Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 18 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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14 die^elt No. 18 Italien Florenz. Der hiesige zionistische Verein veranstaltete am 26. ds. Mts. ein Fest, anläßlich der Einweihung der neuen blauweißen Fahne, die einige Damen unserem „Gruppo Sionista" geschenkt haben. Es war eines der gelungensten Feste und hat unserer Bewegung viele neue Genossen gewonnen. Der unermüdliche Präsident des Vereins, Herr Bildhauer Professor Beer, eröffnete das Fest mit einer Ansprache. Hierauf sprach der Redner dieses Abends, Aldo Sorani, über den Zionismus. Sodann übergab Frau Markus die neue Fahne, indem sie mit flammenden Worten über Bedeutung der blauweißen Fahne als Symbol unserer Bewegung sprach. Zuletzt sang ein Damenchor" unter Leitung des Fräuleins Arias, die am Klavier begleitete, das Nationallied „Hatikwah". Unter den zahlreich Erschienenen waren Rabb. Dr. Margulies, Prof. Dr. Chaies. Prof. Arias u. -a. Australien Den rastlosen Bemühungen unseres bewährten Gesinnungsgenossen, des Rechtsanwalts Mr. Percy J. Marks in Sydney, ist es gelungen, dort einen zionistischen Verein ins Leben zu rufen, der bereits eine energische Tätigkeit entfaltet. Der Vorsitzende der Vereinigung ist Herr Percy J. Marks; dem Vorstande gehören noch an die Herren David Blashki, Charles S. Browne, Elias Green, M. B. Michelson, Alfred Sheckel, J. P. und S. Pechter. Auch in Wellington entfaltet die Wellington Zionist League eine erfreuliche Tätigkeit. Unter der geschickten Leitung des Präsidenten D. J. Nathan ist sie besonders eifrig für den Nationalfonds tätig. Ifs^S NACHRICHTEN äf^| Palästina i Originalbericht) Jaffa: Die Passahfeiertage hat man hier und in den Nachbarkolonien in hoher Stimmung verbracht. Die jüdische Bevölkerung ist nach der ihr gewordenen Genugtuung wieder beruhigt. Oberall zeigt sich frisches Leben, leiderauch schon der amerikanische Reklamestil. Hier sieht man eine Bekanntmachung des Hebräischen Gymnasiums, dort die einer Talmud-Thora, die verspricht, ihre Zöglinge im alten jüdischen Geiste zu erziehen. Bemerkenswert waren die Entlassungsfeiern in der Tachkmanischule und der vor anderthalb Jahren gegründeten Handwerkerschule. Die Tachkmanischule ist eine der schönsten Gründungen der hiesigen Orthodoxen. Das Verhältnis der Lehrer zu den Schülern ist ein freies und völlig ungezwungen, das Lehrprogramm ist vielseitig und sehr reichhaltig. Die Unterrichtssprache ist hebräisch. Petach-Tikwah: Verflossene Woche kam hier das Land „Padga", das in der Nähe unserer Kolonie gelegen ist, zur Verlosung. Es war seinerzeit vom Odessaer Komitee an eine Vereinigung von 30 Mitgliedern gegen Ratenzahlung übertragen worden unter der Bedingung, daß es ihr gemeinschaftlicher Besitz bleiben soll. Nach Ablauf einer bestimmten Frist durfte es aber unter sie verteilt werden. Auch die Gesellschaft Menucha-Wenachlah entwickelt eine rege Tätigkeit. Das Interesse der Mitglieder an der Arbeit und den Erfolgen der Gesellschaft ist gestiegen. Die meistens im Auslande wohnenden Teilhaber betrachten "das Unternehmen nicht mehr als ein philanthropisches, sondern sehen darin ein rein geschäftliches Unternehmen, von dem sie noch einmal große Erträge erwarten. Ein Teil-der Hoffnungen hat sich bereits verwirklicht. Zur Zeit weilt ein Vertreter der Gesellschaft aus Warschau hier, um verschiedene nötige Einrichtungen und Verbesserungen zu treffen. Aus Galiläa wird uns berichtet: Der Generalgouverneur von Beirut besuchte neuerdings die hiesige Gegend und beehrte auch die jüdischen Kolonien Methulah und Rosoh-Pinah mit seinem Besuch. Er war von der Aufnahme, die ihm zuteil wurde, sehr erbaut und drückte seine höchste Zufriedenheit überjdas, was er hier gesehen hatte, aus. Bemerkenswert war seine Äußerung, daß er die . Einführung der französischen Sprache in den Dorfschulen für durchaus falsch halte. Die Juden auf dem Lande kämen sehr gut mit ihrer Muttersprache, Hebräisch, und der Landessprache, Arabisch, aus. Die Kenntnis des Französischen erleichtere nur die Auswanderung, was doch nicht wünschenswert sei. Übrigens ist die Auswanderung in der ietzten Zeit erheblich zurückgegangen. Viele der Ausgewanderten kehren jetzt aus Amerika und Australien zurück und wenden sich mit doppelter Energie wieder der Landwirtschaft zu. Hebräisches Gymnasium in Jaffa Aus Jaffa wird uns von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben: v Hier fand vor einigen Tagen eine Sitzung des pädagogischen Rates des hebräischen Gymnasiums statt, ~an der auch Herr Friedensrichter Moser aus Bradford (England) teilnahm. Herr