Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 19 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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No. 19 - DIE HÄKELT 0 Vergleichende Statistik der Ausfuhr von Jaffa von 1903/1907 Artikel 1903 1904 1905 1906 1907 I £ £ £ £ £ Orangen Kisten 447 675| 93.435 467 500! 103.950 456 152 114.650 547 718 162.000 630 512 179.185 Seife Tons 2 810! 77.650 2 6431 62.000 2 275 56.910 3 810 100.000 3 165 88.870 Sesam „ 2 160! 30.040 1 6761 23.350 983 13.825 4 200 60.000 2 321 47.325 Wein Kilo 2 805 795; 30.350 3 5)2 581! 37.860 3 708 400 47.020 2 139 950 36.000 2 703 750 33.850 Religiöse Artikel Kisten 580| 7.100 650 j 9.000 985 12.580 1 705 20.000 1 921 23.040 Wassermelonen — — '! 19.000 — ■! 11.000 — . 18.800 — 21.000 16.150 Lupinen Quarts — — — : — 21 850 15.400 12 239 14.000 14 421 15.974 Häute Pfund I2S600; 4.000 267 500: 6.000 506 600 8.110 307 600 9.000 560 500 10.260 DaH Quarts — J — — — 240 090 23.100 21 990 22.000 9 090 9.924 Wolle Pfund 320 500| 4.500 349 000 7.930 275 750 4.540 302 370 6.000 423 860 9.680 Bohnen Quarts — — — - — 10 480 12.315 1 568 2.000 6 880 8.666 Olivenöl Pfund 414 500! 5.330 80 900 950 Koloquinten „ 71 160; 3.700 57 0001 3.650 52 500 3.370 126515 6.000 86 490 4.990 Rosinen Tons — — 50 400 — _ 800 11.000 . 380 3.800 Verschiedenes — 47.230 — 1 29.210 — 39.380 31.000 32.626 - | 322.335 - 1 295.300 - 370.000 ~ 500.000 - 484.340 Russischer Brief (Von unserem Berichterstatter) Zur Judenfrage in. der polnischen Publizistik „Witez", das Organ der polnischen Intellektuellen, das die Ansichten verschiedener extremer polnischer Parteien widerspiegelt, eröffnet gegenwärtig eine interessante Diskussion über die Judenfrage. Die Initiative dazu stammt von einem der bekanntesten und populärsten Schriftsteller „Jungpolens", Danilowski. und zeigt die außerordentlich positive Tatsache des Erwachens gewisser besserer Elemente der politischen Intelligenz in ihren Beziehungen zu Juden. Das charakteristischste Merkmal aller polnischen Parteien und sozialen Strömungen im Verhältnisse zu den Juden ist die völlige Unkenntnis des jüdischen Lebens, von dem man sogar in den intelligentesten Kreisen die merkwürdigsten Vorstellungen hat. Der Jude, abgesehen von seinen positiven oder negativen Eigenschaften, bleibt für den Polen immer ein rätselhaftes X, um so mehr Mißtrauen erweckend, je treuer er bei seiner „ausländischen" Kultur ausharrt. Die Juden sind „inländische Ausländer", wie sie von Zeromski, dem talentvollsten aller polnischen Schriftsteller, genannt wurden. Und tatsächlich begegnen wir in der polnischen Literatur und Publizistik keinem Werke, in dem eine Kenntnis des jüdischen Lebens sichtbar wäre. Zwar haben die Schriftsteller „mit jüdischem Thema'" vieles geschaffen, viele Publizisten Prinzipienreiterei getrieben, aber sowohl diese wie auch jene verrieten ihre absolute Ignoranz. Und §0 hat es uns angenehm überrascht, als wir im Artikel von Danilowski folgenden Gedanken begegneten: „Alle diese Zweifel und Probleme harren eines Rates und einer Antwort, und die beste können uns nur diejenigen fortschrittlichen Juden geben, welche im Kontakte mit deY jüdischen Volksmasse geblieben sind. Vor allein haben diese die Pflicht, sich klar und aufrichtig auszusprechen. An Stelle der unfruchtbaren Auseinandersetzungen, ob die Juden theoretisch ein Volk sind oder nicht, soll man gegenwärtig eine Diskussion über die Lage der jüdischen Masse, ihre Ideale und Strebungen eröffnen. Es ist doch die höchste Zeit, sich nach so vielen Jahrhunderten des Zusammenlebens kennen zu lernen. Die Arbeit gewisser jüdischer Publizisten muß sich nach der Richtung wenden, wo sie