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Die Welt · 1908-04-15 · 16 (15.4.1908) · page 36

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 36)
Language
German
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hat und der dank seinem längeren Aufenthalte im heiligen Lande ein überzeugter Freund der zionistischen Bewegung wurde, trägt, sich jetzt mit der Absicht, auf seinem Gute in Deutschland jüdische junge Leute als Bauern für Palästina auszubilden, und zwar will er denselben Weg betreten, den die Palestine Land Development Company einschlagen wird. Nachstehend bringen wir den auf das erwähnte Vorhaben bezüglichen Passus des Briefes des Herrn Direktors Auhagen au Herrn Professor "Warburg: „Da ich mich für die Sache auf das lebhafteste interessiere und von der hohen Bedeutung der zionistischen Bestrebungen nicht nur für das Judentum, sondern für die ganze Kulturwelt auf das tiefste durchdrungen bin, gedenke ich den Versuch zu machen, die Angelegenheit dadurch praktisch zu fördern, daß ich zunächst jüdische junge Männer in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft ausbilde und eventuell auf meinen Ländereien zur Ansetzung bringe. Zunächst sollten die Kolonisten als Pächter, später als Rentengutserwerber angesetzt werden. Vor einigen Tagen habe ich den ersten jungen Mann aus Ahlem erhalten. Es ist ein Herr Weinberg, der früher schon auf einer Ihrer Kolonien in Kleinasien tätig war. Ich habe ihm gestern den ersten Unterricht im Pflügen erteilt und mich gefreut, wie anstellig sich der junge Mann dabei benommen hat. Wahrscheinlich bekomme ich demnächst noch einen zweiten Zögling. Da meine übrigen, für Bunkenburg angeworbenen Kolonisten auch demnächst ihre kleinbäuerlichen Stellen in Betrieb setzen, werden die jungen Männer stets gute Beispiele hier vor Augen haben. Vielleicht entwickelt sich später einmal aus den kleinen Anfängen eine kleine landwirtschaftliche Schule zur Ausbildung jüdischer Kleinbauern. Davon sind Sie, verehrtester Herr Professor, gewiß auch überzeugt, daß eine erfolgreiche jüdische -Kolonisation nur denkbar ist, wo der Grundstock der Kolonisten aus wirklichen ■ Bauern besteht. Natürlich liegt mir, das brauche ich wohl nicht besonders zu versichern, sehr daran, den Juden bei mir die Möglichkeit zu bieten, auch als „Juden" leben zu können, ohne bezüglich der Religion in Gewissenskonflikte zu kommen. Bei wenigen Schülern ist es ja sehr schwer, den Anforderungen in dieser Beziehung gerecht zu werden; aber wenn man wenigstens zehn Männer hier vereinigen könnte, sei es als Kolonisten, sei es als Schüler, so könnten sie eine kleine jüdische Gemeinde bilden, und die Unkosten würden sich eher verlohnen." Wir können natürlich den hochherzigen Plan des Herrn Auhagen nur mit lebhafter Genugtuung begrüßen und uns dazu beglückwünschen, daß uns durch das verständnisvolle und sympathische Vorgehen des christlichen Gutsbesitzers und Gelehrten die Ausbildung jüdischer Landwirtschaftseleven ermöglicht wird, die auf ihren Gütern zuzulassen die jüdischen Großgrundbesitzer Deutschlands sich bekanntlich geweigert haben. Besondere Bedeutung erlangt der Plan des Herrn Auhagen dadurch, daß er. ausdrücklich zum Endzweck die Ausbildung von jüdischen Bauern für Palästina hat. Der ausgezeichnete Kenner insbesondere der landwirtschaftlichen Verhältnisse und Aussichten dieses Landes, ein Christ, ist von der zionistischen Idee und der Möglichkeit der jüdischen Kolonisation Palästinas so sehr eingenommen, daß er im Kamen der allgemein-menschlichen Kultur diesem Werke seinen praktisch-tätigen Tribut zu zollen sich bereit erklärt. Damit erhalten die besonders in letzter Zeit mehrfach wahi-zunehmendenKundgebungennichtjüdischerPalästmakenner für den Zionismus eine neue und überaus interessante und wertvolle Bereicherung. Sehr bemerkenswert ist auch, daß Herr Auhagen das System krooptiert, das unsere Palestine Land Development Company aufgestellt hat. Wir dürfen diesen Umstand wohl mit Recht als einen Beweis der Billigung dieses Planes seitens des sehr erfahrenen Landwirts und Palästinakenners betrachten. England (Nach Schluß der Redaktion eingegangen) London, 14. April. (Telegr.) Präsident David Wolffsohn nahm im Laufe dieser Woche in Begleitung Dr. Gasters an zionistischen Massenversammlungen in Liverpool und Leeds teil, die ungewöhnlich stark besucht waren und einen enthusiastischen Verlauf nahmen. Das Urteil im Bankprozeß ist