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Die Welt · 1908-04-15 · 16 (15.4.1908) · page 28

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 28)
Language
German
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SPEZIALBERICHT ÜBER DIE GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN ABÄNDERUNG DER BANKSTATUTEN Die ursprünglich auf Dienstag den 7.-April angesetzte Verhandlung in Sachen des von Israel Zangwill, Clement Salaman u. ä. gegen die beschlossene Statutenänderung der Jüdischen Kolonialbank eingelegten Protestes wurde auf Mittwoch den 8. vertagt. Der Prozeß fand vor Mr. Justice Eve statt. Den Verhandlungen wohnten u. a. bei: Herr und Frau Wolffsohn, Dr. Gaster, L. J. Greenberg, Joseph Cowen, H. Neumann (Sekretär der Bank), Israel Zangwill, Clement Salaman. Als Vertreterder Parteien fungierten: für den Jewish Colonial Trust, Mr. Upjohn, K. C. und Mr. Clauson; für die nichtenglischen Aktionäre: Mr. Lawrence, K. C. und Mr. Cartmell; für die englischen Aktionäre (vertreten durch die English Zionist Federalion) Herbert Bentwich; für die Gegner der Abänderung: Mr.. Albert Jessel, K. C. und Mr. Yudah Israel. Zunächst erhielt Mr. Upjohn für den Jewish Colonial Trust das Wort und führte aus, unter den Aktionären sei eine tiefgehende Strömung für Abänderung des .Memorandums der Bank, damit dieses in Einklang gebracht werde mit den tatsächlichen Zielen des Zionismus. Dieses Ziel sei, eine, jüdische Heimstätte in Palästina und seinen Nachbarländern zu finden. Schon sei mehr als die Hälfte des Kapitals des Jewish Colonial Trust in finanziellen jüdischen Unternehmungen in Palästina angelegt. Nichts von ihrem Kapital sei außerhalb Palästinas festgelegt, und bei der Gründung der Bank sei es auch nicht beabsichtigt gewesen, daß irgendwelche Gelder außerhalb Palästinas angelegt werden sollten. Auf zwei SpezialVersammlungen im Jahre 1906 wurde eine Resolution für die Abänderung des Memorandums angenommen. Dieses Gesuch wurde im Juli 1907 vor Mr. Justice Kekewich verhandelt, der anordnete, daß sein Inhalt im weitesten Umfange durch Anzeigen bekannt gegeben werden sollte," um die Meinungen der Aktionäre kennen zu lernen. Mr. Justice Kekewich ordnete an, daß die Anzeigen in 48 Zeitungen in verschiedenen Teilen der Welt wo Zionisten wohnen, erscheinen sollten. Da 5 dieser Zeitungen inzwischen ihr Erscheinen eingestellt hatten, konnten die Anzeigen nur in 43 erscheinen. Die Anzeigen enthielten Vorlagen zwecks Zustimmung oder Ablehnung des Gesuchs, die bis zum 2. März 1908 unterschrieben und eingereicht sein mußten. Danach ergab sich, daß die Zahl der Aktionäre, die für die Abänderung stimmten, fünfmal so groß war, wie die der Gegner. Die Ordre des Mr. Justice Kekewich ist unter beträchtlichen Kosten vollständig ausgegeführt worden. Auf diese Weise mußte die Ansicht der Mehrheit der Aktionäre zur. Geltung kommen, - oder was hätte es sonst für einen Zweck gehabt überhaupt die Aktionäre zu befragen. Der Gerichtshof wollte Gewißheit darüber haben, daß die Aktionäre vollauf Gelegenheit gehabt hätten, sich darüber klar zu werden, um was es sich handelte, und ihre Ansicht darüber zum Ausdruck zu bringen. Der Gerichtshof wollte sich ferner darüber vergewissern, daß weder der Minorität, noch der Öffentlichkeit, noch den Gläubigern der Gesellschaft irgendwie Unrecht geschehe. Unter Zugrundelegung dieser drei Bedingungen wolle er (Upjohn) beweisen, daß man zugeben müsse, daß die Ansicht der Majorität die Oberhand behalten habe. Zum ersten seien die Ziele der Bank so weitläufig dargestellt, daß sie einer großen Zahl Leute, deren Anschluß erwünscht sei, nicht entsprächen. Durch Beschränkung der "Statuten würde man die Sympathie vieler Leute gewinnen, die zwar dem zionistischen Ideal anhingen, sich aber durch die gegenwärtige Konstitution der Bank davon abgestoßen fühlten. Mr. Upjohn verlaß Auszüge aus der Jewish Encyclopedia, dem Pentateuch, Psalm 137, den Prophezeihungen des Jesaias, und Dr. Nordaus Broschüre über den Zionismus, um damit die uralte Grundlage der zionistischen Idee und die unauslöschlische Ergebenheit mit der auch die heutigen Juden an Palästina hängen, zubelegen. Arbeit außerhalb Palästinas zugunsten der Juden ist Philanthropie, aber nicht Zionismus. Drei oder vier Monate nach der Gründung der Bank faßten die Aktionäre bereits Resolutionen zugunsten einer Abänderung, aber bis zum Jahre 1903 geschah nichts in dieser Sache, bis die englische Regierung den Zionisten ein Territorium in Ostafrika anbot Damals entstand die Besorgnis, zionistische Fonds möchten außerhalb Palästinas verwandt werden. Im