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Die Welt · 1908-05-22 · 20 (22.5.1908) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
20 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 20 : DIE'EaKE-LT irrtümlicherweise als eine kunstfeindliche Richtung aufgefaßt worden ist, kommt bei dieser Ausstellung voll und ganz zur Geltung. Man lernt hier eine keusche Kunst kennen, eine Kunst ohne kokette Sentimentalität und ohne affektiertes Pathos, eine Kunst, in der man nicht unter-, sondern aufgehen kann. Und doch ist diese Kunst ebenso gefühlsselig und schönheitsbegehrend wie jede andere. Arm, bescheiden, aber in ihrer Traurigkeit stolz und stark, schöpft sie wie jede andere Kunst vom Quell des Schönen] Diesem Grundcharakter entsprach auch die Art und Weise, in der die Ausstellung aufgebaut und 'eingerichtet worden ist. groß, imposant und dauerhaft, die des Lehrhauses bequem, geräumig, nur der Zweckbestimmung entsprechend. Deshalb haben sich viele alte Synagogen, hingegen sehr wenige alte Lehrhäuser erhalten. Die Synagoge wurde fest gebaut und wenig benutzt, das Lehrhaus — schwach gebaut und viel benutzt. Dazu kommt noch der Umstand hinzu, daß die Einschränkung des spezifisch-jüdischen Lebens in den westeuropäischen Ländern dem Lehrhaus fast ganz den Boden entzogen hat. Kulturhistorisch war der Einfluß des Lehrhauses mit seinen tummelnden Mrnianim0), mit seinen frommen AUS DER AUSSTELLUNG FÜR JÜDISCHE KUNST IN DÜSSELDORF Die synagogale Abteilung mutet ganz altväterlich-historisch an. Hier herrscht Stimmung. Ein kleines Städtchen taucht vor mir auf, ein Marktflecken, nur wenige Straßen. Da war die Synagoge, dort das Lehrhaus (Beth-ha-Midrasch). Modern nennt man diesen Platz Tempelbezirk, im Volksmunde hieß er Schulhof. Modern heißt es: hier konzentrierte sich das religiöse Leben; im Grundewares das ganze Leben, das Reine und Adelige, das Geistige und Herzliche vom Leben, das sich hier konzentrierte. Jede Gemeinde mußte eine Synagoge haben. Sie hatte auch ein Lehrhaus, wo man nicht nur betete, sondern auch studierte usw. Die Synagoge war streng, das Lehrhaus populär5). Die Architektur der Synagoge war 5) Die Vorschriften bezüglich der Lehrhausweihe sind auch viel milder als diejenigen, die" sich auf die Synagoge beziehen. Maimon., Hilchoth Beth-ha-Knesseth, Kap. 3. Brüderschaften7), mit seiner Jeschiwas), mit seiner Geselligkeit und seinen Unterhaltungen0) viel größer als der der Synagogen. Aber das sind Dinge, die sich nicht in anschaulich-künstlerischer Form verkörperten und die man deshalb dem schauenden Auge nicht vorführen kann. Ich bin mir dieser Schwierigkeit vollständig °) In Wilna, im Lehrhause des Qaons R. Elia (im Volksmunde: des Chassids Bet-ha-Midrasch) lösen sich die betenden Gemeinden der Reihe nach ab. Dieser Brauch existiert auch in vielen anderen Lehrhäusern: 7) Die Brüderschaften (Chewroth) haben in manchen Orten ihre festen Plätze, besonders für die Vorträge. 8) Die höhere Schule für Talmudjünger. 9) Im Lehrhause tummeln sich die „Orchim" (fremde Wanderer), besonders die intelligenteren. Der „Beth-ha-Midrasch" hat seine Wundersagen, seine Kauserien, seine Witze und auch seine „politischen Gespräche".

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