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Die Welt · 1908-05-22 · 20 (22.5.1908) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
20 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 20 DIE 3 KELT 13 2. Die Einwanderer sollen das Recht haben, eine zweite Berufung vom Einwanderungsamt an das ordentliche Gericht (High Court of Justice) einzulegen. 3. Revision der Liste der Mitglieder der Einwanderungsämter und Beseitigung der jetzt an diese Mitglieder gezahlten Vergütungen. 4. Bessere Vorsorge wegen der Übersetzung der in einer fremden Sprache abgegebenen Aussage und Erleichterung in der Beschaffung von Zeugenaussagen und Gutachten. Es entbehrt nicht einer gewissen Satire, daß der siegreiche konservative Gegenkandidat Mr. Churchills in Manchester versprochen hat, dafür zu sorgen, daß Mr. Churchill an seine Versprechungen erinnert werde. So haben wir Juden Hilfe bekommen von einer Seite, von der wir es am wenigsten erwartet hätten. Aber das ist Politik! The Herzl Society Infolge der Reise des Herrn Cowen nach Amerika konnte die Versammlung zur Feststellung der Statuten, des Herzlklubs erst nach dessen Rückkehr am Sonntag den 17. ds., abends, stattfinden. Unter den obwaltenden Umständen konnte man mit der Zahl der Erschienenen zufrieden sein. Die Statuten wurden diskutiert und angenommen. Zum Vorsitzenden wurde Rev. A. A. Green, Prediger der Hampstead-Synagoge, gewählt, der als ein begeisterter Verehrer des seligen Dr. Herzl bekannt ist und seit langem aktiven Anteil an der zionistischen Bewegung nimmt. Honorary Secretary wird voraussichtlich Mr. Joseph Cowen werden, ohne dessen Energie und Enthusiasmus der Verein niemals gegründet worden wäre. Als Hauptgrund für die Gründung der Vereinigung wird in den Statuten der Wunsch bezeichnet^ moderne jüdische Fragen in dem umfassenden Geiste Dr. Herzls zu ' besprechen. Das Programm sieht Versammlungen für Vorlesungen und Diskussionen über aktuelle jüdische Fragen vor. Der Verein wird den jährlichen Geburtstag Dr. Herzls festlich begehen und ein Zentrum für die Bewillkommnung hervorragender Gäste fremder Länder sein. Eine andere wichtige Aufgabe der Gesellschaft ist es, nichtjüdischen Vereinen jüdische Redner zu stellen, um diese über jüdische Fragen aufzuklären. Die Bankfrage Sonntag nachmittag hielt Herr Herbert Bentwich in einer Versammlung der London Zionist League einen Vortrag über „Die finanziellen Institutionen des Zionismus". Er legte die Geschichte des Jewish Colonial Trust und des Nationalfonds dar und sprach beifällig über die Tätigkeit der Anglo Palestine Company. Mit Bezug auf das Urteil im Bankprozeß führte er aus, daß die Zionisten sich damit nicht zufrieden geben sollen. Er trat dafür ein, daß man an eine höhere Instanz appelliere, damit die Abänderung durchgeführt und der Bewegung der Friede zurückgegeben werde. Im anderen Falle sei, solange die Statuten nicht geändert seien, zu befürchten, daß die Gegner der Abänderung versuchten, die Majorität zu erlangen und die Fonds der Bank für Kolonisation außerhalb Palästinas zu verwenden. In der darauffolgenden Debatte wandte sich Mr. Israel Cohen energisch gegen eine Berufung. Erstens sei das Resultat einer solchen Berufung sehr zweifelhaft und würde voraussichtlich eher gegen als für die Abänderung ausfallen. Sodann sei eine Berufung unnötig, weil die Besorgnis des Herrn Bentwich, der Zionistenkongreß könne von den Territorialisten beherrscht werden, so absurd sei, daß es nicht nötig sei, darüber noch ein Wort zu verlieren. Die Vergangenheit habe gezeigt, daß das Herz jedes wahren Zionisten an Palästina hänge, und es sei undenkbar, daß die zionistische Organisation von den Territorialisten dazu gebracht werden könne, die Fonds der Bank für einen nichtpalästinensischen Zweck zu verwenden, der weder geplant, noch überhaupt erwogen -werde. Brief aus Palästina (Von unserem Berichterstatter) Kastinie*), 8. Mai. Vorgestern kam es hier zu einem kleinen Streite mit einigen Schechs aus dem benachbarten Sawafije. Diese Scheehs waren früher als Wächter in unserer Kolonie angestellt, haben sich jedoch vielfach Diebstähle zuschulden kommen lassen,-infolgedessensie entlassen werden mußten. Nach ihrer Entlassung suchten sie jedoch noch häufiger Händel mit unsern Kolonisten, sie trieben ihre Schafe auf unsere Weideplätze und verübten wiederholt kleinere Diebstähle. Vor einigen Tagen wurden bei uns 3 Pflüge gestohlen, die sodann auf die Anzeige eines Sawafier Fellachen hin beieinem der Schechs gefunden wurden. Um der Strafe zu entgehen und seine