heute noch nicht zu erwarten. _ _ Die Gründung einer zionistischen Bank in Galizien Das zionistische Zentralkomitee soll jetzt den Beschluß der letzten galizischen Landeskonferenz" ausführen und will an die Gründung einer zionistischen Bank schreiten. Seit Jahren läßt sich nämlich in Galizien das Bedürfnis einer solchen Kreditinstitution fühlen welche den schweren ökonomischen Kampf, den die jüdischen Kaufleute und Handwerker gegenüber den antisemitischen Konkurrenten führen müssen, erleichtern sollte. Es handelt sich um die Schaffung eines billigen Kredits, welcher.' unsere Gewerbetreibende vor der schrecklichen Ausbeutung seitens verschiedener' Wucheranstalten schützen könnte und ihnen zugleich die Möglichkeit geben sollte, sich ökonomisch selbständig zu machen. Wer die elenden wirtschaftlichen Verhältnisse in Galizien kennt, wird es bald verstehen, daß eine solche Bank eine wahre Wohltat für die jüdische Bevölkerung, welche so sehr unter dem Antisemitismus der Landesbehörden und der polnischen Kreditanstalten zu leiden hat, sein wird. Es waren auch die Vertreter des armen Mittelstandes, welche auf den zionistischen Konferenzen mehrmals die Forderung der Gründung einer jüdischen Bank erhoben, die die jüdische Bevölkerung auf dem wirtschaftlichen Gebiete unterstützen und zugleich organisieren sollte. Während der schweren Geldkrise war es aber dem Zentralkomitee unmöglich, etwas in dieser Sache zu unternehmen und erst jetzt soll ein Plan ausgearbeitet werden. Wir wollen der Angelegenheit, die jetzt diskutiert wird, nicht vorgreifen und können einstweilen die Einzelheiten des Planes hier nicht schildern. Wir müssen aber feststellen, daß die Gründung dieser Bank in den gegebenen Verhältnissen für die galizischen Juden eine Notwendigkeit ist und daß die zionistische Partei nicht nur dazu da ist, um unser Volk politisch zu organisieren, sondern daß es auch unsere Pflicht ist, die ökonomische Hebung der jüdischen Masse mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu .fördern. Einen Beweis dafür, wie die Bankfrage unter den galizischen Zionisten populär geworden ist, liefert die letztens in Brody durch die dortigen Zionisten gegründete jüdische Bank. Agitation für die Palästina-Land-Development- Company In Lemberg fand am Samstag, 4. d. Mts., eine Versammlung statt, welche der Agitation für die Palästina-Land-Development-Company gewidmet war. Die Versammlung wurde vom zionistischen Distriktskomitee einberufen; anwesend waren über hundert Gesinnungsgenossen; den Vorsitz führte Gg. D. Schreiber, der auch die Versammlung mit einer kurzen Ansprache eröffnete. Dr. S. Rapaport referierte dann überflie Bedeutung derrDevelopment-Company und appellierte an die Anwesenden, daß sie diese nützliche Institution unterstützen sollen. Es sprachen noch Dr. Braude, Dr. Feld, Dr. Reich und viele andere. Es wurden sogleich 48 Aktien der Development-Company gezeichnet. Zugleich faßte die Versammlung den Beschluß, ein besonderes Komitee zu wählen, welches für diese Gesellschaft agitieren soll, einen Aufruf in der Presse erscheinen lassen und insbesondere während der Passah-Feiertage eine große Agitation für die Development-Company in Lemberg entwickeln soll. Das Gesetz gegen den Pächtertrust in Rumänien Die wenigen jüdischen Pächter in der Moldawa sind schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge unserer Politiker. Bekanntlich wurde im Vorjahre, als die Bauernunruhen stattfanden, überall das Gerücht verbreitet, daß die jüdischen Pächter an diesen Unruhen schuld seien. Die liberale Regierung, die damals ans Ruder kam, erklärte bald ein Gesetz gegen die Pächter einzubringen, und dieser Tage wurde das Gesetz in der Kammer eingebracht. Es zeigt sich nun aber, daß dieses Gesetz, das mit der Absicht eingebracht wurde, die jüdischen Pächter zugrunde zu richten, in erster Linie die rumänischen Pächter trifft. Die Bojaren machen nun Front gegen dasselbe, und das Tagblatt „Ordinea" veröffentlicht die •Tabelle einer großen Anzahl von rumänischen Pächtern, die durch das Gesetz sehr hart betroffen werden. Es ist daher mehr als fraglich, ob das Gesetz in der eingebrachten Form durchgehen wird. Zurückziehung der badischen Gebetbüch-Vorlage Wie uns aus Karlsruhe berichtet wird, hat der Oberrat in der ersten Sitzung der badischen Landessynode die Gebetbuchvorlage, die so viel Streit erregt hat, zurückgezogen.

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