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Die Welt · 1908-05-15 · 19 (15.5.1908) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
19 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 19 D.IE2§gELT': das mit einer so jugendlichen Frische und Lebendigkeit geschrieben ist, wie das vorliegende, einen fast lyrischen Ruhepunkt Der Verfasser entwirft ein trauriges Bild der zerfahrenen Zustände des Assimilations-Judentums. Seine Farben sind nicht grell, er bedient sich einer edlen Sprache, ist frei von dem homiletischdozierenden Ton und macht den Eindruck eines ruhigen aufgeklärten Beobachters. Stellenweise — und das ist schön — kommt das subjektive Em pfiroden zur Geltung, und der klare Schriftsteller spricht wie ein Jirmjahu, der Trümmer schaut, die geliebten Trümmer seiner Heimat. Die Erkenntnis der Lage führt zum Zionismus. Dr. Joseph hat sich zu einer zionistischen Anschauung durchgerungen. Das ist kein Pogrom-Rachmonus-Zionismus, für die Tränendrüsen einer weichherzigen Massenversammlung zugestutzt Dr. Joseph hat das Ringen des jüdischen Volkes nach höheren Daseinsformen, die turmhoch nicht nur über dem Pogromniveau, sondern auch über den Araratspitzen der Emanzipation stehen, erfaßt. Er erläutert das zionistische Programm, beleuchtet die Prinzipien und die Praxis. Natürlich konnte dies nur in aller Kürze gemacht werden, aber das Gesamtbild ist richtig, die Umrißlinien sind scharf gezogen, der Ausdruck einer jeden ist bestimmt betont. Dr. Joseph polemisiert (S. 96-105) gegen den „Kulturzionismus". Im Vergleich mit der Vornehmheit des Tones, der im ganzen Buche herrscht stört hier (S. 102, Z. 25) eine Plötzlichkeit einer knüppeldicken Ausdrucksweise. Aber so etwas entgleitet manchmal dem gebildeten Schriftsteller in der Hitze der Polemik. Schade nur, daß der Verfasser den Kulturzionismus nicht genau definiert hat. 17 Ich glaube, er versteht unter „Kulturzionismus" das exklusivkulturelle System, das weder . eine politische, noch eine kolonisatorische Tätigkeit neben der Pflege des Intellekts anerkennt. In diesem Falle sind wir einig. Aber der Verfasser wird doch nicht eine national-kulturelle Beeinflussung des Volkes aus dem Zionismus ausschalten wollen? Er müßte dann sich selbst befragen, ob er dieses Buch schreiben könnte, würde er sich nur auf eine verwaltungsmäßige, dürre Mitteilung über vorhandene Institutionen beschränken. Behandelt doch dieses Buch auch sämtliche nationalen und kulturellen Probleme, Impulse und Traditionen! Will ja der Verfasser unbedingt den Zionismus zu einem Lebensstrom machen, der den gesamten jüdischen Volksgeist treiben und heben, läutern und befruchten soll! Die Verallgemeinerung des „Kulturzionismus" läßt nicht durchschauen, welcher damit gemeint ist. Die kulturell-religiöse Behandlung des Problems (70-90) läßt den Verfasser, malgre soi-m6me als Kulturzionisten erscheinen, ich meine in dem Sinne, daß sich sein Zionismus auf einer gewissen national-religiösen Anschauung aufbaut, die er seinen Überzeugungen gemäß darlegt. Dieses Recht wird ja der Verfasser auch allen, die über Zionismus denken, schreiben und reden, zuerkennen, und damit ist das Prinzip der kulturellen Belehrung als ein integraler Bestandteil der Arbeit gegeben. Dieses Buch ist auch gewissermaßen — eine Tat. Nach all den Protesten und nach dem Fall Cohn usw. hatte ein Rabbiner den Mut, als Zionist „an die Starken und Edlen des jüdischen Volkes" heranzutreten! Gegen das eigennützige Interesse, gegen die „Staatsraison der Kehilla"! Das ist schön. N. S. oooooooi > o o o o o I: AUS DER BEWEGUNG Deutschland Hamburg: Am 7. ds. Mts. fand die Wahl der Delegierten