produktiver, erfolgreicher und für beide Seiten wünschenswert ist Das Aufreißen von Wunden, die uns Polen als unsere eigenen am stärksten schmerzen, in deren Empfinden wir am kompetentesten sind, weil wir sie nicht nur sehen, sondern auch fühlen und nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Instinkt und durch Intuition erleben, überlassen wir auch denjenigen „feld's" und „mann's", welche dadurch ebenso tief leiden wie die „ski's" und „itsch's". — In diesen letzten Worten sehen wir eine kleine Anspielung an die Adresse unserer Assimilatoren. Der Verfasser erklärt aus Artigkeit, sie seien ebenso fähig, „polnische Wunden" zu empfinden wie die Polen; aber es wäre viel nützlicher, wenn sie sich auf. dem Gebiete ihrer eigenen Angelegenheiten betätigen wollten. Manchen von ihnen überläßt der Verfasser „das Aufreißen der polnischen Wunden", da sie, nach seinen Worten, keiner anderen Tat fähig sind. Fürwahr! Traurig ist die Geschichte der Dienstleistungen, welche von 'den Assimilatoren der Frage der Regulierung polnisch^jüdischer Beziehungen erwiesen worden sind. Es gab keine Strömung im Judentum, keine Erscheinung des jüdischen Leberls, welche sie in den Augen der polnischen Gesellschaft nicht erniedrigt üfld lächerlich gemacht hätte. Auf jedem Schritt, in jeder ffir die Juden auftauchenden Frage haben diese jüdischen Publizisten — von den naiven Schwärmern bis zu den schädlichsten Verleumdern — Hindernisse in den Weg gestellt und bewiesen, daß die jüdische Sprache keine Sprache, das jüdische Volk kein Volk und die jüdische Kultur keine Kultur sind. Wie weit der Unsinn unserer assimilatorischen Publizisten ging, zeigt die Tatsache, daß einer der hervorragendsten Vertreter dieses Typus in einem in einer polnischen Zeitung veröffentlichten Artikel beweisen wollte, daß der Zionismus nichts anderes als die „maskierte Qermanisierung" und „der jüdische Arbeiterbund" die „maskierte Russifikation" des Königreichs Polen sind. Und es ist auch kein Wunder, daß unter dem Einflüsse solcher Informationen die Polen keinen Begriff von den Strömungen und Parteierl irrt Judentum besitzen. Und es ging so weit, daß man sich die zionistische Organisation als eine „Bande" und die Bevollmächtigten als „Bandenarrführer" vorstellte. Aber alles hat seine Grenzen. Wie wir sehen, haben unsere „Vertreter" das Vertrauen der peinischen Gesellschaft verloren, und die denkenden Elemente wollen die „profession de foi" nicht aus trüben, sondern, aus den ersten unmittelbaren Quellen hören. Sie wollen aufrichtige und dem Volke nahestehende Juden kennen lernen und nicht solche, die sich an Sachen herandrängen, welche „sie auch mitempfinden können". Die Idee ist einfach und logisch. Für ein enges Zusammenwirken und friedliches Zusammenleben zweier ökonomisch so eng verknüpften Völker ist es notwendig, sich gegenseitig, wenigstens in den allgemeinen Zügen, kennen zu lernen. Das jüdische Leben soll den Polen nicht so rätselhaft-exotisch erscheinen wie das Leben irgendeines Volksstammes in Zentralafrika. Die einzigen, die als Vertreter des jüdischen Volkes gelten können, sind nach unserer Meinung die nationaldenkenden. Juden, denen die Aufgabe obliegt, der Aufforderung von Danilowski Folge zu leisten und die polnisch-jüdischen Beziehungen auf neue Bahnen zu lenken. Zur Judenfrage in den Regierungskreisen Laut den aus-Petersburg angekommenen Nachrichten gibt sich in den Regierungskreisen ein starkes Interesse für die in den Dumakomissionen gegenwärtig behandelte Judenfrage und zwar das Verhältnis der Juden zum Militärdienste kund. Der Vorschlag, die Juden vom Militärdienste vollständig zu befreien, hat keine Anhänger gefunden. Das Ministerkabinett erachtet es sogar für