische Vereine und ein Jugendverein, die alle sehr tätig sind. Am 1. Mai besuchte Herr Fromenson Fort Worth, und ging dann nach Waco und Louisville, von wo er Cincinnati, Cleveland, Pittsburg, Buffalo, Rochester, Syracus undendlich Albany besuchen wollte. Rochester: Die hiesigen Zionisten arbeiten jetzt sehr eifrig für den Parteifonds. In einer Versammlung am 2. Mai wurde ein Komitee zum Zwecke der Sammlung für diesen Fonds eingesetzt. Philadelphia: Hier wurde ein Bezalel-Verein mit 60 Mitgliedern gegründet. Der Verein hat sich der Federation of American Zionists angeschlossen. Greensburg: In der Jahresversammlung der Bnai Zion wurde . ein sehr günstiger Finanzbericht vorgelegt. Es wurde beschlossen, den Namen des Vorsitzenden, J. Kahanowitz, in das Goldene Buch einzutragen. Am 26. April zeigte die Kasse des Vereins folgendes Bild. Bestand: Dollars 152, 38 Aktien des J. C. T., 5 Anteile der Jiddish Publication Company, 1 Anteil der Maccabean Publishing Company, Dollars 67 Anzahlung für den Palästina-Pflanzungs- Verein, insgesamt Dollars 434.—. New-York. Die Young Austro-Hungarian Zionists haben ihr Vereinslokal von 65 Pittstreet in ihr neues Klubhaus 289 East Thicd Street verlegt. Die Eröffnung des neuen Lokals wurde in einer eindrucksvollen Feier begangen. Die diesjährige Jahresversammlung der American Zionist Federation wird vom 10. bis 15. Juli in Atlantic City stattfinden. Kanada Montreal: Gelegentlich seiner Amerikareise weilte Mr. Joseph Cowen auch in unserer Stadt. Zu seinen Ehren fand im Hause des Vorsitzenden der Federation of Zionist Societies of Canada ein Empfangsabend statt, bei dem die hervorragendsten Führer des kanadischen Zionismus zugegen waren. Mr. Cowen hielt eine sehr beifällig aufgenommene Ansprache an die Versammelten, in der er sich über alle Fragen des Zionismus verbreitete. China Die Shanghai"" Zionist Association erstattet soeben ihren fünften Jahresbericht, dem wir folgende interessante Angaben entnehmen. Infolge der geschäftlichen Krise hat die Mitgliederzahl im verflossenen Jahre etwas abgenommen, dagegen war eine erfreuliche Anteilnahme der Mitglieder an den Vereinsarbeiten zu erkennen. Die Beschlüsse des achten Kongresses, auf dem der Verein durch den Delegierten Percy B. Baker vertreten war, wurden sehr beifällig aufgenommen. Die Einrichtung eines Literaturzirkels bewährte sich sehr gut Die Vorlesungen waren immer stark besucht und erregten auch in nichtjüdischen Kreisen Aufmerksamkeit. Folgende Vorlesungen fanden statt: „Organisation und Disziplin" von Percy B. Baker, „Zum Gedächtnis Theodor Herzls" von N. E. B. Ezra, „Selbstschutz und Zionismus" von N. S. Burstein. Die Vorträge wurden im Organ der Vereinigung, dem Halbmonatsblatt „Israels Messenger", dem einzigen jüdischen Blatte des fernen Ostens, vollinhaltlich veröffentlicht. Der Bericht beklagt bitter die Untätigkeit der English Zionist Federation, der der Verein angeschlossen ist und die einen merkwürdigen Gegensatz bildet zu der Energie, mit der sich die amerikanische Federation des Vereins angenommen hat. Die Nationalfondssammlung wurde energisch in die Hand genommen. Insbesondere erbrachten die Büchsen einen vollen Erfolg. Sie wurden bis in die entferntesten Gegenden verschickt und in Synagogen und Häusern aufgestellt und erbrachten beträchtliche Erträge, auch dort, wo keine Zionisten wohnen. Insgesamt gingen £ 213.45 für den N.-F. ein, davon mehr als die Hälfte durch Büchsensammlung. Büchsen waren aufgestellt in Singapore, Calcutta, Kobe, Canton, Rangoon, Bombay und Karachi usw., eine erfreuliche Demonstration des Zionismus in den entlegensten Plätzen Chinas und Indiens. Der Palästinakommission wurden Jt 510.87 übermittelt Ein Shareclub wurde eingerichtet, dem 33 Mitglieder beitraten. Die Generalversammlung, welcher der Jahresbericht vorgelegt wurde, fand am 19. April statt und war außerordentlich gut besucht. Zum Bericht ergriff Herr N. E. B. Ezra das Wort und gab, seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß im verflossenen Jahre

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.