Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 20 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3316296-3316317--50647-3377941- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 DIES zuzuwenden. Letztens hat eine Konstantinopeler Firma eine Konzession erhalten, um in Hedeida (Jemen) Schürfungen auf Steinkohle, Schwefel und Petroleum auszuführen. Die Aktiengesellschaft für Gasbeleuchtung in Beiruth bewirbt sich um die Konzession für die Errichtung einer Elektrizitätszentrale am dortigen Platze. Aus dem Süden Palästinas Ein Irade des Sultans ordnet die Gründung eines neuen „Kaza" (Verwaltungskreises) mit einem Kaimakam in der Gegend zwischen Akaba und Beer-Seba im Süden Palästinas an der Grenze von Ei- Arisch und Sinai und südwestlich von Beer-Seba an. Der neue Kreis wird dem Pascha von Jerusalem unterstehen. . Er ist vier £ELT —. No. 20. Tagereisen von Jerusalem und zwei von Beer-Seba entfernt. Man beginnt hier mit dem Bau einer neuen Stadt; die Moschee, das Telegraphenamt und das Rathaus sind bereits im Bau begriffen. In derselben Weise wurde vor 6 bis 7 Jahren der Kreis Beer-Seba eingerichtet und aus der „Wüste" Beer-Seba eine aufstrebende Stadt gemacht. Wenn man die Lage dieses neuen Kreises in Betracht zieht, wird einem die politische Bedeutung dieser Einrichtung ohne weiteres klar werden. Das Projekt der Gründung einer Landwirtschaftsschule in Beer- Seba hat die Billigung der Zentralregierang erhalten. Demnächst soll angeblich eine neue Straße von Beer-Seba nach Hebron gebaut werden. O □□□□□□ FEUILLETON □ □□□□□]) o ABWARTS Skizze von AI. H. VAN CAMPEN Autorisierte Obersetzung aus dem holländischen Manuskript „Nun los, setz* du dich doch auch," sprach sie, schaute ihn flüchtig an und starrte dann wieder auf den Ofen. Er lächelte ein wenig. „Ja, Kind," antwortete er und ließ sich, scharf an die Tischecke stoßend, hölzern in seinen Stuhl fallen. Sie sah wieder auf, wie jemand, der sich erst nach dem Sehen eines etwas bewußt wird, das er gesehen hat und sich dessen noch einmal vergewissern will. Und die Hände in den Schoß legend, beobachtete sie mit halbgeschlossenen Augen forschend sein von Gedanken erregtes Gesicht, sah, wie sich seine Augen rastlos bewegten, seine Lippen auf- und zuklappten. Und begreifend, trat ein entschlossener Zug um ihren fest zugepreßten Mund, wodurch Nase und Wangen scharf abgegrenzt hervortraten, blinzelte sie sich selbst zu, doch merkend, daß er ihren Blick fühlte und die Augen aufschlug, glättete sich ihr Gesicht, sie sprang, in die Hände klatschend, rasch auf und sagte: „Komm, ich werde schnell Kaffee einschenken." Sie zog ihre Handschuhe aus, legte sie auf den Kamin und trippelte nach dem Glasschränkchen. In ihrer gefälligen, junghausmütterlichen Art und Weise tat sie geschäftig Milch und Zucker in die Täßchen. Dann, ihre Augen etwas zukneifend, die Lippen schlau überlegend aufeinander gedrückt und ihm den Rücken zuwendend, sagte sie: „Sag' mal Onkelchen, du bist so still, fehlt dir vielleicht was?" Und gerade dabei, den Kaffee einzugießen, hielt sie damit inne, und ihre Augen bewegten sich, gleichsam, als ob sie auch mithören wollten, nach der Richtung hin, von wo her die Antwort erfolgen mußte. Er, vornherübergebeugt, die Arme auf den Tisch gelegt, erhob den Kopf und schreckte zusammen, riß die Augen weit auf, und seine ineinander gefalteten Hände lösten und streckten sich mit einem fast hörbaren Ruck. Dann empfand er es doch wie eine Wohltat, daß es nun so weit war und sie damit anfing, und heiser stieß er hervor, während die eigene Stimme ihm hohl und fremd ertönte: „Ja, mein Kind, es fehlt mir wirklich was . . . ." und die eine Hand kniff nervös in die andere. Aber er zwang sich, noch mehr zu sprechen.... dann war's mit einemmal heraus.... „Und sehr viel z,war, und nichts an meiner Gesundheit." „So," anwortete sie, mit blinzelnden Augen, „nun, es ist vielleicht indiskret von mir......aber, darf ich es nicht wissen?" Und sich umdrehend, brachte sie das Tablett nach dem Tische nnd stellte ein Täßchen vor ihn und eins.vor sich hin. Indem sie ihm die Kuchendose-zuschob, nahm sie selbst ein Stückchen. „Ach, -Kind," sagte er, die Innenfläche seiner linken Hand betrachtend und mit dem Daumen seinen Ring hin- und herschiebend, „du mußt es erfahren, ich muß es dir sagen." Tieftraurig starrte er sie einen Augenblick flüchtig an, während innere Scham ihm die Hitze ins Gesicht trieb. „O, dann ist es in Ordnung," plauderte sie schnell, ihren Blick abwendend und einen Bissen nehmend, „ich bin immer bange davor, indiskret zu sein .... man weiß ja nie ... . aber wenn du es selbst willst .... Aber trink' nur erst deinen Kaffee, sonst wird er kalt", unterbrach sie sich und kostete mit gespitztem Munde selbst ein Schlückchen. „Nein, Kind," sagte er in müdem Tone, „da hab' ich jetzt keinen Sinn dafür, laß mich mal erst eben mit dir sprechen." „Wie du willst, Onkel," gab sie zu, hierauf sich mit einem naschhaften Gesicht über die Kuchendose beugend: „Aber dann will ich mal gleich für dich mit essen, damit dem Kuchen kein Schaden geschieht." Und während sie ihn ansah, lachte sie kindlichschalkhaft, doch wurde die Aufrichtigkeit ihres Gesichtsausdrucks einigermaßen durch die ihre Augen verschleiernde und um die Mundwinkel zuckende Verlegenheit beeinträchtigt. Er, auf den Tisch schauend, wo sein Zeigefinger mechanisch eine Phantasiefigur zeichnete, lächelte schmerzlich. Dann zur Seite und wie abwesend starrend, begann er: „Sieh, du weißt es vielleicht nicht,' vielleicht hast du's auch schon erraten .... ich habe bis jetzt nicht von meinen Zinsen, sondern von meinem Kapital selbst gelebt ... ich dachte ... ich hoffte, daß ich nicht über die achtzig alt werden würde ..." Sie fiel ihm nun doch* mit hochrotem Gesicht in die Rede. „Pfui, Onkel," knurrte sie, „sag' doch solche Sachen nicht, .... so wie du noch bist, ist das nicht himmlich----" Er, das Entgegenkommeride in der eingeworfenen Zurechtweisung begreifend, nachdem er erst jene Angst vor einem kühlen Zurückziehen ihrerseits empfunden hatte, eine Angst davor,, daß sie ihn immer nur sprechen lassen würde, ohne ihm entgegen zu kommen oder ihn direkt in geheuchelter Bescheidenheit von seinen intimen Angelegenheiten nichts wissen zu wollen, zurückweisen möchte, fühlte