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Die Welt · 1908-04-15 · 16 (15.4.1908) · page 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 34)
Language
German
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36 : : DIE32£ELT - No. 16 verschiedenen Teilen Palästinas errichtet worden, darunter Kunstgewerbeschulen, Handwerkerschulen, technische, Handels-, Ackerbau-, Gartenbau- und höhere Schulen,- außerdem sind immer Industrien und Unternehmungen aller Art in den verschiedenen Teilen Palästinas von jüdischen Ansiedlern ausgeübt worden ohne jeden Widerspruch, z. B. Seifen- und Parfümfabriken, Seidenzüchtereien, Mahlmühlen, Ölpressen und Druckereien und ebenso leben in vielen Teilen Palästinas jüdische Schmiede, Steinmetze, Maurer, Tischler und andere Handwerker. 2. Ich war vor 25 Jahren einer der Gründer zweier der größten jüdischen Ansiedelungen Palästinas, nämlich Samarin (Sichron Jakob), wo jetzt 1000 Seelen wohnen, und Rosch Pinah mit ungefähr 600 Seelen und bekunde, daß in Palästina über dreißig andere jüdische Ansiedelungen bestehen, von denen die Mehrzahl bestens gedeiht. Ich bin auch über die Arbeitsbedingungen in diesen Kolonien sehr wohl informiert, und ich sage, daß eine große und überwiegende Anzahl jüdischer Arbeiter im Anschlüsse an diese Ansiedelungen Beschäftigung hat und daß arabische Arbeiter nur zur Unterstützung der jüdischen genommen werden. Zudem ist die Frage der Arbeiteranstellung nicht eine jüdische, sondern eine ökonomische. Die unbedeutende Anzahl aus der jüngeren Generation der jüdischen Kolonisten, die von Palästina ausgewandert ist, hat dies meistens getan, um später nach Palästina zurückzukehren und sich dort mit ihren Ersparnissen Land zu kaufen. Ich behaupte, daß in einer der jüdischen Kolonien, deren Mitgründer ich war, nämlich in Samarin, der Sultan die Steuern für zehn Jahre erlassen hat, zum Zwecke des Ausgleichs der durch die Reblaus hervorgerufenen Schäden, und daß er jüdischen .Ansiedlern Land gegeben hat, um sie bei der Gründung von Kolonien zu unterstützen, die noch in Eski-Scheher in Kleinasien und an anderen Plätzen bestehen, was beweist, daß er jüdischen Ansiedlungen freundlich gegenübersteht. 3. In Erwiderung auf § 10 der besagten eidesstattlichen Erklärung bekunde ich, daß kein Gesetz besteht, wonach die dort erwähnte Anzeige ungesetzlich wäre, sondern daß irgendein Widerstand gegen ihre Veröffentlichung von dem betreffenden Zensor persönlich ausgehen muß. Eine Anzahl der anderen Zeitungen, in denen die Anzeige erschienen ist, zirkulieren frei durch ganz Palästina. 4. Nach meinem besten Wissen ist die Sicherheit des Landbesitzes in Palästina ebenso groß wie in Europa und die gesetzlichen Schwierigkeiten, die für solches Land bestehen, das Korporationen gehört, sind dieselben für Juden wie für Nichtjuden und nicht größer als in andern Ländern. Für Fremde bestehen keinerlei Schwierigkeiten, unter angemessenen Bedingungen Land zu erwerben oder Häuser zu errichten. Erst jüngst ist, wie ich selbst weiß, Land für eine Fabrik von Juden erworben worden, und ich selbst habe eine Fabrik gesehen, die von Juden ohne die geringsten Schwierigkeiten in einer der größten Städte errichtet worden ist Der verstorbene Sir Moses Montefiore kaufte vor mehr als sechzig Jahren große Flächen Land bei Jerusalem," wo jetzt nur jüdische Siedelungen errichtet sind und sich fortwährend noch ausdehnen. 5. Der Jewish Colonial Trust, dessen Aktionär ich seit vielen Jahren bin, hat vermittels seiner Tochtergesellschaft, der Anglo Palestine Company, — die gegründet worden ist, um die ökonomische und industrielle Hebung Palästinas zu fördern, — mehr als die Hälfte seines Kapitals in jüdischen Finanzunternehmungen in Palästina angelegt, die sich mit Ackerbau, Gartenbau, Häuserbau, Weidenkulturen, Orangeplantagen, Handwerk, Fabrikation und Industrien beschäftigen und deren Lage der lokalen Verwaltung der Anglo Palestine Company befriedigend erscheint und diese Bank in den Stand setzt, einen hinreichenden Nutzen aus diesen Operationen zu ziehen. 6. All die Jahrhunderte hindurch, da Juden im türkischen Reiche wohnen, haben sie sich überall vollständiger Freiheit und Beschützung zu erfreuen gehabt. 