Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 19 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 19 Aus dem britischen Konsiliarbericht für Palästina Der Bericht des britischen Konsuls für Palästina ist soeben erschienen. Der Bericht zeugt von einer sehr günstigen Auffassung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes, dem der Verfasser, durch seine Stellung und Erfahrung einer der besten und berufensten Kenner Palästinas, einen großen Aufschwung vorhersagt. Wir entnehmen dem Bericht folgende interessante Angaben: Import und Export in Jaffa: Die unten folgenden Tabellen über den Import und Export in Jaffa beruhen auf Angaben, die vom dortigen Zollamt gegeben wurden. Sie können keinen Anspruch auf absolute Zuverlässigkeit erheben und bleiben ohne Zweifel hinter den richtigen Zahlen zurück. Man kann annehmen, daß 60°.o der Einfuhr für Jerusalem bestimmt ist, das den Markt für die südlichen und östlichen Distrikte, einschließlich Hebron, Salt und Kerak bildet. Der Verbrauch von Nabülus und Gaza wird über Jaffa gedeckt; die Einfuhr nach Jerusalem beträgt nicht viel weniger als 500 000 £. Aus der Statistik ergibt sich, daß die Einfuhr überhaupt um 149 000 £,gestiegen ist, das sind zirka 25°/o des Wertes der Waren. Diese Steigerung ist teils eine Folge der Preisteuerung der eingeführten Waren, teils der Einfuhr von Getreide, Olivenöl und Mehl, die infolge der Mißernte nötig wurde. Trotz der Mißernte war die Bevölkerung in der Lage, 10 000 ,£ mehr für Tabak und Tumbeki auszugeben; und das beträchtliche Anwachsen der Zahlen für Kurzwaren, Holz, Eisenstäbe und Träger, Ziegel und Mauersteine ist auf die fortdauernde Einwanderung fremder Juden und anderer Einwanderer zurückzuführen, wie auch auf die andauernde Bautätigkeit. Das Sinken der Zahlen für Zucker wird beinahe aufgewogen durch die vermehrte Einfuhr von Reis. Petroleum dagegen zeigt eine Verminderung von 19 500 Kisten und 10 000 £ des Wertes. Baumwollwaren: Die Importziffern für 1907 zeigen eine Steigerung von ungefähr 3*/s0/o des Wertes, dagegen eine geringe Abnahme in der Menge. Gegenüber 1906 ist keine große Änderung zu konstatieren, ein Blick auf die Tabelle der Einfuhrziffer für die letzten 5 Jahre zeigt indessen, daß, nachdem im Jahre 1904,5 eine beträchtliche Abnahme zu konstatieren war, die beiden letzten Jahre ein erhebliches Anwachsen zeigen. Hauptsächlich wurden eingeführt: Bedruckte und T-Gewebe aus England (in bedruckten Artikeln kommt jetzt auch Deutschland ernstlich in Betracht), Kattune aus Deutschland zumaPreise von 85 cts. per pic, das ist etwas weniger als 10 pence pro Yard, Flanelle aus Deutschland und Frankreich, billigere und geringere Qualitäten auch aus Italien. Die Einfuhr aus Italien übersteigt nicht 1000 £ und ist im beständigen Fallen begriffen, da die Qualitäten als zu schlecht bezeichnet werden. Handtücher, Tischtücher und Taschentücher kommen hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten, indessen wird auch hier die wachsende Konkurrenz Deutschlands verspürt Bisher wurden 90°/o der Aufträge durch Beirut vermittelt; es zeigt sich aber eine wachsende Tendenz, die Bestellungen direkt ins Herstellungsland zu überweisen. Eiserne Stäbe und Träger: Diese werden hauptsächlich aus Belgien eingeführt und werden in zwei Arten gehandelt: einer .größeren, die meist für öffentliche Gebäude und große Häuser gebraucht wird und in der Länge zwischen 4 und 12 Meter variiert; diese sind 18 cm breit und 6 cm dick, ihr Gewicht beträgt 21 bis 21 Va kg pro Meter. Sodann die gewöhnliche Sorte, die meist zum Zwecke der Verwendung bei kleineren Gebäuden importiert wird; die Länge und Breite ist wie oben, die Dicke beträgt 5ik cm und das Gewicht 14Vs bis 15 kg pro Meter. Beide Qualitäten werden zum selben Preise 17 bis 19 Francs per 100 kg cif Jaffa verkauft; die Preise verstehen sich per bar innerhalb 3 Monaten und 3o/0 Skonto bei Barzahlung. Anregungen für britische Kaufleute: Obgleich die geschäftlichen Beziehungen zu Großbritannien durch im Lande ansässige Firmen, die direkt einkaufen, aufrecht erhalten werden, gibt es doch nichtsdestoweniger gute Möglichkeiten für eine leistungsfähige britische Kommissionsfirma, die Beziehungen zu britischen Häusern hat, welche sich der Mühe unterziehen wollen, die lokalen Geschmacksrichtungen und Bedürfnisse zu erforschen, und ein Musterlager am Platze unterhalten wollen. Eine solche Firma könnte in den beiden wichtigen Branchen Textilwaren und Kurzwaren ein gutes. Geschäft machen. Eisenwaren können von England so billig bezogen werden, daß ich sicher bin, daß eine Firma, die sich damit abgibt Erfolg hätte, vorausgesetzt, daß sie sich nach dem lokalen Geschmack richtet. Englische Messerschmiedewaren finden immer noch Käufer. Lampen und Küchenartikel können sehr gut importiert werden, um mit den minderwertigen Waren des Festlandes zu konkurrieren, die hier gehandelt werden. Papierwaren und Drucksachen bieten