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Die Welt · 1908-05-08 · 18 (8.5.1908) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
18 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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ihrem Wirtschaf tst>etriebe im vorigen Jahre bis zu 10 000 Pres, erworben. Der Regierungszehnte' der ganzen Kolonie beläuft sich gegenwärtig auf 23 000 Frcs. JederKolonist bearbeitet durchschnittlich 300 Duflam. im großen ganzen betreibt die Kolonie eine sehr rationelle Wirtschaft, und die Kolonisten haben es" verstanden, sich die neuesten Ergebnisse der Technik nutzbar zu machen. So wurden z. B. allem im vorigen Jahre 15 000 Frcs. zur Anschaffung neuer Gerate und Maschinen verausgabt. Vielfach haben die Kolöriisten;auch eigene Initiative in der Erfindung neuer Hilfsgeräte bewiesen, die den heimischen Bedingungen des Landbaues angepaßt sind. So hat einer der Kolonisten kürzlich neue Pläne für eine Anzahl von Ackerbaugeräten entworfen,' die von einer europäischen Fabrik angefertigt werden. Der Boden von Chederah ist vielfach sehr ergiebig. Besonders zeichriet sich derjenige Teil des Bodens aus," der hier „Chamrah" (schwarzer Boden) genannt wird und bisweilen überraschende Ernteresultate ergibt. DiemKolonisten züchten viel Geflügel'und Vieh in ihrer Wirtschaft. Oberhaupt gewährt die Kolonie den Eindruck eines reichen Dorflebens. Allerdings gibt es auch eine Anzahl Kolonisten, die ein ärmliches und gedrücktes Dasein führen. Die Ursache dürfte meistenteils in persönlicher Ungeeignetheit zu suchen sein. Es sind dies meist Arbeiter, die zu selbständigen Kolonisten geworden sind, ohne ' die hierfür notwendigen Vorbedingungen an Ausbildung und Vermögen zu besitzen. So haben natürlich die wohlhabenderen Kolonisten den besseren Boden und die besseren Hilfsmittel zur Verfügung, welche letzteren hier besonders wichtig sind. Zum größeren Teile ist der Boden infolge seiner sumpfigen Beschaffenheit einstweilen zum Anbau nicht geeignet. Man hat vielfach versucht, durch Eukalyptusanpflanzungen den Boden auszutrocknen, was aber mit großen, meist unerschwinglichen Kosten verknüpft ist. Bis jetzt sind im ganzen 400 000 Eukalyptustusbäume in Chederah angepflanzt. Infolge der großen Sümpfe herrscht auch in der Kolonie, eine Reihe von Krankheiten, denen oft auch junge, lebenskräftige Kolonisten erliegen. Es ist vorgekommen, daß eine ganze Familie in einigen Tagen ausgestorben ist. An medizinischer Hilfe besitzt die Kolonie nur einen Feldscher; von Zeit zu Zeit besucht Dr. Joffe, der Arzt von Sichron Jacob, auch die Kolonie Chederah. Es gibt auch verschiedene Landbesitzer, die anderswo ihren ständigen Wohnsitz haben und ihr Land in Chederah verpachten. Die Kolonie besitzt -auch eine kleine Volksschule, an. .der ein Lehrer und eine Hilfslehrerih gegenwärtig 32 Schüler unterrichten. Für die Vorgeschritteneren ist indessen in dieser Schule kein Platz. Es .wäre an der Zeit, durch Aufwendung größerer Hilfsmittel den mißlichen Zuständen dieser aussichtsvollen Kolonie erfolgreich entgegenzuarbeiten. Unter besseren Bedingungen könnte gerade die^ Kolonie Chederah sich zu einer Musterkolonie entwickeln. Jerusalem, 24. April. In der Nacht vom 22. zum 23. April brach in der Jaffastraße in einem Cafe in der Nähe des Jaffatores durch Umfallen einer Petroleumlampe ein Feuer aus, das ungefähr sechs Häuser zerstörte. Unter diesen befand sich auch die Credit Lyonnais Banque, die aber nur eine Einbuße ihres Archivs erlitt, Geld und Wertpapiere wurden nicht vernichtet. Dagegen wurde das türkische Postgebäude, in dem sich (jas Telegraphenamt befand, ganz zerstört. Da man hier fast immer Steine zum Bauen benutzt, fühlt man sich vor Feuersgefahr bewahrt und denkt nicht daran, sich zu versichern. Auch fehlt es an Feuerlöschgeräten, und daß hier kein Oberfluß an Wasser ist, weiß man zur Genüge. Zwischen den Trümmern liegen Haufen halb. verkohlter ausgefüllter und unausgefüllter Depeschenformulare, die von den Passanten aufgehoben werden. Dabei verschwindet wohl noch verschiedenes andere, denn nichts ist abgesperrt und keiner ist da, um fremdes Eigentum zu wahren.,' Die Telegraphenleitung ist natürlich ganz zerstört. Der Besitzer des Cafes ist mit seiner 'ganzen Familie verhaftet worden.