Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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bogens setzen oder in eine Sparbüchse werfen wird. Da müßte «ine Einrichtung getroffen werden, die . . . . u Lächelnd unterbrach ihn Albert: „ Gewiß, einesolche Einrichtung haben wir. Will jemand einmal oder öfters große Summen spenden, so wird meistens die Form der Goldenbucheititragung hierfür gewählt. Die Einrichtung der Goldenbucheintragungen dient dazu, dem Spender von mindestens 10 Pfund Sterling oder 250 Kronen, 2u5 Mark usw. gleichzeitig die Möglichkeit einer Widmung zu bieten. In vielen Fällen wird die betreffende Summe nicht gleich ausgezahlt, sondern erst durch mehrere Abzahlungen zusammengebracht. Da die Eintragung aber erst nach Eingang der vollen Summe erfolgen kann, so ist die Organisation auf diesem Gebiete nicht ganz so einfach, wie bei den andern Sammelmitteln. Der Spender sendet seine Summe entweder durch Vermittlung des Vertrauensmannes oder auch direkt an die Landessammelstelle mit dem Vermerk, daß sie zur Eintragung dieser oder jener Persönlichkeit ins Goldene Buch verwendet werden soll. Bei dieser Einsendung ist der genaue Text der gewünschten Eintragung, insbesondere auch der hebräische Name des Einzutragenden anzugeben. Die Landessammelstelle errichtet ■ein Konto, auf dem sie die Summen, die nach und nach von demselben Spender zu demselben Zwecke einlaufen, zuschreibt, bis die zur Eintragung erforderliche Summe vollständig ist. Außerdem meldet sie jedesmal den eingegangenen Betrag , mit Angabe des Kontos dem J. C. T. Ist die Summe komplett, so schließt die Sammelstelle das Konto ab und meldet die Komplettierung bei Abführung der letzten Rate dem J. C. T. Diese benachrichtigt hierauf das Hauptbureau unter Angabe des Spenders und der Widmung. Das Hauptbureau vollzieht dann sofort — jedoch keinesfalls vor der Bestätigung über den Empfang der vollen Summe seitens der Bank — die Eintragung ius Goldene Buch. Außerdem, stellt es ein Gedenkblatt (Diplom) aus und versendet es an die jeweilig gewünschte Adresse . . " Noch immer war Max unzufrieden. Er schüttelte einige 3Iale den Kopf, als ob ihm etwas nicht gefiele, und als Albert ihn fragend ansah, meinte er: „Die Organisation eurer Sammelmethoden ist ja recht schön und gut, aber sie weist doch einen erheblichen Mangel auf. Sieh mal, all die Mittel, die du da anführtest, mögen ja recht viel Geld einbringen. Aber, es sind doch mehr oder weniger Zufallserfolge. Die Erträge -sind erheblichen Schw-ankungen unterworfen. Eine Institution wie der Nationalfonds müsste unbedingt, wenn er wirklich nennenswerte und dauernde Erfolge ■erzielen soll, eine ständige Einnahmequelle haben. Ich würde x. B. vorschlagen, die einzelnen jüdischen Gemeinden sollten «ine jährliche Steuer ihrer Mitglieder einführen . . . Wieder mußte ihn Albert unterbrechen. „Dein Gedankengang ist. ganz richtig, nur die Lösung undurchführbar. Wir haben eine bessere gefunden. Seit einiger Zeit ist nämlich die sogenannte Selbstbesteuerung eingeführt. Sie besteht darin, daß jeder Gesinnungsgenosse einen beliebigen Prozentsatz seines Einkommens periodisch — etwa alle Monate oder vierteljährlich — dem Nationalfonds zuwendet. Die Selbstbesteuerung ist meist in der Weise organisiert, ■daß mehrere Gesinnungsgenossen sich zu einer Selbstbesteuerungsgruppe zusammenschließen und aus ihrer Mitte eiuen Vertrauensmann wählen, dem die Erhebung und Weiterbeförderung der regelmäßigen Beiträge der Gruppe obliegt. In nächster Zeit weiden vom Hauprbuveau wahrscheinlich Selbsbesteuerungskarten herausgegeben. Jede Gruppe, die sich vielleicht einen Phantasienameu zulegen wird (während die Mitglieder nach Nummern aufgeführt sind), erhält soviel Karten, als sie Mitglieder zählt. Der Vertrauensmann gibt nun jedem Mitgliede seiner Gruppe eine Karte ab. Jedes Mitglied kle>t auf seine Karte soviele Selbstbesteuerungsmarken, wie sein Beitrag ausmacht, dann sammelt der Vertrauensmann die beklebten Karten wieder ein, und sendet sie als Beleg der betreffenden Sammelstelle. Im Ausweise wird der Phantasiename •der ganzen Gruppe angeführt und vor der Summe jeder Karte ■die Nummer des betreffenden Mitgliedes verzeichnet. Solange diese Karten noch nicht eingeführt sind, liefert der Vertrauensmann den Selbstbesteuerungsbetrag statt durch die Selbstbesteuerungsmarken in bar an die Landessammelstelle ab." „Na, da habt ihr ja wirklich alles! lachte Max. „Aber eins fehlt doch noch: automatische Erledigung "der Arbeit. Denn ■das wirst du doch nicht leugnen: die Arbeit muß fürchterlich umständlich und zeitraubend sein." „Es tut mir leid Max, auch hierin kann ich dir nicht recht gebeD. Doch, wißt ihr, das werde i<-h unterwegs erzählen. Wir wolle» ein wenig spazieren gehen. Bei dem schönen