Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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N'o. 16 DIEl| Comyany (erschienen in derselben Nummer des „Jewish Exponent"). In dieser Mitteilung erwähnt Herr Levontin die Verwendung des Nationalfonds für die Errichtung einer Agrarbank und sagt: „Das letztere Projekt entbehrt einer gesunden Grundlage. Es gibt keine Kundschaft oder Fonds, um es möglich zu machen, außerdem kann es nicht die Unterstützung des Sultans erhalten." Auch bekämpft er den Landerwerb mit den Geldern des Nationalfonds, da er die Landadministration für sehr kostspielig hält und wegen des Mangels eines jüdischen Pachtsystems. Es gibt keine jüdischen Pächter. Das Eigentumsrecht gehört vielmehr „dem Bearbeiter des Bodens. Er ist dagegen, den Nationalfonds anzugreifen, bis der Landbesitz unbestreitbar ist . Der erwähnte Bericht im „Jewish Exponent" ist nach meinem besten Glauben wahr und wird durch gleiche Berichte, die in anderen amerikanischen Zeitungen erschienen sind, bestätigt. 13. Einen weiteren Beweis für die türkische Gegnerschaft finde ich in der Tatsache, daß die Bank jüngst beschlossen hat, eine Abteilung in Konstantinopel zu errichten, und zur Überzeugung kam, daß sie nicht unter ihrem eigenen Namen dort arbeiten könne und demgemäß vermittels eines bereits dort ansässigen Bankiers namens Mitrani handelt und der letztere nunmehr unter dem Namen Anglo Levantine Company das Geschäft betreiben wird. Die Anglo Palestine Company, die eine Tochtergesellschaft des Jewish Colonial Trust ist, 20000 seiner Aktien besitzt und über einen großen Teil seines Kapitals verfügt, ist zum Zwecke des Handelsgeschäftes in Palästina gegründet worden. Sie kann kein Land in ihrem eigenen Namen besitzen und muß sich für viete ihrer Zwecke und Geschäfte Mittelsmänner bedienen. 14. Als weiteren Beweis für die Ungeeignetheit Palästinas zur - Kolonisation, führe ich an, daß fast £ 3000000 von Baron Edmund von Rothschild in die-jüdischen Kolonien in Palästina hineingesteckt worden sind und daß diese Kolonien, da sie keinerlei Zeichen von Erfolg aufwiesen, im Jahre 1899 von der Jewish Colonisation Association übernommen wurden. Der Bericht dieser Association für das Jahr 1906 liegt dieser meiner Aussage bei. Das Folgende ist eine Wiedergabe einer Stelle auf Seite 140 dieses Berichtes, worin die Association über ihre eigenen Kolonien. und über die des Barons Edmund von Rothschild folgendes sagt: „Während ein großer Teil der Kolonisten wahrscheinlich-schließlich in der Lage sein wird, von ihrer eigenen Arbeit zu leben ohne philanthropische Unterstützung, werden sehr wenige von ihnen jemals imstande sein, einen in Betracht kommenden Teil der' Kosten ihrer Ansiedlung zurückzuzahlen, und es ist ganz sicher, daß wenn nicht ein vollständiger Umschwung der ökonomischen Bedingungen des Landes eintritt, Palästina noch für eine sehr lange Zeit kein geeignetes Auswanderungsland für jüdische Arbeiter sein wird. Die einzige Produktion, die bisher Erfolg gehabt hat, ist die der Orangen, die indessen mehr eine Sache der Kapitalisten als der Bauern sein wird. Der unabhängige Arbeiter aber wird mit der Rivalität des Eingeborenen zu kämpfen haben, der bei seinen geringen Bedürfnissen sich mit einem außerordentlich niedrigen Lohne begnügen kann." Im Bericht