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Die Welt · 1908-05-29 · 21 (29.5.1908) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
21 (29.5.1908)
Date
1908-05-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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journalistische Aufsätze der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In dieser Beziehung scheint ein Stillstand eingetreten zu sein. Es fehlt an Belehrung, namentlich an einer wirksamen Belehrung, die nur von Musterwirtschaften ausgehen kann. Bahnbrechend und vorbildlich kann nicht der einzelne, kann nur eine Institution vorangehen. Das ist die geeignetste Art der Hebung, der Vorbereitung, der Belehrung, — durch das Beispiel, welches in einem oder einigen Orten gegeben, nicht unwirksam bleiben, sondern eine günstige Rückwirkung auch auf viele andere Betriebe, und dadurch allmählich auf die ganze palästinensische Landwirtschaft haben muß. Der Ischuw muß fortgesetzt werden. Es ist eine Kulturaufgabe ersten Ranges, es ist der Ausdruck eines edlen menschlichen Schaffensdranges. Ja, es ist auch Religion in diesem Drang. Er macht das jüdische Eigenleben modern und aktuell nach innen und nach außen. Er bahnt neue Wege, um weiter zu kommen; sie vertieft sich in neue Zeitprobleme, um mehr und mehr in die eigene Tiefe zu dringen. Er läßt uns ein tätiges Leben, so eigenartig in seiner natürlichen Urwüchsigkeit, in Palästina schauen. Daß Juden, die als Schmarotzer verschrien waren, Neues und Konkretes schaffen, daß sie unter den Kulturpionieren der Er- - Schließung vernachlässigter Länder, die jeder seinem Ziel, jeder seinem gesegneten Wirken zueilen, eifrig, pflichttreu, stark und zuversichtlich als Schaffende, als Städtebauende, als Gemeinschaftenbildende die Hände emporstrecken, den Pflug in die Erde senken und die Dächer zum Himmel heben, Bogen über die Wasser spannen, sich vereinigen und einander helfen, ein Land — das Land ihrer Väter! — immer fortschrittlicher, rationeller und besser auszubauen, nach der Eingebung ihres Geistes und einem historischen Willensdrang folgend, — wer wird darin nicht einen wahren Kiddusch ha-Schem, eine Verherrlichung des Gottesnamens erblicken? Und wo ist mehr Glauben als hier? Was geschehen ist, der Glaube und die Begeisterung haben es gemacht. Hundert pro's und contra's, hundert Projekte und Widerlegungen, — auch in gegenwärtiger Nummer werden die Leser derartiges finden, — aber am Ende beruht doch bei solchen Werken alles auf dem Glauben, wie auch im menschlichen Leben vieles, sehr vieles auf dem Glauben beruht. Kein Seefahrer würde sich auf dem Schiffe dem Meere vertrauen, wenn er nicht glaubte, davon zu kommen; die Stärke des Schiffes allein macht es nicht. Kein Landmann würde arbeiten und säen ohne den Glauben an Sonnenschein, Regen und Ernte; Berechnungen würden nicht genügen. Der Unterschied zwischen uns und den Trägheitspredigern besteht nicht darin, daß letztere sagen: glaube! und wir: glaube nicht! sondern daß letztere sagen: glaube und lege die Hände in den Schoß! während wir: glaube und arbeite! sagen. Und auf keinem Gebiete ist eine Glaubensbegeisterung notwendiger als auf. einem Pioniergebiete. Somit ist die Pflicht eines praktischen, umsichtigen Weiterarbeitens, wie auch die Hauptziele der unmittelbar bevorstehenden Aufgaben erwiesen. Es bleibt nur noch die Frage: Wer soll diese Aufgaben lösen? Es ist klar, daß die zionistische Organisation als solche kein Koloniationswerk unternehmen kann. Anderseits ist ebenso klar und feststehend, daß praktisch — nennen wir es Vorbereitung, Studien, Schaffung von Bedingungen u. dgl. — weitergearbeitet werden muß. Wer soll dies machen? Der Beantwortung dieser Frage wird das nächste Kapitel gewidmet sein. N. S. Briefwechsel zwischen dem Odessaer Palästinakomitee und Herrn Prof. Dr. Warburg 30. April (13. Mai) 1908. No. 1025. Herrn Professor Dr. Otto Warburg, Berlin W. 15, Uhlandstr. 