Wetter halte ich es im Zimmer nicht aus." Draußen war es prächtiges Wetter. Die Straßen und Gärten waren mit lustwandelnden Menschen gefüllt. „Also, Kinder, da ihr anscheinend doch ganz genau unterrichtet sein wollt, will ich gleich fortfahren. Die Arbeit die du vermutest, ist gar nicht so groß. Eine umfassende Buchführung ist durchaus nicht erforderlich. Das einfachste Notizbuch leistet dieselben Dienste. Und dieses Notizbuch erhält jeder in Form des Sammelbuches gratis zur Verfügung gestellt. Der Sammler merkt sich kurz den Namen des Spenders, Datum des Eingangs und die Höhe des Betrages an. Wenn er dann die Summen dem Vertrauensmann oder der Bezirkssammelstelle einschickt, dann legt er als Aufstellung -einfach eine kurze Abschrift seiner Notizen bei. Für sich selbst behält er den Beleg im Notizbuch zurück. Das Absenden der Gelder verursacht ihm auch keine Mühe. Mit dem Abführen der gesammelten Beträge sollte er nur so wenig wie möglich warten. Es kommt gar nicht darauf an, gleich gewaltige Summen zu präsentieren. Viel wichtiger für einen geregelten Gang des Ganzen ist die größte Regelmäßigkeit im Absenden der Beträge. Wie das Geld am vorteilhaftesten überwiesen wird, hängt natürlich ganz von den Einrichtungen des betreffenden Ortes und Landes ab. Am einfachsten ist_ wohl immer die Uebersendung durch Postanweisung. In Österreich-Ungarn bedient man sich auch des Posterlagscheins. Schecks und andere Kreditpapiere sollten eigentlich nur bei großen Summen verwendet werden und auch da nur in Ausnahmefällen, denn es hat keinen Zweck, die Eingänge durch Inkassospesen unnötig zu verringern." „Sag mal, Albert,u fragte Erich, „aber ihr, die Vertrauensmänner und Nationalfoudskommissionäre, ihr müßt doch durch die Arbeit für diese Sache in eurer Berufstätigkeit sehr gestört sein?- — „Nicht im geringsten! Unsere Tätigkeit kann man kaum als Arbeit bezeichnen. Das einzige was wir tun, ist, immer an den Nationalfonds zu denken. Wir brauchen nur unter Freunden und Bekannten zu werben, stets neue Gesinnungsgenossen zu gewinnen und sie,für den Nationalfonds zu interessieren, dann haben wir genug getan. Sieh mal, wenn jeder Gesinnungsgenosse nur einen Freund für die gemeinsame Sache gewinnt, dann muß die Sorge um den Nationalfonds bald Gemeingut aller Juden sein. Außerdem merken wir uns die Adressen aller Gesinnungsgenossen und derer, die noch gewonnen werden können, in einer besondern Rubrik des Notizbuchs vor. Diese Adressen werden dann den Sammelstellen weitergegeben. Auf solche Weise gelangt diese in den Besitz eines möglichst vollständigen Adressenmaterials und ist imstande, die Propaganda in allen Landesteilen zu betreiben. Die Sammelstelle allerdings, das gebe ich zu, muß schon etwas genauer sein. Aber auch sie können sich die Arbeit durch übersichtliche Einteilung und regelmäßige Erledigung sehr erleichtern. Für sie sind unumgänglich nötig: Kassabücher, in denen die Eingänge mit allen Angaben aufgeführt sind, sowie ein Kontokorrent mit dem J. C- T. und dem Kölner Hauptbureau. Daß die Korrespondenzen in Angelegenheiten des Nationalfonds gesondert registiert werden, ist ja selbstverständlich. Außerordentlich wünschenswert für ein geregeltes Zusammenarbeiten des Ganzen ist die wöchentliche Abführung der Gelder an die Bank. Die vorgedruckten Wochenausweise sollten jeden Montag im Hauptbureau vollständig ausgefüllt einlaufen und Dienstags, muß die Bestätigung der Bank vorliegen, daß die angeführten Beträge bei ihr eingetroffen sind. Nur so kann die Buchführung und die Ausweistätigkeit wirklich ordnungsgemäß erledigt werden." Max sah allmälig ein, daß. die Einzelheiten sowohl wie die Gesamtorganisation tadellos geregelt sei. Er mußte denn auch Albert seine Anerkennung aussprechen. Ja, er ging so weit, und inachte selbst einige Vorschläge, die seiner Meinung nach fruchtbar für den Nationalfonds sein müßten. „Vorher sprachst du davon, Albert, daß du deine Frau, mit der Leerung der Sammelbüchsen betraut hast. Dies sollte allgemein eingeführt werden. Wenn sich Frauenklubs und Vereine mit den Kommissionen in Verbindung setzten und die halbjährliche Leerung besorgten, glaubt ihr nicht, daß dies einen großen Einfluß auf die Hebung der Sammeltätigkeit bedeuten würde?" Auch Erich stimmte mit ihm überein. „Ich bin überhaupt der Ansicht", meinte er, „daß die jüdischen Frauen sich besondere Verdienste in dieser Hinsicht erwerben könnten. Ihrer eigensten Veranlagung nach sind sie doch berufen, jüdischem Weh und Leid mit zarten Händen Trost zu bringen; und ihnen, meine ich, eröffnet der Jüdische Nationalfonds ein weites, fruchtbringendes Feld der Tätigkeit. Ihr vornehmstes Ziel sollte sein, den Kindern das Bewußtsein einer hohen und edlen Pflicht mit mütterlicher Liebe ins Herz zu pflanzen,, ihre Söhne zu