Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. Israel Zangwill, als opponierender Aktionär, sagte: Ich bin bisher, noch nie als Partei vor einem Gericht erschienen, aber heute fühle ich mich dazu gezwungen durch mein Gerechtigkeitsgefühl und das Interesse des jüdischen Volkes. Obgleich die Kolonisation Palästinas "den bestechendsten und eigentlichsten Teil ihres Planes bildete,; war sie doch nicht ,das einzige Ziel der Bank. Palästina ist nicht der ganze Zionismus. Seine Ziele sind, wie das Memorandum beweist, nicht auf Palästina und Syrien beschränkt Zionismus ist größer als Palästina. Ich bin nicht hier, um meine Reden zu verteidigen, aber ich hoffe, mit jedem Jahre verständiger geworden zu sein, wenn ich auch in meinen Ansichten gar nicht schwankend war. Ich habe mich niemals von Palästina getrennt, aber anstatt dort müßig vor verschlossenen Türen zu sitzen, "denke, ich, sollten wir versuchen, einen andern Weg zu finden. Auf dem Zionistenköngreß im Haag sind viele Redner leidenschaftlich dafür eingetreten, daßdas Gesuch um Abänderung zurückgezogen werden sollte. Diegroße Mehrheit der Aktionäre weiß gar nichts von der Abstimmung. Die Ausgabe der vom Gerichtshofe bestimmten Anzeigen stellte mehr ein Spiel mit diesem Problem dar. Die Gesellschaft muß bei den Original stetuten beharren, wenn sie keine Mittel hat, alle Aktionäre zu benachrichtigen. Nirgends ist man mehr von der Unmöglichkeit einer Kolonisation Palästinas überzeugt, als in Palästina selbst Es kann nicht überraschen, daß die Gesellschaft von 16000 Aktionären Stimmen für die Abänderung erhalten hat aber überraschen muß es, daß es nicht mehr sind. Und wenn ich der einzige opponierende Aktionär wäre, würde ich ebenso Gerechtigkeit verlangen, meine Argumente basieren nicht auf Zahlen. Es ist gar kein wirkliches Bedürfnis nach einer Abänderung vorhanden. Nicht ein einziger Acre Land in Palätina ist von der Gesellschaft kolonisiert worden,, nicht ein einziger Mann dort angesiedelt worden. Es leben wohl Juden in Palästina, aber unter unmöglichen Bedingungen, lediglich infolge von Bakschich geduldet Wenn die Abänderung geschehen sein wird, ist das Geld der Aktionäre verloren- Wir wollen nicht schmutziges Wasser wegschütten, ehe wir reines haben. Kolonisation irgendwo wird am Ende nach Palästina führen, sie wird ein Mittel zum Zweck sein. Die Welt schließt sich mehr Tag um Tag, und wir verlieren jede Chance der Kolonisation und der Emigration. Mein heißester Wunschist es, die Majorität mit der Minderheit zusammenarbeiten zu sehen, an der Kolonisation des jüdischen Volkes. Die gegenwärtige Mehrheit ist nur eine zeitweilige und wird vergehen. Ich bitte den Richter, der Gesellschaft nicht zu gestatten, Selbstmord zu begehen, dadurch, daß sie ihre Statuten ändert Mr. Upjohn legte ein zweites Affidavit des Herrn Neumann vor, das die Zeitungen aufzählt in denen die Inserate erschienen sind und über das Ergebnis der Abstimmung folgende Mitteilung macht: Bis zum 2. März, dem gerichtlich festgesetzten Endtermin der Abstimmung, haben abgestimmt: 11986 Aktionäre mit 40 036 Aktien für die Abänderung und 1848 Aktionäre mit 6143 Aktien gegen die Abänderung. Nach dem 2. März sind* noch eingegangen die Abstimmungen von 3960 Aktionären mit 10 054>Aktien für und von 287 Aktionären mit 2007 Aktien gegen die Abänderung. Außerdem stimmten auf Postkarten für die Abänderung vor dem 2. März 58 Aktionäre mit 103 Aktien und nach diesem Termin 22 mit 32 Aktien, dagegen 308 mit 1167 resp. 44 mit 109._ 20 Aktionäremit 108 Aktien widerriefen ihre zugunsten der Änderung bereits abgegebenen Stimmen. Insgesamt haben also für die Abänderung gestimmt 16006 Aktionäre mit 50 117 Aktien, dagegen 2487 Aktionäre mit 9426 Aktien. 