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Die Welt · 1908-04-15 · 16 (15.4.1908) · page 35

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 35)
Language
German
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Husiatyn. Der jüngst gegründete zionistische Verein „Theodor Herzl" veranstaltete am 29- März 1908 eine Aufführung des Dramas „Der jüdische König Lear" von M. Gordon. Nach Schluß der Vorstellung fand ein Tanzkränzchen statt. Der Reinertrag des Gewinnes wird, unter die heimischen Armen verteilt. Gablonz a. N.: Am 25. März d. J. sprach in einer vom ost-- böhmischen Rayonkomitee veranstalteten, von mehr als 200 Personen besuchten Versammlung Dr. Emil Margulies-Trautenau über „Wege und Ziele des Zionismus". Lebhafte Debatte. Mehr als 50 Personen meldeten ihren Beitritt zu demzu gründenden Zionistischen Verein. Die Vereinsgründung ist in die Wege geleitet, die Konstituierung dürfte in Monatsfrist erfolgen. Ungarn Preßbarg. Die literarischen Vorträge im Ahawath Zion-Verein erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit Herr Lehrer Ehrenthal sprach jüngst über das aktuelle Thema der Organisation der Judengemeinden in Ungarn. Herr cand. jur. Stein brachte in ungarischer Sprache eine hübsche Studie zur Verlesung, die eventuelle Einführung moderner Rechtspflege im kommenden Judenstaate behandelnd. Sehr gelungen war das Purimfest, welches, durch die Festrede des Präsidenten Bettelheim sowie durch die Vorträge der Herren cand. jur. Weil, cand. jur. Reichsfeld, die musikalischen Darbietungen des Rötenvirtuosen Kolker-Erdelyi, die humoristischen Deklamationen der Herren Komlössi und Kohn ausgezeichnet, bei sehr zahlreich erschienenem Publikum äußerst animiert verlaufen ist. Einen geistvollen inhaltsreichen Vortrag, betitelt: Die Hygiene in ihrer geschichtlichen Entwicklung mit besonderen Hinweisungen auf die einschlägige jüdische Gesetzgebung, dem ein elegantes Publikum mit großer Aufmerksamkeit und verdientem Beifall folgte, hielt Herr Dr. Lenärt ab. In wirkungsvoller Weise sprach letzten Sonntag. Herr Wilhelm Steiner über zionistische Arbeit und Propaganda, während Herr Professor Sebestyen mit bekannter Meisterschaft ungarisch deklamierte. NACHRICHTEN Palästina (Von unserem Berichterstatter) Abzug des Kaimakams - Nun scheint der unangenehme Purim-Yorfall einen befriedigenden Abschluß gefunden zu haben. Kaum war die Klage der Jaffaer und Jerusalemer jüdischen Gemeinde, über den Kaimakam, der gegen den Geist und. das Wissen der Zentralregierung eine juden- und europäerfeindliche Politik zu inszenieren suchte, und eine Darstellung des Oberfalls vom 16. März bei der Hohen Pforte eingelaufen, als der Kaimakam sofort telegraphisch zur Verantwortung nach Konstantinopel berufen wurde. Er hat bereits mit seiner Familie Jaffa verlassen und seine Absetzung ist inzwischen schon ausgesprochen worden. Auf eine zweite Depesche aus Konstantinopel hin wurden die im Hotel am 16. März unschuldigerweise verhafteten 5 Juden aus dem Gefängnis entlassen. Um jede Veranlassung, die arabische Bevölkerung zu reizen, zu beseitigen, werden 3 junge Leute, die Zusammenstöße mit Arabern hatten, freiwillig, lediglich _ auf Aufforderung des jüdischen Komitees, Palästina verlassen. Ober die Entschädigung an die Verwundeten wird noch unterhandelt. Die türkische Regierung hat durch ihr energisches Eingreifen bewiesen, daß sie ihrem Prinzip voller religiöser Toleranz und ihrem traditionellen Wohlwollen für die jüdische Bevölkerung treugeblieben ist. Durch die Absetzung des Kaimakams wird sich die Regierung eines Beamten entledigen, der keineswegs das Ansehen des Staates zu heben geeignet war. Beispielsweise hat er sich erst vor kurzer Zeit auf der Straße in einer eines höheren Beamten ganz unwürdigen Weise gegen einen angesehenen deutschen Bürger vergriffen. Nun bleibt jedenfalls noch die Rolle, die bei dieser Affäre der russische Konsul in Jaffa und sein Dragoman gespielt haben, aufzuklären. Wir wollen nicht hoffen, daß die russische Regierung die „echtrussische" Bandenpolitik nach den Stätten, wo ihre Opfer Zuflucht gefunden haben, zu verpflanzen versuchen wird. Hier ■wird sich ihre