Moser bestätigte seine auf dem Achten Zionistenkongreß im Haag gemachte Zusage einer Stiftung von 80 000 Francs für das. Hebräische Gymnasium, und man beschloß, sofort mit den Vorbereitungen zum Bau des Gymnasiums zu beginnen, das den Namen Theodor Herzls führen wird. Bis zur Vollendung des neuen Gebäudes übernimmt Herr Moser auch die Zahlung der Miete für die bis jetzt innege- §ehabten Räume. Zu einer größeren Diskussion gab in dieser itzung die Frage der religiösen Richtung des Gymnasiums Anlaß. Bekanntlich sind von gewisser Seite Gerüchte in Umlauf gesetzt worden, das Gymnasium erziehe seine Schüler zu Atheisten und vernachlässige überhaupt vollständig die religiösen Traditionen des Judentums. Obwohl alle diese Gerüchte längst als unbegründet erwiesen sind, hatte man aus orthodoxen Kreisen von Herrn Moser verlangt, er müsse seinen Einfluß geltend machen, um den streng traditionellen Geist im Gymnasium durchzusetzen. Herr Moser äußerte bescheiden, er sei sehr wenig kompetent, über Fragen der Tradition in ausschlaggebendem Sinne zu entscheiden, und deshalb wolle er auch keine Zielpunkte aufstellen; aber es sei sein Wunsch, daß das Gymnasium derart geführt werde, daß die Mehrheit der palästinischen Juden zufrieden sein könne. Im übrigen, meinte Herr Moser, er könne sich nur den Worten des jüdischen Schriftstellers Mordechai ben Hillel Hacohen anschließen, der in seinem Namen und im Namen einiger Eltern der Schüler sagte, sie alle, die gewiß im traditionellen Judentum erzogen seien, fänden keine bessere Schule für die nationale und religiöse Erziehung ihrer Kinder als das Hebräische Gymnasium in Jaffa. — Bei der Abschiedsfeier, die die Mitglieder des Gymnasiums Herrn Moser gaben, sprach dieser seine Genugtuung über das schöne Verhältnis aus, das zwischen Lehrern und Schülern des Gymnasiums herrsche, über die Munterkeit und Lebensfreude der Schüler und gab der Hoffnung Ausdruck, daß er bald nach Palästina zurückkehren könne, um an der Einweihung des neuen Gymnasiums teilnehmen zu können. Nachdem nun der Bau des Gymnasiums beschlossene Sache ist, beginnt der Streit der verschiedenen Orte, namentlich der Kolonien, die das Gymnasium gern in ihret—Mitte aufnehmen möchten. Die Kolonie Petach-Tikwah, die größte jüdische Kolonie Palästinas, die über 1700 Seelen zählt, bewirbt sich sehr eifrig um das Gymnasium, auf das sie ein gewisses Recht zu haben glaubt, und verspricht, für den Fall, daß das Gymnasium nach Petach- 'Tikwah verlegt wird, der Anstalt eine namhafte Subvention zu gewähren. Außerdem will die Kolonie, ebenso wie Rischon-le- Zion es bereits - versprochen hat, dem Gymasium das Grundstück für das neue Gebäude schenken. Richon-le-Zion verspricht der Anstalt sogar eine Wasserleitung und verschiedene andere Vorteile. Die Leiter des Gymnasiums sind aber mit Recht der Ansicht, daß es nicht ratsam sei, das Gymnasium in eine der Kolonien zu verlegen. Unsere jüdischen Kolonisten sind ohnehin zu wenig agrarisch, und es könnte nur von Schaden sein, wenn die Söhne der Kolonisten womöglich durch den Gymnasialbesuch wieder der Scholle entfremdet würden. Die Kolonien anderseits aber, versprechen sich begreiflicherweise vielerlei Vorteile von dem Gymnasium und machen deshalb alle nur erdenkbaren Anstrengungen, um die Verlegung des Gymnasiums durchzusetzen. So haben die Kolonisten von Petach- Tikwah sogar den Versuch gemacht, die Generalversammlung der Mitglieder des Gymnasialvereins, die demnächst stattfinden soll, zu überrumpeln. Vierzig Kolonisten von Petach-Tikwah ließen sich nämlich plötzlich als Mitglieder des Gymnasialvereins einschreiben und zahlten jeder den Beitrag von 250 Francs, um so vielleicht eine künstliche Majorität zu erlangen. Es ist aber gerade im wohlverstandenen Interesse der Kolonisten selbst zu erhoffen, daß dieser Versuch ohne Erfolg bleibt; derm es ist durchaus wünschenswert, daß das Gymnasium in einer Stadt wie Jaffa bleibt, wo sich eventuell später andere höhere Lehranstalten anschließen können, als daß es in eine Kolonie verlegt wird, die dadurch mit der Zeit einen halb städtischen Charakter bekommen könnte. Die jüdische Kolonie in Chederah Ober die Entwicklung der im Jahre 1891 begründeten jüdischen Kolonie Chederah wird uns aus Palästina geschrieben. In Chederah wohnen zurzeit 32 Kolonistenfamilien und 4 fremde Familien. Auf einer Fläche von 30 000 Dunam (ca. 3000 ha) leben insgesamt jetzt etwa 750 Einwohner. Die Kolonisten haben ihre von Anfang an nicht sehr günstige Position nach Möglichkeit zu heben gesucht. Die Getreideernte des vorigen Jahres erreichte einen Wert von ca. 200 000 Frcs. Manche Kolonisten haben aus