der :DIES|KELT : britischen Industrie ebenfalls gute Aussichten. In diesen Artikeln wird von Italien und Deutschland ein großer Umsatz erzielt, und ein italienischer Geschäftsreisender sagte mir vor einigen Monaten, daß er immer große Aufträge in Preislisten, Ansichtskarten und verschiedenen andern Arten Drucksachen erhielte. Bis jetzt ist es mir nicht gelungen, jemand dazu zu bewegen, sich als englischen Kommissionär niederzulassen; aber ich denke, daß im nächsten Jahre ein Fortschritt in dieser Hinsicht zu verzeichnen sein wird. Dann hat auch, denke ich, ein Gemischtwarengeschäft gute Aussichten, ungefähr in der Art, wie sie sich in Konstantinopel und Smyrna erfolgreich etabliert haben. Zunächst brauchte es nur ein etwas besseres Spezereiwaren- und Agenturgeschäft zu sein, später könnten dann andere Branchen dazukommen. Nicht nur die ziemlich große englische Kolonie, sondern auch die meisten der fremden Einwohner und religiösen und philanthropischen Institutionen würden in kurzer Zeit seine Kunden werden. Obgleich die zahlreichen missionären und religiösen Institutionen ein Recht auf Zollfreiheit besitzen, machen sie, und insbesondere die unter englischem Schutz stehenden, in Wirklichkeit keinen Gebrauch von diesem Recht, insoweit es ihnen ermöglicht, Vorräte in Waren und Lebensmitteln hinzulegen, hauptsächlich deshalb, weil ihnen die erforderlichen Fonds dazu fehlen. Nach dem jetzigen Stand stellt Großbritannien die Hauptmenge der eingeführten Lebensmittel, Backwaren und Konfekte. Mir scheint, daß ein solcher Laden, gutgeleitet und billig verkaufend, sich gut rentieren würde, vorausgesetzt, daß der Händler gute Waren zu angemessenen Preisen zu liefern in der Lage wäre. Ich habe versucht, Lokalfirmen dazu zu bewegen, mit Australien wegen des Bezugs von gefrorenem Fleisch in Unterhandlung zu treten; Fleisch ist hier von sehr minderwertiger Qualität und wird sehr teuer verk'auft. Aber das vollständige Fehlen aller Kühleinrichtungen macht ein solches Unternehmen zurzeit unmöglich. Die englischen Fabrikanten sollten Palästina mehr Aufmerksamkeit schenken. Das Anwachsen der Bevölkerung hat eine beträchtliche Steigerung des Imports verursacht, der sich innerhalb 5 Jahren fast verdoppelt hat. Diese Tendenz wird wohl weiter andauern, insbesondere wenn die Vollendung der Hedschaesbahn die Erschließung von Gebieten nach sich ziehen wird, die bisher aller Verkehrsmittel ermangelten. Andere Bahnunternebmungen werden geplant, und alles deutet auf einen allgemeinen Aufschwung des Landes und ein Wachsen seiner Bedürfnisse für die nächste Zukunft. Ackerbau: In der Ebene Saron wird Wasser durchweg in geringer Tiefe gefunden, der Boden ist fruchtbar, und mit der Ausbreitung besserer Bebauungsmethoden, die in den deutschen und jüdischen Kolonien bereits angewandt werden, wird die Produktion beträchtlich wachsen. Es sind Brunnen angelegt, und das Wasser wird jetzt im allgemeinen durch Motorkraft, meistens durch Petroleummotoren, an die Oberfläche gehoben. Im Distrikt Jaffa sind jetzt ungefähr 500 solcher Motoren zu Bewässerungszwecken usw. in Gebrauch, nicht ganz die Hälfte davon sind englischen Ursprungs, die anderen kommen aus Deutschland. Die englische Ware wird vorgezogen, aber der deutsche Erzeuger ist entgegenkommender inbezug auf die Zahlungstermine. Die Motoren haben durchschnittlich 5 Pferdekräfte. Auch Gasmotoren werden eingeführt. Ihre Installationskosten sind zu groß, um sie die kleineren Petroleummotoren verdrängen zu lassen, aber bei größeren Maschinen ist die Arbeitsökonomie so beträchtlich, daß sie den Obergang von Petroleum zu Gas, wo es möglich ist, ratsam erscheinen läßt Bis jetzt sind 9 solcher Motoren in Gebrauch von je 10 bis 50 Pferdekräften. Die jüdischen Kolonien, die ursprünglich von Baron E. von Rothschild gegründet, aber im Jahre 1900 der Jewish Colonisation Association übergeben wurden, sind jetzt reorganisiert und gedeihen gut. Indessen sind die, die vom Weinbau abhängig sind, weniger erfolgreich; die ObererzeugSng von Wein war so groß, daß das Produkt keinen Käufer fand und die Weine und die Reben ausgerissen wurden; auf diese Weise wurden 1905,06 700 Dunam (170 Ar) Weinberge zerstört, und mit 900 Dunam (220 Ar) sollte 1906/07 ähnlich verfahren werden. Man beabsichtigt den Anbau von.Mandeln, Orangen und anderer Fruchtbäume dafür vorzunehmen. Baumwollkultur: Man hat verschiedene Versuche mit Baumwollpflanzungen gemacht, und zwar in der Ebene Saron und im Distrikt Jericho; aber sie sind kaum über das Versuchsstadium hinaus gediehen. Indessen scheint kein auf das Klima bezüglicher oder anderer Grund dagegen zu sprechen, daß diese Kultur auf breiter Basis wieder mit Erfolg eingeführt werden könnte; vor 30—40 Jahren wurde sie nutzbringend betrieben. Der Konsularbericht enthält sodann eine Aufstellung über, die Kosten und den Ertrag einer Orangenpflanzungsanlage. Danach bedingt eine Orangenpflanzung von 100 Dunam (25 Ar) bis zum