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Die Welt · 1908-04-15 · 16 (15.4.1908) · page 41

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 41)
Language
German
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begeisterten Vertretern" des Judentums, zu Männern heranzubilden, die keine Opfer scheuen, ihren bedrängten Brüdern beizustehen." „Und vor allem", fiel Albert ein, „darfst du die moralische Wirkung nicht unterschätzen, welche eine tätige Mitarbeit unserer Frauen nach sich ziehen würde. ~ Es wird jedemmehr und mehr zum Bewußtsein kommen, daß es sich im wahrsten Sinne um allgemein jüdische Zwecke handelt, daß jeder Jade, ob jung oder alt, ob Mann oder Frau, dazu berufen ist, einen, Teil seiner Kraft und seiner Zeit in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Und es bieten sich wahrlich so viele Gelegenheiten, welche junge Damen in die Lage setzen, dem Nationalfonds schöne Erfolge zu erringen. Ich erwähne nur Sammlungen bei kleinen Gesellschaften, auf Bällen oder Basaren, im Kreise der Freundinnen, bei Ausflügen und all den Anlässen ähnlicher Art." Eine Zeitlang schritten die Freunde schweigend nebeneinander her. Plötzlich hatte Max wieder einen andern Gedanken. „Sag mal, unterstützen euch denn die jüdischen Vereine"bei euren Bestrebungen?" „Einige wohl. Aber leider nicht alle. Es bestehen noch zu viele Vorurteile gegen die zionistischen Bestrebungen. Und diese Vereine könnten doch unserer Sache so viele Dienste leisten. Eine Einrichtung z. B., welche ein Kölner Klub eingeführt hat, sollte entschieden viele Vereine zur Nachahmung anspornen. Zur Bescheinigung der entrichteten Monatsbeiträge benützt der Verein nämlich nicht die üblichen Quittungsscheine, sondern er gebraucht Karten, die in 12 Felder eingeteilt sind, von denen jedes den Namen eines Monats umsehließt. Ist nun der Klubbeitrag für einen bestimmten Monat erlegt, so wird als Bescheinigung eine Nationalfondsmarke auf das betreffende Monatsfeld geklebt und durch den Vereinsstempel entwertet. Auf diese Weise werden viele Schreibereien vermieden; die sonst durch Ausfüllung unzähliger Quittungskarten notwendig wären; die Kontrolle ist ebenso sicher wie einfach; und endlich, dem jüdischen Nationalfonds eröffnen sich neue Einnahmequellen." „Weißt du," warf Erich ein, „ich glaube, Vereine und auch Privatpersonen würden eure Bestrebungen recht gern tatkräftig unterstützen, aber sehr viele Juden kennen eure Institutionen gar nicht. Ihr müßtet vor allem für eine hinreichende Propaganda sorgen." Vorbemerkung zur statistischen Tabelle der in den Monaten Januar, Februar und März 190$ ausgewiesenen Spenden für den Jüdischen Nationalfonds. Nachstehend veröffentlichen wir eine Zusammenstellung der in dem ersten Vierteljahre 1908 in der „Welt" ausgewiesenen Spenden. Die Gesamtsumme von <M 64007.15 ergibt einen monatlichen Durchschnittsausweis von - <Ji 21353.72. Wenn man bedenkt, daß sich diese Summe aus den Spenden von 24 Ländern zusammensetzt, so ist das Ergebnis noch nicht derart, wie man es erwarten dürfte. Die Hauptaufgabe der Statistik besteht darin, nachzuweisen, wo die Organisation noch nicht erfolgreich genug wirkt, um so die Möglichkeit zu bieten, durch zweckentsprechende Propagandatätigkeit diese Lücken auszufüllen. Vorab fallen drei Gebiete auf, welche bis jetzt noch gar keine Erfolge aufzuweisen haben: Australien, Kanada und Ostasien. Die Ursache dieser Erscheinung liegt vor allem in der weiten Entfernung von den Zentralstellen, durch welche die Organisationstätigkeit sehr erschwert wird. Außerdem ist in diesen Gegenden die jüdische Bevölkerung sehr gering, so daß selbst bei angestrengter Tätigkeit einzelner Gesinnungsgenossen der finanzielle Erfolg wohl nur gering sein wird. . Anders in den europäischen Ländern. Die erste Stellung, nach dem Ertrag gemessen, nehmen Rußland, Österreich und Deutschland ein. Österreich steht hinter Rußland mit nur J6 250.