__• ' Eine Ausstellung jüdischer Kunstdenkmäler Die am Sonntagnachmittag um 3 Uhr im Lichthofe des Kunstgewerbemuseums zu Düsseldorf eröffnete Ausstellung von jüdischen Bauten und Kujtusgegenständen für Synagoge und Haus in Abbildung und Originalen ist von der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler - in Frankfurt a. M. veranstaltet worden, und zwar ist es das erste Mal, daß diese Gesellschaft; ihren Besitz in übersichtlicher Weise der Öffentlichkeit vorführen kann. Die Gesellschaft, die bisher nur durch wissenschaftliche Veröffentlichungen hervorgetreten ist, verdankt ihre Entstehung einer Anregung des Direktors-Frauberger vom Düsseldorfer Kunstgewerbemuseum und der tatkräftigen Mithilfe des Frankfurter Philanthropen Charles L. Hallgarten; sie hat ihren Sitz in Frankfurt a. M., dagegen ihre Sammlungen bis jetzt unter der Obhut Direktor Fraubergers im Kunstgewerbemuseum zu Düsseldorf. Die Bestrebungen dieser Gesellschaft sind einesteils auf die reinwissenschaftlichen Erforschungen der Geschichte, Bedeutung, Entstehung und Technik der verschiedenen Gegenstände und Kunstwerke, die im jüdischen Kultus Verwendung finden und auch auf die Kultusbauten gerichtet, andernteils zielen sie auf die Nutzbarmachung des künstlerischen Gehaltes dieser Werke für die Wiederbelebung und Fortentwicklung gleicher, von der Neuzeit gestellter Aufgaben. Diese Gesichtspunkte schließen zugleich die Notwendigkeit des Sammeins und der Veröffentlichung in sich ein. Nach den beiden Richtungen ist bisher bis auf ganz geringfügige Ausnahmen kaum etwas geschehen, und eine systematische, umfassende, planmäßige Bearbeitung fehlte bisher gänzlich. Der Gesellschaft fiel also die schwierige und dankbare Aufgabe zu, dieses Neuland erstmalig in Angriff zu nehmen. Bei der Eröffnung hatte sich ein kleiner Kreis geladener Gäste, darunter als Vertreter des Vorstandes der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt die Herren Architekt und Privatdozent Dr. phil. Hülsen und Eduard Cohen, im Lichthofe des Museums zusammengefunden, Nach einer kurzen orientierenden Ansprache des Direktors Frauberger ergriff im Namen des Vorstandes der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt a. M. Dr. Hülsen das Wort und gedachte in warmen Worten des am 19. April in Frankfurt unerwartet dahingeschiedenen ersten Vorsitzenden der Gesellschaft, Charles L. Hallgarten, der bis zuletzt mit der ganzen Hingabe seiner tatkräftigen Persönlichkeit die Bestrebungen der Gesellschaft geleitet und gefördert hat. Er richtete ferner Worte des Dankes an Direktor Frauberger,. der in jahrelangen rastlosen Mühen und mit Hingebung an dieses bisher gänzlich vernachlässigte Gebiet der Kunstforschung seine im Jahre 1897 gefaßten Pläne in die Wirklichkeit umgesetzt und auf vielen Reisen und durch die Anknüpfung zahlreicher zweckdienlicher Beziehungen es vermocht habe, einen gediegenen Grundstock an Originalen und Abbildungen zusammenzubringen. Der Redner ging ferner auf die Bestrebungen der Gesellschaft ein und erklärte die Ausstellung namens des Vorstandes der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler für eröffnet Es sprach dann noch Herr Eduard Cohen, der darauf hinwies, wie auch in den Zeiten mittelalterlicher Bedrückung es den Bewohnern der Ghettos an einem gewissen Kunstsinn und an der Freudigkeit der Verwendung künstlerischer Formen an ritualen Gegenständen niemals gefehlt hat. Unter den vielen kunstgewerblichen Ausstellungen der letzten Jahre dürfte diese Ausstellung an hervorragender Stelle stehen und von epochemachender Bedeutung sein, nicht bloß, weil sie die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf ein bisher unbekanntes Gebiet lenkt, sondern weil aus dieser Ausstellung auch für das künstlerische Schaffen lehrreiche und fruchtbringende Anregungen hervorgehen werden. Der Ausstellung wäre in diesem Sinne ein recht zahlreicher Besuch zu wünschen. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt a. M. hat durch die Ausstellung die besten Hoffnungen für ihre fernere Wirksamkeit erweckt. Eine eingehende Würdigung der Ausstellung wird in der nächsten Nummer erfolgen. , Die Gewissensfreiheit und die Rechtsbeschränkungen. Unter den in die Reichsduma eingetragenen Projekten über die Gewissensfreiheit befindet sich ein unter dem Titel: .„Ober die Abschaffung der in der Gesetzgebung geltenden politischen und bürgerlichen Beschränkungen, die mit der Zugehörigkeit zu verschiedenen Religionen zusammenhängen:* Das Gesetzprojekt, wie auch alle anderen Referate des Ministeriums des Innern über die Gewissensfreiheit, beginnt mit der Auslegung der wissenschaftlichen Grundsätze des Staatsrechts. Nach der ministeriellen Erklärung umfaßt der Begriff der Gewissensfreiheit die Nichteinmischung des Staates in die geistlichen Angelegenheiten der Privatpersonen und ihrer Konfessionen, wie auch die Abschaffung aller politischen und bürgerlichen Beschränkungen, die mit der Angehörigkeit zu dieser oder jener Konfession zusammenhängen. . - Welch edle, Gesinnungen und welcher Eifer in der Realisierung der Prinzipien des Staatsrechts! Anders ist es aber, wenn man die Sache näher betrachtet Die Theorie-des Staatsrechts wurde vom Ministerium des Innern ein ganz klein wenig vervollständigt, indem es die Worte hinzufügte: „Das Abhandensein irgendwelcher politischer und bürgerlicher Beschränkungen, die ausschließlich mit der Angehörigkeit zu irgendwelcher Konfession zusammenhängen". Dieses Wörtchen „ausschließlich" verändert ganz und gar die staatsrechtliche Theorie über die Gewissensfreiheit. Die Gewissensfreiheit wird ausgedrückt nicht nur im Rechte auf die äußere Ausübung des Glaubens und im Abhandensein der

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