7. Die Mitglieder der Vereine,, die die English Zionist Federation bilden, stellen die große Masse der englischen Aktionäreder Bank dar. Aus Mitteilungen und Zuschriften; die ich von diesen Vereinen und Aktionären erhalten habe, bin ich in der Lage, zu sagen, daß die große Mehrheit dieser Aktionäre die Konzentration der Arbeit der Gesellschaft auf Palästina und die Nachbarländer, wie sie in dem Gesuch um Änderung des Memorandums der Gesellschaft bezeichnet sind, unterstützt und demgemäß diesem Gesuch günstig gesinnt ist. 8. Die britischen Konsularbericbte für Palästina von 1906 und 1907 sind außerordentlich günstig und zeigen eine fortschreitende Entwicklung in jeder Art Industrie, Ackerkau und Handel in Palästina und eine bedeutende Zunahme des Exports und Imports. Ich verweise auch auf eine Vorlesung, die besagter Israel Zangwill im Jahre 1901 im Article Club gehalten und als Flugschrift .unter dem Titel „Die kommerzielle Zukunft Palästinas" veröffentlicht hat. Die darin enthaltenen Ausführungen widersprechen vollständig den in seiner eidesstattlichen Erklärung gemachten Aussagen. Beschworen usw. am 5. April 1908. Moses Gaster oooooo o] AUS DER BEWEGUNG Deutschland Deutscher Delegiertentag 1908 Laut Beschluß des Zentralkomitees findet der II. Delegiertentag am Montag den 8. und Dienstag den 9. Juni (Pfingsten) in Breslau, Hotel „Vier Jahreszeiten", Gartenstraße 66/70, statt. An den Verhandlungen können die von den Ortsgruppen gewählten Delegierten sowie die Mitglieder des Zentralkomitees teilnehmen. Jede Ortsgruppe wählt einen Delegierten, Ortsgruppen von mehr als 50 Schekelzahlern zwei Delegierte und Ortsgruppen von über 100 je einen Delegierten für jedes weitere angefangene Hundert. Zwecks Feststellung der Anzahl der Delegierten und des Wahlrechtes der Ortsgruppen bitten wir um umgehende Einsendung der Schekelgelder und Landesbeiträge an unseren Schatzmeister, Herrn Max Wollsteiner. Zionistische Vereinigung für Deutschland, Zentralbureau Zionistisches A-B-C-Buch Mitte April erscheint im Verlage der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ein Zionistisches A-B-C-Buch. Das Buch stellt die beste Informationsquelle über den Zionismus und alle mit ihm zusammenhängenden Fragen dar und dürfte deshalb sowohl in zionistischen wie in nichtzionistichen Kreisen großem Interesse begegnen. Da die Auflage aus bestimmten Gründen eine ziemlich beschränkte sein muß, ist es ratsam, Bestellungen so schnell als möglich aufzügeben. Der Preis des A-B-C-Buches, das ca. 300 Seiten stark sein wird, ist auf Jl 2.75 festgesetzt; gebundene Exemplare kosten Jt 3.50. Zionistische Vereine erhalten bei Bestellungen von 10 Exemplaren an entsprechenden Rabatt. Vorbestellungen sind sobald' als möglich an das Zionistische Zentralbureau, Berlin-Charlottenburg, Bleibtreustraße 49, zu richten. Chemnitz. Unsere Ortsgruppe veranstaltete am 5. c. einen öffentlichen Vortragsabend, zu dem durch Zirkular und Inserate eingeladen worden war. Erschienen waren ungefähr 130 Personen aller Gesellschaftskreise. Der Redner des Abends, Herr Dr. Wit|- kowsky-Halensee-Berlin, sprach über „Erleben wir eine jüdische Renaissance?" Der Vortrag, dessen Glanzpunkt eine feinsinnige Analyse der jüdischen Psyche war, erregte außerordentlichen Beifall und gehörte zu den allerbesten, die wir bisher hier gehört haben. Die lebhafte und im allgemeinen sachlich geführte Diskussion drehte sich um all die Punkte, die gegen und für den Zionismus ins Feld geführt werden, und erst nahe an Mitternacht nahmdie Versammlung, die einen großen moralischen Erfolg für uns bedeutet, ihr Ende. Osterreich Bielitz-Biala. In der am 28. v. Mts. stattgefundenen Vereinsversammlung referierte Herr Professor Dr. Julius Werner in sehr instruktiver und interessanter Darstellung über moderne jüdische Mittelschulen. Von besonderer Bedeutung für den Charakter dieser Mittelschulen waren seine Ausführungen über die zurzeit noch immer bestehenden innigen Beziehungen zwischen jüdischer Nationalität und jüdischer Religion. An die Rede des Referenten schloß sich eine Debatte, an der sich die Herren Professor Dr. Stettner und Karl Borger beteiligten. Der Vorsitzende, Herr Rabinowitz, schloß mit einem kurzen Dankesworte an den Referenten die Versammlung..

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