Machtlosigkeit bald erweisen. Aus der arabischen Presse Wie einige Blätter berichten, wurde in verschiedenen Wilajets das Getreideausfuhrverbot aufgehoben, da eine sehr günstige Ernte bevorsteht und durch das Verbot der Orienthandel zu Schaden käme. Gleichzeitig wurde der Einfuhrtarif für Geti-eide von auswärts wieder in Kraft gesetzt. Waldschutz Die unangenehmen Folgen der Waldverwüstung machen sich auch in Syrien und Palästina recht fühlbar. Ganze Strecken, die noch vor kurzer Zeit mit Wald bedeckt waren, sind jetzt entforstet. Die Einwohner verwendeten, ohne von irgendwelcher Seite daran gehindert zu werden, die Bäume für häusliche und „industrielle" Zwecke. Die unangenehmen Folgen dieser Waldverwüstung in klimatischer und landwirtschaftlicher Hinsieht veranlaßte endlich die Zentralregierung, an verschiedene Walis ein Zirkular zu versenden, in welchem diese aufgefordert werden, die nötigen Maßregeln für den Schutz der Wälder zu ergreifen. Es ist nur zu bedauern, daß diese Maßuahme nicht schon früher durchgeführt wurde. Mesopotamien Den Beiruter Zeitungen wird aus Bagdad geschrieben, daß die Nachricht von dem Baue einer Chaussee zwischen Aleppo und Bagdad sowie zwischen Nordsyrien und Mesopotamien ein gewisses Interesse für dieses Gebiet erweckt hat. In den letzten Monaten haben mehrere Europäer sich daran gemacht, das Land in allen Beziehungen zu erforschen. Ein Hafen in Jaffa? Eine ägyptische Zeitung bringt folgende Nachricht aus Konstantinopel: Ein hiesiger höherer Zollbeamter wandte sich an den Finanzminister um Erlangung einer Konzession Tür den Hafenbau in Jaffa. Er beabsichtigt unter anderem, auch eine Eisfabrik und eine elektrische Trambahnlinie anzulegen. Nationalfondsmarken vor dem türkischen Gericht Ein hiesiger Jude aus Amerika erhielt für einen kleinen Betrag Nationalfondsmarken zugesandt. Der Postbeamte, ein christlicher Araber, der mit dem Juden Zwistigkeiten hatte, flaubte dadurch *Grund zu einer Anklage zu haben und belegte ie Marken mit Beschlag. Der Wali, dem er die Marken übergab, ließ sich vom hiesigen Eabbiner und Gemeindevorsteher über den Zweck dieser Marken orientieren. Die beiden Herren erklärten dem Walli, daß der Nationalfonds eine allgemeine jüdische Wohltätigkeitsinstitution sei. Das Urteil in dieser Sache ist noch nicht gefallen, ich werde in meinem nächsten Berichte "darauf zurückkommen. „Flottenverein in Jaffa" Ein Fx-ojektenmacher geht hier mit der Idee um, eine Handelsflotte in Form einer Aktiengesellschaft zu gründen. Die Ausführung dieser Idee ist durchaus nicht so utopisch aufzufassen, wie es auf den ersten Augenblick erscheinen mag. Die Voi-aussetzung ist natürlich die Aufbringung der nötigen Kapitalien und eine andere Form der Propaganda, als sie unser Projektenmacher träumt. Immerhin ist es bezeichnend, daß „unser General Keim-1 einigen Anklang gefunden hat und sich einige Aktionäre bereits gemeldet haben. Wenn auch die Existenz der Flotte noch nicht gesichert ist, — einen Flottenverein haben wir bereits. Caiffa Die neugegründete Seifenfabrik^rAthid" hat ihre Geschäfte bis Akko, Nazareth und sogar bis Nabulus (das auch seine, allerdings sehr primitive Seifenfabrik besitzt) _ ausgedehnt. - Sogar in Ägypten findet die Athidseife bedeutenden Absatz. Die Geschäfte der Gesellschaft haben eine so bedeutende Ausdehnung genommen, daß dieselbe nicht imstande ist, alle Bestellungen ausführen zu können. Ein Mitglied der Gesellschaft, Herr Pollak aus Rußland, hat kürzlich 50000 Ellan in der Nähe der deutschen Kolonie gekauft. Deutsche Palästinabank In der Aufsichtsratssitzung wurde das Ergebnis des abgelaufenen Jahres trotz der augenblicklich in Palästina herrschenden schwierigen geschäftlichen Lage als ein recht günstiges bezeichnet und beschlossen; .wiederum die Verteilung einer Dividende von 6 Prozent vorzuschlagen. Ausbildung jüdischer Bauern für Palästina Hen- Direktor Hubert Auhagen, der bekanntlich im Auftrage der deutschen Regierung die Kolonisationsmöglichkeiten des Orients studierte sowie ein sehr lesenswertes Werk über die Landwirtschaft Syriens und Palästinas vor kurzeni veröffentlicht

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