derselben Gesellschaft für 1907 wird eine kleine Besserung der allgemeinen industriellen Lage Palästinas festgestellt, aber der Bericht schließt nach seiner Wiedergabe im „Jewish Chronicle" vom 11. Oktober 1907 folgendermaßen: „Es ist indessen nur der Schatten einer ökonomischen Existenz, und der jüdische Arbeiter ohne Kapital ist nicht sicher, Anstellung zu finden, um so mehr, da er nicht mit dem arabischen Handarbeiter konkurrieren kann. Wir müssen deshalb unsern Glaubensgenossen davon abraten, nach Palästina zu gehen, wenigstens so lange sie nicht über genügendes Kapital verfügen und fest entschlossen sind, die Mißhelligkeiten, die aus der ökonomischen und politischen Lage des Landes resultieren, auf sich zu nehmen." Ein Auszug aus dem erwähnten „Jewish Chronicle" liegt dieser meiner Erklärung bei. 15. In den sogenannten jüdischen Kolonien, auf die in den vorhergehenden Paragraphen Bezug genommen ist sind 60—80°/o der Arbeiter eingeborene Araber und überhaupt keine Juden, in Petach Tikwah sind von 1000 angestellten Arbeitern 800 Araber. Die Kolonien sind eben nicht in der Lage, die bestehende jüdische ✓Bevölkerung zu erhalten, und fortwährend zieht die jüngere Bevölkerung aus ihnen weg. Ich beziehe mich auf einen Brief von Jacobus Kann, der ein anderes Mitgüed des Engeren Aktionskomitees Ist und der einen Bericht über Palästina geschrieben hat, der in der „Welt" vom 10. Mai 1907 veröffentlicht ist, wovon ein Exemplar dieser meiner Erklärungbeiliegt. In diesem Bericht wird folgendes gesagt: „Die wirklich praktische Arbeit die wir an erster Stelle zu leisten haben, ist dem Obelstande abzuhelfen, daß es in Palästina an guten jüdischen Kolonisten fehlt Es dürfte Ihnen bekannt sein, daß manche junge Leute aus den Kolonien nach Amerika und sonstwo auswandern. Welches ist die Ursache? Die Antwort darauf £ELT - 33 ist nicht so einfach, denn es sind viele Ursachen, die alle dazu beitragen, daß eine Auswanderung nach Amerika auf diese jungen Leute einegrößere Anziehungausübtals die Ansiedelung im Heiligen Lande." 16. Ich beziehe mich des weitern auf „Die Welt" vom 19. Juli 1907r von der ein Exemplar dieser meiner Erklärung beiliegt, und worin Herr Kann sagt: „daß es notwendig ist, von der türkischen Regierung die Aufhebung des Judeneinwanderungsverbotes zu erlangen. Solange dieses Verbot nicht aufgehoben ist kann die jüdische Einwanderung jeden Augenblick gehindert werden." Ihrem Erlasse gegen die Einwanderung fügte die .Pforte im Jahre 1900 einen weiteren Erlaß hinzu, der jüdischen Besuchern verbot, für einen längeren Zeitraum als 3 Monate in Palästina zu bleiben. 17. Mit Bezug auf die anderen Länder, für die vorgeschlagen ist die Tätigkeit der Bank zu beschränken, sage ich bezüglich der Sinai Halbinsel, daß im Jahre 1903 dorthin von Dr. Herzl eine Expedition entsandt worden ist und daß nach dem von mir zusammengestellten Kolonisationsplan diese Wüste völlig untersucht und erforscht und als völlig aussichtslos aufgegeben wurde. 