Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 17 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No- 17 DIE! gELT II Verbände und die Alpenländer samt Niederösterreich zusammen einen Verband zu bilden hätten, Wien würde einem Verbände nicht angehören, sondern rein unmittelbar sein, d. h. direkt dem obersten Judenrate unterstehen. 4 3. Die oberste Stufe in der Organisation soll der oberste ■Judenrat in Wien bilden, welcher aus den Delegierten der Verbände zusammengesetzt wird.; 4. Die Leitung der Verbandes am Sitze der Landesregierung 'soll als Beirat für jüdische Angelegenheiten, der oberste Judenrat [ais Beirat im k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht fungieren. I 5. Die Feststellung der Kompetenz der Verbände und' des ^obersten Judenrates bleibt dem abzufassenden Gesetzentwurf vorbehalten, doch wäre grundsätzlich auszusprechen, daß von der .Wirksamkeit derselben alle Fragen des Ritus ausgeschlossen sind. 6. Die Kosten der Organisation sind von den Kultusgemeinden : nach Verhältnis der Steuerleistung zu tragen. Zur Abfassung eines Gesetzentwurfes nach diesen Grund- •-sätzen wäre ein Komitee einzusetzen, welches das Elaborat deiner im Herbste 1. J. einzuberufenden Versammlung sämtlicher sKultusgemeinden Österreichs zur Beschlußfassung vorzulegen hätte. £und bleibt es dieser Versammlung überlassen, sich über die einzuschlagenden Schritte schlüssig zu werden, damit die Organisation Svon der Regierung genehmigt und im Gesetzgebungswege ins £Leben gerufen werde. p Auf Grund dieser Ausführungen bitten wir Sie daher, nachtstehende Beschlüsse zu fassen: I. Die heute versammelten Vertreter von Kultusgemeinden Österreichs erklären den gesetzlichen Ausbau der judischen Kuitusjverfassung in Konsequenz des Gesetzes vom 21. März 1S90 für •eine unabweisbare Notwendigkeit, wenn nicht die wichtigsten " istitutionen des Judentums unwiederbringlichen Schaden leiden »llen. (Einstimmig angenommen.) Zur Erreichung dieses Zweckes setzen dieselben ein Komitee |bestehend aus 17 Mitgliedern, ein, welches einen Gesetzentwurf * iter Beachtung nachstehender Grundsätze zu entwerfen hat: III. Das Komitee wird ersucht, den Gesetzentwurf einer im Herbste &1908 von demselben einzuberufenden Versammlung aller Kultus- Gemeinden Österreichs zur Beschlußfassung vorzulegen sowie jene Bereiteren Schritte in Vorschlag zu bringen, welche zu unternehmen ~"ren, um die gesetzliche Regelung der angestrebten Organisation Judenschaft Österreichs zu erreichen. (Lebhafter, anhaltender - U.) Redner schließt mit einem Appell zur Eintracht und Einigkeit, lebhafter, anhaltender Beifall.) An die Ausführungen des Referenten lüpfte sich eine ausgedehnte Debatte. Dr. Stern meinte, ein fünfzehngliedriges Komitee zur Beratung ines Organisationsentwurfes, wie Dr. Sonnenschein es vorschlagen hat, sei überflüssig. Man könne es dem Vorstand des gündes übertragen, dem das Recht verliehen werden solle, Vertreter ir größeren Gemeinden'zu kooptieren. (Widerspruch.) M. Margules, sortköw, verlangte eine gebührende Vertretung für Galizien. Mf Dr. Rosenbacher (Prag) will die Autonomie der Einzelgemeinden dem Obersten Judenrate gegenüber gewahrt wissen. ' Kultusrat Zieszan (Lemberg) klagte über die Rückständigkeit r galizischen Kleinstädte und das tiefe Kulturniveau der dortigen Judenheit Die Kompetenz der zu bildenden Gesamtorganisation darf sich über rituelle Angelegenheiten nicht erstrecken. Dagegen wünschte Redner eine strammere Zentralisation auf dem Gebiete des Schulwesens. Redner beklagte es lebhaft, daß das Vorschlagsrecht die einzelnen Kultusgemeinden, die erzieherische „Tätigkeit des galizischen Landesschulrates" einengt. Redner, Vizepräsident der Lemberger Kultusgemeinde, schien