299 Abstimmungen mit 892 Aktien waren ungültig. Donnerstag nachmittags ergriff Mr. Upjohn das Wort zur Entgegnung. Er wandte sich gegen die Unterstellung des gegnerischen Anwalts, daß die Bank „unterirdische Einflüsse" bei der Stimmabgabe angewendet habe. Durch die Abänderung komme das Memorandum in Einklang mit der gegenwärtigen zionistischen Politik und erstehe Frieden innerhalb der Organisation. Mr. Jessel brachte hierauf einen Eventualantrag ein, wonach für den Fall, daß zugunsten der Abänderung entschieden werde, die Bank verpflichtet werden solle, die gegnerischen Aktionäre -auszukaufen. Die Verhandlung wurde-spät nachmittags geschlossen. Der Richter erklärte, daß er sich seine Meinung schon gebildet habe, indessen mit Rücksicht auf die Bedeutung der Sache das Urteil schriftlich niederlegen ""wolle und es im Laufe der nächsten Woche verkünden werde. , . Eidesstattliche Erklärung von Mr. Israel Zaugwill Ich, Israel ZangwilL 3 Hare Court Temple, London, Schriftsteller, leiste einen Eid und bekunde folgendes: 1. Die Anzeigen, die das Gericht mit Bezug auf die Abänderung der Statuten zu veröffentlichen angeordnet hatte, konnten, da sie nur in einigen wenigen Zeitungen in jedem Erdteil erschienen, die Mehrheit der Aktionäre, die in kleinen Gruppen über alle Teile der Welt verstreut wohnen, nicht erreichen. Ich selbst der ich mich doch für die Angelegenheit ganz besonders interessierte und nach dem Erscheinen der Anzeigen Ausschau hielt, übersah sie bei ihrem einzelnen Erscheinen in den verschiedenen Zeitungen. Ich werde in der Anschauung,, daß die Anzeigen der Mehrzahl der Aktionäre nicht zu Gesicht kamen, unterstützt durch den von E. Guilaroff an den „South African Jewish Chronicle" gerichteten Brief vom 2. Dezember 1907, von dem eine Kopie dieser Erklärung beigefügt ist, sowie durch die Informationen, die ich als Antwort auf meine Anfragen erhalten habe, die ich an bei der Bewegung interessierte Freunde richtete. 2. Bis Mitte Februar 1908 scheint die Anzeige die Orange River Colony nicht erreicht zu haben, aus welchem Lande 58 Stimmen gegen die Abänderung am 9. März in England eintrafen. Geraume Zeit nachdem die Anzeige in England erschienen war, schrieb ich immer noch den Aktionären, die sich der Abänderung zu widersetzen wünschten, daß die Sache offenbar fallen gelassen worden sei, da die Anzeige mir nicht zu Gesicht gekommen wäre. Woimmer ich Gelegenheit hatte, die Wirkung dieser Anzeige zu prüfen, fand ich, daß sie nicht gesehen worden war. Zum Beispiel teilte mir Mr. Frederick Braby J. C. S. J. G. S. aus Bushey Ledge Jeddington, Besitzer von 50 Aktien, mit daß er, wenn ich nicht selbst seine Aufmerksamkeit auf die Sache gelenkt hätte, in absoluter Unkenntnis darüber geblieben wäre, daß die Aktionäre aufgefordert wurden,' ihre Meinung abzugeben. 