175. Sehr geehrter Herr Professor! In der Frage der Beteiligung unserer Gesellschaft an der Palestine Land Development Company wurde nun, nachdem wir das motivierte Gutachten unserer palästinensischen Gewährsmänner über die Pläne der P. L. D. C. zu Kenntnis genommen haben, in der letzten Sitzung unseres Komitees, an der auch Herr Dizengoff aus Jaffa teilgenommen hat, ein endgültiger Beschluß gefaßt Trotzdem in der Debatte von sämtlichen Rednern mit besonderem Nachdruck hervorgehoben wurde, daß in allen Fragen der Palästinaarbeit ein gemeinsames Vorgehen mit dem Palästinaressort der zionistischen Organisation so weit wie nur irgend möglich anzustreben sei, so vermochte das Komitee doch nicht, sich über die schweren Bedenken prinzipieller und praktischer Natur, die sich ihm gegen den Arbeitsplan der P. L. D. C. aufdrängten, hinwegzusetzen und so sah sich denn unser Komitee genötigt, den Antrag auf Beteiligung unserer Gesellschaft an der Company — mit allen Stimmen gegen eine Enthaltung — aus folgenden Motiven abzulehnen: 1. Das administrative Bewirtschaftungssystem hat, nach der Überzeugung des Komitees, die in den Erfahrungen derRothschildschen und der Icaschen Kolonisation ihre Bestätigung findet, keine Chancen auf Erfolg, zumal im vorliegenden Falle das Unternehmen einen kommerziellen Charakter tragen und daneben noch Erziehungspläne hinsichtlich des jüdischen Arbeiterstandes in Palästina verfolgen soll. — In Anbetracht des spezifischen Charakters unserer Bewegung, der palästinensischen Verhältnisse, vor allem aber des gegebenen Menschenmaterials glaubt das Komitee, eine Verantwortung für die administrativen Bewirtschaftungspläne der P. L. D. C. nicht übernehmen zu können. 2. Charakter und Anlage des ganzen Unternehmens setzen, wenn etwas Nennenswertes geleistet werden soll, reichliche Geldmittel voraus, die die Company schwerlich wird aufbringen können, so daß schon aus diesem Grunde allein der Erfolg der Gesellschaft sehr zweifelhaft erscheint. 3. Die Gründung der P. L. D. C. und die Arbeit für dieselbe ist geeignet, die überaus wichtige, ja geradezu brennende Frage des Agrarkredits in den Hintergrund des öffentlichen Interesses zu rücken undsie aus der Tätigkeitssphäre der maßgebenden Kolonisationsorgane Palästinas für längere Zeit zu eliminieren. 4. Oberhaupt ist das Komitee der Ansicht, daß in sämtlichen Angelegenheiten der Kolonisationsarbeit die Initiative immer von unten, d.h. von den Kreisen der landwirtschaftlichen Arbeiter und Kolonisten, und nicht von oben, von Kolonisationsgesellschaften und Vereinen auszugehen hat Man kann nicht Kolonisation von oben" herab, nach theoretischen Programmen und Gesichtspunkten treiben. Die Aufgabe der Kolonisationsgesellschaften kann nur darin bestehen, die Bedingungen zu schaffen, unter welchen eine gesunde Privatinitiative, eine freie, natürliche Selbsttätigkeit sich entfalten könnte. Aus diesen Gründen — und weniger wegen des pekuniären Risikos — glaubt das Komitee, die moralische Mitverantwortlichkeit für die Pläne der P. L. D. C. nicht mit gutem Gewissen auf sich nehmen zu können und muß es daher leider ablehnen, als Mitgründer der Company aufzutreten. — Das Komitee beschloß indes, von einer Veröffentlichung seines Beschlusses und der Motivierung desselben Abstand zu nehmen, um der Agitation für die P. L. D. C. nicht zu schaden. Wir glauben, Ihnen nicht erst sagen zu sollen, daß wir uns sehr freuen würden, wenn die Tatsachen uns zu einer Revision unseres Standpunktes Anlaß geben und unsere Befürchtungen sich als unbegründet herausstellen werden. An dieser Stelle möchten wir noch unsere Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß uns jedenfalls noch die Gelegenheit geboten sein wird, 1*

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