— zurück. Diese Tatsache „Die wird durchaus nicht vernachlässigt," konnte Albert erwidern, „die Hauptarbeit auf diesem Gebiete wird von besonderen Propagandakommissionen, von denen diejenige für Deutschland, in Breslau ihren Sitz hat, erledigt. Einen Teil übernimmt allerdings auch das Hauptbureau in Köln. In Betracht kommen vorab regelmäßige Veröffentlichungen in der zionistischen Presse. Allen einschlägigen Zeitungen und Zeitschriften werden wöchentlich Nachrichten und Berichte eingesandt, welche den Nationalfonds betreffen. Denn nur so ist in größerem Maßstabe möglich, die Masse auf das Bestehen und Wirken des Fonds aufmerksam zu machen und damit ihre tätige Mitarbeit zu gewinnen. Außerdem werden je nach Bedarf Flugschriften und Broschüren herausgegeben. Die Flugschriften sollen vorwiegend an jüdischen Fest- und Gedenktagen alle Juden mahnen, sich nicht nur vergangener Erfolge zu freuen, sondern auch für Gegenwart und Zukunft Sorge zu tragen." Schon mehrere Stunden waren über der Behandlung diese* Themas verstrichen, und immer noch schien es unersehöpft. Bald machte Erich Vorschläge, bald wandte Max dieses oder jenes ein, und immer mußte Albert den Freunden Aufklärungen geben. Sie erwähnten die Wichtigkeit größerer einmaliger Zuwendungen durch Testamente oder Stiftungen. Sie stellten die Forderungen auf, daß alle jüdischen Vereine ihr Vermögen im Falle der Auflösung zur Verfügung des Nationalfonds stellten. Sie hielten eine mündliche Agitation durch gesprächsweise Aufklärung für wesentlicher, als die schriftliche Propagierung des Nationalfonds. So entfloh den Freunden in angeregtem Gespräch die Zeit, und sie merkten nicht, daß die sonnige Mittagshelle längst der Abenddämmerung gewichen war. Albert brachte die beiden Kameraden zur Bahn. Beim Abschiede gaben sie ihm noch freiwillig das Versprechen, seine Bemühungen nach Kräften zu unterstützen. Auch sie wollten ihre Zeit und Kraft von nun ab in den Dienst der hohen Sache stellen. Dann entführte der Zug sie zurück in ihre Heimatstadt. zeigt deutlich, daß der Erfolg nicht nur von dem Reichtum und der Bevölkerungsdichte abhängt, sondern zum großen Teil auch von der planmäßigen Arbeit, welche im Dienste der Sache geleistet wird. Denn sicher ist Rußland reicher und besitzt eine ungleich größere jüdische Bevölkerung als Österreich. Wir sind überzeugt, daß bei intensiver Tätigkeit gerade Rußland alle andern Länder bei weitem übertreffen wird. Vergleichen wir die Gesamterträgnisse der einzelnen Sammelmittel, so hat, abgesehen von den allgemeinen Spenden, welche naturgemäß die größte Summe ausmachen, das Goldene Buch die höchsten Ziffern aufzuweisen. Dann kommen die Ölbaumspenden und erst in weitem Abstand Büchsen, Bogen und Seibstbesteuerung. Es muß demnach eine der ersten Aufgaben sein, diese letztgenannten drei Sammelarten durch entsprechende Propagierung und Verbesserung fruchtbarer zu gestalten. Die neuen Büchsen und vor allem auch die neuen Sammelbogen werden hoffentlich den gewünschten Erfolg erzielen. Auf die Selbstbesteuerung und die Notwendigkeit ihrer Ausdehnung sind wir schon wiederholt eingegangen, so daß hier dieser Hinweis genügen wird. Zum Schluß wollen wir noch betonen, daß die ganz geringen Summen in den Rubriken „Nationalfondsmarken" und „Telegrammblankette" dem tatsächlichen Ertrag deshalb nicht entsprechen, weil die meisten Sammelstellen diese Kolonnen in ihren wöchentlichen Spendenausweisen noch nicht regelmäßig ausfüllen.

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