3. Zu meinen Bekundungen darüber, daß die Anzeigen die Aktionäre nicht erreicht haben, möchte ich noch hinzufügen, daß. ich und die Mehrheit derjenigen, die bereit waren, mit mir zu stimmen, dadurch irregeführt wurden, daß der Jewish Colonial Trust es versäumte, mit der Veröffentlichung der Anzeigen unmittelbar nach der dieserhalb erlassenen Order des Richters zu beginnen. Statt die Insertion vorzunehmen, brachte der Jewish Colonial Trust die ganze Angelegenheit vor den Zionistenkongreß, der vom 14. bis 20. August 1907 im Haag tagte. Die. Frage, ob die ganze Angelegenheit überhaupt weiter verfolgt werden sollte, wurde vom Kongreß sehr hitzig und widerspruchsvoll diskutiert Dr. Katzenelsohn, der Vorsitzende des Direktoriums des Jewish Colonial Trust hielt eine lange Rede, in der er sehr viele Gründe für das Fallenlassen der Sache vorbrachte. Ein wahrheitsgetreuer und genauer Bericht über die Debatte erschien in der Zeitschrift „Die Welt" (dem offiziellen Organ der zionistischen Bewegung) am 19. August 1907; eine Kopie davon liegt dieser Erklärung bei. Ich bin mit der deutschen Sprache so gut vertraut wie mit der englischen und habe eine Übersetzung und einen Auszug der wichtigsten Punkte dieser Debatte angefertigt und diese Obersetzung und den Auszug dieser Erklärung beigelegt In seiner Entgegnung auf diese Debatte sagte Dr. Katzenelsohn: „Man kann sich wohl denken, daß man eine Erweiterung verlangt, um seine Tätigkeit zu vergrößern; aber welcher vernünftige Kaufmann wird sich selbst Rechte wegnehmen, die er bereits besitzt? Wer wird mehrere Tausend Pfund ausgeben, um einen Satz der Statuten zu streichen und sich selbst eines Rechtes zu berauben?* Eine Anzahl von Aktionären des Jewish Colonial Trust unterstützte den Vorsitzenden in seinem Eintreten für das Fallenlassen der Sache. Darunter waren die Herren Joseph Cowen, einer der Direktoren, Greenberg, ein anderer Direktor, und Kessler, ein Mitglied des Aufsichtsrats der Bank und des Aktionskomitees. Herr Wolffsohn, der Präsident der zionistischen Bewegung, zeigte gleichfalls, daß er gegen die Fortsetzung der Sache war. Als Resultat der Debatte wurde mit 130 gegen 102 Stimmen* beschlossen, die Angelegenheit dem Engeren Aktionskomitee und drei juristischen Sachverständigen zu überlassen. ' 5. Infolge der oben erwähnten Resolution hielten es die Gegner der Abänderung für erwünscht die Entscheidung des Aktionskomitees und der drei Sachverständigen abzuwarten, da wir lebhaft wünschten, die Kosten der Angelegenheit nicht zu erhöhen, Kosten, die am Ende .durch das Zurückziehen der Sache vermieden werden konnten. Bei einer Veisammlung des Großen Aktionskomitees am 6. Januar 1908 in Berlin legte das Engere Aktionskomitee, das aus den drei Fühiern der zionistischen Bewegung besteht,, einen Bericht vor, der in der „Welt" vom 10. Januar 1908 abgedruckt ist und dieser Erklärung beiliegt Das Folgende ist eine Ubersetzung desjenigen Teils, der sich auf die hier in Rede stehende Angelegenheit bezieht: „Bisher war eine Zusammenkunft der drei juristischen Sachverständigen unmöglich. Indessen haben wir, um nichts zu versäumen, die vom Richter vorgeschriebenen Anzeigen in den Zeitungen erlassen, worin die Aktionären aufgefordert werden,