der hiesigen Ortsgruppe für den Delegiertentag in Breslau statt. Gewählt wurden Dr. Victor, Michael, Frl. Ella Cohen, Dr. Israel Auerbach als Delegierte, Frl. Lübke, Rechtsanwalt David, Dr. Frank und Dr. Waschitz als Ersatzdelegierte. Der für den Abend angekündigte Vortrag Dr. Victors über die Beteiligung der Juden an der deutschen Landespolitik konnte nicht stattfinden. Um eine Basis für die Diskussion zu gewinnen, wurde ein im Generalanzeiger erschienener Artikel von Dr. Max Kollenscher „Mindestnnd Meistprogramm" verlesen. Dr. Halpern und Estermann vertreten den Standpunkt daß der Zionismus jede Einmischung und Beteiligung an der deutschen Landespolitik ablehnen müsse. Dr. Israel Auerbach dagegen meinte, daß es verhängnisvoll sei, sich mit dem Hinweis auf den unabänderlichen Goluszustand von den Kämpfen der' Gegenwart fernzuhalten. Es sei Pflicht der Zionisten, die Richtlinien für ein gemeinsames Verhalten der Juden in der deutschen Landespolitik zu suchen. Österreich Teplitz-Schonau: Unsere Sammlung für den Parteifonds erbrachte bisher Kr. 1328.56. Außerdem führten wir dem Palästina-Ressort Kr. 378.56 zu. An Palestine Land Development-Anteilen wurden bisher gezeichnet: direkt 51 Stück und vom durch Frau Elisabeth Perutz begründeten und propagierten Klub 11 Stück, demnach zusammen 62 Stück im Gesamtbetrage von 1500 Kronen. Die Agitation dafür ist noch im Gange. Ausflug nach Palästina Wie schon bekannt veranstaltet die jüd. akad.-Verbindung „Judea" während der Sommerferien 1. J. einen Ausflug nach Palästina. Um nun auch unbemittelten Kollegen zu ermöglichen, an diesem Ausfluge teilzunehmen, werfen wir den Gedanken der Veranstaltung einer Lotterie auf. Man könnte die Kosten der Teilnahme an dem Ausfluge im Betrage von 400 K. durch Ausgabe von Anteilscheinen von je 1 oder 2 K. decken, von denen dann ein durch das Los bestimmter Anteilschein seinem Inhaber das Recht der Teilnahme an diesem Ausfluge geben würde. Es wäre wünschenswert, daß alle akad. Korporationen sich mit der Veranstaltung dieser Lotterie befassen sollen. Um jedoch diese Aktion zu zentralisieren,, bitten wir uns von der Veranstaltung einer solchen Lotterie unter folgender Adresse sofort benachrichtigen zu wollen. Mit Zionsgruß Verbindung »Judea", Lemberg, St. Annagasse 15. Ungarn Die sechste Landeskonferenz der ungarischen Zionisten findet am 7. und 8. Juni in Budapest mit folgendem Programm statt: 7. Juni, Vormittagssitzung. 1. Konstituierung der Konferenz. 2. Verifizierung der Delegiertenmandate. 3. Kommissionsberatungen. Nachmittagssitzung (Meeting). 1. Eröffnungsrede: Dr. Bela Oestreicher. 2. Zionismus und Ungarn: Ingenieur Armin Beregi. 3. Innerpolitische Lage der ungarischen Juden: Samuel Bettelheim, Mitglied des A.C. 4. Organisation: Dr. Ludwig Dömeny. 5. Die jüdische Presse: Dr. Siegmund Alt. 8. Juni, Vormittagssitzung. 1. Tätigkeitsbericht der Landeskanzlei: Siegmund Deutsch. 2. Kassen-und Shareclubbericht: David Kohn. 3. Nationalfondsbericht: Dr. Ludwig Dömeny. 4. Bericht der Revisoren. 6: Berichte der Distriktskomitees. 6. Debatte. Nachmittagssitzung. 1. Fortsetzung der Debatte. 2. Anträge. 3. Wahlen. An der Konferenz nehmen mit Stimmrecht teil die Delegierten der Vereine und Schekelgruppen. 25—50 Schekelzahler wählen einen, 51—100 zwei, 101—150 Schekelzahler drei Delegierte, usw. Gruppen mit weniger als 25 Schekelzahlern wählen mit andern Gruppen zusammen ihren Delegierten. Mit beratender Stimme nehmen an der Konferenz teil: 1. Die Mitglieder des engeren und des weiteren Landeskomitees. . 2. Die Mitglieder der Distriktskomitees.

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