18 Mit Bezug auf Zypern, ein anderes der Länder, auf welches die Tätigkeit der Bank zu beschränken vorgeschlagen ist verweise ich auf folgende Tatsachen. Die Jewish Colonisation Association hat dort eine kleine Kolonie von ein paar Dutzend Farmern. Der Bericht von 1906, der dieser meiner Aussage beiliegt besagt auf Seite 89, und tatsächlich ist es so, daß dort sehr wenig Land verfügbar und der Erwerb neuen Landes schwierig ist Es heißt dort: „Unsere russischen Glaubensgenossen können nicht darauf rechnen, sich leicht in Zypern ansässig zu machen oder dort Arbeit zu finden, und wenn sie in großer Anzahl kämen, würden sie sich gewissen unangenehmen Konsequenzen aussetzen." 19- Wenn ich von meinen eigenen Studien über diese Angelegenheit sprechen soll, so bin ich in der Lage, positiv zu behaupten, daß es sehr viele andere Plätze in der Welt gibt, wo für eine Kolonisation viel größere Möglichkeiten sind, als augenblicklich in dem Gebiet existieren, auf welches die Gesellschaft ihre Tätigkeit zu beschränken wünscht. In mehreren dieser Länder mögen die politischen Schwierigkeiten ebenso groß sein wie in Palästina, aber wenigstens bestehen dort keine gesetzlichen Hindernisse und herrscht dort Sicherheit des Landbesitzes und Freiheit der ökonomischen Entwickelung. Zum Beispiel bestehen viel größere Kolonisationsmöglichkeiten in vielen Teilen von Nord- und Südamerika, wo in manchen von ihnen die Jewish Colonisation Association Kolonien errichtet hat Ebenso bestehen bessere Möglichkeiten in Australien, während die Jewish Territorial Organisation einen vielversprechenden Plan in Nordafrika verfolgt, dessen genaue Ortsbestimmung gegenwärtig noch nicht feststeht Die British South Africa Company hat ihre Bereitwilligkeit erklärt, mit der Jewish Territorial Organisation bezüglich des Erwerbs einer Provinz in Rhodesia in Unterhandlungen einzutreten. 20. Zur Bekräftigung meiner Behauptung, daß der Vorschlag auf Beschränkung der Tätigkeit der Gesellschaft von einer Anzahl zionistischer Führer bekämpft wird und daß es die durchaus übereinstimmende Meinung des Direktoriums des Trust ist, daß die Sache fallen gelassen werden soll, verweise ich auf folgende Dokumente : A) Brief von.Mr. Leopold Kessler, Mitglied des Aktionskomitees und des Aufsichtsrats des Jewish Colonial Trust veröffentlicht im „Jewish Chronicle" vom 24. Januar 1908. B) Brief von Mr. L. J. Greenberg, Direktor des Jewish Colonial Trust Mitglied des Aktionskomitees und Manager des Nationalfonds, veröffentlicht im „Jewish Chronicle" vom 31. Januar 1908. Q Brief von obengenanntem Leopold Kessler, veröffentlicht im „Jewish Chronicle" vom 7. Februar 1908. D) Brief von Mr. Josef Cowen, Direktor des Jewish Colonial Trust im „Jewish Chronicle" vom 7. Februar 1908. E) Brief von Mr. S. Goldreich, Präsident der South African Zionist Federation, Mitglied des Aktionskomitees, veröffentlicht im „Jewish Chronicle" vom 7. Februar 1908. F) Brief, unterschrieben „Ein Aktionär", veröffentlicht im „Jewish Chronicle" vom 14. Februar 1908. G) Brief, geschrieben von fünf Zionisten aus Bloemfontein, von dem ein Auszug erschien im „Jewish Chronicle" vom 13. März 1908. Diese Briefe oder Kopien davon liegen dieser meiner Erklärung bei. Der obengenannte S. Goldreich ist dieselbe Persönlichkeit, die früher eine eidesstattliche Erklärung zugunsten der Abänderung abgegeben hat, und ich glaube, daß er die Ansichten der südafrikanischen Aktionäre der Bank vertritt, wie er in seiner vorhergehenden eidesstattlichen Erklärung auch gesagt hat 21. Ich unterstütze und bestätige vollauf die von obengenanntem Leopold Kessler in seiner im „Jewish Chronicle" ver-