Ankläger in Angst zu versetzen, reizte der Schech noch einige Fellachen aus seinem Dorfe auf, daß sie ihr Vieh auf - unsere Weide trieben, einige Schafe schlachteten und sich sodann an den Mudir in Meschdel mit der Klage wandten, wir hätten ihre Schafe ausgeschlachtet Der Mudir jedoch, der derartige Streiche kennt, wußte bald, was dahinter ist, und wies die Anklage zurück. Wir wollten uns jedoch damit nicht begnügen, sondern "einmal die Ruhestörer auch bestrafen. Unser Vertreter in Jaffa, Dr. Chissin, der auf die Nachricht vom Vorfall sofort.herbeieilte, intervenierte in unserm Namen bei der Regierung in Gaza. (Kastinie gehört zum Kaimakamat Gaza.) Wir einigten uns darauf, daß die Ruhestörer diesmal noch mit einer Geldstrafe davonkamen, dank der zuvorkommenden und energischen. Haltung der Gazaer Regierung jedoch wie des englischen Konsuls, unter dessen Schutz unsere Kolonie steht, wurden Maßnahmen getroffen, die die Wiederholung der Ruhestörungen wahrscheinlich verhindern werden. Wenn auch solche Nachbarstreitigkeiten von-erfahrenen Kolonisten nicht recht ernst genommen werden, so ist es uns, die wir von den übrigen jüdischen Kolonien entfernt und ziemlich isoliert sind, doch ein angenehmes Gefühl, daß diese, die ruhige Entwickelung der Kolonie doch störenden Zusammenstöße ein Ende nehmen werden. Jaffa, 9- Mai. Der neue Kaimakan hat bereits seinen Posten angetreten. Er kommt aus Damaskus und stammt aus einer alten, sehr angesehenen türkischen Familie. Im Gegensatz zum verabschiedeten Kaimakan. gilt er als ein vornehmer Mann, von feiner, europäischer Bildung. Haifa, ,11. Mai. Herr Dr. Paul Nathan weilt seit einigen Tagen hier, um für die zu begründende technische Schule die nötigen Vorbereitungen zu treffen. In Jerusalem haben einige Versammlungen stattgefunden, auf denen beschlossen wurde, nach Kräften dafür einzutreten, daß der Sitz des Technikums in Jerusalem, dem alten jüdischen Zentrum, sei. Aus der arabischen Presse Ober die Eisenbahn Haifa-Jerusalem bringt die offiziöse arabische Zeitung „Beiruth" folgende Notiz, die auch in die anderen Zeitungen Syriens übergegangen ist:.Demnächst wird mit dem Bau der Zweiglinie Haifa-Jerusalem der Hedjasbahn begonnen werden. Die Linie wird 100 bis 120 Meter lang sein und, wie man allgemein überzeugt ist, in zwei Jahren dem Betrieb übergeben werden können. Iii Regierungskreisen spricht man auch vom Bau anderer Zweiglinien der Hedjasbahn, die den kommerziellen und strategischen Anforderungen des Landes entsprechen sollen. Die neue Linie Haifa-Jerusalem wird bei der Station Afula in der Ebene Jesreel beginnen und Djenen und Nabulus berühren. Wenn wir die für türkische Verhältnisse ganz außerordentliche Schnelligkeit in Betracht ziehen, mit' der die Hedjasbahn gebaut wurde, darf man wohl annehmen, daß Palästina in den nächsten zwei bis drei Jahren um eine Eisenbahnlinie reicher sein wird. Ober die Wichtigkeit dieser Eisenbahn braucht man wohl kein Wort zu verlieren; mit dieser Linie wird eine neue ökonomische Epoche im Lande beginnen. Die Entwickelung Haifas Beiruther Zeitungen berichten, daß in den letzten Monaten der Schiffsverkehr in Haifa zugenommen hat. Fast alle Schiffsgeseüschaften des Mittelmeeres haben Haifa in ihren Fahrplan aufgenommen. Die syrische und arabische Presse schreibt viel von dem Bau eines veritablen Hafens in Haifa, der der Hedjasbahn ganz neue Quellen erschließen würde. In den letzten Monaten wurde der Bau eines neuen Zollhauses in Angriff genommen. Neue Siraßen und Konzessionen Die arabische Zeitung „Tarabulus" berichtet, daß die Gesellschaft, der die Chaussee gehört, die Tripoli, Horns und Hama verbindet, bei der Regierung um die Konzession eingekommen ist, auf dieser Straße einen Automobilverkehr einführen zu dürfen.. Die Zeitung bemerkt hierzu, daß ein Automobilverkehr zwischen den drei genannten Hauptstädten der Libanonprovinz sehr wohl Aussicht auf Rentabilität hätte. Mehrere Zeitungen schreiben auch von den Bemühungen eines höheren Beamten in Konstantinopel, die Konzession für eine Automobilstraße in J_emen zwischen den Städten Hedeida und- Sanaah zu erhalten. Überhaupt ist sehr viel von derartigen Versuchen in den Zeitungen die Rede. Auch in Palästina wäre die Einrichtung von Automobilverbindungen, z. B. zwischen Haifa und Jaffa, Jaffa und Jerusalem, Jaffa und Gaza und Jerusalem und Nabulus möglich. Neuerdings scheinen die leitenden Stellen der Erschließung der Bodenschätze Syriens und Arabiens besondere Aufmerksamkeit

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