nicht wenig erstaunt, daß sein Vertrauen zur Kulturträgerei des galizischen Landesschulrates lebhaften Widerspruch hervorrief. Dr. Feuchtwang verlangte eine größere Einflußnahme der Rabbiner. Dr. Braude, Obmann der zionistischen Landesorganisation Galiziens, versicherte die Versammlung der wohlwollenden Mitarbeiterschaft der Zionisten. Wir wollen alles Trennende ausschalten, um eine Gesamtorganisation der Judenschaft Österreichs zustande zu bringen. Der Schwerpunkt der Organisation müssen die Kleingemeinden sein, die mehr Sinn für das lebendige Judentum haben als die Großgemeinden, die geradezu gegen die Interessen des jüdischen Volkes handeln, wie das Beispiel des Theologischen Seminars in Lemberg beweist. Redner wünscht nicht nur eine Repräsentanz des österreichischen Judentums, sondern eine das geistige jüdische Leben organisierende Körperschaft. Ab-g. Stand bespricht den Wirkungskreis der zu schaffenden Organisation. Sie müßte vom Staate eine entsprechende Subventionierung des jüdischen Kultus verlangen, die Regelung der Emigration in ihre Hand nehmen, die Interessen des Judentums beder Volkszählung, in den Fragen der Sonntagsruhe und der Gewerbei gesetzgebung vertreten. Redner kommt auf die politische Situation zu sprechen, verweist auf die Resolution Schmid und die Schließung hebräischer Schulen in Galizien. In. einer Polemik gegen Herrn Zieszan erklärte Abg. Stand, das theologische Seminar in Lemberg werde jüdisch, oder garnicht sein. Zum Schluß beantragte Redner die Änderung des Namens des Bundes, der jüdisch und nicht israelitisch heißen soll. (Beifall). Präsident Dr. Stern wendet sich gegen diesen Antrag. Dr. Kisch (Prag). Die zu gründete Organisation soll eine Körperschaft sein, die mit dem innern Leben nichts zu tun haben soll. Alle religiösen und politischen Differenzen müssen zurückgestellt werden, es gelte der Zusammenschluß gegen außendrohende Gefahr. Abg. Dr. Straucher hält eine längere Ansprache. Im Gegensatz zu Abg. Stand ist er für die Beibehaltung der Bezeichnung israelitisch, aber gegen den Antrag Dr. Stern. Dr. Reich (Lemberg) plaidiert für das allgemeine Wahlrecht zu den Kultusgemeinden. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen, wurde die Einsetzung eines 26gliedrigen Komitees beschlossen. Gewählt wurden die Herren: Dr. A. Stern, Dr. G. Kohn, Baurat Marmorek, Oberrabbiner Dr. Güdemann (für Wien), L. Abels (Nistelbach), Abg. Dr. Straucher, Dr. Bierer (Radautz) — für die Bukowina, Dr. Sonnenschein — für Schlesien, Dr. Rosenbacher (Prag), Dr. Kraus (Teplitz), Dr. Schanzer (Pilsen) — für Böhmen, Dr. Fiala (Brünn(, Alolf (M.-Ostrau) — für Mähren, Richetti (Triest), Dr. Biller (Graz), für Galizien R. v. Horowitz, Schaf (Lemberg), Tiebs, Dr. Raf. Landau (Krakau^, Dr. Ringeldeinr (Tarnow), Dr. Braude, Abg. Stand, Rauch (Stanislau) und Abg; Dr. Gabel. Dem Komitee bleibt es vorbehalten, zwei Vertreter der orthodoxen Juden zu kooptieren. Damit waren die Beratungen des ersten Tages zu Ende. Abends versammelten sich die Delegierten zu einem Festessen. FEUILLETON DER EWIGE KRIEG*) Der jüdische Markt in New York;'• Von AI. Seiffcrt '5 Es beginnt zu tagen. Mit dem ersten Schein des Eisenden Morgens wird es lebendig auf dem „Schlachtfeld" ß Bowery bis Clinton-Street. TFrüher als alle andern kommt die „schwere Ilerie" — die großen Handwagen mit Tongeschirr, ) Wegen Raummangels aus der Passahnummer zurückgeblieben und Blechgeschirr, Glassachen, Schnittwaren, . Bettzeug, Gebetbüchern, Haggadas, Geschichtenbüchlein,r Schundromanen, Grünzeug u. dgl. Ihnen folgt auf dem Fuße die „leichte Artillerie" — die kleinen Wägelchen mit Schnupftüchern, Bändern, Strümpfen, Kopftüchern, Kämmen, Haarnadeln, billigen Parfüms, Seifen, Zahnbürsten usw.