Jahre-1905 wurde die ITO gegründet zum Zwecke der Ansiedlung von Juden in irgendeinem Teile der Welt und idealgesinnte Zionisten bekamen Furcht ihre eigene Bewegung möge dafür ausgenutzt werden. Hierauf verlas Mr. Upjohn Auszüge aus dem Bericht des Britischen Konsuls in Palästina vom Jahre 1906 und aus einer Rede Zangwflls aber die kommerzielle Zukunft Palästinas, wonach Palästina für Kolonisation hervorragend geeignet ist, seine Aussichten ausgezeichnet sind und der-Sultan diesen jüdischen Unternehmungen sehr sympathisch gegenübersteht - ' Sodann überreichte Mr. Upjohn ein Affidavit (eidesstattliche Aussage) des Sekretärs Neumann, sowie eine solche *des Herrn Dr. M. Gaster für die Abänderung. In der Nachmittagsverhandlung führte Herr Bentwich als Vertreter der englischen Aktionäre aus, daß der Beschluß des Kongresses von 1905 wegen des Ostafrikaangebots jede Kolonisation außerhalb Palästinas sowohl als Zweck wie als Mittel ablehnte. Mr. Jessel, Vertreter der Gegenpartei, behauptete, daß nach der Haltung der türkischen Regierung eine kolonisatorische Tätigkeit in Palästina unmöglich sei, und daß darum viele eine unmittelbare Siedelung wünschten, so wie die, die in Ostafrika hätte stattfinden sollen. Viele haben der Bank ihr Geld gegeben gemäß dem ursprünglichen Texte des Memorandums, und diesem Text gemäß war auch das Ostafrikaprojekt Die Anglo-Palestine Company, durch die der Trust arbeite, habe dieselben Befugnisse wie dieser selbst aber es wurde noch nie versucht auch deren Machtbefugnisse einzuschränken. Der Richter: Aber die A. P. C. kann nur als eine Abteilung des Trust arbeiten und kann nur handeln gemäß den Anordnungen dieser Gesellschaft. Mr. Jessel: So hoffnungslos ist es, irgendetwas in Palästina zu erreichen, daß der Zensor die Veröffentlichung der Anzeige, betreffend die Statutenänderung, die bestimmungsgemäß in Palästina _ erscheinen sollte, nicht zulassen wollte. Die Gegner der Abänderung fürchten, daß viele Jahre lang der Trust in Palästina nichts wird unternehmen können, und daß ihr Geld demgemäß verschleudert werden wird. Der Richter: Es scheint mir, daß eine Trennung der Geister unter den Zionisten stattgefunden hat Einige -sind für den direkten Weg, Palästina, andere wollen unmittelbare Hilfe. Sollte nicht das finanzielle Instrument nach dem Willen des Schöpfers und der Meinung der Majorität geleitet werden? Mr. Jessel: Aber die Minorität von heute kann die Majorität der Zukunft sein. Der Richter: Warum schließen Sie,, auf eine mögliche Änderung der Stimmung? Mr. Jessel: Das ist eine Tatsache. Im Jahre '1903 hätte der Kongreß keine Expedition nach Ostafrika entsandt wenn auch die Kosten nicht von der Organisation bestritten wurden, wenn er nicht die mögliche Gründung einer Kolonie dort im Auge gehabt hätte. Wenn das Memorandum geändert ist würde der Zionistenkongreß nicht in der Lage sein, ein ähnliches Angebot in Erwägung zu ziehen, das ihm etwa in der Zukunft angeboten würde. Die Gegner der Abänderung sagten: Laßt die Dinge, wie sie sind, vielleicht wird sich die Sachlage ändern. Sodann verlas Mr. Jessel zwei eidestattliche Erklärungen von Mr. Salaman und Mr. Zangwill gegen die Abänderung. Des weitern führte Mr. Jessel aus, der Grund, warum erwünsche, daß das Gesuch wegen Abänderung abgelehnt werde, sei erstens, weil ein großer Teil der Aktionäre dagegen sei, und zweitens, weil die Abänderung d'e Zionisten hindern würde, irgend etwas Praktisches zu unternehmen. Der Gerichtshof möge weiser sein als die Majorität der Aktionäre, die für die Abänderung gestimmt hat Der Richter: Aber" so lange das* Memorandum den Idealen der Zionisten nicht entspricht mangelt der Gesellschaft deren Sympathie. Mr. Jessel: Aber wir behaupten, daß der Trust jetzt nichts unternehmen kann, und wenn sein Kapital um weitere 250000 £ angewachsen ist kann er immer noch nichts tun, solange als die türkische Haltung so bleibt, wie sie ist Hierauf wird die Verhandlung auf Donnerstag vormittag vertagt Verhandlung am Donnerstag Mr. Yudah Israel, Rechtsanwalt der opponierenden Aktionäre, führte "aus: Die vorgeschlagene Änderung verletzt berechtigte Interessen und verdreht Kolonisation in Emigration. Die Änderung liegt nicht im Allgemeininteresse der Aktionäre. Die Abstimmungsmehrheit ist in keiner Beziehung eine Mehrheit der Aktionäre überhaupt Mehr als drei Viertel der Aktionäre haben überhaupt nicht abgestimmt sondern haben es dem Gericht überlassen, zu entscheiden. Wenn die Sache zweifelhaft ist muß der Richter der Minorität die Wohltat des Zweifels zukommen lassen.

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